Millionentransfer

15. Mai 2019 11:20; Akt: 15.05.2019 12:05 Print

Die riskante Entscheidung des Weltmeisters

Antoine Griezmann verlässt Atlético Madrid. Nach einem Transferdribbling, das ihm den Neustart erschweren könnte.

Antoine Griezmann verabschiedet sich. (Video: Twitter/Atlético de Madrid)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Er ist Weltmeister. An der EM 2016 gewann er den Goldenen Schuh und wurde zum besten Spieler des Turniers ausgezeichnet. An der WM 2018 war er zweitbester Torschütze und wurde zum drittbesten Spieler des Turniers gewählt. Für Atlético Madrid schoss er in 256 Spielen 133 Tore, bereitete 50 weitere vor. Antoine Griezmann gilt als einer der besten Stürmer der Welt. Und er verkündete am Dienstagabend, dass er die Madrilenen nach fünf Jahren verlassen will.

Dieser Entscheid birgt ein gewisses Risiko, trotz seinem Status. Denn Barcelona wird als Topfavorit für die Verpflichtung des 28-Jährigen gehandelt. Der Verein, der Medienberichten zufolge vor einem Jahr kurz davor war, Griezmann zu verpflichten. Damals hatte sich der Franzose bei seiner Entscheidungsfindung von einem Kamerateam begleiten lassen. In der Dokumentation «La Décision» gewährte er Einblicke in seine Gedankengänge und Gefühlswelt. Für viele galt als sicher, dass er mit der Doku seinen Wechsel in die katalanische Metropole verkünden wollte. Denn produziert wurde das Ganze von einem Produktionsteam der Firma Kosmos – die Agentur gehört Barça-Verteidiger Gerard Piqué.

Umso grösser war der Schock in Barcelona, als Griezmann sich dazu entschied, bei Atlético zu bleiben und seinen Vertrag zu verlängern. Weder Fans noch Clubverantwortliche von Barcelona goutierten seinen Gang an die Öffentlichkeit dazumal. In den Medien wurde sogar von einer Demütigung des spanischen Meisters gesprochen. Gemäss einer Umfrage von «Mundo Deportivo», einer Sportzeitung aus Barcelona, sprachen sich 91 Prozent der 54'173 Personen gegen eine Verpflichtung Griezmanns aus. Und das bei einem Fussballer, der für 120 Millionen Euro und als Startransfer kommen soll.

Hohe Ablösesumme garantiert keinen Stammplatz

Was nicht hilft: In Barcelona ist die Konkurrenz noch stärker als bei Vizemeister Atlético. Mit Messi, Suarez und Coutinho bilden bereits drei Topstars den 3-Mann-Sturm. Ousmane Dembélé musste nach seiner Ankunft beim FC Barcelona am eigenen Leib erfahren, dass eine hohe Ablösesumme nicht gleichbedeutend mit einem Stammplatz sein muss. Bleibt er fit, ist es auch für Griezmann eine hohe Hürde, an der er erst noch vorbeikommen muss.

Und Medien wie Fans gehen in Barcelona mit den Spielern vergleichsweise hart ins Gericht. Philippe Coutinho wurde nach beeindruckendem Start bei Barça zuletzt von den eigenen Fans ausgepfiffen und von den Medien stark kritisiert. Mittlerweile ist sogar möglich, dass der 160-Millionen-Transfer nach nur anderthalb Jahren vom Hof gejagt wird. Es wäre also sehr spannend, zu sehen, wie sich Griezmann in diesem rauen Klima zurechtfinden würde. Wenngleich seine spielerische Qualität ausser Frage steht, ist der Druck beim spanischen Meister nochmals ein ganz anderer. Gerade mit seiner Vorgeschichte dürfte das anspruchsvolle Publikum im Camp Nou einen noch kürzeren Geduldsfaden haben als ohnehin schon.

Neben dem FC Barcelona sollen auch andere Topclubs ihre Fühler nach dem Franzosen ausgestreckt haben. Die festgeschriebene Ablösesumme sinkt ab dem 1. Juli von 200 Millionen Euro auf neu 120 Millionen. Dieser Umstand wirft die Frage auf, ob bereits bei seiner Vertragsverlängerung vor einem Jahr auf einen möglichen Transfer in diesem Sommer hingearbeitet wurde. Damals war ein grosses Argument für Griezmanns Verbleib, dass der Champions-League-Final in Atléticos Heimstadion Wanda Metropolitano stattfindet. Der Linksfuss hätte die Colchoneros dorthin führen sollen.

Ein entscheidender Faktor in Griezmanns Entscheidung, Atleti zu verlassen, dürfte auch der Weggang von Diego Godín gespielt haben. Sein langjähriger Freund und Teamkollege wurde im letzten Heimspiel der Saison von den Fans bereits verabschiedet. Bei der dazugehörigen Medienkonferenz sass Griezmann ganz vorne und weinte hemmungslos.

