Nachruf

26. November 2019 19:33; Akt: 27.11.2019 14:21 Print

Er war einer von uns

von Eva Tedesco - Jakob «Köbi» Kuhn war nicht nur ein überragender Fussballer, sondern auch der beliebteste Schweizer Nationaltrainer überhaupt.

Köbi Kuhn hatte zuletzt mit Lungenproblemen zu kämpfen. (Video: SRF)
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Eine zeitlang hätte er es lieber gehabt, wenn man ihn Jakob Kuhn genannt hätte. Aber er blieb zeitlebens der Köbi. Beliebt bei jedermann und jederfrau, weil er einer aus dem Volk war. Einer von uns. Er wurde zum «Schweizer des Jahres 2006» gewählt.

Kuhn hatte nie die Aura eines Welttrainers wie Ottmar Hitzfeld und auch nie die unnahbare Ausstrahlung eines Vladimir Petkovic. Seine Karriere als Nati-Trainer war geprägt von Demut und Wärme. In seiner Zeit zwischen 2001 und 2008 spielte die Schweiz an der EM 2004, an der WM 2006 und an der Heim-EM 2008. «Merci Köbi» liessen die Nationalspieler auf ein Transparent schreiben, als sie ihn 2008 im St. Jakob-Park verabschiedeten. Darunter waren Spieler wie Marco Streller, Murat und Hakan Yakin, Stephan Lichtsteiner und auch Alex Frei, den Kuhn zu seinem Captain gemacht hatte.

Debüt als 17-Jähriger

2007 fragte die «SonntagsZeitung» Kuhn, was er gemacht hätte, wäre er nicht Nationaltrainer geworden. Kuhn antwortete, dass er wohl den FCZ trainiert hätte, denn so sei es mit dem damaligen Präsidenten Sven Hotz abgemacht gewesen. Der FCZ und Kuhn, das war eine grosse Liebe. Als Spieler gab er im März 1961 als 17-Jähriger sein Debüt. Sein erster Vertrag brachte ihm 125 Franken im Monat ein.

Als Kuhn nach 17 Jahren – mit einem zweimonatigen Abstecher 1969 zu Stadtrivale GC – und nach über 500 Spielen für die Stadtzürcher seine Spielerlaufbahn beendete, tat er dies als 6-facher Meister und 5-facher Cupsieger. Gegen Liverpool hatte er 1977 im Meistercup-Halbfinal gespielt – und verloren. Kuhn beendete die Karriere auch als 64-facher Nationalspieler und als der vielleicht beste Schweizer Fussballer seiner Generation, trotz anderer grosser Spieler wie Karli Odermatt oder Fritz Künzli.

Schicksalsschläge

Trotz Karriere und Ruhm bleibt vor allem aber der Mensch Kuhn in Erinnerung, den das Leben vor diverse Prüfungen stellte. Er pflegte seine erste Frau Alice mit Hingebung und bis zu deren Tod im April 2014. Drei Jahre später heiratete er seine zweite Frau Jadwiga. 2018 verlor Kuhn seine Tochter Viviane. Nun, etwas mehr als ein Jahr später, ist er nach schwerer Krankheit gestorben.

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