Fussball-WM in Katar

02. Dezember 2010 19:01; Akt: 03.12.2010 12:34 Print

Eine «hoch riskante» Wahl

von Peter Blunschi - Die Fussball-WM 2022 in einem winzigen, streng islamischen Land, bei Temperaturen von 50 Grad? Sogar die FIFA war im Vorfeld bezüglich Katar skeptisch.

Das Bewerbungsvideo von Katar.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein gutes Argument lässt sich für die sensationelle Vergabe der Fussball-WM 2022 an Katar finden. Im Gegensatz zu den Mitfavoriten Australien und USA ist Fussball im Golfemirat – und überhaupt in der arabischen Welt – enorm populär. Doch dann wird es schwierig: Katar hat von allen Bewerbern (2018 und 2022) die schlechtesten Noten im FIFA-Evaluationsbericht erhalten. Im operationellen Bereich wurde es als einzige Kandidatur als «hoch riskant» eingestuft.

Das Klima im Sommer in der Wüste ist mörderisch, mit Temperaturen von 50 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit. Das bedeute «ein potenzielles Hitzerisiko für die Spieler, Funktionäre, die FIFA-Familie und die Zuschauer», heisst es im FIFA-Bericht. Die Veranstalter versprechen Grosses: «Alle Stadien, Trainingsstätten und Fanzonen werden auf 27 Grad Celsius klimatisiert sein. Alles wird mit Solarenergie betrieben und damit kohlenstoffneutral sein», sagte Hassan al Thawadi, der Chef der WM-Bewerbung.

Drei Milliarden Dollar werden investiert

Eine «grüne WM» soll es werden, heisst es, was im Ölstaat paradox erscheint. Doch Katar will sich ein modernes Image geben, und Geld spielt im Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt keine Rolle. Rund drei Milliarden Dollar werden investiert. Neun der zwölf Stadien werden in modularer Bausweise komplett neu erstellt. Nach der WM sollen sie abgebaut und aus den Modulen 22 neue Arenen in Entwicklungsländern errichtet werden.

Mit 11 500 Quadratkilometern ist Katar etwa viermal kleiner als die Schweiz. Folglich wird es eine «WM der kurzen Wege» geben, fünf der sieben Spielorte liegen in einem Umkreis von nur 25 Kilometer. Das bedeutet aber auch eine gewisse Enge, weshalb die FIFA vor einer «logistischen Herausforderung» warnte. So wird die Anreise der Fans ausschliesslich über den internationalen Flughafen der Hauptstadt Doha erfolgen, der ausgebaut werden soll. Das gilt auch für das Verkehrsnetz, dennoch drohen Staus und überfüllte Züge.

Vergleichsweise liberal

Daneben gibt es «atmosphärische» Bedenken. Das streng islamische Emirat ist eine absolute Monarchie, es gibt kein Parlament und keine Parteien, und Hauptquelle der Gesetzgebung ist die Scharia. Homosexualität ist illegal. In anderen Bereichen ist Katar im Vergleich mit anderen Golfstaaten relativ liberal. Der Fernsehsender «Al Jazeera», der viele arabische Potentaten ärgert, hat seinen Sitz in Doha, und seit 2008 gibt es eine christliche Kirche.

Der Alkoholkonsum von Nicht-Muslimen wird toleriert, nicht aber in der Öffentlichkeit. Was geschieht, wenn Horden durstiger und leicht bekleideter Fussballfans in das konservative Land einfallen? Und da wäre noch die politische Lage. Katar befindet sich in einer der explosivsten Regionen der Welt, der Iran und der Israel/Palästina-Konflikt sorgen regelmässig für Zündstoff. Optimisten glauben, die Fussball-WM könnte das Image des Nahen Ostens verändern. Sie dürften den Einfluss des Sports auf die Politik überschätzen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steven am 02.12.2010 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Hallo Logik??

