Traditionsklub taumelt

28. Februar 2011 23:05; Akt: 01.03.2011 07:26 Print

Erkenntnisse aus der Krise des FC St. Gallen

von Sandro Compagno - Die Krise in St. Gallen ist hausgemacht. Als Sündenbock dürfte Trainer Uli Forte wohl entlassen werden. Fünf Erkenntnisse aus dem Niedergang des FCSG.

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Einer von sechs Neuen beim FCSG: Der Österreicher Daniel Dunst war bisher keine Verstärkung. (Foto: Keystone)

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1. Erst rechnen, dann bauen
Der FC St. Gallen schaffte es, auf einem Füllhorn zu sitzen und dabei fast zu verhungern. Auf geschenktem Bauland erstellten die St. Galler ein Einkaufszentrum mit integrierter Grünfläche, doch sie überzogen das Budget um 12 Millionen Franken – auch wegen teurer, jetzt leer stehender Logen. Nur dank privater Geldgeber (das Wort «Investor» im Schweizer Fussball ist eine Propagandalüge) konnte der Konkurs abgewendet werden.

2. Ohne sportliche Führung gehts nicht
Der drohende Konkurs hatte sportliche Auswirkungen. Im Sommer fehlte Geld, um in die Mannschaft zu investieren. Und das nötige Know-how. Trainer Uli Forte wurde von der Klubführung alleingelassen. Das Resultat waren Missgriffe auf dem Transfermarkt, wie beispielsweise die Holländer Calabro und Bakens.

3. In der Winterpause lässt sich wenig ausrichten
Mit Sportchef Heinz Peischl kam im Winter auch hektischer Aktionismus. Auf einem ausgetrockneten Transfermarkt verpflichtete der Österreicher sechs Neue. Neben dem teuren Scarione (Bruttolohn: rund 500 000 Franken) schaffte Peischl nur Restposten an. Auch Regazzoni kickt nicht gratis.

4. Schau dich zuerst vor deiner Haustüre um
Auffälligste Figuren beim 0:1 gegen Thun waren Stürmer Lezcano und Innenverteidiger Matic, der einzige Torschütze. Beide kamen vom FC Wil nach Thun. Von Wil in die AFG-Arena wären es nur 25 Kilometer.

5. Mässige deine Ansprüche
Noch immer ist in St. Gallen das Meisterjahr 2000 präsent. Doch die finanzielle und sportliche Realität sieht heute ­anders aus. St. Gallen ist ein Mittelfeldklub. Wer mehr erwartet, der wird enttäuscht werden.