Chronik der Ereignisse

16. Mai 2012 09:46; Akt: 16.05.2012 10:24 Print

Die Fussball-Schande von Düsseldorf

Pyro-Würfe aus dem Gäste-Block, zu früher Platzsturm der Fortuna-Fans, drohender Spielabbruch und Hertha-Protest: Chaotische Szenen überschatten den Aufstieg von Fortuna Düsseldorf.

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Die Fans von Düsseldorf hätten am 15. Mai 2012 beinahe das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin zum Abbruch gebracht. Die Fortuna-Fans stürmten zu früh den Platz, da sie glaubten, der Aufstieg sei bereits perfekt. Dabei waren noch zwei Minuten zu spielen. Hunderte mussten von den Sicherheitsleuten wieder vom Platz geschafft werden. Erst nach einer halben Stunde konnte die Partie zu Ende gepspielt werden. Schon zuvor gabs Randale: Hertha-Fans zünden nach dem 2:1-Führungstreffer der Fortuna Pyros. Die Brandsätze fliegen auf den Platz und die eigenen Spieler müssen die Chaoten beruhigen. Doch nicht nur nach dem 2:1 kippte die Stimmung. Ein TV-Mikrofon... Hertha-Spieler räumen die Pyros selbst weg. Die letzten Minuten konnten nur dank imenser Polizeipräsenz gespielt werden. Die Polizisten versuchen die Fans - die vor dem Abfpiff das Feld stürmten - wieder auf die Tribünen zu treiben. Natürlich gabs auch Verhaftungen. Spieler wie Adam Bodzek drehten beim grob fahrlässigen Verhalten der eigenen Anhänger fast durch. Ranisav Jovanovic - nach seiner vergebenen Chance stürmten hunderte Fans den Platz. Konsternation pur. Die Fortuna jubelt über den Aufstieg in die 1. Bundesliga. König Otto muss mit Hertha Berlin in die 2. Bundesliga. Die junge Fortuna-Fans freuen sich auf ein Fussballfest. Nicht Campino von den Toten Hosen, aber sonst ein Punkrocker, der Fortuna-Fan ist. Dann wars tatsächlich geschafft: Goalie Michael Ratajczak lässt sich feiern. Und auch Verteidiger Assani Lukimya. Der Platz wurde jetzt endgültig gestürmt. Souvenirjagd. Mitten im Aufstiegstaumel: Andreas Lambertz, der von der vierten bis in die oberste Liga aufsteigt.

Chaos beim Relegationsspiel Fortuna vs. Hertha.

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2:2 im Relegationsrückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin: Nach dem 2:1 im Hinspiel steigt die Fortuna nach 15 Jahren Absenz wieder in die Bundesliga auf. Aber ob es wirklich dabei bleibt, steht noch nicht fest. Die Hertha prüft nach einer skandalösen und beschämenden Schlussphase einen Protest gegen die Wertung des Spiels. Es droht vielleicht ein Wiederholungsspiel. Was war passiert?

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Die Partie zwischen dem Bundesliga-16. und dem Zweitliga-3. ist von Beginn an packend. Schon in der 1. Minute bringt Beister die Fortuna in Führung. Die Euphorie auf den Rängen ist grenzenlos, bis Ben-Hatira in der 23. Minute den Ausgleich schafft. Zur Halbzeit ist die Ausgangslage noch immer völlig offen.

Fackeln aus dem Hertha-Block

Zehn Minuten nach dem Tee wird Hertha-Torschütze Ben-Hatira nach seiner zweiten Gelben Karte vom Platz gestellt. Der Berliner hatte seinen Gegenspieler mit einer Kamikaze-Flugeinlage brutal von den Beinen geholt. Zu zehnt braucht Hertha nun dringend ein Tor, kassiert in der 59. Minuten allerdings das 1:2. Die Hertha-Fans werfen in der Folge Pyro-Fackeln aufs Spielfeld. Der jederzeit souveräne Schiedsricher Stark muss die Partie zum ersten Mal unterbrechen, während die Berliner Spieler die eigenen Fans beruhigen müssen.
Hertha Fans werfen nach dem Rückstand Fackeln aufs Spielfeld. (Quelle: YouTube/Weeedoctor)

Hertha wirft nun alles nach vorne. In der 85. Minuten erzielt Raffael den Ausgleich: Das Team von Otto Rehhagel hat nun fünf Minuten plus sieben Minuten Nachspielzeit, um sich mit einem weiteren Treffer den Klassenerhalt zu sichern. Doch das erlösende Tor fällt nicht. Die ersten Düsseldorf-Fans befinden sich schon am Spielfeldrand, als Fortuna-Stürmer Jovanovic in der Nachspielzeit alles klar machen kann, doch er vergibt alleine vor Hertha-Keeper Kraft.

Fortuna-Fans stürmen den Platz

Nach dem vergebenen Matchball - die Partie dauert eigentlich noch zwei Minuten - gibt es plötzlich kein Halten mehr. Einige Fortuna-Fans stürmen den Rasen, glauben, der Aufstieg sei bereits Tatsache. Hunderte folgen, zünden Pyros auf dem Spielfeld, umarmen ihre Helden oder graben bereits den Penaltypunkt aus.
Der verfrühte Platzsturm der Fortuna-Fans. (Quelle: YouTube/Weeedoctor)

Einige Fortuna-Spieler erkennen den Ernst der Lage sofort und fordern die Fans wild gestikulierend auf, das Spielfeld wieder zu verlassen. Vergebens. Die Berliner flüchten unterdessen zusammen mit Schiedsrichter Stark und den beiden Trainern, die sich demonstrativ in den Arm nehmen, in die Kabine. Das Spielfeld ist mittlerweile voller Fans. Es droht ein Spielabbruch. Erst als der Stadionspeaker die Fanmassen aufklärt, dass der Aufstieg noch nicht Tatsache ist und sie auffordert den Rasen zu verlassen, haben die Platzstürmer ein Einsehen und ziehen sich zurück.

