Michael Ballack

05. Mai 2012 11:37; Akt: 10.05.2012 16:33 Print

Der ewige Zweite tritt durch die Hintertür ab

von Monika Reinhard - Michael Ballack bestritt mit Bayer Leverkusen sein Abschiedsspiel in der Bundesliga. Obwohl er gegen Nürnberg noch einmal in der Startelf stand, war es ein wenig würdevoller Abgang für den «Capitano».

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Michael Ballack verabschiedete sich bereits am vergangenen Wochenende beim letzten Heimspiel vom Publikum. (Bild: Keystone/AP)

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«Sportlich waren die zwei Jahre in Leverkusen für mich zum Vergessen», sagte Michael Ballack vor seinem letzten Einsatz für die Werkself. Der «Capitano», der einstige Leitwolf der deutschen Nationalelf, hatte sich die Rückkehr zu seinem Ex-Klub anders vorgestellt. Die Erwartungen an den 98-fachen Internationalen waren gross, doch diese konnte Ballack von Beginn weg nicht erfüllen. Zudem liessen ihn Verletzungen gar nie richtig in Leverkusen ankommen. Zu guter Letzt überwarf sich der heute 35-Jährige auch noch mit (Ex-)Trainer Robin Dutt.

In nur 15 von 34 seiner Bundesliga-Partien seit der Rückkehr spielte der Beidfüsser durch. Das letzte Mal vor viereinhalb Monaten. Auf 17 Einsätze kommt Ballack in der laufenden Spielzeit (2 Tore). Das heisst, im Schnitt kam er in jeder zweiten Partie des Bundesliga-Fünften zum Zug. Immerhin durfte er zuletzt zweimal in Folge ran. Gegen Hoffenheim und Hannover 96 setzte ihn Interimstrainer Sascha Lewandowski jeweils rund eine halbe Stunde ein.

Bis zum Anpfiff war es unklar, ob Ballack heute beim 1. FC Nürnberg überhaupt noch zu seinem insgesamt 267. Bundesliga-Einsatz kommen wird. Allerdings war es fast unvorstellbar, dass Leverkusen einem grossen Spieler einen Abgang auf dem Platz verweigert. Allen Streitereien zum Trotz. Es wird ohnehin nur der Abschied durch die Hintertür sein. Und siehe da: Lewandowski brachte Ballack in der Startelf. Was der 35-Jährige in Zukunft machen wird, ist ungewiss. Ein Wechsel nach Amerika steht im Raum, konkret ist aber noch nichts.

Zum Einstieg ein Meistertitel

Ballack lancierte seine Karriere in der Saison 1997/98 beim 1. FC Kaiserslautern - und gewann in seiner Debütsaison prompt den Meistertitel. Zwei Jahre später wechselte er zu Bayer Leverkusen, wo er endgültig den Durchbruch schaffte. Der Mittelfeldspieler war während drei Jahren der Kreativakteur des Bundesligisten, schoss 27 Liga-Tore und 9 weitere in europäischen Wettbewerben.

Hier begann Ballack aber auch mit dem Sammeln von Vize-Meistertiteln, bis heute haftet ihm der Ruf des ewigen Zweiten an: Zweimal wurde Ballack mit Leverkusen Vize-Meister, einmal verschuldete er gar mit einem entscheidenden Eigentor den Verlust der Meisterschaft. 2002 war er mit Leverkusen im Champions-League-Final - doch für den grossen Coup reichte es nicht.

Titel mit Bayern und Wechsel auf die Insel

Im selben Jahr wechselte Ballack zu Liga-Konkurrent Bayern München, wo er mehr Erfolg hatte: In vier Jahren holte er mit dem Rekordmeister dreimal das Double. 2006 zog es den damaligen Captain der deutschen Nationalmannschaft dann auf die Insel. Der FC Chelsea hatte angeklopft. Mit den «Blues» schaffte es der Mittelfeld-Akteur 2008 zum zweiten Mal in den Final der Königsklasse - doch wieder hatte Ballack das Nachsehen. Manchester United gewann im Penaltyschiessen. Immerhin holte der Deutsche in seiner letzten Saison bei Chelsea 2010 noch den Meistertitel – bevor er den Klub verlassen musste. Es folgte die Rückkehr nach Leverkusen.

Kein Titel mit der Nationalelf

In der Nationalmannschaft debütierte Ballack am 28. April 1999 gegen Schottland. Es folgten insgesamt 98-Einsätze für die DFB-Elf, in welchen er 42 Tore erzielte. Ballack bestritt drei Europa- und zwei Weltmeisterschaften, nach der Euro 2004 wurde er zum Captain des Nationalteams ernannt. Eine Bilderbuchkarriere - mit einem Manko: Auch - oder besonders - mit dem Nationalteam schrammte Ballack an den Titeln vorbei. 2002 Vize-Weltmeister (bitter: im Final war der Leitwolf der Deutschen gesperrt), 2008 Vize-Europameister. Dazu der 3. Platz an der WM 2006 im eigenen Land.

Hart war das Verpassen der WM 2010 in Südafrika: Ballack zog sich kurz vor dem Turnier einen Bänderris zu. Nachdem er sich wenig später erneut verletzte, verkündete Bundestrainer Joggi Löw Mitte Juni 2011, dass er künftig ohne den Routinier plane. Als der Coach Ballack ein Abschiedsspiel offerierte, warf dieser Löw Scheinheilligkeit vor und lehnte ab. Auch hier gab es also einen unwürdigen Abgang für den «Capitano». Wie nun in Leverkusen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ufixup am 05.05.2012 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    boaboaboa tentengteng

    sollte ich jetzt mitleid haben? der arme millionär! kriegt den hals nicht voll und will jetzt in die rentnerliga mls! hör doch einfach ganz auf! niemand will dich spielen sehen ballack!

    einklappen einklappen
  • Kurt Nehmer am 05.05.2012 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    All the best Capitano

    Grossartiger Fussballer, der viel Pech hatte und so leider eine viel erfolgreichere Karriere verpasst hat. Schade, solch "besondere" Typen braucht der Fussball eingentlich viel mehr.

  • Chris Töpfer am 05.05.2012 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ciao Micha

    Alles Gute Capitano. Wir werden dich vermissen!!!! Trotzdem hat er sicher mehr erreicht wie alle CH-Fussballer zusammen!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • The Dude am 07.05.2012 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ossis sind die besten...

    Yea Micha!

  • Jay Khan am 06.05.2012 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    :( Schade

    :( Ohje der arme Michael Ballack. Ich wünsche dir alles gute im weiteren Lebensweg. Egal welchen Platz du in der Vergangenheit belegt hast, in meinem Herzen bist du immer die Nummer 1!!! 3

  • Hanspeter T. am 06.05.2012 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Grandios und tragisch!

    Erinnert Ihr Euch noch an 2002? Da hat er sämtliche 2. Plätze belegt, die man belegen kann: Bundesliga Platz 2, DFB-Pokalfinale verloren, CL-Finale verloren, Vize-Weltmeister. Die beste Nummer 2, die es gibt!!!

  • Chris Töpfer am 05.05.2012 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ciao Micha

    Alles Gute Capitano. Wir werden dich vermissen!!!! Trotzdem hat er sicher mehr erreicht wie alle CH-Fussballer zusammen!!!

  • Marc Fluri am 05.05.2012 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Michael..

    Er war eine grosse Bereicherung für den deutschen Fussball, hat Spiele als Capitano geführt und entschieden. Nicht immer liegt das Wie und Wann des Abschiedes beim Spieler alleine, da die Berater mitverdienen. Danke Michael..