Nations League

18. November 2018 19:32; Akt: 21.11.2018 07:25 Print

Die Schweiz deklassiert die Weltnummer 1

Was für ein Spiel: Nach frühem 0:2 fertigt die Schweiz Belgien 5:2 ab und qualifiziert sich fürs Finalturnier der Nations League – Seferovic erzielt drei Tore.

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Loris Benito, Kevin Mbabu, Ricardo Rodriguez und Nico Elvedi, Teile der improvisierten Abwehr, die von Vladimir Petkovic auf den Platz gestellt wurde, jubeln nach 90 Minuten. Obwohl es etwas mehr als eine Stunde gar nicht danach ausgesehen hatte. Stimmungsvoller Auftakt in Luzern. Die Fans begrüssen die Schweizer Nationalmannschaft mit einer Choreografie. Nico Elvedis Riesenbock: Ohne Not spielt er Thorgan Hazard zu, der zum 0:1 trifft. Liegt es daran, dass Elvedi in Gladbach mit Hazard zusammenspielt? Keine zwei Minuten sind gespielt, schon jubelt Belgien über das erste Tor. Und es kommt noch schlimmer: Wieder Hazard, wieder Tor. In der 17. Minute steht es 2:0 für Belgien, und wieder sieht Hazards Gegenspieler Elvedi nicht gut aus. Der Beweis, dass die Schweizer auch ganz am Anfang des Spiels durchaus kämpfen möchten: Kevin Mbabu grätscht gegen Nacer Chadli. Da gibt es einiges zu korrigieren: Granit Xhaka versucht die Kollegen in die richtige Richtung zu lenken. So sieht ein besorgter Trainer aus: Vladimir Petkovic beim Stand von 0:2. Ein klarer Fall von: Foul ist, wenn der Schiri pfeift. Mbabu fällt, Schiedsrichter Daniele Orsato ist so nett und gibt den Elfmeter. Da kommt die Hoffnung zurück: Ricardo Rodriguez verwandelt den gnädig gepfiffenen Elfmeter zum 1:2. Der Chef und sein verlängerter Arm: Petkovic gibt Xhaka Anweisungen, auf dass es besser werde. Und es wird besser: In der 31. Minute trifft Haris Seferovic auf tolle Vorarbeit von Xherdan Shaqiri zum 2:2. Ja, den drückt er rein. Das 2:2 von Seferovic. Und wie es besser wird! Noch vor der Pause trifft erneut Seferovic. In der 44. Minute haben die Schweizer also aus einem 0:2 ein 3:2 gemacht. Jubel über den gedrehten Rückstand. Die Schweizer bejubeln die 3:2-Pausenführung. Und dann macht Nico Elvedi seinen Fehler doch tatsächlich wieder gut. Der Gladbacher erzielt nach einer Flanke von Xherdan Shaqiri das 4:2. Und dann ist es so weit. Nach zahlreichen Schweizer Möglichkeiten darf Haris Seferovic seinen ersten Hattrick im Schweizer Trikot bejubeln. Mbabu flankt nach einer feinen Finte von Shaqiri, Seferovic köpfelt, 5:2. Es ist der Endstand in diesem Spiel, die Schweizer Mannschaft feiert mit Seferovic seinen Hattrick. Der Stürmer von Benfica Lissabon bekommt kurz darauf seinen verdienten Spezial-Abgang. Unter tosendem Applaus und stehenden Ovationen verabschiedet er sich vom Luzerner Publikum und macht Platz für Albian Ajeti.

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Fehler gesehen?

Der lang ersehnte Sieg gegen einen Grossen ist da! Die Schweiz schlägt die Weltnummer 1 Belgien nach frühem 0:2-Rückstand und nach grosser Wende 5:2 und qualifiziert sich für das Finalturnier der Nations League im kommenden Juni. Haris Seferovic erzielte drei Tore.

Am Ende war die Swissporarena in Luzern eine Festhütte. Als Matchwinner Haris Seferovic in der Nachspielzeit von Nationalcoach Vladimir Petkovic ausgewechselt wurde, bekam er die verdiente Standing Ovation. Ein Jahr und sechs Tage nach den bitteren Pfiffen von Basel in der WM-Barrage gegen Nordirland durfte der Stürmer den Rasen nach seiner ersten Triplette für die Schweiz als Held verlassen.

Ein cleverer Pass von Edimilson und Haris Seferovic schiesst das 3:2. Video: SRF

Seine Treffer brachten die Schweiz ins «Final Four», das vom 5. bis 9. Juni 2019 in Portugal stattfindet. Gegner sind dort neben dem Gastgeber auch England sowie Frankreich oder die Niederlande. Dabei wird es um den ersten Titel der Nations League gehen - und um einen schönen Batzen Geld. Neben den 3 Millionen Euro als Startgage und für den Gruppensieg gibt es für den Turniersieger nochmals 4,5 Millionen Euro zu gewinnen.

Tempo, Kreativität, Entschlossenheit, Effizienz

Wenn der letzte Eindruck tatsächlich bleibend ist, dann hat die Schweizer Mannschaft aus einem schwierigen Jahr doch noch ein sehr gutes gemacht. Sie war ab der 25. Minute so gut, wie man sie seit der Startphase im EM-Qualifikationsspiel gegen Portugal vor mehr zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte. Gemessen am Niveau des Gegner, dem WM-Dritten und Nummer 1 im FIFA-Ranking, war es vielleicht sogar das beste Spiel seit Jahren. Ein Spiel, von dem man auch in Jahrzehnten noch reden wird. So wie beispielsweise vom 4:1-Sieg an der WM 1994 gegen Rumänien. Tempo, Kreativität, Entschlossenheit und Effizienz: Es stimmte alles.

