Ausschreitungen in Genua

08. März 2011 15:48; Akt: 08.03.2011 18:04 Print

Drei Jahre Knast für «Ivan den Schrecklichen»

Der serbische Ultras-Chef, der im Oktober zum Abbruch des Spiels Italien-Serbien beitrug, bleibt hinter Gittern. Sein Verhalten im Knast ist anders als im Stadion.

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In den Morgenstunden des 13. Oktobers 2010 konnte die Polizei in Genua den 30-jährigen Ivan Bogdanov verhaften. Bogdanov ist der Leader des rechtsextremen Flügels von Roter Stern Belgrad. Die Gruppe gilt als äusserst gewalttätig - wie sie am Abend zuvor beim Spiel Italien - Serbien unter Beweis gestellt hatte. Bodganovs Ultras demolierten am 12. Oktober 2011 in Genua das Stadion und lieferten sich heftige Strassenschlachten mit der Polizei. Für die italienischen Medien ist er «Ivan der Schreckliche». Sitzend auf der knapp vier Meter hohen Plexiglas-Absperrung des Gästesektors heizte er die Stimmung an. Mit einer Zange schnitt der ganz in Schwarz gekleidete bullige Mann in aller Ruhe ein Sicherheitsnetz auf. Nur dadurch wurde der Wurf von Petarden serbischer «Fans» auf das Spielfeld möglich. Das Spiel zwischen Italien und Serbien musste nach wenigen Minuten abgebrochen werden. Der serbische Ultras-Chef hatte nach dem Spiel versucht, im Motorhohlraum eines Busses das Land zu verlassen. Seine Chaoten hätten die ganze Nacht Leuchtkörper auf das Spielfeld werfen können: Die Polizei stellte im Anschluss an das Spiel rund 600 Fackeln sicher. Zudem fanden die Beamten zahlreiche Messer, Zangen und andere Zerstörungsutensilien wie ... ... Eisenstangen und Baseballschläger. Sichergestellt wurde auch ein Transparent mit der Aufschrift «Gerechtigkeit für Uros». Uros Misic ist 2008 wegen dem Mord an einem Polizisten verurteilt worden. Bei den Ausschreitungen in Genua am 12. Oktober 2010 wurden 16 Personen verletzt... ... und 17 verhaftet. Die Motive hinter den Ausschreitungen sollen politisch sein: Ivan Bogdanov und seine Mannen gelten als serbische Nationalisten. Am Spiel gegen Italien verbrannten sie die albanische Flagge und streckten immer wieder drei Finger zum umstrittenen «serbischen Gruss» in die Höhe. Die Reaktion folgte prompt: In der albanischen Hauptstadt Tirana zerrissen am Tag nach der «Schande von Genua» junge Männer die serbische Flagge... ... und zündeten sie anschliessend an.

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Er war die Leitfigur der Ausschreitungen, die im Oktober zum Abbruch des Fussballspiels zwischen Italien und Serbien führten: der 30-jährige Ivan Bogdanov. Vier Meter über dem Spielfeld thronte er auf einer Plexiglas-Absperrung und dirigierte ein Orchester wütender Hooligans. Das Ende ist bekannt: Blutige Randale, zahlreiche Verletzte und eine Spur der Zerstörung.

Bereits wenige Tage nachdem ihn die Polizei im Motorhohlraum eines Busses entdeckte und festnahm, gab sich der bullige Serbe handzahm: «Ich habe nichts gegen Italien», säuselte er und versuchte seine Taten kleinzureden. Das Ziel war klar: Seine Anwälte wollten einen Deal aushandeln. Zwei Jahre sollte der Anführer der Hooligans von Roter Stern Belgrad in Italien einsitzen und dann nach Serbien abgeschoben werden. Nun hat das Gericht den Anwälten und «Ivan dem Schrecklichen» einen Strich durch die Rechnung gemacht.

«Vorbildliches Verhalten» im Knast

Anführer Bogdanov bekam am Dienstag drei Jahre und drei Monate Haft. Gegen drei weitere Krawallmacher verhängte das Gericht in Genua Haftstrafen von drei Jahren, zwei Jahren und acht Monaten sowie zwei Jahren und sechs Monaten. Die Richterin Annalisa Giacalone folgte damit dem Antrag von Staatsanwältin Cristina Camaiori. Vier weitere serbische Hooligans hatten sich bereits Anfang Februar mit der italienischen Justiz vor Eröffnung eines Prozesses auf Haftstrafen von zwei Jahren geeinigt.

Die vier Serben sassen seit dem vergangenen Oktober bereits im Gefängnis. «Sie benehmen sich vorbildlich», sagte der Anwalt von Bogdanov gegenüber den italienischen Medien. Nun wird sein Mandant noch mehr Zeit erhalten, sich vorbildlich zu verhalten. Nach der «Schande von Genua» kam es auf politischer Ebene zwischen Italien und Serbien zu Unstimmigkeiten. Die Länder schoben sich gegenseitig die Schuld für die Einreise der über 400 Ultras zu.

Ob die Ausschreitungen tatsächlich auf den Fussball zurückzuführen waren, darf allerdings bestritten werden. In den serbischen Medien war die Rede von einem Auftrag der Mafia, wie auch von einer politisch motivierten Aktion. Die Ultras von Roter Stern Belgrad wurden in der Vergangenheit auch zu politischen Machtspielen missbraucht und als Schlägertrupp angeheuert. Die Medien in Serbien forderten nicht zuletzt deshalb unisono «eine entschlossene Aktion, um den Hooligans ein für alle Mal den Garaus zu machen». Die Regierung hatte in der Vergangenheit allerdings «Angst vor den Hooligans», erklärte Balkan-Experte Norbert Mappes-Niediek im Interview mit 20 Minuten Online.


(amc/sda)