Tomaten-Schiris

28. Juni 2010 14:07; Akt: 19.07.2010 22:40 Print

Die fünf kuriosesten Torentscheidungen

Deutschland und England haben betreffend seltsamen Torentscheiden Erfahrung. Nicht nur was Länderspiele anbelangt – auch in den Ligen wird kräftig daneben gepfiffen.

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Jorge Larrionda pfiff mehrere Partien ohne aufzufallen. Danach sorgte er für eine der grössten WM-Fehlentscheidungen aller Zeiten, als er Frank Lampards Tor nicht anerkannte. Rooney zeigt schon mal, wie weit der Ball hinter der Linie gelandet war - und er übertreibt dabei nicht. Roberto Rosetti, ein Schiedsrichter mit grossem Namen und gutem Ruf: Er musste sich seinen Fehlentscheid beim 1:0 im Achtelfinale Argentinien gegen Mexiko auf der Videoleinwand ansehen. Und konnte nichts tun - die Fifa will keine Videobeweise. Ein Fehlgriff, der allen geblieben ist: Khalil Imbrahim Al Ghami zückt die rote Karte gegen Valon Behrami. Es ist nicht seine erste Karte: Der Unparteiische aus Saudi-Arabien hat nach zwei Spielen bereits 15 Gelbe Karten und eine Rote verteilt (Stand der Bildstrecke: 21. Juni 2010). Für die grösste Diskussion sorgte der Franzose Stephane Lannoy: In der Partie zwischen Brasilien und der Elfenbeinküste liess er erst ziemlich viel laufen und sorgte für ein halbes Gemetzel auf dem Feld. Übersah anschliessend gleich in einer Szene zwei Hands von Luis Fabiano und krönte seinen Auftritt mit einer unverständlichen gelb-roten Karte gegen Kaka gleich selber. Wenn er schon auf Tätlichkeit entscheidet, hätte er den brasilianischen Star auch mit Rot vom Platz stellen müssen. Seine erste Partie zwischen der Niederlande und Dänemark war weniger in den Fokus geraten. Nicht weniger umstritten: Alberto Undiano zieht die gelb-rote Karte gegen Miroslav Klose im Spiel zwischen Deutschland und Serbien. Gepfiffen hat der Spanier erst ein Spiel, die Karten reichen für zwei: 7 gelbe und eine gelb-rote - seine Bilanz. Zack und weg war: Tim Cahill. Der Australier lernte gegen Deutschland schnell die harte Linie des Mexikaners Marco Rodriguez kennen. Das bewahrte beide Mannschaften aber nicht davor, sich weitere Karten abzuholen - nach 90 Minuten waren es 5 gelbe und eine rote. Es scheint sein Schnitt: In der Quali verteilte er in sieben Partien 38 Karten. Fünf gelbe Karten verteilte Kamon Coulibaly bisher. Die Spieler von den USA waren im Spiel gegen Slowenien nicht immer einverstanden damit. Der Kragen platzte den Amis aber endgültig, als der Mann aus Mali ein reguläres Tor nicht anerkannte - beim Stand von 2:2. Der Deutsche Wolfgang Stark hat die Partie Argentinien - Nigeria gepfiffen. Diego Maradona war nicht immer einverstanden mit den Entscheiden beim 1:0 Sieg seiner Mannschaft. Letztlich konnte er sich aber bei Stark bedanken, vor dem Siegtreffer hätte der Schiri auch auf Foul entscheiden können. Souverän blieb bisher Benito Archundia: Im Spiel zwischen Italien und Paraguay gab es zwei gelbe Karten. Im Fokus stand für einmal der Fussball - auch wenn die beiden Mannschaften beim 1:1 mit Toren geizten. Carlos Batres mit der gelb-roten Karte im Spiel zwischen Slowenien und Algerien. Die Afrikaner hatten in Unterzahl keine Chance mehr gegen die Slowenen. Die Entscheidung hart, aber nicht umstritten. Seine Bilanz nach zwei Spielen: sechs gelbe Karten und eine gelb-rote. Auf diesen Mann dürfen sich die Deutschen im Spiel gegen Ghana freuen: Carlos Simon verteilte beim 1-1 zwischen den USA und England sechs gelbe Karten. Der Brasilianer hatte das Spiel aber im Griff und blieb im Hintergrund. Gegen diesen Strandschiri hätte wohl auch Ottmar Hitzfeld nichts gesagt: Eddy Maillet von den Seychellen verteilte sieben gelbe Karten in zwei Spielen. Drei im Spiel Chile-Honduras, vier im Spiel Slowakei-Paraguay - unter