Barcelona - Arsenal

08. März 2011 14:04; Akt: 08.03.2011 15:03 Print

Der verlorene Sohn kehrt etwas verspätet zurück

Heute Abend läuft Barça-Junior Cesc Fàbregas zum ersten Mal in seiner Karriere im Nou Camp ein. Es wird der Höhepunkt einer emotionalen Treulosigkeit.

Cesc Fàbregas erzielt mit gebrochenem Bein das 2:2 per Penalty gegen Barcelona im Champions-League-Viertelfinal 2009/10.
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Als Palermos Captain Fabrizio Miccoli in der Serie A unlängst gegen Lecce das 1:1 erzielte, gab es keinen Jubel, es gab Tränen. Bei Halbzeit in der Kabine habe er geheult wie ein Schlosshund, erzählt man sich. Für den zweiten Durchgang erschien er nicht mehr auf dem Platz – er liess sich auswechseln. Miccoli ist seit Kindsbeinen glühender Lecce-Verehrer. Und so war sein Tor eine Art Selbstgeisselung: «Es ist, als ob du einen alten Freund verletzt.»

Für Cesc Fàbregas ist die Ausgangslage heute Abend ähnlich. Doch im Unterschied zu Miccoli brennt er nur so darauf, heute gegen Barça anzutreten, gegen «seinen» Verein Tore zu schiessen – im groben Fussballtempel Camp Nou, wo die Feinheiten auf dem Rasen stattfinden.

Liebe mit gebrochenem Bein

Rückblende: Vor einem Jahr trafen Arsenal und Barça im Viertelfinal der Champions League aufeinander. Das Hinspiel in London endete 2:2. Captain Fàbregas hatte nach einem Foul seines Freundes Carles Puyol in der 85. Minute den Ausgleich per Penalty erzielt. Mit einem gebrochenen Wadenbein. Beim Rückspiel fehlte Fàbregas aufgrund der Verletzung (und einer Sperre) und musste zusehen, wie seine Kollegen schwindlig gespielt wurden (2:4). «Es war so frustrierend, nicht helfen zu können», schreibt Fàbregas heute in der «Sun».

Nicht, dass er nur zusehen musste, wie sein Team aus der Champions League gekegelt wurde – Fàbregas wurde auch um ein Heimspiel betrogen. Mit 10 Jahren trat er Barça bei und blieb, bis er 16 Jahre alt war. Als sich seine Eltern einen Scheidungskrieg lieferten, kümmerten sich Gerard Piqués Eltern rührend um den Teamkollegen ihres Sohnes. «Freunde fürs Leben» hat Fàbregas nach eigenen Angaben noch heute in Barcelona – gemeint sind vor allem Piqué und Puyol. Nur weil Arsenal ein 60 Millionen Angebot der Katalanen ausschlug, spielt er noch in London. Dass er irgendwann zurück in die Heimat findet, scheint unbestritten. Mitte 2014 läuft sein Vertrag bei den «Gunners» aus. Dann ist Fàbregas 27 Jahre alt – und im besten Fussballeralter.

Nach einer Verletzung, die er sich vor zwei Wochen in der Premier League gegen Stoke zugezogen hatte, blieb Fàbregas Einsatz im heutigen Rückspiel lange Zeit fraglich. Der Spieler selbst gibt nun aber grünes Licht: «Dass ich jetzt die Chance habe, in diesem ehrwürdigen Stadion auf dem Rasen zu stehen, ist ein Gefühl, das ich nicht vollständig beschreiben kann. Es ist unglaublich aufregend».

(tog)