Fussball

03. Februar 2011 12:41; Akt: 03.02.2011 12:55 Print

Fifa führt Geheim-Tests in Zürich durch

von Herbie Egli - Drin oder nicht? Diese Frage soll bei «Wembley-Toren» künftig passé sein. Ab nächster Woche testet die Empa für die Fifa 13 einschlägige Technologien.

BBC-Reporter sind entsetzt über das nicht anerkannte Lampard-Tor. (Video: BBC)
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Die Fussballwelt schaut nächste Woche einmal mehr nach Zürich: Am Fifa-Hauptsitz werden ab dem 7. Februar 13 Firmen ihre Technologien vorstellen, wie in Zukunft Fehlentscheide bei umstrittenen Torszenen verhindert werden können. Jedes System muss dabei zwei Kriterien erfüllen, um überhaupt eine theoretische Chance auf Zulassung zu haben: Zum einen muss es eine 100-prozentige Genauigkeit garantieren, zum anderen soll der Schiedsrichter innert einer Sekunde darüber informiert werden, ob der Ball mit ganzem Umfang hinter der Linie war oder nicht.

Die Technologien werden von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa getestet, wie der Weltfussballverband Recherchen von 20 Minuten Online bestätigt. Testresultate werden aber frühestens Anfang März veröffentlicht, wenn sich das für die Änderung der Fussballregeln massgebliche International Board das nächste Mal trifft (siehe unten).

IFAB muss entscheiden

Die Empa testet die 13 Technologien direkt am Fifa-Hauptsitz. Zehn Systeme funktionieren mit gewöhnlichen Kameras, je eines mit GPS, eines mit Funksender im Ball und eines mit einem Magnetfeld. Die Tester ermitteln sämtliche Daten über Sensoren, die etwas ausserhalb der Torpfosten postiert sind. Die Bälle werden mit einer Schussmaschine auf das Tor geschossen. Hinter der Linie steht eine Wand, die das runde Leder abfängt und anzeigt, ob der Ball mit vollem Umfang hinter der Linie war oder nicht. Die Tests werden nicht nur bei Tageslicht, sondern auch in der Nacht durchgeführt. Damit soll überprüft werden, ob die Kameramessungen bei Dunkelheit bzw. unter Flutlichteinfluss funktionieren.

Die Empa-Tests ziehen sich bis zum 13. Februar hin. Die Fifa übermittelt die Ergebnisse im Anschluss an das International Football Association Board (IFAB), welches am 5. März in Süd-Wales tagt. Das IFAB wacht über die Fussballregeln und ist als einziges Gremium befugt, Änderungen zu beraten und zu beschliessen. Es setzt sich aus acht Mitgliedern zusammen: Vier Vertreter stellt die Fifa, je einer kommt aus den Traditionsverbänden England, Schottland, Wales und Nordirland.

Rechtsumkehrt bei Sepp Blatter

Fifa-Präsident Sepp Blatter war lange Zeit gegen die Einführung von technischen Hilfsmitteln im Fussball. Nachdem an der WM 2010 in Südafrika Frank Lampards klares Tor für England gegen Deutschland nicht gegeben wurde, wurde der Ruf nach dem Videobeweis wieder laut. Blatter geriet zunehmend unter Druck. Und reagierte. Anders als etwa Uefa-Präsident Michel Platini kann sich der Fifa-Boss inzwischen die Einführung von Technik vorstellen. «Meine Position ist, dass wir es machen sollten, wenn es funktioniert», sagte er kürzlich in einem Video-Interview mit dem Nachrichtensender CNN.

Blatter glaubt, dass nicht nur bei ihm, sondern auch im IFAB ein Umdenken eingesetzt hat und dass das Board die neue Technik unterstützen wird. Dies, obwohl er das Gremium als eine «sehr konservative Organisation» bezeichnet.