anderem auch an Stanislav Stestak. Ein sicherer Wert: Frank De Bleeckere wurde an der WM seinem Ruf bisher gerecht. Der Belgier pfiff hart, aber unauffällig. Seine Bilanz nach einem Spiel: Fünf gelbe Karten im Spiel Argentinien-Südkorea (4-1). Hector Baldassi musste nicht lange überlegen: Der Argentinier schickte bereits in seinem ersten Spiel einen Spieler vom Feld. Getroffen hat es einen Serben im Spiel gegen Ghana. In Unterzahl rannten die Serben dem Ausgleich nur noch nach. Im Spiel zwischen Holland und Japan liess der Unparteiische viel laufen, blieb aber Herr der Lage und musste nur einmal Gelb zeigen. Sein Bilanz bisher insgesamt: fünf gelbe Karten, eine gelb-rote Karte. Howard Webb umzingelt: Der Engländer pfiff die erste Partie der Schweizer und brachte ihnen Glück! Er zückte vier Mal Gelb, wirklich umstrittene Karten waren aber nicht dabei. Jerome Damon hat Heimvorteil: Der Südafrikaner pfiff bisher nur die Partie zwischen Neuseeland und der Slowakei. Blieb unauffällig und sicherte sich so die Chance auf eine weitere Partie. Kein einfaches Spiel erhielt Yuichi Nishimura: Der Japaner pfiff die Partie zwischen Uruguay und Frankreich. Die beiden Mannschaften schenkten sich nichts: fünf Mal musste der Japaner zum Karton greifen. Für Uruguay Spieler Nicolás Lodeiro sogar einmal zu viel. Er flog in der 81. Minute vom Feld. In seinem zweiten Spiel hatte es Nishimura leichter, da pfiff er Spanien - Honduras. Das Resultat waren zwei Gelbe für die unterlegenen Honduraner (2-0). Martin Vasquez aus Uruguay pfiff an der WM noch kein Spiel. Zeigte aber an Olympia bereits, dass er auch die Farbe Rot kennt. Viel Prügel musste Massimo Busacca einstecken: Im Spiel zwischen Uruguay und Südafrika stellte er Itumeleng Khune vom Feld und erntete viel Kritik vom südafrikanischen Trainer. Das Bild des Schweizers ging mit der negativen Schlagzeile bereits um die Welt. Seine Chancen auf ein Spiel in der KO-Runde wachsen mit solchen Auftritten nicht. Michael Hester pfiff Südkorea gegen Griechendland. Die Partie war äusserst fair, der Schiri zog nur einmal Gelb - anders als einer Junioren-WM gegen Kolumbien. Der Porugiese Olegario Benquerença blieb an der WM bisher unauffällig: In seiner ersten Partie zog er zwei Mal gelb. Hier traf es einen Spieler von Kamerun. Die Afrikaner verloren die Partie aber nicht deshalb gegen Japan mit 0:1. 1000 Morddrohung sollen nach dem Spiel zwischen Griechenland und Nigeria eingegangen sein, aber nicht beim Schiri Óscar Ruiz aus Kolumbien, sondern bei Sani Kaita. Die nigerianischen Fans machten ihn für die 2:1 Niederlage verantwortlich. Ein grosses Showlaufen durfte Pablo Pozo pfeiffen. Der Chilene führte die Partie zwischen Portugal und Nordkorea. Er musste beim 7:0 mehr Tore als Karten (vier) notieren. Zwei Einsätze, sechs Karten, kaum Diskussionen: Der Usbeke Ravshan Irmatov pfiff an der WM bisher unaufällig - das grösste Lob für einen Unparteiischen. Der Ungare Viktor Kassai hat ein äusserst faires Spiel erwischt: In der Partie zwischen Brasilien gegen Nordkorea ging es zwar flott hin und her, die kritischen Situationen blieben aber aus und Brasilien gewann 2:1. Vier der 29 aufgebotenen Schiedsrichter pfiffen bisher noch keine Partie. Für einen Skandal sorgte Martin Hansson dennoch: Der Däne pfiff das Relegationsspiel zwischen Frankreich und Irland. Er übersah in der Partie das Hands von Thierry Henry, sorgte für einen Skandal vor der WM und verschaffte Frankreich so eine ungerechtfertigte WM-Teilnahme. An der WM hat er noch kein Spiel gepfiffen. Subkhiddin Mohd Salleh aus Malaysia: Der 44-Jährige hat von der Fifa noch kein Spiel an der WM erhalten. Peter O'Leary aus Neuseeland: Der 38-Jährige pfiff noch keine Partie. Joel Aguilar aus El Salvador: Seine Pfeife blieb bisher stumm an dieser WM.