Xherdan Shaqiri mit dem ersten seiner zwei Assists, Seferovic trifft. Video: SRF

Auf das Penaltytor durch Ricardo Rodriguez zum Anschluss nach einem diskutablen Pfiff von Schiedsrichter Daniele Orsato folgten noch vor der Pause zwei sehenswert herausgespielte Tore von Haris Seferovic. Beim 2:2 verwertete er eine Kopfballvorlage von Xherdan Shaqiri, der von Rodriguez brillant angespielt wurde (31.), beim 3:2 schloss er einen Konter über Steven Zuber und Edimilson Fernandes ab (43.). Seine Show schloss der Stürmer in der 84. Minute mit dem 5:2 nach Flanke von Kevin Mbabu ab. Zuvor hatte Nico Elvedi mit seinem ersten Tor im Nationalteam das 4:2 erzielt; bereits mit diesem Resultat wäre die Schweiz für das Finalturnier qualifiziert gewesen.

Nico Elvedi macht seinen Fehler wieder gut und erzielt das 4:2. Video: SRF

Frühe Führung nach Elvedis Bock

An ein solches Ende hätte knapp anderthalb Stunden zuvor kaum mehr jemand geglaubt. Früh hatten sich die Schweizer nämlich ein 0:2-Handicap eingehandelt. Zwei Gegentore, die sie zwangen, das Spiel mit zwei Treffern Differenz zu gewinnen. Bis sich die wegen der Absenzen von Stephan Lichtsteiner, Fabian Schär und Manuel Akanji neu formierte Verteidigung mit Kevin Mbabu auf der rechten Seite sowie den Innenverteidigern Nico Elvedi und Timm Klose gefunden hatte, war sie bereits mehrmals düpiert worden.

Elvedi mit einem groben Fehler, 1:0 für Belgien durch Hazard. Video: SRF

Ein kapitaler Rückpass von Elvedi auf Thorgan Hazard führte bereits nach zwei Minuten zur belgischen Führung, ein Ballverlust von Klose und zu zögerliches Einsteigen von Elvedi ermöglichten wieder Thorgan Hazard das 2:0 schon in der 17. Minute. Es waren die Minuten, in denen man um die Schweizer Angst haben musste. Weil nicht nur die Abwehr überfordert war, sondern auch das Mittelfeld um Captain Granit Xhaka keinen Zugriff auf Ball und Gegner bekam. Eine womöglich krachende Niederlage zum Jahresabschluss lag in dieser Phase näher als der umjubelte und überragende Schlusspunkt.


Das sagen die Schweizer zur Gala gegen Belgien. Video: Sebastian Rieder

Auch wegen dieser schwierigen Anfangsphase sind der Sieg und die Leistung der Schweizer in den folgenden rund 70 Minuten umso höher einzustufen. Nicht nur die Innenverteidigung gewann von Minute zu Minute an Sicherheit. Vor allem die beiden Leader im Team, Xhaka und Shaqiri steigerten sich auf ein hohes Niveau. In ihrem Sog überzeugten andere ebenfalls. Etwa Edimilson Fernandes, der auf auf dem rechten Flügel ein belebendes Element war. Oder Mbabu, der ab der 20. Minute mit seinem mutigen und stürmischen Spiel seinen Beitrag zur Wende leistete - er war es, der vor dem wichtigen Anschlusstor den Penalty herausgeholt hatte.

Den Penalty verwandelt Ricardo Rodriguez gewohnt eiskalt. Video: SRF

Fussball

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 18.11.2018 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Das beste Spiel der Schweizer Nati dieses Jahr!! hammer, Gratulation.. so viele gute Junge Spieler. Der Umbruch wird kein Problem

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  • Beni am 18.11.2018 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Miesmacher

    Unfassbar, diese vielen Miesmacher und Besserwisser hier in der Kommentarspalte. Ich hab den Plausch an diesem geilen Spiel und wünsche den Schweizern viel Erfolg.

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  • Peter am 18.11.2018 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    5:2 für die Schweiz

    Mbabu was für ein Spieler. Der ist heute Top!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Allschwiler am 19.11.2018 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Qualifikationsgruppe

    Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Kann eine enorm schwere Qualifikationsgruppe werden.

  • Rolf Lehner am 19.11.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer und immer wieder...

    Warum kommt immer der unsympathische Zungenstrecker auf die Titelseite? Ist er der Schönste von allen oder meint es wenigstens. Ausser Shaki gibt es doch noch mehr Spieler.

  • maradona am 19.11.2018 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Nr 1 von was?

    Qatar hat die CH geschlagen also sind sie Nr. 1. Zum Lachen.

  • Balz am 19.11.2018 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Einsatz

    Ich habe oft den mangelnden Einsatz-Wille kritisiert. Der war diesmal top!

  • karin1 am 19.11.2018 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super gemacht

    danke an die ganze Fußballspieler und natürlich auch an den Trainer .Ihr habt das hervorragend gemacht.