Ländertestspiel

09. Oktober 2019 22:40; Akt: 10.10.2019 07:51 Print

Deutschland verblüfft zuerst, bricht dann ein

Zur Pause führt Deutschland gegen Argentinien noch 2:0. In der Schlussphase powern sich die Gäste noch zum Ausgleich.

Da sah noch alles rosig aus für Deutschland: Serge Gnabry trifft in der 15. Minute zum 1:0. (Video: RTL)
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Aus der Not heraus hat eine Bubi-Elf um den neuen Torgaranten Serge Gnabry gegen Argentinien lange verblüfft – brach am Ende aber ein. Die von Bundestrainer Joachim Löw nach dem Ausfall von 15 Nationalspielern formierte Verlegenheits-Formation begeisterte am Mittwochabend die lediglich 45'197 Zuschauer in Dortmund beim 2:2 im Testspiel gegen die ohne Weltfussballer Lionel Messi angetretenen Gäste zwischenzeitlich mit ihrem überfallartigen Konterfussball. In der Schlussphase zahlte sie Lehrgeld.

Der immer gefährliche Bayern-Angreifer Gnabry (15. Minute) mit seinem zehnten Tor im elften Länderspiel und der Leverkusener Kai Havertz (22.) mit seinem Premierentreffer im Nationaltrikot belohnten die im Schnitt 24 Jahre alte DFB-Startelf mit den Freiburger Neulingen Robin Koch und Luca Waldschmidt für einen beherzten und forschen Auftritt. Die eingewechselten Lucas Alario (66.) und Lucas Ocampos (85.) sorgten für den Ausgleich. Nach der grundsätzlich dennoch überzeugenden Vorstellung kann die Löw-Auswahl mit viel Energie nach Tallinn zum EM-Qualifikationsspiel beim punktlosen Tabellenletzten Estland an diesem Sonntag reisen.

Kimmich erstmals Captain

Löws Notelf, die zum ersten Mal seit fünf Jahren ohne Weltmeister auflief, agierte im inzwischen bewährten 3-4-3-System von Beginn an erstaunlich eingespielt. Das Umschaltspiel meist über Havertz funktionierte vor allem in der ersten Halbzeit trotz der vielen Ausfälle. Die junge DFB-Elf, die erstmals von Joshua Kimmich als Captain aufs Feld geführt wurde, stellte die überforderten und oftmals überrumpelten Gäste immer wieder vor Probleme. Marc-André ter Stegen, der im deutschen Tor seine Chance bekam, war kaum gefordert.

Gnabry vollendete eine Flanke des auffälligen Lukas Klostermann technisch stark, kurz vor der Pause scheiterte er knapp (45.). Den Treffer durch Havertz, der seine Qualitäten als Spielmacher aufblitzen liess, bereitete der Münchner Vierfach-Torschütze aus der Champions League lehrbuchhaft vor. An der Entstehung war wieder Klostermann beteiligt. Der Aussenverteidiger von RB Leipzig konnte sich auf der rechten Seite immer wieder energisch ins Angriffsspiel einschalten.

Mit vielen Neulingen Lehrgeld gezahlt

Von dem kurzfristigen Ausfall des eigentlich für die Startelf eingeplanten Berliners Niklas Stark (Magen-Darm-Infekt) profitierte Koch als zentraler Innenverteidiger neben Niklas Süle und Emre Can, der in der 55. Minute an Argentiniens Torwart Agustin Marchesin scheiterte. Der 23 Jahre alte Koch erledigte seine Aufgabe unaufgeregt und umsichtig – beim Gegentor durch den Leverkusener Alario zahlte der SC-Profi allerdings Lehrgeld und kam im Zweikampf zu spät. Waldschmidt konnte sich neben seinen schnellen Sturmpartnern Gnabry und Julian Brandt nicht oft in Szene setzen. Kurz nach dem Wiederanpfiff traf er das Aussennetz (47.).

«Sie sind motiviert und haben keine Angst», sagte Löw über die Neulinge 102 und 103 seiner Amtszeit. Der Leverkusener Nadiem Amiri kam in der 66. Minute als Debütant Nummer 104, auch der ebenfalls nachnominierte Schalker Suat Serdar kam zu seinem ersten Einsatz (72.). Auf der Ehrentribüne feierte der neue DFB-Präsident Fritz Keller als dritter Freiburger sein Debüt bei der Nationalmannschaft. Er sah in der 31. Minute des bis dahin unterhaltsamen Spiels einen Freistossknaller von Marcel Halstenberg, der aber nur die Latte traf.

Ohne Messi fehlt die Durchschlagskraft

Auf der Gegenseite scheiterte Rodrigo de Paul am linken Pfosten (33.). Nach dem Anschlusstreffer wurden die Gäste, die sich unter Trainer Lionel Scaloni fast noch mehr als die deutsche Mannschaft im Umbruch befinden, besser. Ohne Superstar Messi fehlte aber die ganz grosse Durchschlagskraft. Die Starspieler Paulo Dybala, der ohne Torschuss nach gut einer Stunde ausgewechselt wurde, und Lautaro Martinez kamen fast überhaupt nicht zur Geltung. Alario verfehlte das Tor von ter Stegen knapp (78.), Ocampos machte es besser.

