Knieverletzung

30. März 2011 15:17; Akt: 30.03.2011 15:27 Print

Der tiefe Fall von Kaká

von Reto Fehr - Er wäre einer der begnadetsten Fussballer des Planeten. Doch Kaká quält sich von einer Verletzung zur nächsten.

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Kaka klebt bei Real Madrid (l.) wie auch in der Nationalmannschaft (r.) in den letzten Jahren das Pech an den Füssen. Vergessen die Zeiten, als er noch Weltfussballer des Jahres (Mitte) war.

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Es ist ruhig geworden um Ricardo Izecson dos Santos Leite, kurz Kaká. Der Brasilianer von Real Madrid erscheint praktisch nur noch in der Öffentlichkeit, wenn über seine Verletzungen gesprochen wird. Diese sind mittlerweile kaum mehr an einer Hand abzuzählen. Momentan leidet er an Knieproblemen, welche sich am 6. März erstmals bemerkbar machten. 15 Tage hätte die Pause dauern sollen, mittlerweile sind es schon deren 25. Erst im Januar gab Kaká sein Comeback nach fünfmonatiger Verletzungspause wegen der Meniskusoperation. Zuvor warfen ihn unter anderem Leistenprobleme zurück. Die «As» hat nachgerechnet: Nur 2958 von 8190 möglichen Minuten bestritt der 28-Jährige für Real Madrid, das sind 36,1 Prozent.

Deutlich zu wenig für einen, der im Sommer 2009 für 65 Millionen Euro - als drittteuerster Spieler aller Zeiten - nach Madrid kam. Einen Sechsjahresvertrag mit neun Millionen Euro Lohn pro Jahr hatte er unterschrieben. Seine Referenz aus den letzten zwei Jahren bei Milan war beeindruckend: 2008/2009 erzielte er in 31 Spielen 16 Tore und elf Assists, die Saison zuvor 15 Treffer und zwölf Vorlagen in 30 Partien. 2007 war der damals 25-jährige «Weltfussballer des Jahres» und hatte bereits viele andere individuelle Preise eingeheimst. Auch auf Klubebene oder mit der Nationalmannschaft gab es kaum etwas, das er noch nicht gewonnen hatte: Weltmeister 2002, Copa-America-Sieger 2004, Confed-Cup-Gewinner 2005 und 2009, italienischer Meister 2004 oder Champions-League-Gewinner 2007 und so weiter.

Schon im Januar 2009 wäre er beinahe zu Manchester City gewechselt. Alles war bereit, doch im letzten Moment entschied sich der Brasilianer anders: «Gott hat mir gesagt, dass ich bleiben soll», verkündete der streng gläubige Mittelfeldspieler damals. Im Sommer sagte Gott dann nichts mehr – zumindest liess Kaká die Welt nicht wissen, was. Der Wechsel sei im Sinne Milans gewesen, weil der Klub in finanzieller Not war. Viele Tifosi verkrafteten den Abgang ihres Stars zumindest kurzfristig nicht. Der Verkauf von Saisonkarten brach ein. Nur noch 26 000 Fans bekannten sich mit dem Erwerb eines Abonnements zu den «Rossoneri». Das waren 35 Prozent weniger als in der letzten Saison.

Seit dem Wechsel vom Pech verfolgt

Wie auch immer. 50 000 Fans empfingen ihren neuen Helden im Sommer 2009 im Santiago Bernabéu. Cristiano Ronaldo war erst kürzlich zu den Königlichen gekommen und Karim Benzema sollte bald folgen. Dieser Dreizack hätte Real von Titel zu Titel führen sollen. Kaká zeigte eine durchschnittliche Saison. Er traf achtmal und bereitete siebenmal einen Treffer in 25 Partien vor. Doch wie schon erwähnt: Verletzungen plagten ihn schon in der ersten Saison. Kaká schien das Pech irgendwie anzuziehen. Vor dem Nati-Spiel mit Brasilien in Estland verlief er sich bei einem Spaziergang in Tallinn und das erste geklonte Schwein Spaniens wurde nach ihm benannt. Auch wenn Schweine angeblich Glück bringen sollen, bei Kaká wars nicht der Fall.

Erste Knieprobleme 2007

Wenn schon kein Erfolg im Klub, dann wenigstens an der WM mit Brasilien, dachten sich zumindest viele «Seleção»-Anhänger, zumal Kaká rechtzeitig für den Grossanlass wieder bereit war. Doch die WM 2010 missriet. Er kam nur zu vier Einsätzen, lediglich einem über die gesamte Spieldauer. Gegen die Elfenbeinküste holte sich Kaká Gelb-Rot, zweimal wurde er ausgewechselt. Im Viertelfinal war bekanntlich sowieso Endstation für Brasilien.

In der aktuellen Saison lief Kaká nur achtmal aufs Feld, nie spielte er über 90 Minuten. Auch in der Copa del Rey reichte es einzig zu drei Teileinsätzen. Zwei Tore und zwei Assists sind die Ausbeute des 28-Jährigen. Eindeutig zu wenig für einen 65-Millionen-Euro-Mann. Und es bleibt mehr als fraglich, ob die aktuellen Knieprobleme bald wirklich behoben sein werden. Denn schon 2007 fiel Kaká erstmals deswegen aus.