WM-Vergabe im Visier

13. Dezember 2011 12:13; Akt: 13.12.2011 14:27 Print

Der lange Arm des FBI

Die amerikanische Bundespolizei untersucht die Vergabe der Fussball-WM 2022 an Katar. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Ermittlungsbehörde in Sportskandale einmischt.

Bildstrecke im Grossformat »
1995 kam Emir Hamad bin Khalifa al Thani durch eine Palastrevolution gegen seinen Vater an die Macht. Seither hat sich der Wüstenstaat Katar zu einem der reichsten Staaten der Welt entwickelt. Geld ist kein Problem. Viel davon fliesst in den Sport. Maradona und Erzfeind Pele wurden 2005 angeblich für eine sechstellige Summe zu einer Einweihung einer Sport-Academy eingeladen. Brasilien und Argentinien trugen kürzlich im «Scheich-Khalifa-Internationak-Stadion» in Doha ein Freundschaftsspiel aus. Beide Teams erhielten eine Million Antrittsprämie. 2006 fand mit den Asian Games der erste Grossanlass im Kleinstaat statt. Die Wettkämpfe mit olympischen Charakter liefen reibungslos ab, als hätte Katar seit Jahren Übung mit solchen Veranstaltungen. Nächstes Jahr wird der Asian Cup - das asiatische Pendent zur Fussball-Europameisterschaft - im Wüstenstaat ausgetragen. Dieser dient als erster Testlauf für die WM 2022. Nebenbei finden in Doha auch Formel-1- und Töff-Grand-Prixs sowie Tennisturniere statt. Grosse Reisestrapazen müssen die Fussballfans nicht auf sich nehmen. Fünf der sieben Spielorte liegen im Umkreis von 25 Kilometern. Total sind zwölf Stadien geplant. Vier davon in Al-Rayyan, drei in der Hauptstadt Doha. Neun Stadien werden neu gebaut, drei modernisiert. In zwölf Jahren werden im Wüstenstaat mit Bestimmtheit die modernsten Stadien der Welt stehen. Bis dann dürfte sich auch die Diskussion um den Umweltschutz gelegt haben. Wegen Temperaturen von rund 45 Grad Celsius kühlen die Organisatoren die Stadien und Trainingscenter mittels Sonnenenergie auf 27 Grad Celsius. Die Mehrheit der rund 1,5 Millionen Einwohner des Staates am Persischen Golf ist fussballbegeistert. Jedoch eher vor dem Fernseher als im Stadion. Spiele der «Katar Stars League» finden meist vor wenigen Zuschauern statt. Die Kataris interessieren sich für den westlichen Fussball. Vor allem für jenen der Premier League in England. Mit der WM 2022 wird sich das Bild in Katars Stadien wohl ändern. Auch die Einwohner des Wüstenstaates möchten die Spiele in den Stadien erleben. Die Kriminalitätsrate in Katar ist sehr gering. Man kann in der Nacht ohne Bedenken durch die Strassen laufen. Wegen dem Alkoholverbot - das zur WM gelockert werden soll - gibt es auch keine Pöbeleien oder Schlägereien unter Betrunkenen. Generell sind die Gesetze im Wüstenstaat viel härter als in westlichen Staaten. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden schon bei geringsten Mengen und bei jeder Art von Drogen mit langjährigen Gefängnisstrafen - bis 30 Jahre - geahndet. Die WM-Spiele 2022 werden in der westlichen Hemmisphäre zu normalen Tages- und Abendzeiten stattfinden. Katar ist der mitteleuropäischen Zeitzone eine Stunde voraus. Weil in der Schweiz im Moment Winterzeit herrscht, beträgt der Unterschied zwei Stunden. Die Anspielzeiten sind für die Vermarkter der TV-Rechte also sehr interessant. Obwohl die Fifa den Hauptteil daran verdient. In Katars Hauptstadt Doha ist übrigens der arabische Fernsehsender Al Jazeera beheimatet. Katar könnte mit der Fussball-WM 2022 mehr Ruhe in der Region stiften. Im Süden grenzt der Staat an Saudi-Arabien. In den 90er-Jahren herrschten zwischen den öl- und gasreichen Ländern grosse Spannungen. Seit 2008 normalisieren sich diese fortzu. Auch mit dem Iran im Osten pflegt Katar gute Beziehungen. Wie sich das Volk von der WM vor der Haustüre anstecken lässt, ist heute aber noch nicht abzuschätzen.

Trotz dem Bestechungsskandal um die WM-Vergabe, gibt es auch gründe, die für den Wüstenstaat als Austragungsort sprechen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das «Federal Bureau of Investigation», kurz FBI, befasst sich mit der umstrittenen WM-Vergabe an Russland und Katar. Dies wurde vergangene Woche von britischen Medien aufgedeckt. Hintergrund ist der Verdacht, dass im vergangenen Dezember Hackerangriffe auf die Computer der englischen und amerikanischen Fussballverbände verübt wurden - ausgerechnet bei England und den USA also, welche bei der WM-Vergabe vor einem Jahr die grossen Verlierer waren. Aber weshalb interessiert sich die amerikanische Bundespolizei mehr für die Machenschaften der Fifa als zum Beispiel die Kriminalbeamten der Schweiz? Schliesslich sitzt der Weltfussballverband in unserem Land.

