Gladbachs Spielersuche

04. Mai 2012 10:53; Akt: 04.05.2012 12:27 Print

Favres Qual der Wahl zwischen Wurst und Käse

Lucien Favre ist auf der Suche nach neuen Spielern für Borussia Mönchengladbach. In ganz Europa soll der Schweizer nach Talenten Ausschau halten, kann sich aber nicht entscheiden.

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Fünf Monate nach seiner Demission bei Borussia Mönchengladbach äussert sich Lucien Favre erstmals. Es gehe ihm gut und er fühle sich sehr frisch, sagt der Waadtländer. Wo der 58-Jährige seinen Fussball-Weg fortsetzen wird, ist (noch) nicht abzusehen. Das abrupte Ende: Am Tag nach dem 0:1 in Köln, am 20. September 2015, gibt Favre seinen Rücktritt. Er sieht sich nach dem Meisterschaftsstart mit fünf Niederlagen nicht in der Lage, den Turnaround zu schaffen. Der Auftakt in die neue Spielzeit 2015/16 misslingt. Gegen Dortmund und dessen neuen Trainer Thomas Tuchel setzt es in der ersten Runde ein 0:4 ab. Ende Saison 2014/15 steht die Borussia auf Platz 3 und qualifiziert sich direkt für die Champions League. Mit 18 Pflichtspielen ohne Niederlage beginnt Favre die Saison 2014/15. Die Saison 2013/14 beendet Favre mit Gladbach auf dem 6. Rang. Zum dritten Mal in Serie führt der Schweizer die Fohlen ins internationale Geschäft. Am 10. November 2013 ist der Schweizer seit 1000 Tagen Trainer von Gladbach und seine Fohlen behaupten sich als Top-Team in der Bundesliga. Die Saison 2012/13 beendet Favre mit den Fohlen auf Rang 7. Bei der Wahl zum Bundesliga-Trainer des Jahres 2012 landet Favre hinter Jürgen Klopp auf Rang 2. Der Schweizer blickt auf eine erfolgreiche Saison 2011/12 zurück. Seine Fohlen liegen am Ende auf Rang 4 und sichern sich damit einen Platz in der Champions-League-Qualifikation - diese verpassen sie jedoch letztlich. Am 11. Februar 2012 bindet Gladbach mit Schalke einen Titelanwärter zurück. Favres Equipe siegt gegen die Truppe von Huub Stevens 3:0. Beim Rückrundenauftakt am 20. Januar 2012 bezwingt Favres Gladbach Bayern. 3:1 lautet das klare Verdikt. Dank eines 3:1-Sieges im DFB-Achtelfinal gegen Schalke am 21. Dezember 2011 überwintert Gladbach im Pokal. Am 7. August 2011 startet Favres Gladbach mit einem 1:0-Auswärtserfolg gegen Bayern München in die Saison 2011/12. Sechs Tage nach dem Hinspiel schafft Favre das «Wunder von Gladbach». Sein Team bleibt dank einem 1:1 im Relegations-Rückspiel gegen Bochum in der 1. Bundesliga. Im Relegations-Hinspiel gegen Bochum feiern die Gladbacher am 19. Mai 2011 einen 1:0-Erfolg. Am 20. Februar 2011 gewinnt Borussia Mönchengladbach das erste Spiel unter dem neuen Trainer Lucien Favre gegen Schalke 2:1.

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Lucien Favre ist nicht bekannt für Schnellschüsse. Ohne gründliche Planung läuft beim Schweizer nichts, das gilt auch für sein Amt als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach. Während andere Bundesligaklubs schon fleissig einkaufen, hat das Überraschungsteam der laufenden Saison noch keinen Einkauf getätigt.

Grund dafür sind offenbar Meinungsverschiedenheiten zwischen Favre und Sportdirektor Max Eberl. «Für uns sind Spieler in den Fokus gerückt», sagte Eberl, «die auch bei anderen Vereinen auf dem Zettel stehen - bei grossen Vereinen.» Grosse Namen sind nichts für Favre. Der Schweizer soll abgewinkt haben, als sein Sportdirektor Eren Derdiyok als möglichen Neuzugang vorgeschlagen hat. Mittlerweile hat sich der Deal sowieso erledigt: Hoffenheim hat sich den Schweizer Offensivmann geschnappt.

Wohin mit dem vielen Geld?

Es ist ja nicht so, dass Favre nicht wüsste, was er will. Das weiss er besser als manch ein anderer. Das Geld ist auch vorhanden. Nach den Abgängen von Marco Reus (Dortmund), Dante (Bayern München) und Roman Neustädter (Schalke) ist die Klubkasse prall gefüllt. Mindestens 22 Millionen Euro stehen dem Tabellenvierten zur Verfügung.

