Schweiz - Brasilien

14. August 2013 16:02; Akt: 14.08.2013 23:41 Print

Die Schweiz schlägt den Rekordweltmeister

Historischer Sieg: Die Schweizer Fussballnati besiegt den fünffachen Weltmeister Brasilien sensationell mit 1:0. Die Entscheidung brachte ein Eigengoal von Dani Alves.

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Die Schweizer Spieler jubeln. Sie ringen den fünffachen Weltmeister Brasilien in Basel mit 1:0 nieder. Den einzigen Treffer der Partie erzielte Dani Alves. Ein herrlicher Kopfball in die eigenen Maschen. In der umkämpften Partie kann Haris Seferovic nur wenige Akzente setzen. Die Schweizer zeigen gepflegtes Kurzpassspiel und tauchen immer wieder gefährlich im brasilianischen Strafraum auf. In der Partie ist richtig Pfeffer drin. Nach einem Nachtreten von Lichtsteiner greift Marcelo (l.) Lichtsteiner ins Gesicht. Für die Tätlichkeit gabs aber nur Gelb. Die brasilianischen Fans lassen sich die Laune trotz Niederlage nicht verderben. Die Seleçao trainiert im Basler St.Jakob-Park. Noch sind die Ränge leer. Neymar wird von Trainer Luiz Felipe Scolari genau beobachtet. Die Brazil-Stars beim lockeren Spielchen. Die Journalisten nehmen die Brasilianer vor der Übungseinheit in Beschlag. Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld teilt auf der Pressekonferenz in Basel mit, wie er Rekordweltmeister Brasilien in Schwierigkeiten bringen will. Blerim Dzemaili wird wohl im defensiven Mittelfeld von Beginn an spielen. Xherdan Shaqiri ist natürlich gesetzt. Philippe Senderos beginnt in der Innenverteidigung neben Timm Klose. Doch auch Nati-Neuling Fabian Schär wird seine Chance erhalten. Die Schweizer Nati trainiert vor dem Duell mit Brasilien auf dem Basler Rankhof. Valentin Stocker bedrängt unter den Augen von Blerim Dzemaili und Nati-Captain Gökhan Inler. Ricardo Rodriguez beim Shirt-Wechsel. Neuling Michael Lang fügt sich gut in die Mannschaft ein. Ottmar Hitzfeld gibt den Takt vor. Xherdan Shaqiri ist wie immer der gefragteste Nati-Kicker.

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Fehler gesehen?

Siege gegen grosse Nationen sind für die Schweiz gar nicht mehr so selten. Sie hat vor drei Jahren an der WM Spanien geschlagen und vor 14 Monaten Deutschland bezwungen. Aber ein Sieg gegen Brasilien ist immer noch etwas ganz Grosses für die SFV-Auswahl. Entsprechend ausgelassen feierten die 31'100 Fans im St.-Jakob-Park die Mannschaft - und die Spieler begaben sich auf eine Ehrenrunde. Das ist in einem Testspiel nicht die Norm.

Es war der Schweiz vorbehalten, den fünffachen Weltmeister und Confederations-Cup-Sieger nach dessen Serie von sechs Siegen als erstes Team nach elf Partien ohne Niederlage wieder zu schlagen. Und die Schweizer selbst verlängerten ihre Serie der Ungeschlagenheit auf zehn Partien. Die Defensive des Teams von Ottmar Hitzfeld ist nun schon seit 391 Minuten ohne Gegentreffer.

Herrliches Eigengoal

Der Sieg war absolut verdient, auch wenn er letztlich glückhaft zu Stande kam, weil das Tor ganz und gar nicht alltäglich war. Haris Seferovic setzte sich auf der rechten Seite durch und seine Flanke von der Grundlinie köpfte Dani Alves unbedrängt aus acht Metern mit dem Kopf unter die Latte ins eigene Tor.

