Schmiergelder

06. Dezember 2010 17:44; Akt: 06.12.2010 17:51 Print

Die WM-Vergabe war ein Eigentor der FIFA

von Olaf Kunz - Augen zu und durch: Neun von zehn Schweizern sind davon überzeugt, dass beim Zuschlag für die WM 2018 und 2022 Etliches nicht mit rechten Dingen zu und her ging.

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Trotz grosser Freude im Emirat: Rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer findet Katar als Gastgeber für eine Fussball-WM einfach zu exotisch. (Bild: Keystone)

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Für die Mehrheit war die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaft an Russland und Katar ein grobes Foul: 69 Prozent glauben, dass alle FIFA-Vertreter dank dicker Bestechungsgelder im Vorfeld kräftig in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. 23 Prozent haben zumindest keinen Zweifel daran, dass zumindest einige der FIFA-Oberen die übrigen Bewerber böswillig auflaufen liessen, weil sie ihre Stimmen an andere verkauften. Interessant dabei: Unter den erklärten Nicht-Fussballfans ist der Schmiergeld-Verdacht sogar noch deutlich stärker ausgeprägt. Das ist das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online, an der sich 10 988 Internetnutzer beteiligten.

Viel zu exotisch

Mauscheleien hin, dunkle Machenschaften her: Immerhin 18 Prozent können den beiden Austragungsorten etwas Positives abgewinnen. Sie freuen sich darüber, dass es wenigstens nicht immer die selben Austragungs-Nationen sind. Vier Prozent finden die Wahl sogar super. Für drei Viertel hingegen gehen Russland und Katar als Gastgeber überhaupt nicht. Sie sind einfach nur wütend und fordern die Absetzung der ganzen FIFA.

Dabei gilt die breite Ablehnung nicht Aussenseitern generell. Drei von zehn Befragten begrüssen es, dass die Spiele auch an kleinere Staaten und nicht erprobte Nationen gehen. Doch zumindest bei Katar hört das Verständnis auf: Jeder zweite findet den Wüstenstaat und dessen klimatische Bedingungen einfach zu exotisch.

England und Australien sind Sieger der Herzen

Hätten die Leser ein Wörtchen bei der Wahl mitzureden gehabt, dann hätte eindeutig England den Zuschlag für die Austragung der WM 2018 erhalten. Satte 57 Prozent hätten die Briten gerne als Gastgeber gesehen. Auf Platz zwei wären Holland und Belgien als gemeinsame Veranstalter gelandet. Russland hätte es immerhin vor Spanien und Portugal noch auf Platz drei geschafft.

England als Favorit: Fast 60 Prozent der Leser von 20 Minuten Online hätten die WM 2018 an das Mutterland des Fussballs vergeben.
Quelle: 20 Minuten Online

Bei der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 liegt Australien in der Gunst der Fans ganz vorne. Immerhin etwas mehr als ein Viertel der Stimmen erhalten auch die USA als mögliches Gastgeberland.

Down under im Hoch: Knapp 55 Prozent der Leser von 20 Minuten Online hätten die WM 2022 am liebsten im Land der Socceroos gesehen.
Quelle: 20 Minuten Online

Weit abgeschieden bei der Volkswahl zum Austragungsort sind indes Katar, Japan und Südkorea. Die Umfrage zeigt damit, dass die FIFA nicht nur entgegen ihren eigenen Gutachten, sondern vor allem gegen die Fans entschieden hat.

Tausende von Kilometern zwischen den Stadien

Aus Sicht der Umfrageteilnehmer sprechen vor allem die grossen Distanzen zwischen den Stadien gegen Russland als Ausrichter des Cups. Aber auch die Vetternwirtschaft beim Ticketverkauf und die Kriminalität bereiten vielen Fussball-Freunden schon jetzt grosses Kopfzerbrechen. Dennoch haben rund ein Fünftel aller Befragten vor, zur WM ins Land der Fellmützen zu reisen, um die Spiele mitzuverfolgen, oder hegen nach eigener Auskunft diesen Gedanken ernsthaft.

Gegen Katar spricht aus Sicht vieler Schweizer vor allem die grosse Hitze, der vermutete «ökologische Wahnsinn beim Stadionbau» und die Unsicherheit über Bräuche und Sitten. Letzteres wird zugleich aber auch als Pluspunkt für das Emirat in die Waagschale geworfen, schliesslich lerne man so die fremde Kultur etwas besser kennen. Auch eine Annäherung an den Westen wird positiv gewertet. Für Russland hingegen sprechen aus User-Sicht der mögliche Druck auf die Regierung, demokratische Prinzipien umzusetzen sowie die Annährung an den Westen.

