Mehr Probleme als zuvor

10. Februar 2011 07:44; Akt: 10.02.2011 09:15 Print

Die Chronologie der Blamage

von Reto Fehr, Malta - Die 90 Minuten der Schweizer Nati gegen Malta waren ein einziger Tiefpunkt. Doch das Unheil begann schon vorher – und ist noch nicht vorbei.

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Die besten Bilder der Partie Malta - Schweiz.

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Im März tritt die Nati zum kapitalen Spiel gegen Bulgarien an, im Juni folgt im Wembley der Knüller gegen England. Diese beiden wichtigen Spiele wollen gut vorbereitet sein. Dass dabei Malta als einziger Testgegner ausgewählt wurde, überrascht. Der Ernstfall kann gegen die Nummer 163 des Fifa-Rankings nicht wirklich geprobt werden. «Ottmar Hitzfeld wollte einen Gegner aus dem Süden Europas», erklärte Medienchef Marco von Ah vor dem Spiel. Man hat den Testgegner also nach der Geographie und nicht der Stärke ausgewählt. Auch wenn man in Testspielen nur auf sich selber schauen muss und der «Ernstfall» gegen Bulgarien auch mit einer Partie gegen Rumänien oder selbst gegen das Team von Lothar Matthäus selbst nicht wirklich hätte simuliert werden können: Glücklich war die Wahl nicht.

Damit begann schon im letzten Jahr eine Reihe von unglücklichen Gegebenheiten, welche jetzt mit dem 0:0 vorerst endeten. Einige sind selbst verschuldet, andere einfach dumm gelaufen. Zum Beispiel die Verletzung von Johan Djourou. Der Arsenal-Söldner spielt in England seit seinem Comeback stark und wäre eine klare Verstärkung für die Schweizer Innenverteidigung.

Fehlendes Gepäck und ein Ultimatum

Auch die Reise auf die Mittelmeerinsel selbst startete ungünstig. Einige Gepäckstücke landeten erst verspätet auf Malta. So musste das erste Rasentraining in eine Gymnastikstunde umgewandelt werden. Spieler wie Blerim Dzemaili erhielten ihre Schuhe erst am Spieltag selbst. Und der gleiche Spieler zog die Aufmerksamkeit auf sich, als ihm Ottmar Hitzfeld an der Pressekonferenz vor der Partie ein Ultimatum setzte, weil er sich nicht «teamgerecht» über seine Konkurrenz im Mittelfeld geäussert hatte. Weitere Unruhe kam auf, weil Hitzfeld selbst seine Zukunft so bald wie möglich geklärt haben will. Geht es nach dem Lörracher, soll der Nati-Trainer-Vertrag noch vor dem Bulgarien-Spiel verlängert werden. Die Themen vor der Partie gegen Malta waren eher politischer denn sportlicher Natur. Eine optimale Vorbereitung sieht anders aus.

Das Ungemach begleitete die Nati dann auch im Spiel von Anfang an. Bei den ersten Pressingversuchen nach wenigen Sekunden tunnelten die Halbprofis aus Malta gleich zwei Schweizern innert wenigen Augenblicken. Das Publikum quittierte die Höchststrafe für einen Fussballer mit lautem Gejohle und als Alex Frei in der zweiten Minute seinen Elfmeter verschoss, ahnte manch einer, dass es im Ta'Qali-Stadion statt einer Spazierfahrt zu einem «Chnorz» werden könnte.

Zwei verletzte Spieler

Zum bescheidenen Schweizer Auftritt in der ersten Halbzeit, gesellte sich auch noch Pech: Stepahne Grichting musste in der 32. Minute mit einer Mittelhandfraktur des Ringfingers verletzt vom Feld und kurz vor der Pause wurde auch Pirmin Schwegler notgedrungen ausgewechselt: Der Frankfurter musste nach einem Zusammenprall ausserhalb des Feldes gepflegt werden. Hitzfeld reagierte und brachte Dzemaili ins Spiel. Als Schwegler wenig später – trotz zwei offenen Wunden am Knie und Bauch sowie womöglich einer Gehirnerschütterung - Richtung Mittellinie spurtete, um wieder ins Spiel einzugreifen, musste ihn der vierte Offizielle darauf hinweisen, dass er ausgewechselt wurde. Schwegler erklärte nach der Partie zwar, dass er sowieso in der Pause durch Dzemaili ersetzt worden wäre, aber die Szene passte zum unglücklichen Schweizer Auftritt wie die Faust aufs Auge.

Nach der Pause nahm das Ungemach seinen weiteren Lauf, als Alex Frei kurz nach Wiederanpfiff freistehend aus wenigen Metern übers Tor schoss und Gökhan Inler den zweiten Elfmeter als Rückpass auf den Torhüter spielte.

