Hitzfeld und Gilliéron

03. Oktober 2011 19:12; Akt: 03.10.2011 19:25 Print

Die Schweizermacher

von Sandro Compagno - Kein Coach der Schweizer Nati hat mehr Doppelbürger an den SFV gebunden als Ottmar Hitzfeld. Der Lörracher hat den Kampf um die Talente gewonnen.

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Hitzfeld und Gilliéron in den Rollen von Emil Steinberger und Walo Lüönd. (Fotomontage Thomas Hagnauer)

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Emeghara (Nigeria), Mehmedi (Mazedonien), Shaqiri, Xhaka, Bunjaku (alle Kosovo), Gavranovic (Kroatien), Ben Khalifa (Tunesien), Costanzo (Italien), Abdi (Serbien) – sie alle de­bütierten unter Hitzfeld in der A-Nationalmannschaft. Und alle bestritten sie mindestens ein Pflichtspiel für den Schweizerischen Fussballverband SFV, was sie definitiv an die Schweiz bindet. Die Liste wird fortgesetzt: Am Freitag in der EM-Qualifikation gegen Wales könnte der schweizerisch-deutsche Doppelbürger Timm Klose zum Einsatz kommen. Vor zehn Tagen hat der Verteidiger gegenüber 20 Minuten gesagt, er sei vom DFB kontaktiert worden: «Aber so wie die Dinge jetzt stehen, würde ich mich wohl für die Schweiz entscheiden.»

Das ist keine Selbstverständlichkeit: Noch vor wenigen Jahren verlor der SFV ­Talente wie Mladen Petric und Ivan Rakitic an Kroatien sowie Zdravko Kuzmanovic an Serbien. «Als Antwort darauf haben wir die Bemühungen um solche Spieler ausgeweitet», sagt SFV-Präsident Peter Gilliéron. Der Verband kümmert sich intensiv um die Talente mit Migrationshintergrund. Gilliéron: «Was wir jedoch nie tun, ist jemandem Geld anzubieten, damit er für die Schweiz spielt.»

Im Film «Die Schweizermacher» aus dem Jahr 1978 spielten Emil Steinberger und Walo Lüönd zwei (über-)eifrige Einbürgerungsbeamte. Auch Hitzfeld und Gilliéron liegen auf der Lauer: Sie spähen laufend nach Talenten, um sie end­gültig zu «Fussball-Schweizern» zu machen. Dass die Nati bei Secondos hoch im Kurs steht, hat auch mit ihren Erfolgen zu tun: Die Schweiz war an den letzten vier Endrunden stets dabei und ist entsprechend attraktiv. Gilliéron kann sich einen Seitenhieb auf Petric und Rakitic nicht verkneifen: «2010 waren wir an der WM in Südafrika. Es gibt Spieler, die bei uns hätten mitmachen können, die dort nicht waren ...» Und vor den Qualifikationsspielen in Wales am Freitag und gegen Montenegro am nächsten Dienstag sind die Chancen intakt, nach der EM 2004, WM 2006, EM 2008 und WM 2010 auch an der EM 2012 dabei zu sein.