Doch allen positiven Argumenten zum Trotz, an der grundsätzlichen Meinung über die Vergabe können solche Aspekte nicht hinwegtrösten und zumindest 14 Prozent der Fans beerdigen für sich selbst schon jetzt die WM.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom am 03.12.2010 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird Zeit

    Das man Blatters Abzockergang endlich als das Besteuer was sie ist: eine Gelddruckmaschine mit angeschlossener Selbstbedienung für Funktionäre.

  • s.blatter am 03.12.2010 02:14 Report Diesen Beitrag melden

    wird zeit

    wird zeit das der seppi in rente geht, mittlerweile müsste er doch ganz gut vorgesorgt haben...

  • Pavel P. am 03.12.2010 06:58 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegt mal ...

    Katar baut nun 7 Stadien in der Wüste mit Klimaanlage und Solarkraft. Katar ist kleiner als die Schweiz ... wer genau wird die Stadien nach der WM nutzen? Ist das nicht eine gigantische Verschwendung von Geld? Die Probleme mit dem Alkohol werden ohnehin jedem Fussballfan sauer aufstossen. Den nüchternen Leuten fällt dann gar noch auf, dass Fussball eigentlich langweilig ist?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ben am 08.12.2010 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    "gegen die Fans entscheiden"

    Also vielleicht etwas subjektiv diese Aussage. In Asien oder den arabischen Ländern sind die Fans wohl anderer Meinung.

    • Andra am 25.12.2010 20:16 Report Diesen Beitrag melden

      Na ja...

      Fair? Ja, das vielleicht auch. Aber kschaut euch das doch mal genau an. Es ist doch überall dasselbe... Wo geht denn z.B. die F1 hin, um neue Strecken zu bauen? Die alten, traditionellen Strecken verschwinden immer mehr und umgekehrt kommen so Länder dazu wie Indien. Sehr traditionelles Autobauer-Land. Ja, wirklich... ;O Alle gehen nuzr noch da hin, wo das grosse Geld zu machen ist, wie eben Katar. Und dass Russland nach Sotschi 2014 auch gleich noch die WM ausrichtet... Ob das fair ist, mag jeder selbst beurteilen....

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  • Mehmet Avci am 08.12.2010 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    EIN PAAR ZAHLEN

    208 Nationalverbände zählen zu den Mitgliedern der FIFA. Die FIFA-WM fand bis jetzt 19 mal statt. Alleine Deutschland, Frankreich, Italien und Mexico hatten je 2 mal die Ehre, der Gastgeber zu sein. 16 verschiedene Gastgeber gab es bis jetzt..........es ist also nur FAIR, dass diesmal mit Russland und dann Qatar, 2 neue Gastgeber dazu kommen. Viel mehr stört es mich, dass in der ChampionsLeague bis zu 4 Mannschaften pro Liga in die Gruppenphase mit 32 Teams kommen dürfen. Ich finde, es soll, wie der Name CHAMPIONSLEAGUE sagt, nur der Meister jeder Liga qualifiziert sein.

  • Pesche am 08.12.2010 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Versteigerung

    Spitzenfussball = Business Deshalb sollte die WM versteigert werde. Somit wird Transparenz geschaffen und man weiss wieviel die einzelnen Verbände bereit sind zu bezahlen. Ausserdem kommt so das Geld wiederum via FIFA dem Fussball zu gute. Heute wird auch bezahlt, das Geld verschwindet aber in verschiedene private Taschen.

  • Fan am 07.12.2010 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Fan

    Korruption hin oder her, Qatar ist in meinen augen zu warm für fussball. die müssen den Rasen künslich runterkühlen.. Reinste energyverschwendung..

  • Peter Meyer am 07.12.2010 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Warum FIFA ?

    Warum FIFA ? Haben wir nicht genügent andere Firmen und Organisationen, die das Gleiche tun ? Lasst die FIFA sterben und wählt eine Neue (inkl. dem Oberguru).

    • Kicki am 08.12.2010 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Warum Fifa?

      Glaubst Du wirklich, dass eine "andere" Organisation besser wäre. Die Fifa ist ja keine Firma, sondern quasi nur eine von den Mitgliedern des Weltfussballs ins Leben gerufene Organisation, die Als Hauptaufgaben die Durchführung der WM und das Fördern des Fussballs weltweit hat. Wer immer auch an deren Spitze steht, bei so grossen Sachen kommt immer Geld ins Spiel. Ist nie zu vermeiden. Also, was solls?

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