Verdachtsmomente, dass unter dem Dach der Fifa Gesetze gebrochen werden, gibt es einige - insbesondere auch aus amerikanischer Sicht. Schliesslich ist es laut der «FAZ» durchaus möglich, dass bei den aufgedeckten Bestechungsversuchen von Mohammed Bin Hammam (Katar) und Jack Warner (Trinidad) gegen das amerikanische Geldwäschereigesetz verstossen wurde. In den Bestechungsskandal war zudem auch der US-Staatsbürger Chuck Blazer (ehemaliger Generalsekretär der nord- und zentralamerikanischen und karibischen Fussballkonföderation CONCACAF). Ausserdem dürfte es eine entscheidende Rolle spielen, dass grosse amerikanische Firmen wie Coca Cola, Budweiser und Visa als Sponsoren sensibel auf Imageprobleme aller Art reagieren. Von ungefähr kommt die Einmischung der amerikanischen Bundespolizei daher nicht. Trotzdem reagierte die Fifa mit Unverständnis. Man könne das Motiv der amerikanischen Ermittler nicht verstehen, liess der Weltfussballverband verlauten.

FBI befragte Juan Antonio Samaranch

Schon früher hat sich das FBI, wie die «Frankfurter Allgemeine» aufzeigt, in den Kampf gegen Missstände im Sport eingeschaltet. So befragte die Ermittlungsbehörde im Vorfeld der olympischen Spiele 2002 auch den damaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch, welcher im Bestechungsskandal um die Vergabe der Winterspiele in Verruf geraten war. Das Oberhaupt des IOC willigte nur unter massivem Druck ein, sich den Fragen zu stellen. Eindeutige Antworten kamen auch so nicht hervor. Aber es besiegelte den Anfang vom Ende seiner Karriere als unumstrittener Autokrat an der Spitze des Olympischen Komitees. Für die Fifa kann die Einmischung der amerikanischen Bundesbehörde also nichts Gutes mit sich bringen.

(fbu)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ein Fussballfan am 13.12.2011 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmischungen aller Art

    Es wird immer bunter mit den USA. Jetzt mischt sich ihre Bundespolizei in Sportangelegenheiten ein. Womöglich hat sich Katar bei der FIFA eingelauft. Aber ich finde, dass die auch eine Chance verdiehnt haben. Fussball ist international. Jedes Land, das möchte, sollte Gelegenheit bekommen, eine WM austragen zu dürfen. So eine WM ist was fantastisches und es sollte die ganze Welt näher zusammen bringen.Rassismus oder unsportliche Verlierer bei der Vergabe gehören hier, wie auch auf dem Fussballfeld, nicht dazu.

  • franz am 13.12.2011 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    hihi

    Wenn das FBI in Katar spioniert, gehört das also nicht zum Thema Hacken? Nur wenn es die Chinesen machen?

  • Fussballfan am 13.12.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Vuvuzelas

    Wann wurde Bild 4 aufgenommen? Hoffentlich bei der WM 2010 und nicht bei der Auslosung. Bitte einfach keine Vuvuzelas mehr, sonst schau ich mir die WM ohne Ton an. Nicht zuletzt deswegen bleibt mir die WM 2010 als die nervigste in Erinnerung. Ach ja, ich freu mich schon auf die Tröten in Kiev nächstes Jahr

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fussballfan am 13.12.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Vuvuzelas

    Wann wurde Bild 4 aufgenommen? Hoffentlich bei der WM 2010 und nicht bei der Auslosung. Bitte einfach keine Vuvuzelas mehr, sonst schau ich mir die WM ohne Ton an. Nicht zuletzt deswegen bleibt mir die WM 2010 als die nervigste in Erinnerung. Ach ja, ich freu mich schon auf die Tröten in Kiev nächstes Jahr

  • ein Fussballfan am 13.12.2011 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmischungen aller Art

    Es wird immer bunter mit den USA. Jetzt mischt sich ihre Bundespolizei in Sportangelegenheiten ein. Womöglich hat sich Katar bei der FIFA eingelauft. Aber ich finde, dass die auch eine Chance verdiehnt haben. Fussball ist international. Jedes Land, das möchte, sollte Gelegenheit bekommen, eine WM austragen zu dürfen. So eine WM ist was fantastisches und es sollte die ganze Welt näher zusammen bringen.Rassismus oder unsportliche Verlierer bei der Vergabe gehören hier, wie auch auf dem Fussballfeld, nicht dazu.

  • franz am 13.12.2011 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    hihi

    Wenn das FBI in Katar spioniert, gehört das also nicht zum Thema Hacken? Nur wenn es die Chinesen machen?

  • Urs Meier am 13.12.2011 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    IRS wäre besorgniserregender

    Erst wenn sich die IRS (Steuerbehörde der USA) einschaltet, müssen sich einige Exponenten warm anziehen.

  • Martin am 13.12.2011 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Formel 1

    Also dases in Katar auch Formel 1 Rennen gibt ist mir neu....

    • Lukas am 13.12.2011 16:08 Report Diesen Beitrag melden

      Formel 1

      lol, habe das gleiche gedacht, Formel 1 Rennen in Doha? Seit wann?

    einklappen einklappen