Super League

18. Februar 2019 18:23; Akt: 18.02.2019 19:54 Print

Der riesige Trainerverschleiss

Seit Weiler 2014 der Schweiz den Rücken kehrte und seiner Entlassung am Sonntag in Luzern hat die Super League 40 Trainer verbraucht.

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«Es hat sich in den letzten Wochen herauskristallisiert, dass zwischen dem Cheftrainer und der sportlichen Leitung, unterschiedliche Auffassungen betreffend der Qualität des Teams und der weiteren Entwicklung der Mannschaft bestanden», begründet Sportchef Remo Meyer die sofortige Freistellung. Präsident Christian Binggeli: «Es hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen. Ich hatte mich seit längerem gefragt, was wir verbessern könnten.» Die Entlassung sollte wie ein «Elektroschock»auf die Mannschaft wirken. Die Ablösung des Spaniers kam nicht überraschend, da dem impulsiven Präsidenten Angelo Renzetti die Spielweise des Teams nicht passte. Renzetti monierte einen zu schleppenden Spielaufbau. Er wollte mehr Geradlinigkeit. Christian Constantin sprach davon, dass er schon länger ein schlechtes Gefühl habe, was die Entwicklung der Mannschaft betreffe. Der Sion-Boss interpretierte ein Zerwürfnis zwischen Trainer und Spielern. «Da hat es einen Riss gegeben, und Jacobacci sah unter seinen Spielern fast nur noch Feinde» «Natürlich ist es uns sehr, sehr schwer gefallen. Es war ein schmerzhafter Entscheid – für uns aber der richtige», sagt Sportchef Marco Streller. «Wir mussten Verantwortung übernehmen. Die Entwicklung bereitete uns Sorgen. Und wenn das Vertrauen nicht mehr zu hundert Prozent da ist, muss man reagieren.» Der Österreicher führte die Berner zur ersten Meisterschaft seit 32 Jahren und wechselte danach als einen der wenigen SL-Trainer in den letzten Jahren in die Bundesliga (Eintracht Frankfurt). Seoane trat Anfang des Jahres in Luzern die Nachfolge von Markus Babbel an und führte die Innerschweizer innert weniger Monate von Rang 9 auf Platz 3 und damit in die Qualifikation zur Europa League - genug, um bei YB zuoberst auf die Wunschliste gesetzt zu werden. Negativrekord! So kurz war noch kein anderer Trainer im Amt. Giorgio Contini, FC St. Gallen, bis 24.04.2018, 355 Tage im Amt Zuletzt gaben sich Trainer und Sportchef Alain Sutter nicht mal mehr Mühe, ihre Differenzen zu kaschieren. «Wir sind zum Entschluss gekommen, dass es für den langfristigen Erfolg des Clubs besser ist, sich zu trennen», sagte Präsident Matthias Hüppi nach längerem Hin und Her. Fabio Celestini, FC Lausanne-Sport, bis 20.04.2018, 1123 Tage im Amt Die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wurde zu gross. Die Vorstellung des ehemaligen Nationalspielers passte nicht zur Qualität des Kaders. Murat Yakin, GC, bis 10.04.2018, 228 Tage im Amt Wegen sportlicher Differenzen und mutmasslich auch vereinspolitischer Beweggründe erachtete die Clubführung eine Fortsetzung des gemeinsamen Wegs offenbar als unmöglich. Pierluigi Tami, FC Lugano, bis 09.04.2018, 282 Tage im Amt Der FC Lugano zieht nach sechs Niederlagen in Folge die Reissleine und trennt sich vom Trainer. Uli Forte, FC Zürich, bis 19.02.2018, 647 Tage im Amt Die Punkte stimmten. Doch Forte