Platz muss wieder geräumt werden

Nach einigen Minuten kehren die Unparteiischen gefolgt von beiden Mannschaften auf den Rasen zurück. Und schon passiert der nächste Aufreger. Fortunas Lukimya und Herthas Lell geraten aneinander. Der Berliner soll seinen Gegner angespuckt haben. Nun liegen sich auch noch die Spieler in den Haaren. Die Partie kann trotz der Platzräumung noch immer nicht wieder angepfiffen werden. Die Fans stehen noch auf dem Rasen. Schiedsrichter Stark und die beiden Mannschaften müssen wieder vom Feld.

Unter Grossdruck versuchen die Sicherheitsleute die Fans vom Feld zurück auf die Tribünen zu befördern. Zuvorderst anzutreffen ist dabei auch immer Fortuna-Legende Sascha Rösler, der in seinem letzten Spiel allerdings nicht zum Einsatz kommt. Rund 30 Minuten nach dem verfrühten Platzsturm ist alles wieder bereit. Schiedsrichter Stark und die Fortuna-Spieler kehren aufs Spielfeld zurück, doch die Herthaner bleiben in der Kabine. Sie wollen offenbar nicht mehr zu Ende spielen.

Hertha prüft Protest

Nach langer Beratung kommt die Rehhagel-Truppe dann aber doch und spielt «unter Todesangst» zu Ende. Nach nicht einmal 120 Sekunden pfeift Schiedsrichter Stark endlich ab und es folgt der zweite, diesmal reguläre Platzsturm der Fortuna-Fans. Der Jubel auf dem Platz ist grenzenlos, doch das Skandalspiel wird mit Sicherheit ein Nachspiel haben. Hertha wird gegen die Spielwertung wohl Protest einlegen. Gemäss der «Bild»-Zeitung sind ein Wiederholungsspiel oder sogar die Aufstockung der Bundesliga möglich.

(pre)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel Lehmann am 17.05.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Repression / Illusion

    Die Reaktionen sind komplett übertrieben. Die Bengalo-Würfe stammten aus dem Sektor der Berliner (Abstiegsgefahr). Der Platzsturm von übermütigen Fortuna-Fans ohne Agression. Zehn Jahre Repression haben nichts gebracht. Viel eher erreicht man etwas indem man die Fans in die Pflicht nimmt. Wie z.B. kontrolliertes Abbrennen wie es aktuell in Zürich zur Debatte steht.

  • denko am 16.05.2012 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    emotionen

    die schweizer haben diese schon lange irgendwo verloren... anstatt von emotionen ist in jedem schweizer ein wenig bank und ein wenig polizei drin

    einklappen einklappen
  • Sio M. am 16.05.2012 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wiederholungsspiel gewünscht!

    Die Umstände waren schlicht eine Katastrophe. Obwohl aus sportlicher Sicht Fortuna verdient den Aufstieg geschafft hat, müsste aus meiner Sicht die Partie wiederholt werden. Auch wenn es nur um einige Minuten geht, 1 Tor hätte Hertha für den Klassenerhalt genügt. Die Bedingungen in den Schlussminuten haben aber kein normales Fussballspiel mehr erlaubt, auch wenn der Platz wieder "geräumt" wurde. Hut ab, dass Hertha überhaupt noch einmal aus der Kabine gekommen ist. Schade, dass es solche Fans gibt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • FenerFan am 17.05.2012 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer als in istanbul

    Ich dachte das passiert nur in der Türkei als ich letzte Woche die Kommentare vom Spiel Fenerbahce-Galatasaray gelesen habe ? Aber sorry das ist schlimmer als in Istanbul denn das Spiel war noch nicht aus.

  • Daniel Lehmann am 17.05.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Repression / Illusion

    Die Reaktionen sind komplett übertrieben. Die Bengalo-Würfe stammten aus dem Sektor der Berliner (Abstiegsgefahr). Der Platzsturm von übermütigen Fortuna-Fans ohne Agression. Zehn Jahre Repression haben nichts gebracht. Viel eher erreicht man etwas indem man die Fans in die Pflicht nimmt. Wie z.B. kontrolliertes Abbrennen wie es aktuell in Zürich zur Debatte steht.

  • BeartSauber am 17.05.2012 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Pyros / Bengalos / Vermummung verbieten

    Sofort alle Pyros / Bengalos verbieten. Wenn diese gezündet werden, sofortiger Spielabruch. Alle Vermummten Landesweites Stadionverbot. Wir lassen uns den Fussball nicht weiter kaputtmachen. Weder hier noch bei unseren Nachbarn.

  • Max Muster am 17.05.2012 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wiederholungsspiel ohne Zuschauer!

    ... sonst hört das nie auf. Bei drei Abstiegen der Bundesliga gab es massiv Theater (Köln, Karlsruhe, Düsseldorf).

  • mir egal am 16.05.2012 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    wiederholung

    Ein Wiederholungsspiel währe wohl das beste.. da man auch einsehen muss das es auch spielerisch nicht das gleiche ist wie wenn man ca 95min spielt und dann ist der abpfiff aber jedes mal wider 5-10min pause und dann wieder zurück das kann es nicht sein.