AS Roma

20. Juli 2018 20:01; Akt: 20.07.2018 20:23 Print

Der Hexer auf dem Transfermarkt

von Fabian Sangines - Knallharter Verkäufer und ein Gespür für Talente: Diesen Transfersommer zeigt Roms Sportchef gleich an zwei Orten, was ihn zur Ausnahmeerscheinung macht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es sind Momente des Zwiespalts. Die undankbaren Momente im Job von Ramón Rodríguez Verdejo, nur Monchi genannt. Soeben hat der Sportchef der AS Roma mit Alisson Becker zwar einen seiner wichtigsten Spieler verloren, im Gegenzug allerdings 72,5 Millionen Euro erhalten – so viel wurde in der Geschichte noch nie für einen Goalie bezahlt.

Damit schaffte es Monchi einmal mehr, aus einer schwierigen Position das Maximum herauszuholen. «Hätte mich Alisson gebeten zu bleiben, hätte ich auch 200 Millionen Euro abgelehnt», sagte der 49-Jährige. Offensichtlich wollte der Brasilianer also zu Liverpool. Dennoch blieb Monchi so lange hart, bis die Reds eine Offerte unterbreiteten, die nicht abzulehnen war: «Das Angebot war deutlich über dem, was normalerweise dem Markt entspricht.» Zum Vergleich: Für Künstler Javier Pastore, Aussenverteidiger Davide Santon, die Offensivtalente Justin Kluivert, Patrik Schick und Ante Coric sowie den vielversprechenden, 18-jährigen Innenverteidiger William Bianda bezahlte die Roma unter der Federführung von Monchi total rund 73 Millionen Euro.

Sevilla zum Topteam geformt

Genau dieser Vergleich fasst die Karriere des kahlen Spaniers perfekt zusammen. (Vergleichsweise) günstig einkaufen und teuer weiterverkaufen: Mit dieser Strategie schaffte er es, seinen Stammclub Sevilla in die oberen Etagen des spanischen Fussballs zu hieven. Zwischen 1990 und 1999 stand Monchi dort im Tor, ehe er ab Sommer 2000 als Sportdirektor ein Hexer auf dem Transfermarkt wurde.

Sein erster teurer Verkauf hiess José Antonio Reyes – der Offensivspieler aus der eigenen Jugend wechselte im Winter 2004 für 20 Millionen Euro zu Arsenal. Was zu diesem Zeitpunkt aber noch keiner ahnte: Den ersten grossen Coup landete er schon ein Jahr zuvor. Im Januar 2003 übernahm Sevilla einen Brasilianer namens Dani Alves – Kostenpunkt: eine Million Euro. Alves wurde Captain, Publikumsliebling und spätestens nach seinem Transfer für 35,5 Millionen Euro im Sommer 2008 der beste Rechtsverteidiger der Welt. Ein weiterer früher Erfolg war Julio Baptista (kam 2003 für 3,5 Millionen, ging 2005 für 20 Millionen zu Real Madrid).

Rund 250 Millionen Euro Transferüberschuss

Sevilla entwickelte sich zu so etwas wie der kostspieligen Scoutingabteilung der europäischen Topclubs. Während Monchis Amtszeit nahmen die Andalusier durch Transfers über 600 Millionen Euro ein (und bezahlten knapp 350 Millionen, Quelle: Transfermarkt.ch). Weitere Beispiele: Geoffrey Kondogbia (kostete 2012 4 Millionen, hinterliess ein Jahr später 20 Millionen), Grzegorz Krychowiak (2014 für 5,5 Millionen zu Sevilla, 2016 für 27,5 Millionen zu PSG) oder Aleix Vidal (2014 für 3 Millionen aus Almeria gekommen, 2015 für 17 Millionen zu Barça gegangen). Besonders Barça war ein fleissiger Käufer von Monchis Talenten. Fünf Transfers (Dani Alves, Ivan Rakitic, Aleix Vidal, Seydou Keita und Adriano) liessen sich die Katalanen total 94 Millionen Euro kosten.

Ganz nebenbei war Sevilla mit Monchi als Sportdirektor noch ziemlich erfolgreich. Eben erst abgestiegen, kehrte Sevilla im Sommer 2001 in die Primera División zurück und wurde später zweimal Cupsieger, zweimal Uefa-Cup- und dreimal Europa-League-Sieger und gewann je einmal den europäischen und den spanischen Supercup.


