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26. März 2011 14:37; Akt: 27.03.2011 00:23 Print

EM-Traum der Schweiz praktisch vorbei

von Reto Fehr, Sofia - Die Schweizer kommen in Bulgarien nicht über ein Unentschieden hinaus. Nach einer enttäuschenden Leistung schwinden die Hoffnungen auf eine EM-Teilnahme auf ein Minimum.

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Vier Spiele, vier Punkte. Das ist die ernüchternde Bilanz nach der Hälfte der Qualifikation für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. Nach dem 2:0-Sieg Englands am frühen Abend gegen Wales beträgt der Rückstand auf den Barrage-Platz von Montenegro sechs Zähler. Aus eigener Kraft, kann sich die Nati nicht mehr für den fünften Grossanlass in Serie qualifizieren. Oder dramatischer ausgedrückt: Es braucht ein Wunder, damit sich die Schweiz noch ein Ticket für die Endrunde löst.

«Wir müssen verhindern, dass Bulgarien ins Spiel findet», hatte sich Ottmar Hitzfeld vor dem Spiel gewünscht. Seine Worte blieben in den Startminuten unerhört. Bulgarien nahm das Heft in die Hand und kaufte den Schweizern den Schneid ab. Der Nati gelangen kaum drei Pässe in Folge, die weiten Bälle in die Tiefe landeten im Niemandsland. Dies gab auch den einheimischen Fans im halbleeren Wassil-Lewski-Stadion neuen Mut. Die Skepsis der letzten Tage in den Strassen Sofias wich immer lauter werdender Anfeuerungsrufen.

Behramis Verletzung und offensive Hilflosigkeit

Als Valon Behrami in der 16. Minute die von ihm selber angekündigte Härte ins Spiel bringen wollte, kassierte er für sein gestrecktes Bein im Mittelfeld nicht nur Gelb, der Fiorentina-Söldner musste mit einer Knieverletzung vom Feld. Wie Marco von Ah mitteilte, riss er sich nach einer ersten Diagnose das rechte Aussenband im Knie und fällt mindestens sechs Wochen aus. Das hoffnungsvoll erwartete Comeback des Punchers endete ähnlich unglücklich, wie der Auftritt der gesamten Mannschaft in den ersten Minuten. Gelson Fernandes ersetzte ihn.

Die - nicht erst im Spiel gegen Malta offensichtliche - offensive Hilflosigkeit zog sich mit einer Ausnahme in der gesamten ersten Halbzeit durch. Erst in der 30. Minute kam die Schweiz zu einer ersten Torchance – und was für eine: Marco Streller legte den Ball per Kopf auf Alex Frei, welcher aus kürzester Distanz statt das Tor Keeper Nikolai Mihailov traf. Der Nachschuss von Fernandes lenkte ein Verteidiger noch zum Eckball. Es war das einzige Mal, dass die beiden sonst unsichtbaren Basler in Erscheinung traten. Ansonsten hingen sie meist in der Luft. Immerhin konnte die Schweiz das Spielgeschehen danach einigermassen ausgeglichen gestalten. Und so paradox es sich anhört: Da Bulgariens gut gezählten fünf Möglichkeiten Marco Wölfli auch nicht wirklich beunruhigen konnten, hätte die Nati zur Pause aufgrund der einen Grosschance führen müssen.

Hitzfeld bindet Gavranovic

Auch der zweite Abschnitt begann wenig verheissungsvoll. Bulgarien hatte mehr vom Spiel. Dies änderte sich erst in der 63. Minute mit Freis Kopfball, welcher Mihailov noch über die Latte lenkte. Fünf Minuten später setzte Hitzfeld ein deutliches Zeichen. Er brachte mit Eren Derdiyok für den glücklosen Valentin Stocker einen dritten Nominellen Stürmer. Es war allen klar im Stadion: Der Sieg muss her. Die Schweiz agierte jetzt endlich, Bulgarien kam nur noch zu Konterchancen. Und Hitzfeld setzte noch einen drauf: Er brachte in der 75. Minute mit Mario Gavranovic (für Streller) einen nächsten frischen Stürmer.

Der Treffer wollte nicht mehr fallen. Wirklich gute Möglichkeiten blieben aus. Der Wille kann der Nati zumindest in der zweiten Halbzeit nicht abgesprochen werden. Aber die Qualität reichte nicht. Es ist eine der ältesten Weisheiten im Fussball: wer keine Tore erzielt, kann keine Spiele gewinnen. So gibt es nach diesem Abend in Sofia nur einen Sieger: Montenegro. Der Schweiz bleibt ein Trostpflaster für die Zukunft. Gavranovic geht dem Verband nicht wie zuvor Petric oder Rakitic durch die Lappen.

Bulgarien - Schweiz 0:0
Vasil Levski, Sofia. - 17'000 Zuschauer. - SR Collum (Scho).
Bulgarien: Michailov; Bandalovski, Stojanov, Ivanov, Zanev; Stilian Petrov; Manolev, Georgiev, Delev (81. Lasarov); Popov (85. Angelov), Makriev (52. Genkov).
Schweiz: Wölfli; Lichtsteiner, von Bergen, Grichting, Ziegler; Behrami (17. Gelson), Dzemaili, Inler, Stocker (67. Derdiyok); Frei, Streller (77. Gavranovic).
Bemerkungen: Bulgarien ohne Martin Petrov (gesperrt) und Yankov (verletzt). Schweiz ohne Barnetta, Benaglio, Djourou, Senderos und Shaqiri (alle verletzt). 17. Behrami mit Knieverletzung ausgeschieden. Verwarnungen: 15. Behrami (Foul), 17. Stojanov (Foul), 18. Bandalovski (Foul), 69. Georgiev (Foul), 76. Derdiyok (Foul), 87. Manolev (Foul).

Rangliste (je 4 Spiele):
1. England 10 (9:1).
2. Montenegro 10 (3:0).
3. Schweiz 4 (5:5).
4. Bulgarien 4 (1:5).
5. Wales 0.