musste gehen, weil die Mannschaft sich spielerisch nicht weiterentwickelt hat. Forte ging später gerichtlich gegen den FCZ vor. Gabriel Garcia „Gabri“, FC Sion, bis 05.02.2018, 103 Tage im Amt Der Trainerwechsel im FC Sion war ein Symbol der steten Unruhe. Der Spanier hinterliess in Sitten ein verstörtes Team. Markus Babbel, FC Luzern, bis 05.01.2018, 1180 Tage im Amt Der Deutsche kündigte seinen Rücktritt an. Gleichzeitig kritisierte er die FCL-Verantwortlichen scharf. Dennoch hätte Babbel gerne seinen Vertrag bis Sommer erfüllt. Durfte er dann aber nicht. Paolo Tramezzani, FC Sion, bis 22.10.2017, 113 Tage im Amt Der Totomat sprach nicht für den Italiener. CC feuerte ihn, noch ehe der erste Schnee im Wallis fiel. Carlos Bernegger, GC, bis 24.08.2017, 165 Tage im Amt Der Feuerwehrmann rettete GC vor dem Abstieg und erhielt einen Vertrag. In der neuen Saison bemängelte er offen die vielen Wechsel im Kader, die es schwer machen würden, zum Beginn einer neuen Meisterschaft ein eingespieltes Team zu formen. Diese Kritik wurde ihm zum Verhängnis. Paolo Tramezzani, FC Lugano, bis 30.06.2017, 191 Tage im Amt Der Trainer führte die Tessiner in die Europa League und beeindruckte damit CC genug. Der Sion-Boss lockte Tramezzani und seinen Staff für viel Geld ins Wallis. Urs Fischer, FC Basel, bis 30.06.2017, 730 Tage im Amt Trotz Erfolg wurde der Vertrag des Zürchers nicht verlängert, weil Bernhard Heusler Rotblau verkaufte und die neue Führung mit neuen Leuten arbeiten wollte. Joe Zinnbauer, FC St. Gallen, bis 04.05.2017, 596 Tage im Amt Nach fünf Niederlagen in Folge rutschten die Ostschweizer rasant in den Tabellenkeller. Die Clubleitung zog die Notbremse. Peter Zeidler, FC Sion, bis 25.04.2017, 246 Tage im Amt Sion lag auf Platz 3 und stand im Cupfinal. Dennoch feuerte CC den Deutschen – nur weil die Torproduktion eingebrochen war. Noch heute hört man im Wallis: Diese Entlassung sei die grösste Dummheit von CC gewesen. Jeff Saibene, FC Thun, bis 19.03.2017, 530 Tage im Amt Das Ausland rief - Saibene verliess das Berner Oberland freiwillig und heuerte bei Arminia Bielefeld an. Pierluigi Tami, GC, bis 12.03.2017, 787 Tage im Amt «Es war ein ausserordentlich schwieriger Entscheid, Pierluigi Tami hat zu GC gepasst», sagte GC-Präsident Stephan Anliker. «Aber es gab keine andere Wahl.» Giorgio Contini, Vaduz, bis 07.03.2017, 1573 Tage im Amt Er war lange der dienstälteste Trainer der Liga. Wenige Monate vor Ablauf seines Vertrages im Ländle einigte man sich einvernehmlich, das Engagement vorzeitig zu beenden. Andrea Manzo, FC Lugano, bis 19.12.2016, 171 Tage im Amt Ein riesengrosses Missverständnis. Nach 11 Spielen ohne Sieg hatte Präsident Renzetti genug. Didier Tholot, FC Sion, bis 12.08.2016, 604 Tage im Amt Das Trainerkarussel in Sion drehte sich wieder. Christian Constantin entliess den beliebten Franzosen Didier Tholot. Es war der 37. Trainerwechsel unter «Trainerfresser» CC. Zdenek Zeman, FC Lugano, bis 30.06.2016, 365 Tage im Amt Wieder der FC Lugano, aber diesmal ging der Trainer freiwillig - vielmehr wollte der ehemalige Startrainer seinen Vertrag von sich aus nicht verlängern. Sami Hyypiä, FCZ, bis 12.05.2016, 255 Tage im