Unterschiedliche Aussichten

04. August 2011 17:37; Akt: 04.08.2011 19:37 Print

Elf Schweizer mischen in der Bundesliga mit

von Eva Tedesco - Zehn Schweizer Spieler und ein Trainer nehmen bei sieben verschiedenen Vereinen die 49. Bundesliga-Saison in Angriff – mit unterschiedlichen Aussichten.

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Trotz Boom ist die Bundesliga nicht mehr die Fussball-Destination Nummer 1, die die meisten Schweizer Kicker angesteuert haben. Die Saison 2011/12 nehmen mehr Schweizer Profis in Italien in Angriff, als bei unserem nördlichen Nachbarn. Kommt den Schweizern der technisch anspruchsvollere und taktische Fussball, auf den in der Schweiz schon in der Ausbildung viel Wert gelegt wird, mehr entgegen als der athletische Fussball in Deutschland?

Naticoach Ottmar Hitzfeld: «Italien hat sicher ein hohes Niveau. Die meisten Spieler wurden aber schon im jungen Alter geholt und nicht als Stammspieler. Meist waren es Talente, die sich über die Leistung anbieten und aufgedrängt haben. Auch in Deutschland wird technisch guter Fussball gespielt und nicht nur gekämpft. Ich glaube nicht, dass das der Grund ist, warum jetzt weniger Schweizer in der Bundesliga spielen.» Für die noch in der Bundesliga verbliebenen Spieler wünscht sich der Nationaltrainer viel Einsatzzeit, davon profitiert auch die Nationalmannschaft. Eine Stammplatz-Garantie gibt es aber für die wenigsten.

Diego Benaglio, Wolfsburg: Trotz wochenlanger Spekulation in den deutschen Gazetten muss unsere Nati-Nummer 1 nicht um den Stammplatz bangen. Trotz einer, auch wegen Verletzungen, ungenügenden letzten Saison hat Trainer Felix Magath seinem Goalie das Vertrauen ausgesprochen. Nicht unerwartet, kennt Magath seinen Keeper doch noch aus Stuttgart-Zeiten und weiss, was er an Benaglio hat. Und eine zweite unglückliche Saison lässt allein schon der Ehrgeiz des Schlussmannes nicht zu. Wolfsburgs Schweizer Ersatztorhüter Marwin Hitz wird sich weiter hinter Benaglio gedulden müssen.

Marwin Hitz, Wolfsburg: Der 23-Jährige ist eine respektable Nummer 2 hinter seinem Landsmann. In 11 Bundesligaeinsätzen hat der ehemalige Winterthurer Benaglio gut ersetzt. Die Wölfe setzten längerfristig auf Hitz, was sie schon im Februar mit der Vertragsverlängerung bis 2013 dokumentierten.

Tranquillo Barnetta, Bayer Leverkusen: Bis 2012 steht der Ostschweizer noch beim Pillenklub unter Vertrag. Dank einer Ausstiegsklausel könnte «Quillo», der bereits seine 7. Saison in Leverkusen macht, Bayer aber im Sommer verlassen. Seit Wochen spekuliert darum die englische Presse über einen Wechsel des Mittelfeld-Allrounders zu Newcastle. Bis seinem Berater am Donnerstag der Kragen platzte. «Im Moment besteht nicht der Hauch einer Chance, dass er zu Newcastle geht», sagt Barry McIntosh, der Barnetta auf der Insel vertritt, gegenüber «Sky Sports». Die Gerüchte hatten sich verschärft, als Barnetta im DFB-Pokal in Dresden nur Ersatz war. In Leverkusen zweifelt keiner am Stammplatz Barnettas; 187 Ligaspiele und 25 Tore sind Argumente genug - sofern er fit ist. Erst kämpfte der Mittelfeldspieler in der Vorbereitung mit Knieschmerzen. Jetzt hat er sich am Mittwoch neuerlich verletzt. Es könnte sich entweder um eine Muskel- oder Sehnen-Verletzung handeln. Weitere Abklärungen werden es zeigen.

Eren Derdiyok, Bayer Leverkusen: Der Stürmer ist gut drauf. Dank starken Leistungen in der Vorbereitung hat der ehemalige Bebbi derzeit die besseren Karten für einen Stammplatz als sein Konkurrent Stefan Kissling. Wenn der Nationalspieler seine Leistung stabil hoch halten kann, steht einem Durchbruch in seiner dritten Saison in der Bundesliga nichts mehr im Weg.