Mehr Probleme als zuvor

Die Bilanz der Malta-Reise zusammengefasst: Statt eines Schubs Selbstvertrauen durch einen klaren Sieg hat die Nati jetzt mehr Probleme als vor dem Test. Zwei Spieler fielen verletzt aus, ein neuer Penalty-Schütze muss her, die Innenverteidigung bleibt ein Fragezeichen und die erhofften «Lösungen in der Offensive» wurden nicht gefunden. Zudem werden die Gegner von Alex Frei jetzt wohl aufgrund des verschossenen Elfmeters und der allgemein schwachen Leistung erneut den sofortigen Rücktritt des Rekordtorschützen fordern und die Diskussionen um Hitzfelds Vertrag werden anhalten. Das sind keine guten Voraussetzungen für das Spiel gegen Bulgarien.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt Nehmer am 10.02.2011 02:30 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstgefällige Truppe ....

    Selbstgefällige Truppe die sich wirklich heftig schämen sollte! Für meinen Teil habe ich vom Schweizer Fussball eh genug sodass ich mir in Zukunft auch noch das gelegentliche Reinzappen sparen werde.

  • Bettina am 09.02.2011 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr bedenklich

    Das ist ja sehr bedenklich. Die Schweiz war schon an der WM gegen die Ukraine schlecht beim schiessen von Elfmetern. Aber das übertrifft fast alles. Alex Frei stand ja fest in der Kritik. Aber ich glaube solche Spiele zeigen das sich einfach viel ändern muss in der schweizer Nationalmannschaft. So schämt man sich ja schon fast. Bei so einer Leistung. Frei, Streller, Yakin und Grichting gehören für mich einfach nicht in die Nationalmannschaft. Ihre Zeit ist vorbei. Lieber junge Spieler bringen. Die Schweiz fördert junge talente warum die nicht auch eine Chance kriegen sollten verstehe ich nicht

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  • pedro am 10.02.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Vertragsverlängerung mit o. Hitzfeld

    Nun sollte der hinterste Laie wissen dass Othmar Hitzfeld nicht fähig ist eine Nati zu führen! Es ist ein Unterschied ein verschweisstes Klubteam mit einem System zu trainieren lassen. Hitzfeld kann dies nicht und flüchtet sich immer wieder in diverse (nutzlose) Auswechslungen. Herr Hitzfeld beenden Sie nach der Nicht-Qualifikation ihre Dienste mit unserer Nati!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sven am 11.02.2011 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Einfacher geht es nicht

    Wenn man den Ball von 11 Metern, und mit nur einem Gegner (Torwart) nicht ins Tor bringt, wie will man denn ein Tor im spiel herausschiessen gegen 11 Gegner und mehr als 11 Meter Abstand?

  • Gilbert Meister am 11.02.2011 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Alex, das wars endgültig

    Wie will Alex Frei gegen Bulgarien oder England ein Tor schiessen, wenn er nicht einmal gegen Malta völlig unbedrängt von 11m trifft?

  • Oli am 11.02.2011 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach unglaublich !!!

    Bin ja mal gespannt, wie das Publikum und die Fans beim nächsten nationalen Auftritt von Frei reagieren wird. Ich hoffe, diese sind "nicht" ganz so hart zu ihm, sonst bekommt er dann noch einen Weinkrampf. ;-) Darum würde ich ihm vorher schon mal ein Familienpack Tempos überreichen. Sorry. Aber Frei ist einfach nicht mehr tragbar. Schaut Euch mal im Ausland Spiele an und auch die Interviews der Spieler. Das sind Profis und nicht so verzogene, überbezahlte und nichtsleistende Divas wie Frei !!! Hoffentlich erreicht die CH nicht die EM. Ich will mich nicht noch mehr schämen !!!

    • fd am 11.02.2011 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      Bleibt mal cool...

      schweiz bleibt nun mal ein Fussballzwerg , darum sollte man sich nicht überwältigen, auch wenn mal gegen Spanien( man weiss heute noch nicht wiee ) gewonnen hat. auch die medien sollten zurückschrauben, schaut lieber ski....sorry, nicht mal hier klappt es, sow wies aussieht :O)

    • Peter am 11.02.2011 13:16 Report Diesen Beitrag melden

      Nein

      Frei beantwortet Interviews sehr professionell. Auch deswegen war er bei den BVB Fans Publikumsliebling(!).

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  • Fan von Barca am 11.02.2011 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr seid Flaschen

    CH-Fussball ist Kasperlitheater aber nichts ernstes. Es ist zuviel Geld im Spiel als dass sich die Truppe wirklich anstrengen MUSS. National siehts zwar meistens gut aus mangels Vergleichen aber was dann im Ausland passiert, da kann man schonungslos das Niveau unserer sogennanten Stars sehen, nicht mehr als Hinterhof-Fussballl aber dafür mega gut bezahlt und Weltmeister im Schönreden inkl. Trainer.

  • oberaargauer am 11.02.2011 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    SChweizerfussball wird überbewertet

    janu, der fusball bei uns wird definitiv überbewertet! Sorry, war der fussball je gut (in int. vergleich) ? Nicht wirklich, und doch klammern sich immer wieder alle und die medien daran........ tja leider sieht man nicht der realität ins auge. schweizerfussbal ist im internatianlen parkett einfach unterdurchschnitt.......