Amt Das ist die grausame Ironie einer Trennung, die sich nicht erst seit einem 0:4 gegen Lugano abgezeichnet hatte. Nach dem sportlichen Offenbarungseid und dem Absturz auf Platz 10 stellte Hyypiä die Vertrauensfrage. Drei Stunden lang beriet sich das Team, dann senkte es den Daumen. Ciriaco Sforza, FC Thun, bis 30.09.2015, 91 Tage im Amt Nach nur drei Monaten ist Ciriaco Sforza als Trainer der Oberländer freigestellt worden. Eine Klausel erlaubte es dem Verein, sich vom Trainer bis Ende September ohne finanzielle Folgen zu trennen. Jeff Saibene, FC St. Gallen, bis 01.09.2015, 1639 Tage im Amt Nach viereinhalb Jahren wünschte sich Saibene eine Veränderung und gab seinen Rücktritt bekannt. Uli Forte, YB, bis 05.08.2015, 765 Tage im Amt 1:1 bei GC, 1:1 zu Hause gegen Luzern, 1:1 in St. Gallen sowie das sang- und klanglose Ausscheiden in der Champions League gegen Monaco mit dem Gesamtskore von 1:7 führten zur Entlassung von Forte. Der Zürcher, den YB-Sportchef Fredy Bickel von GC loseiste, musste schon nach drei Meisterschaftsspielen gehen. Urs Meier, FC Zürich, bis 02.08.2015, 943 Tage im Amt Nach dem Abgang von Urs Meier betonte Präsident Ancillo Canepa: «Das ist keine Entlassung. Wir möchten ihn gerne im Club behalten.» Meier verliess den FCZ trotzdem! Raimondo Ponte, FC Aarau, bis 30.06.2015, 99 Tage im Amt Ponte hatte den FCA Ende März nach einer Negativserie (14 Spiele ohne Sieg) unter seinem Vorgänger Sven Christ übernommen. Der Rückstand auf den Tabellenneunten Luzern betrug elf Runden vor Schluss drei Punkte. Am Ende stieg Aarau ab und Ponte nicht mehr Trainer. Paulo Sousa, FC Basel, bis 17.06.2015, 294 Tage im Amt Die Serie A lockte. Der Portugiese verliess die Bebbi in Richtung Florenz. Urs Fischer, FC Thun, bis 17.06.2015, 897 Tage im Amt Nach dem Wechsel von Paulo Sousa zur AC Florenz mussten die Berne Oberländer ihren Cheftrainer nach Basel ziehen lassen. Sven Christ, FC Aarau, bis 22.03.2015, 264 Tage im Amt Nach ansprechendem Saisonstart geriet Aarau in der Rückrunde in eine Negativspirale. Der 41-jährige Christ – seit anfangs Saison Trainer bei den Aargauern – musste die Konsequenzen tragen und seinen Posten räumen. Michael Skibbe, GC, bis 08.01.2015, 556 Tage im Amt Der Deutsche verliess die Hoppers auf eigenen Wunsch, um sich Eskisehirspor in der Türkei anzuschliessen. Carlos Bernegger, FC Luzern, bis 06.10.214, 546 Tage im Amt Die schlechten Resultate haben die Zentralschweizer um Sportchef Alex Frei zu diesem Schritt gezwungen. Freddy Chassot, FC Sion, bis 28.09.2014, 89 Tage im Amt Weil Gentile seinen Posten in Sion gar nicht erst antritt, übernimmt Chassot die Mannschaft und tritt später freiwillig zurück. Jochen Dries, FC Sion, bis 08.12.2014, 69 Tage im Amt Nach der Vorrunde 2014/15 war Schluss: Jochen Dries reichte seine Kündigung ein. Laurent Roussey, FC Sion, bis 11.02.2014, 112 Tage im Amt Auch bei seinem zweiten Engagement im Wallis hält sich Roussey nicht lange im Sattel. René Weiler, FC Aarau, bis 30.06.2014, 1173 Tage im Amt Ende Mai 2014 löste Weiler seinen Vertrag beim FC Aarau nach drei Jahren auf. Er begründete die Kündigung mit seinem Ziel, zu einem grösseren Verein wechseln zu wollen.