Das nicht gegebene Tor war nicht die einzige gravierende Fehlleistung eines Schiedsrichters an der WM in Südafrika. Eine kleine Zusammenfassung finden Sie in der obigen Bildstrecke.

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Platz 5: Watford vs. Reading 2008
Wie bei allen Torentscheidungen in den Top 5 hat irgend jemand dazu gesagt: «Vielleicht die schlechteste Entscheidung, die ich je im Fussball erlebt habe.» In diesem Fall war es Readings Stephen Hunt. Nach einem Eckball von eben genau diesem Hunt prallte der Ball ans Schienbein von John Eustace und von dort rollte er in Richtung Torlinien-Aus. Irgendwie behielt Reading den Ball im Spiel – irgendwie kam es zu einem Lattentreffer. Plötzlich entschied Schiedsrichter Stuart Attwell auf Tor. Attwell erlangte Berühmtheit, weil er der jüngste Premier-League-Schiedsrichter aller Zeiten war. Heute erinnert man sich vor allem an seine Tomaten auf den Augen. Attweill hat es mittlerweile zum Uefa-Schiedsrichter gebracht.


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Platz 4: Manchester United vs. Tottenham 2005
In Deutschland gibt es den Bayern-Dusel (dazu gleich mehr). Roy Carrolls Schnitzer im Tor von Manchester United lässt die Vermutung aufkommen, dass es in England den Manchester-United-Dusel gibt. Der Lob von Pedro Mendes landete von Carrolls Armen abgesprungen weit hinter der Linie, Schiedsrichter Mark Clattenburg gab den Treffer trotzdem nicht.


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Platz 3: Bayern München vs. 1. FC. Nürnberg 1994
Thomas Helmers Phantomtor gegen Nürnberg gilt bis heute als eines der bekanntesten Phantomtore überhaupt. Nach einer Ecke stolperte der Nationaspieler von Deutschland den Ball irgendwie in Richtung Tor, kurz vor der Linie aber elegant um den Pfosten herum ins Seitenaus. Das «Tor» wurde gegeben, Bayern gewann 2:1. Das Spiel wurde später für ungültig erklärt und wiederholt. Bayern gewann 5:0. Fast noch lustiger als das Tor: Alain Sutters tolle Wolle.


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Platz 2: Deutschland – England 2010
Was für ein Tor. Der Ball liegt ähnlich wie im Carroll-Fall einen halben Meter hinter der Linie und trotzdem sehen weder Linienrichter noch Schiedsrichter, was alle Zuschauer und alle Spieler mitbekommen haben. Die Unkenrufe nach einem Videobeweis werden wieder lauter. Zu Recht.


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Platz 1: Duisburg vs. Frankfurt 2010
Gut. Beim Stand von 4:0 spielt ein weiterer Treffer zum 5:0 eine erheblich kleinere Rolle, als wenn zwei Weltmeisterschafts-Favoriten im Achtelfinal aufeinandertreffen und dem einen soeben der Ausgleich verwehrt bleibt. Aus dem Gesichtspunkt der Fehlentscheidung ist dieses Tor aber ungeschlagen. Niemand weiss, was Schiedsrichter Marco Fritz in dieser Partie der 2. Bundesliga gesehen haben mag.


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(tog)