Barcelona

04. Mai 2009 14:10; Akt: 04.05.2009 14:44 Print

Die beste Mannschaft der Welt?

von Reto Fehr - Barcelona wird nach dem historischen 6:2 über Real Madrid in den höchsten Tönen gelobt. Vom gerechten Fussballgott ist die Rede, und in England stellt man Chelsea die Frage: «Habt ihr die Eier, gegen dieses Team anzugreifen?»

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«Der Fussballgott hat einen Namen: Barça! Dieser Tag wird nie vergessen werden» (Sport) «Historischer Sieg: Satz, Spiel und Meisterschaft! » (Sport, in Abänderung vom Tennis Spiel, Satz, Sieg) «Die Liga ist Azulgrana» (El Mundo Deportivo) «Der Fussball wird sich immer daran erinnern, dass Barça bei Real Madrid sechs Tore erzielt hatte.» (Sport) «Aus Real einen Scherbenhaufen gemacht» (Times) «Barça hat keine Gegner in der nationalen Liga» (l’Equipe) «Die schmerzhafteste Niederlage der Geschichte» (Marca) «Das ist ein Barcelona, das Ansgt macht» (Gazzetta dello Sport) «Fussballlektion, Demonstration der Stärke, Sportliche Erniedrigung. Der Sieg gibt nur drei Punkte, aber er ist viel mehr wert» (Gazzetta dello Sport) «Die weissen Tschentücher sind vorbereitet» (Olé, Argentinien) «Barcelona zermalmt Real Madrid» (Reforma, Mexico) «Mit dem Glanz von Messi demütigt Barcelona Real Madrid» (La Nacion, Argentinien) «Barcelona beleidigt Real im Bernabeu» (globoesporte.com, Brasilien) «Madrid, macht dem Champion Platz» (El Mundo Deportivo) «So spielt man Fussball im Paradies» (AS) «Wir müssen das Haus ganz neu wieder aufbauen. Es liegt in Trümmern» (Marca) «Es fehlen die Worte um zu erklären, wie Barça im Bernabeu gespielt hat» (El Mundo Deportivo) «Vorführung, Torfestival, Tracht Prügel: dafür gibts keine Worte» (El Mundo Deportivo) «Manchmal ist das Leben doch gerecht» (El Mundo Deportivo) «Das war eine wunderbare Nacht, einer der glücklichsten Tage meines Lebens. Die Mannschaft hat etwas richtig Grosses vollbracht» (Pep Guardiola) «Treffen mit einer Dampfwalze» (Iker Casillas) «Das ist momentan leider unser Niveau» (Juande Ramos) «So zu gewinnen, wie wir heute gewonnen haben, ist ein riesiges Fest» (Thierry Henry) «Platz zwei ist ja auch nicht so schlecht» (Predrag Mijatovic, Sportchef Real Madrid) «Wir haben gewonnen, weil Guardiola taktisch unübertrefflich ist» (Samuel Eto’o) «Ich habe mich in jedem Moment wohl gefühlt» (Xavi)

Presse- und Spielerstimmen zum 6:2 von Barcelona gegen Real Madrid.

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Sechs Tore in Madrid hatte Barcelona bis am Samstag noch nie erzielt. Dies gelang zuvor sowieso nur zwei Mannschaften. Athletic Bilbao und Atlético Madrid konnten im Bernabéu schon einmal ein halbes Dutzend Treffer erzielen – diese Bestmarken liegen allerdings schon über 55 Jahre zurück (siehe Info-Box). Kein Wunder, schreibt die «As»: «So spielt man Fussball im Paradies.» Die katalanische «Sport»-Zeitung glaubt gar mit Blick durch die rotblaue Brille: «Der Fussballgott hat einen Namen: Barça!»

Tatsächlich, was die Spieler von Pep Guardiola am Samstag boten, war mehr als ein Fussballspiel. Es war eine «Fussballlektion, eine sportliche Erniedrigung, eine Demonstration der Stärke», wie die «Gazzetta dello Sport» die Geschehnisse zu beschreiben versucht. Keine Erklärungen wollten die Barça-Aficionados. Zu Tausenden feierten sie in den Strassen der katalanischen Metropole, und die Zeitung «Sport» lieferte in seiner Ausgabe nach dem Sieg ein «Poster der Mannschaft, welche alle Barça-Fans glücklich macht».

Hat Chelsea die «Eier», um anzugreifen?

Nicht nur in Spanien fragt man sich, wer dieses Team stoppen soll. Der Kombinationsfussball ist ausgeprägt. Tack, Tack, Tack und das Leder huscht von der einen auf die andere Spielfeldseite. Präzision, Laufbereitschaft und Fantasie sind die Mischung für diesen schönen Fussball. So hatte schon die Mannschaft von Johan Cruyff geglänzt. Guardiola hat diesen Stil wieder eingeführt. «Wenn du den Ball dreimal berührst, spielst du schlecht», pflegt der Trainer zu sagen. Seine Spieler scheinen dies begriffen zu haben. Vergleiche werden aufgestellt zu den besten Mannschaften der Welt. Kommt die Equipe um Xavi, Eto’o und Henry an die Teams von River Plate (1941 – 1947), an das Real Madrid der späten 50er-Jahre oder an den totalen Fussball von Ajax (1969 – 1973) heran? War Brasilien in den 70er-Jahren mit Pelé besser als dieses Barça mit Messi? Diese Fragen werden wohl unbeantwortet bleiben.

Eine andere Frage – welche bis am Mittwoch beantwortet wird - stellte die englische «Sun» in Hinblick auf das Champions-League-Rückspiel Chelseas: «Habt ihr die Eier, um gegen dieses Team anzugreifen?». Denn wenn man Barça spielen lässt, ist es meistens schon um den Sieg geschehen. Was aber, wenn Chelsea selbst zur Attacke bläst? Die Mittel dazu haben die Londoner, doch hat Guus Hiddink auch den Mut, dies in die Tat umzusetzen?

Reals Hoffnung: Florentino Perez und seine Versprechen

Derweil wird bei Real Madrid krampfhaft nach Erklärungen gesucht. Trainer Juande Ramos dürfte seinen Platz an der Seitenlinie mit dem Bekenntnis, dass «dies momentan leider unser Niveau» ist, nicht gefestigt haben, und die Aussage von Sportchef Predrag Mijatovic nach dem Debakel ist nur noch lächerlich für eine Mannschaft mit den Ansprüchen der Königlichen: «Platz zwei ist ja auch nicht so schlecht.» Doch die Hoffnung der Madrilenen lebt, und der Retter trägt einen Namen: Florentino Perez. Der Architekt der «Galaktischen» mit Zidane, Figo und Beckham soll wieder Präsident der Hauptstädter werden. Und vollmundig hat er schon Verstärkungen angekündigt: Carlo Ancelotti und Arsene Wenger sind als Trainer im Gespräch. Dazu sollen Kaká und Cristiano Ronaldo sowie die Europameister Cesc Fàbregas, Xabi Alonso, David Villa und David Silva zu Madrid kommen. Einen Clásico wie am letzten Samstag soll es dann nie mehr geben.