Chaos bei Barça

07. Februar 2020 14:28; Akt: 07.02.2020 15:02 Print

Ergreift jetzt sogar Messi die Flucht?

von Fabian Sanginés - Der Sportchef verärgert den Superstar, die Clubführung verrechnet sich, die Resultate sind dürftig: Beim FC Barcelona liegt einiges im Argen.

Bildstrecke im Grossformat »
Konsterniert: Lionel Messi erlebt im Cup-Viertelfinal den nächsten Tiefschlag. Barça verliert bei Athletic Bilbao 0:1. Iñaki Williams trifft in der Nachspielzeit per Kopf für die Basken (das erzielte Tor im Bild wird wegen Offsides aberkannt). Damit nicht genug für den spanischen Meister: Gerard Piqué (r.) muss den Platz vorzeitig verlassen. Wie lange er ausfällt, ist unklar. Neben ihm hat Barça mit Clément Lenglet und Samuel Umtiti nur noch zwei Innenverteidiger im Kader. Ähnlich prekär ist die Situation im Angriff. Weil die Saison für die verletzten Ousmane Dembélé (o.) und Luis Suárez (u.) vorzeitig beendet ist, verfügen die Katalanen nur noch über drei Stürmer. Der eine ist der erst 17-jährige Ansu Fati. Der andere ist Weltmeister Antoine Griezmann. Kann er das Problem lösen? Barça ist offenbar an der Verpflichtung von Getafes Angel interessiert. Die Clubführung um Präsident Josep Maria Bartomeu (l.) und Sportchef Eric Abidal (r.) – hier bei der Präsentation des neuen Trainers Quique Sétien – hat zuletzt keine gute Falle gemacht. Abidal sagte kürzlich gegenüber spanischen Medien, einige Spieler seien mit dem vorherigen Trainer Ernesto Valverde (Bild) unzufrieden gewesen und hätten nicht mehr richtig gearbeitet. Diese Aussage veranlasste Messi zu einer scharfen Replik auf Instagram. Der aktuelle Streit und das Chaos bei Barça heizen die Spekulationen an: Hat Manchester City mit Pep Guardiola etwa doch noch eine Chance, Messi zu verpflichten?

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schwer zu sagen, wann der grössere Rückschlag passierte. In der 79. oder in der 93. Minute des Spiels in Bilbao? Fakt ist nur: Der FC Barcelona verliert einen weiteren Schlüsselspieler und scheidet durch ein Gegentor in der Nachspielzeit gegen Athletic Bilbao aus dem Cup aus. Einem Cup, in dem Barça im Halbfinal auf San Sebastián, Granada oder Zweitligist Mirandés hätte treffen können. Doch angesichts der turbulenten Woche wäre ein Weiterkommen auch für den grossen Favoriten fast schon eine Überraschung gewesen.

Umfrage
Soll Messi Barça verlassen?

Eigentlich war ja schon der Start ins 2020 beim spanischen Meister ein einziges Chaos. Da war zum Beispiel der Abgang des talentierten Innenverteidigers Jean-Clair Todibo. Nicht, dass der 19-Jährige eine Teamstütze gewesen wäre, aber jetzt stehen noch drei Innenverteidiger im Kader. Seit Donnerstagabend sind es sogar nur noch zwei – Gerard Piqué musste sich in der 79. Minute mit einer Muskelverletzung auswechseln lassen. Wie lange der Abwehrchef ausfällt, ist noch unklar – am Sonntag im Auswärtsspiel bei Betis Sevilla wäre er jedoch sowieso gelbgesperrt gewesen.

Weise Voraussicht liess die Vereinsführung um Präsident Josep Maria Bartomeu und das Sportchef-Duo Eric Abidal/Ramon Planes auch in der Trainerfrage und bei einer weiteren Baustelle, dem Mittelsturm, vermissen. Zuerst verhandelten sie in aller Öffentlichkeit mit Xavi, obwohl Ernesto Valverde noch auf dem Trainerstuhl sass. Nach der Absage der Vereinslegende entliessen sie Valverde und verpflichteten Quique Setién. Das Vorgehen veranlasste sogar die sonst eher zurückhaltende Vereinsikone Andrés Iniesta zur Kritik.

Zudem verpassten es die Clubbosse, einen Ersatz für den bis Saisonende verletzten Luis Suárez zu holen. Sie waren nach Valencias Absage betreffend Wunschspieler Rodrigo der Meinung, vier Stürmer (den 17-jährigen Ansu Fati mitgezählt) reichten für drei Positionen. Nun, jetzt sind es nur noch drei – der seit November verletzte Ousmane Dembélé erlitt kurz vor seinem Comeback einen Sehnenriss, auch für ihn ist die Saison gelaufen. Und Barça sucht plötzlich wieder händeringend nach Ersatz.