Seit Wochen schon soll Favre in Europa nach geeigneten Kandidaten Ausschau halten, um sein Wunschteam zusammenzustellen, was eigentlich die Aufgabe des Sportdirektors wäre. Bei seinem Engagement bei Hertha Berlin soll es deshalb zu Problemen mit dem damaligen Manager Dieter Hoeness gekommen sein. Dieser sagte einmal über den Taktikfuchs aus der Romandie: «Der würde im Supermarkt verhungern, weil er sich nicht zwischen Wurst und Käse entscheiden könnte.» Favres Konter: «Und Hoeness würde immer nur Schokolade kaufen. Hauptsache schön verpackt und teuer.»

Favres Jagd auf Europas Youngster

Bei einem Spieler würde der Erfolgstrainer eine Ausnahme machen. Schön verpackt und auch teuer ist derzeit Basels Mittelfeldjuwel Granit Xhaka. Es ist kein Geheimnis, dass Favre den 19-Jährigen gerne haben möchte. Dieser hat einen Markwert von 6 Millionen Euro und in Basel einen Vertrag bis 2015. Gladbach soll für den Nationalspieler 6,5 Millionen geboten haben. Zu wenig für den FCB.

Ablösefrei könnte dagegen Xhakas Teamkollege David Abraham zu den Fohlen stossen. Nach dem Wechsel von Abwehrchef Dante zu den Bayern braucht Favre dringend einen neuen Innenverteidiger. Wenn sich Gladbach nicht beeilt, wird der 25-jährige Argentinier wohl bald beim spanischen Erstligisten Getafe unterschreiben. Ronald Juhasz vom RSC Anderlecht wäre für rund 3,5 Millionen Euro zu haben. doch an ihm soll auch Besiktas Istanbul dran sein. Eine günstigere Option wäre der Holländer Bram Nuytinck, der für NEC Nijmegen spielt. Gemäss Sport.ch soll Gladbach diesen in letzter Zeit intensiv beobachtet haben.

Die Gewissheit, dass Gladbach Geld hat, erschwert die Einkaufstour. Mit den Erfolgen steigt eben auch der Preis, den Favre für Neuzugänge bezahlen muss. Die Spieler, die Favre haben will, sind mittlerweile auch schön verpackt und teuer. Dennoch wäre es nun allmählich an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen.

(als)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Basti am 04.05.2012 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH 1 : D 0

    Der Konter auf Hoeness' Spruch ist ja herrlich!! ^^ Klarer Sieg für Favre.

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  • Borussenecho am 04.05.2012 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Favres Level anpassen!

    Das Team um Favre herum bei der Borussia ist zu schwach und nicht auf Augenhöhe. Der Verein sollte schleunigst einen Sportdirektor von Rang und Namen (Allofs?) holen, der sowohl Klasse mitbringt als auch kongenial zu Favres Charakter passt wie bereits beim FC Zürich geschehen. Zudem braucht er einen Assistenztrainer, der auf eine Wellenlänge mit Favre tickt bzw. mit dem er kontrovers diskutieren und Lösungen finden kann. Der physische Einbruch der Mannschaft im letzten Drittel der Saison war erschreckend. Dadurch wurde der sichere Champions-League-Platz leichtsinnig verspielt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Borussenecho am 04.05.2012 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Favres Level anpassen!

    Das Team um Favre herum bei der Borussia ist zu schwach und nicht auf Augenhöhe. Der Verein sollte schleunigst einen Sportdirektor von Rang und Namen (Allofs?) holen, der sowohl Klasse mitbringt als auch kongenial zu Favres Charakter passt wie bereits beim FC Zürich geschehen. Zudem braucht er einen Assistenztrainer, der auf eine Wellenlänge mit Favre tickt bzw. mit dem er kontrovers diskutieren und Lösungen finden kann. Der physische Einbruch der Mannschaft im letzten Drittel der Saison war erschreckend. Dadurch wurde der sichere Champions-League-Platz leichtsinnig verspielt.

    • Borussenfan am 06.05.2012 07:37 Report Diesen Beitrag melden

      Lucien Favre, was für ein Glücksfall!

      Beim "Manager" hat man den Abgang leider verpasst. Man hätte mit der Verpflichtung von Favre auch hier einen Wechsel vornehmen müssen. Oder wer hat die Spieler für Frontzeck gekauft? Diese Unbeholfenheit mit viel Geld teure Spieler einzukaufen, hat zweimal nicht funktioniert. Bobadilla und Camargo (beide um die 4 Mio. ) schafften es nicht in die Stammelf. Als Borussenfan hat man in den letzten 10 Jahren viel leiden müssen! Hoffentlich weiss man in der Führungsetage bei Borussia vom Glücksfall Lucien Favre. Sonst wird man sich über kurz oder lang wieder an die lange Leidenszeit erinnern müssen

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  • Basti am 04.05.2012 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH 1 : D 0

    Der Konter auf Hoeness' Spruch ist ja herrlich!! ^^ Klarer Sieg für Favre.

    • luggi am 05.05.2012 09:53 Report Diesen Beitrag melden

      Wunderbar

      Der Hoeness' Spruch ist genauso herrlich!

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