Der Trend hin zur Torlinien-Technologie ist jedenfalls Balsam auf die Wunden jener Fans von Nationalmannschaften und Teams, die schon um Tore betrogen wurden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • john tobler am 03.02.2011 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    die nächsten millionen

    es geht gar nicht darum, ob die fifa nun solche torkameras zulassen will oder nicht. die fifa will an den rechten dieser technologie mitverdienen!!

  • Fussballfan am 07.02.2011 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!!!

    Es ist doch völlig überzogen, dass durch Einsatz eines schnellen "drin/nicht drin"-Systems der Fussball nicht mehr emotional sein soll. Es geht doch "nur" um die Torlinienfrage. Abseits oder Fouls sollen lt. Fifa nach wie vor ohne Hilfsmittel entschieden werden, weil das ein System sicher nicht klar entscheiden kann. Aber doch mal ehrlich: Die Emotionen beziehen sich doch weniger auf die Ergebnisse ob Tor/nicht Tor, sondern vielmehr, warum man diese Technik nicht endlich einführt?

  • Rolf Scheibler, Oberentfelden am 06.02.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Äusserst fair ...

    Gerade die Schweiz steht doch für Präzision! In der heutigen Zeit sind bewusste, oder unbewusste "Fehlentscheide" nicht mehr zeitgemäss. Das Hawk-Eye im Tennis finde ich so gut. Und vor allem fair. Hoffentlich wird dieses System möglichst bald eingesetzt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fussballfan am 07.02.2011 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!!!

    Es ist doch völlig überzogen, dass durch Einsatz eines schnellen "drin/nicht drin"-Systems der Fussball nicht mehr emotional sein soll. Es geht doch "nur" um die Torlinienfrage. Abseits oder Fouls sollen lt. Fifa nach wie vor ohne Hilfsmittel entschieden werden, weil das ein System sicher nicht klar entscheiden kann. Aber doch mal ehrlich: Die Emotionen beziehen sich doch weniger auf die Ergebnisse ob Tor/nicht Tor, sondern vielmehr, warum man diese Technik nicht endlich einführt?

  • Dejan am 07.02.2011 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Tötet das Spiel nicht!

    NEIN NEIN NEIN Fussball lebt von Emotionen!!! Von der Dramatik!! Von den Schiedsrichter die Fehler machen und Spieler die simulieren, lügen und betrügen. Das ist das Herz dieses Spieles. Natürlich können wir alles perfektionieren, bis das ganze spiel emotionslos wird... Wieso müssen wir alles kontrollieren wollen??? sagt mir das! Wieso? Weg mit der Technik im Fussball!!!!Lasst uns unser Speil nicht töten!!! Die Technik wird unser Spiel töten. Ich will das meine Kinder den gleichen Fussball sehen wie ich!!!

  • Bob am 06.02.2011 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Für die Torlinie soll endlich eine Technologie her

    welche den Schiedsrichtern hilft. Es kann nicht sein, dass wenn der Ball hinter der Linie ist, dass es kein Tor gibt. Für alles andere sollte es jedoch keine Hilfsmittel geben. Das Abseits soll weiterhin eine Aufgabe des Linienrichters bleiben und ab und zu auch für Gesprächsstoff sorgen. Das ist ja zum Beispiel im Eishockey auch nicht anderst und es ist gut so.

  • Rolf Scheibler, Oberentfelden am 06.02.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Äusserst fair ...

    Gerade die Schweiz steht doch für Präzision! In der heutigen Zeit sind bewusste, oder unbewusste "Fehlentscheide" nicht mehr zeitgemäss. Das Hawk-Eye im Tennis finde ich so gut. Und vor allem fair. Hoffentlich wird dieses System möglichst bald eingesetzt.

  • M. Riesen am 06.02.2011 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    gar nicht Fussballfan!

    ich halte nichts von Fussball, aber wenn sich möglichkeiten biten die zur besseren entscheidung der Ref's führen sollte man diese annehmen, die sind ja auch nur Menschen und können nicht immer alles sehen und überall auf dem Spielfeld sein. Weiterhin noch schönen und Fairen Sport.