Abstieg

14. Mai 2019 13:42; Akt: 14.05.2019 13:54 Print

FCZ hatte 2016 bessere Aussichten als nun GC

Drei Jahre nach dem FCZ muss GC in die Challenge League. Welche Parallelen und welche Unterschiede gibt es?

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1886 wird der Grasshopper Club Zürich ins Leben gerufen. Ab 1927 spielen die Blau-Weissen im Hardturm-Stadion. Bis 1971 sammeln die Hoppers 15 Meistertitel. Den 16. holt GC dank einem legendären 4:3-Sieg nach Verlängerung im Entscheidungsspiel gegen Basel. 1978 treffen GC und Basel im letzten Meisterschaftsspiel wieder aufeinander. GC gewinnt 4:2 und wird zum 17. Mal Meister. Auch im Uefa-Cup sorgen die Zürcher für Furore. 1978 ist erst im Halbfinal gegen Bastia Endstation. Nur wegen der Auswärtstor-Regel scheiden die Grasshoppers aus. GC verteidigt den Titel und setzt den europäischen Höhenflug 1979 im Meistercup fort. Nachdem im Achtelfinal Real Madrid ausgeschaltet wird, scheitern die Hoppers schliesslich im Viertelfinal am späteren Sieger Nottingham Forest. Claudio Sulser wird mit 11 Treffern Torschützenkönig. Auch in den 80er-Jahren regnet es Titel. Je drei Meister- und Cuperfolge dürfen die Zürcher feiern. Noch erfolgreicher werden die 90er-Jahre. Mit Ottmar Hitzfeld folgt 1991 Titel Nummer 22. Nach dem Beenhakker-Missverständnis folgt die Ära Gross. Dank des Meistertitels 1995 und dem Sieg im Quali-Duell gegen Maccabi Tel Aviv qualifizieren sich die Hoppers für die Gruppenphase der Champions League. Gegen Real Madrid, Ajax Amsterdam und Ferencvaros Budapest holt GC in sechs Spielen allerdings nur zwei Punkte. GC kann den nationalen Titel 1996 verteidigen und schafft es zum zweiten Mal in Serie in die Gruppenphase der Champions League. Und diesemal sorgt GC für Furore. Nach einem 3:0-Sieg gegen die Glasgow Rangers bezwingen die Zürcher auswärts sensationell Ajax Amsterdam 1:0. Murat Yakins Freistosshammer bleibt in ewiger Erinnerung. GC gewinnt zu Hause auch gegen Auxerre. Türkyilmaz, Subiat und Gren dürfen jubeln. Am Ende folgt aber doch die grosse Enttäuschung. Trotz 9 Punkten aus 6 Spielen scheiden die Hoppers aus. Ein Untentschieden gegen Ajax hätte gereicht, doch die Holländer gewinnen im Hardturm 1:0 dank einem Tor von Patrick Kluivert. GC vergab dabei mehrere Chancen und scheiterte einmal am Pfosten. National bleibt GC Ende der 90er-Jahre das Mass der Dinge. Mats Gren mit dem Meisterpokal 1998. Auch 2001 wird GC Meister. 2003 der 27. und vorläufig letzte Meisteritel für GC. Nach einem finanziellen Chaos müssen die Hoppers kürzertreten und tatenlos zusehen, wie die ungeliebte Konkurrenz aus Basel und von der anderen Seite der Gleise am einstigen Nobelclub vorbeizieht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am 25. Mai 2016 war das Schicksal des FC Zürich besiegelt und Tatsache, was sich trotz einer missratenen Saison kaum jemand vorstellen konnte: Der FC Zürich musste in die Challenge League absteigen. Fast drei Jahre später ereilt GC das gleiche Schicksal. Der Absturz des Rekordmeisters überrascht nicht so sehr wie damals der Fall des FCZ. Welche Parallelen und welche Unterschiede gibt es?

