Valon Behrami

24. März 2011 13:22; Akt: 24.03.2011 13:48 Print

Er will kämpfen - «wenn nötig auch mit Härte»

von Eva Tedesco - Nach neun Monaten ist Valon Behrami zurück in der Nationalmannschaft. Der Mittelfeldspieler der AC Florenz brennt nach der missratenen WM auf Wiedergutmachung.

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Valon Behrami will gegen Bulgarien mit der nötigen Härte kämpfen. (Bild: Keystone/AP)

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Das Foto zeigt einen gutgelaunten jungen Mann mit blondiertem Haar. Das hellblaue Hemd und die taillierte dunkelblaue Jacke betonen ein markantes Gesicht. Es ist interessant. Attraktiv. Es zeigt Selbstbewusstsein. Wen erstaunt, dass das Foto von Valon Behrami auf der Facebook-Seite des Schweizerischen Fussballverbandes am Dienstag innert kürzester Zeit am häufigsten aufgerufen wurde? Die - auch viele weibliche - Fans haben den Tessiner offensichtlich nicht vergessen.

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Nach neun Monaten steht Behrami vor seiner Rückkehr in die Nationalmannschaft. Erstmals seit seinem letzten Einsatz am 21. Juni 2010. Nur ungern schaut Behrami auf dieses WM-Spiel zurück, in dem er in der 31. Minute, nach einem «ungeschickten Zweikampf» wie er sagt, die Rote Karte sah. Noch heute findet der rechte Flügelspieler, dass der Platzverweis übertrieben hart gewesen sei. Er habe lange daran zu nagen gehabt, weil er die Mannschaft geschwächt und auch sich persönlich sehr viel für die Weltmeisterschaft in Südafrika vorgenommen gehabt habe.

Das Chaos in England

Die neue Premier-League-Saison mit West Ham United sollte dem Tessiner helfen, die WM endgültig vergessen zu machen. Aber erst vermieste ihm eine Bänderverletzung und daraufhin viele kleine Folgeverletzungen den Herbst. «In dieser Zeit wollte ich nicht einmal Fussball schauen, so sehr habe ich gelitten.» Erschwerend kam dazu, dass Behrami sich in London nicht mehr wohlgefühlt hat. Seit der Übernahme der «Hammers» durch neue Geldgeber herrschte Chaos im Klub. Eine Hand wusste oft nicht, was die andere tat. «Unter der Woche könntest du meinen, dass du gar kein Fussballer bist», sagt Behrami mit ruhiger Stimme. «Aber Fussball ist meine Leidenschaft. Ich will ihn jede Minute leben.» Behrami zog es in die Serie A zurück, in der er zwischen 2003 und 2008 erst bei Genua, dann Hellas Verona und schliesslich für Lazio Rom gespielt hatte.

Juventus Turin, Palermo und vor allem die AS Roma buhlten schon geraume Zeit um die Dienste des Schweizers mit Wurzeln im Kosovo. «West Ham wollte mich aber nicht gehen lassen.» Anfang 2011 lenkte der damalige Manager Avram Grant ein. Das Rennen machte Fiorentina für rund fünf Millionen Euro. Heute zählt der 26-Jährige bei den «Viola» zu den Stammspielern.

Der Stolz muss zum Vorschein kommen

Behrami spricht mit leiser Stimme, dennoch ist das wiedererlangte Selbstvertrauen des Mittelfeldspielers deutlich hörbar. Der Tessiner brennt auf Wiedergutmachung. Er will den Platzverweis gegen Chile vergessen machen. Vor allem aber will er sich mit seinen Kollegen für die EM 2012 qualifizieren. Und dafür braucht es am Samstag einen Sieg. «Wir müssen mit Freude ins Spiel gehen und dürfen keine Angst vor einer Niederlage haben.» Jeder Einzelne muss wieder mehr an die Grenzen gehen und Verantwortung übernehmen. «Man muss sehen, dass wir stolz sind, das rote Tenü zu tragen. Wir haben schon gezeigt, dass wir auf schwierige Situationen reagieren können und für unser Ziel kämpfen – wenn es sein muss, auch mit der nötigen Härte.»