Van Gaal, Magath und Co.

25. März 2011 10:51; Akt: 25.03.2011 11:19 Print

Die grössten Trainerpossen

Die deutsche Bundesliga spielt verrückt. Ein Trainer nach dem anderen musste in letzter Zeit gehen. In Europas Fussball kam es aber schon immer zu kuriosen Entlassungen.

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hätte Hertha Berlin wieder in ruhigere Gewässer führen sollen. Nach fünf Spielen und fünf Niederlagen konnte Skibbe aber bereits seine Papiere abholen. Der 46-Jährige hatte erst zu Jahresbeginn das Amt bei den Berlinern als Nachfolger von Markus Babbel angetreten und musste am 12. Februar 2011, nach 41 Tagen, wieder gehen. Der Engländer hatte wohl den kürzesten Auftritt in der Premier League. Er wurde im Mai 1984 als neuer Trainer von Crystal Palace vorgestellt. Nach vier Tagen überlegte er es sich anders, verweigerte die Vertragsunterzeichnung und ging zum alten Verein Wimbledon zurück. Der Engländer war 2005 gut einen Monat Coach von Kettering Town. Gemäss dem «Daily Mirror» dokumentierte der Verein, dass Gascoigne in 39 Tagen 37 Mal betrunken war und sich nicht an Diskussionen erinnern konnte. Auch die Schweiz hat einen Kurzzeit-Trainer zu bieten. Der Zürcher wurde 2006 nach nur 46 Tagen von Präsident Christian Constantin wieder entlassen. Der Holländer machte bei AZ Alkmaar auf sich aufmerksam. 2008 bot er wegen schlechten Leistungen des Teams seinen Rücktritt an. Die Vereinsführung akzeptierte diesen, doch van Gaal blieb Trainer. Die Spieler haben ihn umgestimmt, doch weiter zu machen. 1990 fiel der Deutsche in Frankreich in Ungnade. Als frischgebackener Weltmeister wurde Beckenbauer bei Marseille als Co-Trainer verpflichtet. Dem zweiten Trainer Gérard Gili passte dies jedoch nicht und er verliess den Verein. Beckenbauer machte alleine weiter und musste drei Monate später wieder gehen. Der Argentinier musste 2001 bei Parma nach fünf Niederlagen in fünf Spielen seinen Platz räumen. Er kassierte für sein kurzes Intermezzo fünf Milliarden Lire, was umgerechnet rund eine halbe Million Euro pro Niederlage ausmacht. Der Norweger war 2009 bei Mainz schon weg, bevor die Saison begann. Nach dem Aufstieg verkrachte er sich mit Spielern und Verein und musste den Stuhl räumen. Der Deutsche wagte sich 2006 als Trainer nach Argentinien zu Atlético Paranaense. Nach wenigen Wochen und trotz sechs Siegen aus acht Spielen entschied sich Matthäus bei einem Deutschland-Aufenthalt wegen Heimweh nicht mehr nach Südamerika zurückzukehren. Der 2004 verstorbene Spanier war nie Trainer, aber er entliess so einige. In seiner 16-jährigen Amtszeit als Präsident von Atlético Madrid mussten gleich 25 Trainer ihren Posten wieder räumen. Gil y Gil ist also das spanische Pendant zu Christian Constantin bei Sion. Der Deutsche wurde 1999 bei Fortuna Köln regelrecht zum Teufel gejagt. Während eines Heimspiels erschien Klubpräsident Jean Löring in der Kabine und entliess Schumacher mit den Worten: «Du hast hier nichts mehr zu sagen, du Wichser.» Der Italiener war im Frühjahr 2011 gerade mal einen guten Monat Trainer bei Palermo. Am 4. April wurde er entlassen und durch seinen Vorgänger Delio Rossi ersetzt.

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Louis van Gaal bei den Bayern, Armin Veh beim HSV und Felix Magath bei Schalke. Alleine im März wurden in der Bundesliga drei grosse Fussball-Lehrer abgesetzt, weil der Erfolg nicht da war. Magath schaffte sogar das Kunststück, dass er nur einen Tag nach seiner Entlassung in Gelsenkirchen bereits beim alten Verein in Wolfsburg wieder angestellt wurde. Diese Geschichte hat nicht nur Stammtisch-Potenzial, sie ist auch für höhere Fussball-Instanzen interessant. Denn für Spieler sind extra Transferfenster festgelegt, damit sie nicht willkürlich wechseln während der Saison. Für Trainer gilt das (noch) nicht.

Nicht immer ist es jedoch der Misserfolg, der einem Trainer zum Verhängnis wird. Oft stimmt auch die Chemie zwischen Coach und Vereinsführung nicht mehr und es kommt zum Knall. «Eurosport» hat ein paar Beispiele aufgelistet, die wir Ihnen nicht enthalten möchten. Ergänzt haben wir die grössten Trainerpossen auch mit einem Schweizer Beispiel, das von sich reden machte, aber nicht überraschend war.

(heg)