Gemeinsamkeiten

Suche nach Unterstützung

Mit Fehleinschätzungen wie Hyypiä beziehungsweise Fink, Stipic, Walther und Huber führten die Wurzeln des Übels zu den Präsidenten Ancillo Canepa (FCZ) und Stephan Anliker (GC). Canepa korrigierte mit Sportchef Thomas Bickel nach. Anliker trat zurück, sein Nachfolger Stephan Rietiker verlässt sich auf den Rat des Duos Heusler/Heitz, das den FC Basel zum Serienmeister gemacht hatte. Bernhard Heusler wird einen neuen COO suchen müssen. Heitz einen neuen Sportchef und Spieler.

Uli Forte, der Nothelfer

Sowohl 2016 beim FCZ als auch 2019 bei GC hiess der Nothelfer Uli Forte. Die Rettung misslang beide Male. Wie beim FCZ hat der Zürcher auch bei GC einen Vertrag für die Challenge League und den direkten Wiederaufstieg als Vorgabe.

Keine Sparmassnahmen

Die Zukunftsangst soll den Club nicht zersetzen. Das wollte Ancillo Canepa nicht zulassen und reduzierte weder das Budget von 20 Millionen Franken noch fuhr er den Personalaufwand herunter. Auch GC plant mit einem Budget, das jenes der Konkurrenz deutlich übersteigen dürfte.

Die Fans

Von beiden Clubs zeigten sich einige Anhänger kurz vor dem Abstieg von der unschönen Seite. Beim FCZ gelangten rund 60 vermummte Fans im letzten Spiel gegen Vaduz in die Katakomben des Letzigrundstadions. Die Sicherheitskräfte waren schnell Herr der Lage. GC-Anhänger provozierten im Abstiegsjahr gleich zwei Spielabbrüche. In Sion mit Fackelwürfen aufs Feld, in Luzern mit Drohgebärden am Spielfeldrand.

Das ist bei GC anders

Der FC Zürich schaffte den Wiederaufstieg zwölf Monate später. Der grösste Vorteil des Absteigers war wohl, dass man als Cupsieger direkt in die Gruppenphase der Europa League einzog. Bei aller Enttäuschung des Abstiegs konnte die Mannschaft aus der Europa-Teilnahme Motivation holen und vor allem den Rhythmus sehr lange hochhalten.

Integrationsfiguren fehlen

Alain Nef, Marco Schönbächler oder auch Cedric Brunner hielten dem FCZ auch in der Zweitklassigkeit die Stange und bügelten aus, was sie in der Saison zuvor verbockt hatten. Forte verstärkte das Team zudem mit Routiniers wie Adrian Winter und Goalie Andris Vanins. Solche Integrationsfiguren, aber auch Leader fehlen den Hoppers. Kaum vorstellbar, dass Captain Heinz Lindner oder Yoric Ravet in der kommenden Saison noch da sein werden.

Profis ohne Vertrag

Der FCZ arbeitete sich zusammen mit einer geordneten Führung durch die Challenge League. GC ist auf allen Ebenen im Umbruch. Stephan Anliker ist zurückgetreten. Sportchef Mathias Walther entlassen. CEO Manuel Huber und Verwaltungsrat Georges Perego verlassen GC in den nächsten Wochen ebenfalls. Fix ist nur Präsident Stephan Rietiker als Nachfolger von Anliker. Und sportlich? Diverse Profis sind ohne Vertrag. Auslaufend: Lindner, Sigurjonsson, Lika, Kastrati. Waren nur ausgeliehen: Ajeti, Ravet, Caiuby, Tarashaj, Mallé, Pinga, Ngoy.

Der Fallschirm

Der FC Zürich hatte keine zweite Chance. Er musste in der Challenge League Meister werden, um den Wiederaufstieg zu schaffen. GC bekommt durch die Barrage einen Fallschirm, sollte es Platz 1 verpassen.


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(ete)