Alle Augen auf «Shaq»

15. Juni 2011 21:12; Akt: 16.06.2011 10:49 Print

Der mit dem Ball tanzt

von Eva Tedesco, Hobro - Der kleine Tausendsassa Xherdan Shaqiri ist an der U21-EM in Dänemark ein Star. «Ich will ein Leader sein», sagt er selbst im Video-Interview.

«Ich brauche viele Ballkontakte»: Xherdan Shaqiri im Video-Interview.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Es ging ein Raunen durch das Stadion in Aalborg, als der FCB-Mittefeldspieler zum Tanz mit dem Ball ansetzte. Ein Haken, eine Körpertäuschung, zwei Dribblings – und schon standen drei Gegenspieler aus Island im Leeren. Applaus. Anerkennendes Nicken während den Spielen. Schulterklopfen und Gratulationen nach dem Spiel. Shaqiri ist in Dänemark in aller Munde. Das kleine Kraftpaket ist bei der U21 ganz gross. Ein Star?

Umfrage
Wie weit kommt die Schweiz an der U21-EM?
10 %
26 %
27 %
37 %
Insgesamt 11774 Teilnehmer

«Star ist übertrieben», sagt Shaqiri. «Ich will ein Leader sein, kein Star. Die Mannschaft ist der Star.» Und auch dafür erntet er respektvolle Blicke. «Ich kann ein Spiel beeinflussen, aber es spielt immer die ganze Mannschaft gut oder schlecht.» Zwei Siege, sechs Punkte und noch ohne Gegentor an der EM will heissen, Shaqiri und die ganze Mannschaft spielen gut. «Wir sind mental stark drauf und in einem Spielrausch und so werden wir weiter spielen. Ich habe keine Sorgen, dass wir einen Einbruch haben werden. Unser Ziel bleibt der Halbfinal.»

75 Späher beim Spiel der Schweizer

Tatsächlich macht es Spass, der U21 zuzusehen. Und das tun auch Scouts aus allen Herren Ländern. 75 sassen allein am Dienstag gegen Island im Stadion in Aalborg. Darunter solche von sehr guten europäischen Fussballadressen, wie Manchester United, Liverpool, Bayern, Chelsea, Palermo, Juventus und so weiter. Alle sahen die herrliche Vorlage des Bebbi, die zum 1:0 durch Fabian Frei geführt hat. Ihre Notizbücher mussten die Scouts aber nicht mit Einträgen füllen, denn da steht Shaqiri längst drin. Tagtäglich tauchen Gerüchte um einen Wechsel des A-Natispielers auf.

«Ich habe beim FC Basel einen Vertrag», sagt Shaqiri und zu dem wird er nach der EM und einer kurzen Pause auch zurückkehren. Und wenn in der Zwischenzeit doch ein Angebot kommt? «Ich weiss nicht, ob noch ein Angebot kommen wird – ich bin nicht Bernhard Heusler. Ich bin in Dänemark, aber wenn es kommen würde, wird man das genau anschauen. Ich habe auf jeden Fall noch kein Telefon bekommen.» Mit den Spekulationen käme er gut zurecht. «Ich bin mit dem FC Basel zweimal Meister geworden und habe einmal den Cup gewonnen. Ich habe Champions League und an der WM gespielt – also ein wenig internationale Erfahrung habe ich und konnte mich beweisen. Da kann keiner schreiben, dass es zu früh ist, ins Ausland zu gehen.» Es gäbe aktuell genügend Beispiele jener, die zu früh gegangen sind. «Vielleicht kann ich auch ein Beispiel für die sein, dass man auch viel erreichen kann, wenn man in der Schweiz spielt.»

Fussball im Blut

Die Integration des 11-fachen A-Nationalspielers bei der U21 scheint nahtlos gegangen zu sein. Shaqiri legt bei der «kleinen Nati» das gleiche Temperament an den Tag, wie bei den «Grossen». Die Mannschaft habe ihm das Eingewöhnen einfach gemacht. Es macht Spass und zusätzliche Motivation brauche es bei einer EM sowieso nicht. Schon gar nicht bei einem, der den Fussball im Blut hat. «Ich lebe von der Kreativität, von den Überraschungen. Ich lasse mir gerne mal was Ungewöhnliches einfallen im Spiel, aber dazu brauche ich Bälle. Ich bin ein Spieler, der viele Ballkontakte braucht.»

Und wenn er den hat, ist er kaum mehr zu halten. Dann setzt er zu seinem Tanz an. Ein Haken. Eine Körpertäuschung. Zwei Dribblings und schon steht der Gegner im Leeren. Hoffentlich auch am Samstag gegen Weissrussland. Mit einem Sieg, zumindest aber einem Punktgewinn, kann die U21-Nati im letzten Gruppenspiel den Einzug in die Halbfinals klar machen kann.