Mario Eggimann, Hannover: Der Routinier startet bereits in seine 9. Bundesliga-Saison. Trainer Slomka setzt in der Innenverteidigung zwar auf das Duo Haggui/Pogatetz, doch der Aargauer ist zuversichtlich, dass er dennoch zu seinen Einsätzen kommen wird. Schliesslich muss Hannover in der Saison 2011/12 für die Europa-League-Qualifikation, Meisterschaft und Pokal mehr Kräfte bereit haben, als in den vergangenen Jahren. Eggimann: «Der Verein und der Trainer haben mir klar zu verstehen gegeben, dass man auf mich zählt.»

Fabian Lustenberger, Hertha Berlin: Erst der Aufstieg in die Bundesliga mit den Hauptstädtern, dann eine starke U21-EM in Dänemark und das erste Aufgebot für die A-Nationalmannschaft – für Lusti kann es so weitergehen. Trotz Trainingsrückstand nach der EM nimmt der defensive Mittelfeldspieler den Kampf um einen Platz in der Stammelf bei den Hauptstädtern auf. Am ehemaligen Bayern-Profi Andreas Ottl wird «Lusti» kaum vorbeikommen, aber mit Peter Niemeyer (ex Werder und Twente Enschede) kann sich der Schweizer U21-Vize-Europameister locker messen. Zumal Trainer Markus Babbel grosse Stücke auf den 23-Jährigen hält: «Er ist ein wichtiger Baustein in der Gruppe.»

Beg Ferati, SC Freiburg: Beim FC Basel sah er trotz Champions League auf Dauer keine Perspektiven für sich und sucht in der Bundesliga eine neue Herausforderung. Freiburg bietet sich dafür als idealer Boden. Der Bundesligist hat zwar klare Ziele und Anforderungen, aber in Freiburg hat man auch Geduld. Deshalb wird der Schweizer wohl nicht gleich beim ersten Fehler aussortiert. Naticoach Ottmar Hitzfeld ist überzeugt, dass Freiburg Ferati als Stammspieler geholt hat. «Ich gehe davon aus, dass sich Ferati in Freiburg durchsetzen wird.»

Albert Bunjaku, Nürnberg: Nach einem Knorpelschaden und einer Knieoperation, die den Stürmer monatelang ausser Gefecht gesetzt hatten, muss sich Bunjaku langsam wieder an die alte Form herantasten. Die Perspektiven auf einen Stammplatz für den 27-Jährigen sind gering, zumal Nürnberg mit dem Tschechen Tomas Pekhart ein grosses Stürmertalent verpflichtet hat. Pekhart war der Topskorer der tschechischen U21-Nati in der letzten EM-Kampagne.

Timm Klose, Nürnberg: An der U21-EM gehörte Klose in der Abwehr zu den Teamstützen, nachdem er in Thun unter Murat Yakin zum unumstrittenen Stammspieler herangereift war. Bei Nürnberg setzt der Schweizer, der auch den deutschen Pass hat, zum nächsten Karriereschritt an. In seinen ersten 90 Minuten im DFB-Pokal hat er aber bereits angedeutet, dass er schon bald mehr sein will, als nur Ersatzspieler. Einsätze in der Bundesliga sind garantiert.

Mario Gavranovic, Schalke 04: Im Schalker Star-Ensemble bleibt dem Jungspunt hinter den Arrivierten Raúl und Huntelaar nur das Nachsehen. Zudem hat Trainer Ralf Rangnick mit dem Stuttgarter Marica einen weiteren Stürmer mit Erfahrung engagiert. Die Chancen zu Spielpraxis zu kommen sind gering. Ein Wechsel wäre sinnvoll.

Lucien Favre, Trainer Mönchengladbach: Der Schweizer hat die Fohlen quasi vom Totenbett erst in die Relegation und dann zum Ligaerhalt gecoacht. In der Vorbereitung hat Perfektionist begonnen, der Mannschaft seine Handschrift zu verpassen. Im Gegensatz zur Hertha wird Favre in Gladbach aber etwas ruhiger arbeiten können. Denn trotz Fussball-fanatischem Umfeld auch in Gladbach, ist das Pflaster lang nicht so heiss wie in der Hauptstadt.

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