Deutschland - Argentinien 2:2 (2:0)
Dortmund. – SR Turpin (FRA). – Tore: 15. Gnabry 1:0. 22. Havertz 2:0. 66. Alario 2:1. 85. Ocampos 2:2.
Deutschland: ter Stegen; Can, Koch, Süle; Klostermann, Havertz (83. Rudy), Kimmich, Halstenberg; Brandt (66. Amiri), Gnabry (72. Serdar), Waldschmidt.
Argentinien: Marchesin; Foyth, Otamendi, Rojo (46. Acuna), Tagliafico; Pereyra (76. Saravia), De Paul (92. Rodriguez), Paredes; Correa (46. Ocampos); Dybala (62. Alario), Martinez.
Bemerkungen: Deutschland u.a. ohne Draxler, Ginter, Goretzka, Kroos, Sané (verletzt) und Werner (krank), Argentinien u.a. ohne Messi (gesperrt), Higuain und Di Maria. 31. Lattenschuss Halstenberg. 33. Pfostenschuss De Paul.

Fussball

(dpa/erh)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schmidli ZH am 09.10.2019 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    gute Substanz

    Gerechtes Ergebnis und insgesamt ein unterhaltendes Spiel. Man sieht auch Deutschland hat sehr gute junge neue Spieler und an der nächsten EM und WM sind sie, nach der verkorksten WM, sicherlich wieder im engeren Favoritenkreis.

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  • Reto Udinger am 10.10.2019 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Merci beaucoup

    Dankesehr liebe Kommentatoren. Ich bin positiv überrascht, endlich kein klassisches Deutschen Gebashe (schreibt man das so?) und Doppel-Adler Gesülze. Ich wünsche ich euch allen einen schönen Start in den Donnerstag.

  • Züzi am 09.10.2019 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Sieht doch schon ganz gut aus bei den Deutschen. Gefällt mir sehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris eberl am 10.10.2019 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Talente ohne Ende

    Wahnsinn was da an jungen Talenten mit Potential vorhanden ist - die Deutschen könnten direkt 2 A Mannschaften aufstellen - für die EM nächstes Jahr wird's whsl noch zu früh - aber ab 2022 rechne ich wieder fest mit einer Hammermannschaft

  • Ihr Schlitzohren `Till`-Eulenspiegel am 10.10.2019 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt gebt es einfach zu, heimlich Fan?

    Ist schon interessant, wie viele Schweizer/innen, deutschen Fußball anschauen. Seid Ihr vielleicht irgendwie mit deutschen verwand. (Oma,Opa etc.....). Die Bundesliga wird ja auch oft geschaut. Wieso eigentlich? Fragen über Fragen. Also wir schauen Schweizer Fußball eigentlich überhaupt nicht.

  • Robi am 10.10.2019 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Beste Unterhaltung!

    Ein Testspiel der besseren Sorte.....zugegeben, es war eine prestigeträchtige Partie, aber wenn man sie die seelenlosen Auftritte unserer Nationalmannschaft bei Testspielen vor Augen hält, dann lagen da doch Welten dazwischen.....eine ganz grosse erste Halbzeit der Deutschen und ein aufopfernd kämpfendes Argentinien in den zweiten 45 Minuten sorgen für ein letztendlich gerechtes Remis nach einem insgesamt hochstehenden Spiel. Toll auch der angenehm sachliche und faire Ton des Kommentatoren-Duos Hagemann/Freund. Chapeau!!

    • Swissman73 am 10.10.2019 20:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Robi

      Wenn man jetzt noch bedenkt, dass bei Deutschland 13 Spieler fehlten und bei Argentinien 11, war das eigentlich allerbeste Unterhaltung. Hagemann und Freund sind Top. Musst am Montag mal RTL Nitro einschalten um 22:15 Uhr. Das sind die beiden auch. Vor allem Freund hat was drauf, analytisch und fachlich. Hageman ist ein Superkommentator. Die ergänzen sich super. Bin froh, dass RTL diese Spiele überträgt. ARD/ZDF sind wie SRF geworden. Langweilig und fussballfremd.

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  • Bernerfussballfan am 10.10.2019 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Testspiele

    Solche Testspiele sind Experiment Spiele. Klar die Deutschen Journalisten pauschen immer alles auf und dann könnte man meinen nur in Deutschland könnte Fussball gespielt werden und sie seien die Grössten und Besten, es ist ja immer der gleiche Trott. Lustig ist wie sie dann verstummen und nach Ausreden suchen so wie gegen Holland, aber da ging es halt um was. Eine solche WM wie in Russland wird es wohl nicht mehr so schnell geben wo sie sich schon in der Vorrunde verabschiedeten, das lässt ihr Stolz nicht nochmal zu. Lustig war's trotzdem die Reaktionen der 70 Millionen Nationaltrainer.

    • Dimmi am 10.10.2019 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bernerfussballfan

      Dieser Trott findet doch nur in den Köpfen einiger Neidgenossen statt. Von wir sind die Größten und Besten, ist in deutschen Medien nicht die Rede.

    • Ben am 10.10.2019 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bernerfussballfan

      Ja klar, wenn Deutsche ihr Testspiel analysieren, unterstellt der Schweizer, die Deutschen suchen nach Ausreden.

    • Beat am 10.10.2019 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bernerfussballfan

      Sind sie nun verstummt, oder suchen sie nach Ausreden? Einfach wieder die typischen Unterstellungen, die von Schweizern kommen, egal wie Deutsche reagieren. Die Deutschen können machen was sie wollen, der Vorwurf es sei Arrogant, folgt hier sowieso.

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  • unglaublich am 10.10.2019 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    aber wahr

    Fairerweise hätte ich auch die vielen fehlenden Stammspieler der Argentinischen Nationalmannschaft genannt.