Ausgerechnet dem mit 70 Länderspielen und zwei Champions-League-Siegen routiniertesten Spieler auf dem Rasen war dieser Fehler unterlaufen. Das Tor fiel in der besten Viertelstunde der Schweizer. Sie setzten nach dem Treffer nach und den Gegner nachhaltig unter Druck. Einige Male liessen sie den Ball über mehrere Stationen zirkulieren. Dem Publikum gefiel das. Es feierte die eigene Mannschaft früh mit «Ole, Ole«-Rufen.

Schon zur Pause wechselten die ersten Schweizer mit der Prominenz aus Brasilien die Trikots. Blerim Dzemaili bekam das Shirt des brasilianischen Captains Thiago Silva. Xherdan Shaqiri tauschte mit seinem Bayern-Klubkollege Luiz Gustavo. So freundschaftlich wie beim Pausentrott ging es auf dem Rasen sonst nicht zu.

Ein echter Test

Die beiden Mannschaften setzten um, was ihre Trainer vor dem Spiel angekündigt hatten. Dieses Duell war kein Freundschafts- sondern ein wichtiges Testspiel. Das Spiel wurde von beiden Seiten hart geführt, die Grenzen der Fairness wurden oft mehr als bloss geritzt.

Die Intensität in den Zweikämpfen kam den Schweizer etwas unerwartet mehr entgegen. Sie kamen nach einer zögerlichen ersten Viertelstunde zu ihren Chancen und begegneten den Brasilianern auf Augenhöhe. Blerim Dzemaili hatte nach einem Zuspiel von Valentin Stocker eine erste Gelegenheit (15.), sein Schuss wurde jedoch abgeblockt.

Eine gute Viertelstunde später warfen sich gleich zwei Brasilianer erfolgreich in die Abschlüsse von Stocker und Dzemaili, davor und danach versuchte es Xherdan Shaqiri mit Weitschüssen, einmal zwang er Goalie Jefferson zu einer Parade (43.). Nach dem Führungsstor hatten die einzige gefährliche Chance nicht die zur Reaktion gezwungenen Brasilianer, sondern Haris Seferovic, der nach einem Slapstick-Einlage von Jefferson kurz vor der Torlinie noch abgedrängt wurde (52.).

Shaqiri mit Glanzleistung

Alle diese Szenen sind Dokument einer über fast die ganze Spielzeit guten Leistung der Schweizer. Shaqiri war der auffälligste Schweizer, Valon Behrami mit seiner Zweikampfstärke der effizienteste und beste. Blerim Dzemaili, der an Stelle des im nächsten WM-Qualifikationsspiel gesperrten Gökhan Inler von Beginn weg spielte, versuchte Dynamik aus dem Mittelfeld heraus zu erzeugen, er kam tatsächlich zu seinen Chancen, streute aber auch zwei, drei gefährliche Abspielfehler in der eigenen Platzhälfte ein. Seine Leistung war in Ordnung, doch den Nachweis, dass er neben dem grossen Kämpfer Behrami der Stratege im Schweizer Spiel sein kann, lieferte er nicht.

Der Einfluss von Granit Xhaka war überschaubar, der Gladbach-Professional fiel einzig bei drei, vier Distanzschüssen auf. In der Innenverteidigung blieb Timm Klose ohne Fehler. Partner Philippe Senderos hatte in der starken Startphase der Brasilianer Mühe mit dem schnellen und wendigen Neymar. Nach der Pause kam Fabian Schär zu seinem Debüt, eine Beurteilung ist schwer, weil die Brasilianer in den zweiten 45 Minuten wenig zu Stande brachten. Seferovic hatte im Sturmzentrum kaum brauchbare Bälle, versuchte aber das prominente gegnerische Innenverteidigerduo Thiago Silva und Dante mit viel Laufarbeit zu beschäftigen. Und er war es, der von der Grundlinie die Flanke schlug, die Dani Alves ins eigene Tor köpfte.

Brasilien mit allen Stars

Die Brasilianer waren im St.-Jakob-Park mit einer Mannschaft angetreten die zu 9/11 identisch war mit dem Team, das am 30. Juni mit dem 3:0 gegen Spanien den Confederations Cup gewonnen hatte. Es kam mit der Statistik von sechs Siegen in Folge und 11 Partien ohne Niederlage im Gepäck in die Schweiz. Diesen Zahlen wurde die «Seleção» aber nur in der Startviertelstunde gerecht. Es war die Phase, in der Neymar seine Tricks zelebrierte, Paulinho und Luiz Gustavo im Mittelfeld das Spiel der Schweizer im Keime erstickten und Stürmer Hulk zu zwei frühen Chancen kam.