Weil das Transferfenster geschlossen ist, darf aufgrund einer schweren Verletzung ein vertragsloser Spieler oder ein Profi aus der spanischen Liga geholt werden. Medienberichten zufolge heisst der auserwählte Angel – so viel göttlicher Beistand muss in dieser Situation schon sein. Der 32-Jährige stürmt aktuell für das Überraschungsteam Getafe, schoss bisher 13 Saisontore und hat eine Ausstiegsklausel von 10 Millionen Euro.

Messis scharfe Reaktion

Nach so viel Chaos ist es irgendwie logisch, dass sich Abidal zur Rechtfertigung gezwungen sah. Er tat dies mittels Interviews in den katalanischen Sportzeitungen «Mundo Deportivo» und «Sport». Und er machte damit alles noch schlimmer. Denn der Champions-League-Sieger von 2009 und 2011 sagte unter anderem: «Einige Spieler waren unzufrieden mit Valverde und arbeiteten nicht mehr richtig.» Eine verbale Ohrfeige fürs Team, die Captain Lionel Messi zu einer scharfen Reaktion provozierte.

Der Weltfussballer postete auf Instagram einen Screenshot von Abidals Interview bei «Sport» und schrieb dazu: «Wer Spieler kritisiert, sollte auch Namen nennen. Sonst werden Unschuldige in den Dreck gezogen.» Und: «Die sportliche Leitung sollte ihre Verantwortung wahrnehmen und für ihr Handeln geradestehen.» Messis Ärger soll so weit gehen, dass er mittlerweile sogar einen Wechsel zu Manchester City in Erwägung ziehe – dies will zumindest das britische Portal «The Athletic» erfahren haben.

Nun stehen sie also da bei Barça, vor einem grossen Trümmerhaufen. In der Liga nur noch auf Rang 2 und im Haus ein Berg selbst verschuldeter Probleme. Mit grossen Erwartungen sind sie in die Saison gestartet, nun deutet vieles auf die erste titellose Saison seit 2007 hin. Schwierig, mit einer derart dünnen Personaldecke um alle Pokale mitzuspielen. Immerhin: Jetzt sind es ja nur noch zwei.

Fussball

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mino Raiola am 07.02.2020 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preis geht rauf

    am Besten sind Eure fachmännischen Kommentare..... Ist alles nur Show, Ablenkung,Polemik usw. Messi bleibt

    einklappen einklappen
  • Dk10 am 07.02.2020 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brodelt

    Es brodelt bei barca. Valverde war ein guter trainer jedoch wie abidal gesagt hat einigen spieler hat er nicht gepasst. Das gleiche sehe ich auch bei setien die mannschaft zeigt keine leidenschaft. Sie sehen es als selbstverständlich das messi die mannschaft trägt dem ist aber nicht immer so. Ein griezmann der bei barcelona ein totaler flop ist und man einem jugendlichen ansu fati alles zutraut. Es stimmt so einiges nicht beim fc barcelona und der kader ist viel zu beschränkt.

    einklappen einklappen
  • Simone am 07.02.2020 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Barca

    Ich bin Barca Fan aber leider muss ich zugeben, dass mir die Transferpolitik von Real zur Zeit viel besser passt. Barca macht das was Real früher gemacht hat, kaufen nurnoch grosse Namen und der eigenen Jugend gibt man kaum Spielzeit (Ausser Fati). Real hat für ihr gesamtes Mittelfeld gleichviel bezahlt wie Barca für Griezmann. Es ist normal, dass es mal gut läuft und mal nicht... Aber gleich einen neuen Trainer und neue Spieler verpflichten wegen dem??

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • KsAlb am 11.02.2020 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Übertreibt doch nicht. Mein Gott das kann halt passieren. Ihr schreibt als wären sie in der Abstiegszone..

  • R.O. am 09.02.2020 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlieren lernen

    Es gibt viele Clubs die das Verlieren endlich lernen müssen. Dazu zähle ich sicherlich Barca, Bayern und Basel. Die glauben sie können immer gewinnen und vergessen das andere Manschaften auch Fussball spielen können. Gewinnen kann nur einer.

  • Herr A. am 08.02.2020 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Transfermarkt

    Meines Erachtens wäre der Grasshopper Cub Zürich eine vernünftige Alternative, der sich als ebenfalls Rekordmeister (wie Barcelona) durchaus anbieten würde. Mit Messi gäbe es den direkten Wiederaufstieg und viel Lob für Messi. Eine Win-Win Situation für beide Seiten. Ich lasse mich überraschen vom Transfermarkt in den nächsten Tagen.

  • Leon am 08.02.2020 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Messi bleibt in Europa

    Messi geht sicher nicht nach Argentinien zurück so wie es dort läuft. PSG wäre sicher eime Option die haben Geld und es ist nicht so übel.

  • Michi am 08.02.2020 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Clubwechsel

    Schade gehen die Superstars immer zu den Grossen Clubs. Würde gern mal sehen, was die bei einem mittelmässigen Club zeigen können

    • provolone am 09.02.2020 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Michi

      einer hat es probiert.........Ronaldo

    • Mittelmässig Ok am 09.02.2020 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @provolone

      Bei wem? Manchester united oder Real Madrid

    einklappen einklappen