    Ja Ja für klimatisierte Stadien haben sie wieder genügend geld, anstatt denen zu helfen die es auch nötig hätten! So ein Witz!! Warum die olympischen Winterspiele nicht auch noch nach Dubai verlegen.Indoorski haben sie ja schon.....

  • flo am 02.12.2010 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wendet Euch von der FIFA Ab

    Das ist ja unglaublich! Wer resit schon nach Katar oder Russland? Im einen Land haben sie nicht zu fressen und erfieren und im anderen Land bauen sie jetzt Stadien, welche sie danach abreissen können!! Wiese gehen solche ereignisse wie die WM oder die Olympiade an solche Länder?? Süd Afrika war schon eine Zumutung!!

  • Enrico am 02.12.2010 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Man sieht wo das Geld zu Hause ist!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ben am 08.12.2010 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    "gegen die Fans entscheiden"

    Also vielleicht etwas subjektiv diese Aussage. In Asien oder den arabischen Ländern sind die Fans wohl anderer Meinung.

    • Andra am 25.12.2010 20:16 Report Diesen Beitrag melden

      Na ja...

      Fair? Ja, das vielleicht auch. Aber kschaut euch das doch mal genau an. Es ist doch überall dasselbe... Wo geht denn z.B. die F1 hin, um neue Strecken zu bauen? Die alten, traditionellen Strecken verschwinden immer mehr und umgekehrt kommen so Länder dazu wie Indien. Sehr traditionelles Autobauer-Land. Ja, wirklich... ;O Alle gehen nuzr noch da hin, wo das grosse Geld zu machen ist, wie eben Katar. Und dass Russland nach Sotschi 2014 auch gleich noch die WM ausrichtet... Ob das fair ist, mag jeder selbst beurteilen....

    einklappen einklappen
  • Mehmet Avci am 08.12.2010 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    EIN PAAR ZAHLEN

    208 Nationalverbände zählen zu den Mitgliedern der FIFA. Die FIFA-WM fand bis jetzt 19 mal statt. Alleine Deutschland, Frankreich, Italien und Mexico hatten je 2 mal die Ehre, der Gastgeber zu sein. 16 verschiedene Gastgeber gab es bis jetzt..........es ist also nur FAIR, dass diesmal mit Russland und dann Qatar, 2 neue Gastgeber dazu kommen. Viel mehr stört es mich, dass in der ChampionsLeague bis zu 4 Mannschaften pro Liga in die Gruppenphase mit 32 Teams kommen dürfen. Ich finde, es soll, wie der Name CHAMPIONSLEAGUE sagt, nur der Meister jeder Liga qualifiziert sein.

  • Pesche am 08.12.2010 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Versteigerung

    Spitzenfussball = Business Deshalb sollte die WM versteigert werde. Somit wird Transparenz geschaffen und man weiss wieviel die einzelnen Verbände bereit sind zu bezahlen. Ausserdem kommt so das Geld wiederum via FIFA dem Fussball zu gute. Heute wird auch bezahlt, das Geld verschwindet aber in verschiedene private Taschen.

  • Fan am 07.12.2010 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Fan

    Korruption hin oder her, Qatar ist in meinen augen zu warm für fussball. die müssen den Rasen künslich runterkühlen.. Reinste energyverschwendung..

  • Peter Meyer am 07.12.2010 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Warum FIFA ?

    Warum FIFA ? Haben wir nicht genügent andere Firmen und Organisationen, die das Gleiche tun ? Lasst die FIFA sterben und wählt eine Neue (inkl. dem Oberguru).

    • Kicki am 08.12.2010 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Warum Fifa?

      Glaubst Du wirklich, dass eine "andere" Organisation besser wäre. Die Fifa ist ja keine Firma, sondern quasi nur eine von den Mitgliedern des Weltfussballs ins Leben gerufene Organisation, die Als Hauptaufgaben die Durchführung der WM und das Fördern des Fussballs weltweit hat. Wer immer auch an deren Spitze steht, bei so grossen Sachen kommt immer Geld ins Spiel. Ist nie zu vermeiden. Also, was solls?

    einklappen einklappen