Doch just als Neymar und Marcelo mit unnötigen Scharmützeln die Atmosphäre aufheizten, entglitt den Brasilianer die Kontrolle. Vor allem der neue Barcelona-Superstar Neymar, auf den so viele Augen gerichtet waren, verschwand zunehmend aus dem Fokus. Als überragender Akteur des Confederations Cup war er gekommen, als etwas missmutige und vom Publikum nach der Pause wiederholt ausgepfiffene Diva verliess er den St.-Jakob-Park.

Schweiz - Brasilien 1:0 (0:0)
St.-Jakob-Park. 31'100 Zuschauer. SR Aytekin (De). Tor: 48. Dani Alves (Eigentor/Seferovic) 1:0.
Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner (62. Lang), Senderos (46. Schär), Klose, Rodriguez; Behrami, Dzemaili (75. Schwegler); Shaqiri (86. Mehmedi), Xhaka, Stocker (46. Barnetta); Seferovic (75. Gavranovic).
Brasilien: Jefferson; Dani Alves (67. Jean), Thiago Silva, Dante, Marcelo (57. Maxwell); Paulinho, Luiz Gustavo (57. Fernando); Hulk (62. Lucas), Oscar (59. Hernanes), Neymar; Fred (57. Jo).
Bemerkungen: Schweiz ohne Djourou (verletzt), Derdiyok, Drmic, Ziegler, Emeghara (alle nicht im Aufgebot).
Nicht eingesetzt: Wölfli, Sommer, Von Bergen, Inler. Länderspiel-Debüts von Schär und Lang. 38. Kopfball von Paulinho gegen die Latte.
Verwarnungen: 11. Senderos (Foul), 23. Neymar und Behrami

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • verstehe nicht am 14.08.2013 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmmmm....

    dzmaili nicht gut?! xhaka schlecht? 20 mon habt ihr das gleiche spiel gesehen wie ich? die ganze mannschafft war heute top!

  • lena am 14.08.2013 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    shaq

    tolle leistung der nati doch shaqiri bleibt der beste *~*

  • Günter W. Annetzer am 14.08.2013 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verdienter Sieg gegen Brasilien

    Ein grosses Kompliment an die gesamte Schweizer Fussballnationalmannschaft: Valon Behrami war für mich der beste Spieler beider Mannschaften auf dem nun "heiligen" Rasen des St. Jakob-Park-Stadions überhaupt. Er rackerte, kämpfte und spielte über seine Leistungsgrenze hinaus! Das "wunderschöne" Eigentor des fünffachen Weltmeisters war quasidie "logische" Folge dieses Kollektivtriumpfs! Nun gilt es im Hinblick auf die restlichen Qualifikationsspiele die Leistungskurve noch zu steigern. Enttäuschend war heute Abend in Basel für mich nur die magere Zuschauerkulisse: Nur rund 31'000 Zuschauer!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steve Meyer am 15.08.2013 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Toller Sieg

    Ein Fehler des Gegners brachte den Sieg. Tolle Leistung. Und wen umarmt man dann? Den Gegner?

  • moza sadikaj am 15.08.2013 01:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blerim Dzemaili

    was heisst da dzemaili hat "in ordnung" gespielt. ich fan er war einer der besten auf dem feld.

  • M. Mustermann am 15.08.2013 01:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nieder Ringen

    "Die Schweizer ringen Brasilien nieder" ach so. Hattet Ihr dann auch noch vor selber ein Tor zu schiessen?

  • Oliver Disler am 15.08.2013 01:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Gratulation! Einfach gut und gut für die Schweiz und Schweizer insgesamt!

  • Christian Burkhardt am 15.08.2013 01:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freut Euch doch

    Super Leistung, Gratulation. Die Mannschaft freute sich nur sehr verhalten, sehr komisch.