Heftige Reaktionen

14. Mai 2018 19:07; Akt: 15.05.2018 19:21 Print

Ein deutscher Nationalspieler sagte Erdogan ab

Nach dem Treffen von Özil und Gündogan mit Erdogan hagelt es Kritik. Auch ein Liverpool-Spieler wäre eingeladen gewesen.

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Auf Twitter veröffentlichte die AKP, die Partei des türkischen Staatsoberhaupts Recep Tayyip Erdogan, am Montag Bilder einer besonderen Zusammenkunft. Erdogan weilt derzeit für einen dreitägigen Besuch in London. Dort hat er sich mit den Fussballprofis Mesut Özil, Ilkay Gündogan und Cenk Tosun verabredet. Nicht erschienen ist Emre Can, obwohl der Liverpool-Mittelfeldspieler gemäss Informationen der «Welt»auch eingeladen wurde.

Alle vier Fussballer spielen in der englischen Premier League und haben türkische Wurzeln. Özil, Gündogan und Can sind in Deutschland aufgewachsen und Nationalspieler. Tosun besitzt zwar ebenfalls die deutsche Staatsbürgerschaft, hatte sich im Februar 2011 aber entschieden, für die Türkei zu stürmen. Das Treffen schlug hohe Wellen woraufhin sich Gündogan zu einer Erklärung verpflichtet sah, die auf bild.de veröffentlicht wurde.

«Wir haben den türkischen Staatspräsidenten am Rande der Veranstaltung getroffen. Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet. Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger – für die Geste der Höflichkeit entschieden» schrieb der 27-Jährige.

Es sei zudem nicht die Absicht gewesen, ein politisches Statement zu machen. «Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst. Fussball ist unser Leben und nicht die Politik.»

«Mit Respekt für meinen Präsidenten»

Özil überreichte dem ehemaligen Oberbürgermeister von Istanbul und türkischen Ministerpräsidenten ein Trikot seines Vereins Arsenal. Tosun, der im vergangenen Januar von Everton verpflichtet worden war, liess sich ebenso wenig lumpen. Und auch von Gündogan, der beim englischen Meister Manchester City unter Vertrag steht, erhielt Erdogan ein Trikot. Die Aufschrift «Mit Respekt für meinen Präsidenten» über der Signatur dürfte dem seit August 2014 mit harter Hand regierenden Präsidenten Freude bereitet haben.

Nicht die Werte des DFB

Kaum kursierten die Bilder vom Treffen auf den sozialen Medien, hagelte es von verschiedenen Seiten Kritik. Den drei Fussballern wird Wahlkampf-Hilfe für Erdogan unterstellt, der am 24. Juni in der Türkei vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abhalten lässt. Die enormen Machtansprüche des 64-Jährigen sind nicht nur in Deutschland äusserst umstritten.

Auch der Deutsche Fussball-Bund (DFB) reagierte. Präsident Reinhard Grindel tadelte die Spieler mit folgender Twitter-Nachricht: «Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund. Aber der Fussball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden.»

In einer zweiten Nachricht ergänzte der DFB-Vorsteher: «Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen. Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen.»

«In Berlin, nicht in Ankara»

Kritik ernteten Özil und Gündogan auch vom Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir. Der «Spiegel» zitiert den langjährigen Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen: «Der Bundespräsident eines deutschen Nationalspielers heisst Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Parlament heisst Deutscher Bundestag. Es sitzt in Berlin, nicht in Ankara.» Özdemir sagte weiter: «Anstatt Erdogan diese geschmacklose Wahlkampfhilfe zu leisten, wünsche ich mir von den Spielern, dass sie sich aufs Fussballspielen konzentrieren.» Er empfahl den beiden Nationalspielern «noch einmal die Begriffe Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nachzuschlagen».

Am Dienstag nominiert Bundestrainer Joachim Löw in Dortmund sein vorläufiges Aufgebot für die WM, die am 14. Juni in Russland beginnt. Özil und Gündogan dürften dem Kader angehören.

(ddu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Darkwing Defekt am 14.05.2018 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht wirklich intelligent

    keine Wahlkampfhilfe? "für meinen Präsidenten" auf das Trikot schreiben ist aber ein klares Bekenntnis! Sportler, welche sich politisch instrumentalisieren lassen sind schwach... Sorry fail...

  • Dänuz am 14.05.2018 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integration gelungen

    Bravo Cem Özdemir! Ein grüner der tacheles spricht. Genau so und nichts anderes.

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  • Ohnezahn71 am 14.05.2018 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nationalspieler Trikots

    Finde ich auch ein Deutscher Nationalspieler spielt für Deutschland würde mir wünschen diese zur WM nicht mitzunehmen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • elyas am 15.05.2018 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertreiben muss man nicht!

    Wenn merkel die Kabine stürmt ist die Welt in Ordnung, wenn der türkische Präsident besucht wird, wird es zur Wahlkampagne! Erdogan braucht keine Unterstützung so oder so wird er als gewinnen.

  • Heidi Heidnisch am 14.05.2018 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Foul

    Rote Karte!

  • Italiener Oder Schweizer? am 14.05.2018 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer natürlich

    Ich bin doppelbürger. Ich liebe mein Italia aber bin stolz und mit freude bin ich schweizer und hier geboren. Die schweiz hat mich zu dem gemacht was ich heute bin. Also bin ich schweizer mit italienischen vorfahren.

  • KeinErdiFan am 14.05.2018 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cool

    hmm jeder Mensch ist doch frei...oder ist dies nicht mehr so? aha ja gut...die Türken dürfen das nicht...für alle anderen gilt dies...finde das Bild sympatisch:) schlussendlich darf jeder den wählen, wessen er für richtig hält! Jeder hat seine eigene Meinung und wenn die Jungs dies für richtig halten...sollten wir das akzeptieren...

    • diogeness am 15.05.2018 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @KeinErdiFan

      Das hat nichts mit Türke oder Nichttürke zu tun, sondern mit der Person Erdogan und seiner Politik und Ideologie.

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  • 8 am 14.05.2018 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreitet in Europa  

    Find ich ok Egal ob oder für oder Erdogan , wir leben anscheinend in einer demokratischen Gegend , besser als in der anscheinend undemokratischen Türkei. Da darf man ja nicht zudem stehen was mann möchte.