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Nachdem er den FC Aarau von der Challenge League in die Super League geführt hatte, gab René Weiler Ende Mai 2014 seinen Rücktritt bei den Aargauern. Er verfolgte höhere Ziele, wollte einen grossen Club trainieren. Vier Jahre war Weiler weg: Erst in Nürnberg (2. Bundesliga), dann bei Anderlecht in der höchsten belgischen Spielklasse. Im Sommer 2018 kehrte er in die Schweiz zurück und schloss sich überraschend dem FCL an – bis er am Sonntag entlassen wurde.

Damit reiht sich Weiler in eine lange Reihe von Trainern ein, die sich lang in der Super League versucht haben. Der Trainerverschleiss in der höchsten Schweizer Liga ist riesig: Seit Weilers Rücktritt in Aarau und seiner Entlassung in Luzern haben die Super Ligisten insgesamt 40 Mal den Trainer gewechselt (siehe Diashow) - in vier Jahren notabene.

Die Schweizer Liga ist mit zehn Teams im Vergleich zu den europäischen Topligen klein. Macht ein Super-League-Vertreter eine schlechte Phase durch, so steckt er schnell einmal im Abstiegsstrudel. Und sobald dies der Fall ist, läuten bei den Verantwortlichen rasch die Alarmglocken. Oft sehen sie die Trainerentlassung als einzigen Ausweg aus der Krise. Ein weiterer Grund: Manche Teams starten mit überhöhten Erwartungen in die Saison. Droht ein solcher Verein die Ziele zu verpassen, so wird ebenfalls durchgegriffen.

Nur wenige schaffen es ins Ausland

Nur ganz wenige Trainer gingen in jüngster Vergangenheit freiwillig oder machten auf sich aufmerksam: In den letzten Jahren war das zum Beispiel Paulo Sousa, der Basel in Richtung AC Florenz und die Serie A verliess. Adi Hütter lockte die Bundesliga. Der Österreicher machte mit der ersten YB-Meisterschaft nach 32 Jahren Eintracht Frankfurt auf sich aufmerksam. Urs Fischer unterschrieb nach seiner Zeit beim FCB im letzten Sommer bei Union Berlin. Jeff Saibene übernahm im Frühjahr 2017 den Trainerposten beim deutschen Zweitligisten Arminia Bielefeld und wurde im Dezember 2018 auch wieder entlassen.

In der Super League bleibt indes nur ein Club übrig, der auf Kontinuität setzt und seinen Trainer schon seit bald zwei Jahren beschäftigt: Er heisst Marc Schneider und führt seit 2017 das Zepter beim FC Thun.


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(ete)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fans am 18.02.2019 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität wäre

    wenn der Trainer nicht alle 3 Monaten ausgetauscht werden. Von Sion ist man es sich gewöhnt, aber der Rest ist mittlerweile nicht besser.

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  • Drippler am 18.02.2019 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht ihnen gut

    Wenigstens verdienen auch die schlechten Trainer noch mehr als genug.

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  • Markus am 18.02.2019 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig?

    Erstaunlich für eine Grümpeltournier Liga! Ob die sich nicht alle zu wichtig nehmen?!?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Linus am 23.02.2019 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arie

    In dieser Operettenliga kann jeder Jugendtrainer arbeiten. Aber sowie es zum richtigen Fussball kommt, sehen sie ihre Grenzen.

  • Badener am 20.02.2019 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    40 Trainer=Lachplatte!

    Die hat der HSV in den Letzten 20 Jahren schon alleine Verschlissen.

  • Patrick M am 20.02.2019 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Liga Struktur

    Die Liga ist zu klein, 2x verlieren und man ist gleich im Abstiegssumpf, da ist viel zu viel Druck drin und langfristiges arbeiten ist nicht möglich und jetzt gibt es da auch noch die Baragge! Um das zu verändern muss die Liga auf 12 Teams erweitert werden. Die Challange League mit der Promo League zusammenlegen und in 2 Regionen trennen. Das gibt mehr Zeit etwas langfristig aufzubauen und Geldund zu haben.

    • KickerOnFire am 23.02.2019 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick M

      Yep, tolle Idee !!

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  • Peter Wingsted am 19.02.2019 23:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Double oder Seoane ist der nächste

    Seoane ist der nächste Trainer der gehen muss - nur das Double rettet seinen Job. Wuschu kennt da keine Gnade.

  • Kerby Müdler am 19.02.2019 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luzern

    Schade das die Sponsoren für die Dummheit desSportchefs gerade stehen.Leichte Sache das Geld zu verlochen.Ich hoffe das er bei nächsten Fehlgriff seine Zelte in Luzern abbrechen muss.Herr Alpstaeg bitte eine härtere Gangart einführen beim Vorstand und den Spielern..