Diese Transfers sind bereits fix

Diese Transfers sind schon fix


Und die Bilanz nach einem Jahr AS Roma? Ein Halbfinal in der Champions League und ein Transferplus von fast 100 Millionen Euro. Dabei ist Innenverteidiger Clément Lenglet noch nicht einmal mit eingerechnet. Der Franzose war einer der letzten Käufe Monchis in Sevilla, kam im Winter 2017 für 5 Millionen aus Nancy. Kürzlich bezahlte Barça die Ausstiegsklausel von 36 Millionen Euro.

Fussball

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FG am 20.07.2018 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der wahre Hexer ist.....

    Paratici, Sportdirektor von Juventus, hat Pogba von Manchester ablösefrei übernommen und für 120 Mio. wiederum an Manchester verkauft. Vidal für 10 Mio. von Leverkusen gekauft und für 40 Mio. an Bayern verkauft. Coman ablösefrei genommen und für 32 Mio. an Bayern verkauft. Jetzt Emre Can ablösefrei von Liverpool übernommen. Er ist der wahre Hexer auf dem Transfermarkt.

    einklappen einklappen
  • monchi am 21.07.2018 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    good job

    Monchi macht einen super Job in den letzten Jahren, seine clubs haben Erfolg und der Cashflow ist positiv. Und an alle Besserwisser, ja auch andere Sportchefs machen einen guten Job, das stellt der Artikel ja gar nicht in Frage..

  • Guqa am 20.07.2018 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig gehandelt

    Alles richtig gemacht. Eine Mannschaft wie die Roma kann 75 Millionen für einen Torwart nicht ablehnen, vorallem wenn man bedenkt dass man ihn vor 2 Jahren für 8 Millionen verpflichtet hat. Dieser Monchi weiss genau was er tut, der baut in Rom eine junge extrem talentierte Mannschaft auf.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Samot am 21.07.2018 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussballsteuern

    Und was wird denn da versteuert? Wäre doch interessant die Steuersumme dieser Transfer zu kennen. Wahrscheinlich aber fliessen keine...ist ja Fussball!

  • monchi am 21.07.2018 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    good job

    Monchi macht einen super Job in den letzten Jahren, seine clubs haben Erfolg und der Cashflow ist positiv. Und an alle Besserwisser, ja auch andere Sportchefs machen einen guten Job, das stellt der Artikel ja gar nicht in Frage..

  • Wilma am 21.07.2018 00:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Spielt die AS Roma schon seit vielen Jahren nicht mehr um den Italienischen Meistertitel mit. Es geht nur um möglichst viele Teansfer Gewinne. Gier, statt Erfolg.

    • nicht ganz richtig am 21.07.2018 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wilma

      Oder drum sich nicht abartig zu verschulden wie andere Clubs. Zudem braucht Roma ein neues Stadion..

    • Helvetier1291 am 21.07.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wilma

      Das ist ganz normal in Italia.

    • chregi f am 21.07.2018 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Wilma

      Monchi ist auch erst im Sommer 2017 zur AS Roma gewechselt. Ausser Allison sind im Bericht nur Transfers die er als Sportchef bei FC Sevilla vollzogen hatte.

    einklappen einklappen
  • Ninja am 20.07.2018 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider Nein

    Die Zahlen stimmen hinten und vorne nicht! Die Ausgaben für die aufgeführten Spieler waren über 110 Mio. und die Einnhamen für Alisson sind 62.5Mio, die restlichen 10Mio Bonus werden wohl nie an die ASR überwiesen. Einen Nainggolan ist nicht ersetzbar und hätte nie innerhalb der Liga verkauft werden dürfen! Leider wurde die Mannschaft bis jetzt eher geschwächt..

  • Guqa am 20.07.2018 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig gehandelt

    Alles richtig gemacht. Eine Mannschaft wie die Roma kann 75 Millionen für einen Torwart nicht ablehnen, vorallem wenn man bedenkt dass man ihn vor 2 Jahren für 8 Millionen verpflichtet hat. Dieser Monchi weiss genau was er tut, der baut in Rom eine junge extrem talentierte Mannschaft auf.