«Werde euch immer im Herzen behalten»

Nun verkündet mit Griezmann also auch der nächste Eckpfeiler Atléticos seinen Abgang. In der Videobotschaft, die er auf seinen Social-Media-Kanälen verbreitete, erklärt er: «Nachdem ich mit Cholo (Simeone, der Trainer, Red.), Miguel Angel (Gil Marín, CEO, Red.) und den Leuten im Büro gesprochen habe, möchte ich mit euch reden. Ich habe die Entscheidung getroffen, andere Sachen zu sehen, andere Herausforderungen anzunehmen.» Er dankte auf diesem Weg den Fans für die Zuneigung in den letzten fünf Jahren: «In dieser Zeit habe ich meine ersten Titel gewonnen, die ersten wichtigen Pokale mit einem Club. Es waren unglaubliche Momente, an die ich mich immer erinnern werde, ich werde euch immer in meinem Herzen behalten.»

Griezmann verlässt Atlético Madrid als Star eines Teams, das zweimal den Champions-League-Final erreicht hatte, und vor allem als einer der Lieblinge des Publikums. Sollte sein neuer Arbeitgeber wirklich FC Barcelona heissen, müsste er wohl Unmenschliches leisten, um diesen Status nur ansatzweise zu erreichen.

Fussball

(fas/kvo)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Superduper am 15.05.2019 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wurde Zeit

    Kluger entscheid mit 28 ist er noch Intressant für Top Clubs dannach ist Feierabend. Mit Atletico geht man halt praktisch immer leer aus. Barca und Real gewinnen halt die grossen Titel. Und er hat eindeutig die Qualität für die ganz Grossen. Viel Glück !

    einklappen einklappen
  • Franz am 15.05.2019 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legitim

    Ich denke nicht, dass bei ihm das Geld die entscheidende Rolle spielt. Er hat Atletico viel gegeben und möchte nun zum Ende seiner Karriere noch eine neue Herausforderung und sich bei einem absoluten Spitzenklub durchsetzen. Meiner Meinung nach ist dies legitim.

  • Langi Stangi am 15.05.2019 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gähn

    Meine Güte, was für ein langer Artikel ohne jegliche Aussagekraft am Ende! In einem Satz wäre der Artikel fertig gewesen: "Er geht weg, er weiss aber noch nicht wohin!" Schad um die wertvolle Lebenszeit, die ich dem Artikel gewidtmet habe!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Päde2# am 15.05.2019 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Träumen darf man

    Er folgt Godin und kommt zu Inter. Forlan hat das Packet geschnürt.

    • claudii am 15.05.2019 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Päde2#

      DAS wäre der Hammer - dann würde ich Maurito (Icardi) höchspersönlich nach Madrid fahren (zu Atletì im Tausch mit Griezmann + X ) Aber wie du schön gesagt hast, träumen darf man ja.

    • Peppino P. am 16.05.2019 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Päde2#

      Ja träumen darf man. Wäre schön wenn Simeone das Ganze eingefädelt hätte und gleich mitkommt. Er hat ja versprochen das Er uns eines Tages trainieren wird und nach Hause kommt. Conte kann dann mit maurito nach spanien. Seine managerin darf dann dort ihre verschiedenen dienstleistungen anbieten

    einklappen einklappen
  • Nico am 15.05.2019 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt doch

    Es ist anzunehmen, dass dieser Transfer wohl schon letzte Saison eingefädelt wurde. Es macht ja keinen Sinn den Vertrag zu verlängern, die Fixablöse zu erhöhen nur dass sie nach einer Saison wieder sinkt...ist doch logisch, dass es von langer Hand geplant war. Griezmann ist einer geiler Kicker und kann überall spielen. Fände es toll wenn er nach Barça geht.

  • Swissman73 am 15.05.2019 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden sehen

    Griezmann wird auch zu PSG und Bayern geschrieben... Barcelona müsste erst mal Platz machen für ihn. München würde Sinn machen, spielen doch ab dem kommenden Sommer vier Freunde von Griezmann da...

  • R. Wyckli am 15.05.2019 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Der geht zum

    FC Basel und wird in V. Stocker seinen Meister finden!

  • nino bosch am 15.05.2019 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Voll nachvollziehbar

    Für seine finanzielle, existenzielle Zukunft wäre ein Transfer für Griessmann kein Risiko. Sportlich gibt es eine neue Herausforderung, Stammplatzgarantie gibt es natürlich keine. Wenn er fit bleibt sehe ich auch sportlich kein Problem, würde er sich verletzen ist eine Zukunft überall das Risiko.