Aufschwung

05. Juni 2011 02:30; Akt: 05.06.2011 17:23 Print

Forsch in eine rosige Zukunft

von Eva Tedesco, London - Jung, frech und dynamisch trat die «Next Generation» der Schweizer Nationalmannschaft beim 2:2-Remis in London auf. Nati-Coach Ottmar Hitzfeld hat ein Team, das für die Zukunft viel Hoffnung macht.

Der neue Nati-Captain Gökhan Inler nach dem 2:2 gegen England im Wembley über sein junges Team.
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Der Aufschwung ist eingeleitet. Hitzfeld überraschte letzten Freitag mit der Nomination der neuen U21-Spieler für die A-Nati viele. Nach den Rücktritten der Routiniers wie Alex Frei und Marco Streller sei es an der Zeit für einen Umbruch, begründete Hitzfeld seinen neuen Jugendstil. Seine Absicht war Aufbruchstimmung zu erzeugen.

Das Spiel der Schweizer in den letzten Länderspielen war festgefahren. Kämpferisch war der Mannschaft selten etwas vorzuwerfen, aber spielerisch konnte man nicht überzeugen. Der Nati fehlte der Schwung, Kreativität und man hatte den Eindruck, auch Freude. «Wir müssen ein neues Gesicht zeigen, frech und forsch auftreten», sagte der Lörracher noch an der letzten Pressekonferenz vor dem Spiel am Freitag. Das waren neue Töne für Hitzfeld, der bis anhin eher den pragmatischen Stil pflegte. Mit der jungen Startaufstellung im Wembley setzte Hitzfeld seine Worte in Tat um.

Mutige und unerschrockene Junge

Knapp 24 Jahre jung war die Elf, die vor 84459 Zuschauern im Wembley das respektable 2:2 holte. Mit dem Basler Granit Xhaka in der Startelf, warf Hitzfeld einen 18-Jährigen in kalte Wasser. Der U17-Weltmeister, der vor einem Jahr noch in der U21 des FCB kickte, bestätigte das Vertrauen und zeigte eine sehr gute Leistung. Abgesehen von zwei, drei Ballverlusten in der Anfangsphase unterstrich Xhaka die Attribute, die Hitzfeld forderte.

Mutig und unerschrocken stellte er sich den Premier-League-Stars, verteilte geschickt die Bälle im Mittelfeld und bewies Spielübersicht. Als Erinnerung nahm sich der Bebbi aber nicht das Leibchen eine Engländers mit, sondern sein eigenes. «Ist doch klar, oder?», lacht Xhaka. Zudem erhielt er einen Wimpel mit England - Schweiz drauf. Zu Hause will er dann noch das 2:2 draufschreiben - damit das Remis auch nicht vergessen geht...

Als auch noch die Neulinge Admir Mehmedi (75.) und Innocent Emeghara (89.) zu ihrem Debüt kamen, kam die Schweizer Offensive auf gerade mal 19,7 Jahre im Schnitt – plus Tranquillo Barnetta, der im Mai 26 geworden war. Der Routinier, mit 59 Länderspielen der Spieler mit den meisten Einsätzen für die Nati derzeit, übernahm als Doppeltorschütze auch die Verantwortung bei den Freistössen, die zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung der Schweizer geführt hatten.

Die Nati-Tore sieben und acht waren Barnettas erste Treffer seit dem 7. September 2007 (2:1 gegen Chile). «Es ist nicht alltäglich im Wembley zwei Tore zu schiessen», so der Leverkusen-Söldner, «uns hat zwar noch die Unerfahrenheit gefehlt, die Führung in die Pause mitzunehmen, aber wir haben trotz dem 2:1 etwas riskiert.» Der Ostschweizer habe versucht, «die Jungen mitzureissen». «Es ist beeindruckend wie ruhig Granit in seinem ersten Länderspiel auftrat, Und er wird nun in jedem Länderspiel dazulernen».

Inler als positives Beispiel allen voran

Lob gehört auch Gökhan Inler. Der Nachfolger von Alex Frei als Captain der Nationalmannschaft stand unter spezieller Beobachtung. Auch seine Leistungen waren zuletzt hinterfragt worden und ausgerechnet in dieser Phase ernennt Hitzfeld den Udinese-Söldner zum Captain. Und auch diese Umstellung ist dem Lörracher aufgegangen. Inler spielte die beste Partie seit langem. Engagiert übernahm er den Lead im defensiven Mittelfeld, gewann die wichtigen Zweikämpfe und gab mit seinem forschen und dynamischen Auftritt der Mannschaft die Richtung vor. «Ich will mehr Verantwortung übernehmen und die Jungen führen», so Inler vor dem Match.

Die Erlösung nach seinem Auftritt war Inler anzusehen. «Ich habe kommuniziert und die Spieler die ganze Woche schon motiviert. Ich glaube, dass viele auch zugehört haben. Wir haben von Anfang an super in den Rhythmus gefunden. Ein Riesen-Kompliment auch an die Jungen.» Der Captain ist überzeugt, dass der Start in die Zukunft gelungen ist und auch so weitergehen wird. «Wir haben unsere Einstellung zu hundert Prozent verändert. Es haben einen frischen Wind in der Nati, jeder hat Freude und das bringt uns weiter.»

Noch ein weiter Weg vor der Nati

Noch steckt die Nati im Umbruch und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, zumal man gegen Gegner wie England immer speziell motiviert sei. «Wir müssen auch gegen Gegner wie Bulgarien oder Wales die gleiche Einstellung mitbringen», so Stephan Lichtsteiner, «dann sind wir auf dem richtigen Weg.» Und Barnetta ergänzt: «Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Beim nächsten Zusammenzug müssen wir daran arbeiten, dass wir noch mehr zu einer Einheit zusammenwachsen.»

Eines steht aber schon fest: Der Auftritt in England macht Mut. Und auch wenn es für die EM-Qualifikation 2012 in Polen und der Ukraine nicht mehr reichen sollte – forscht die Jugend weiterhin so frech und dynamisch weiter, dann wird die Schweiz an diesem Team noch viel Freude haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Hofer am 05.06.2011 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhig Blut

    Nur nicht gleich in Euphorie ausbrechen, gegen "die Grossen" hat die Nati immer noch gut gespielt. Zudem war die zweite Halbzeit ein Graus! Aber zumindest versuchte die Nati Leidenschaft, Spielfreude und Kreativität zu vermitteln - was ihr in der 1. Halbzeit über weite Strecken auch gelang. Mit den jungen hat Hitzfeld Mut bewiesen und ich peröhnlich habe keinen Frei oder Streller vermisst.

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  • Grosskotz am 05.06.2011 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Auf dem Boden bleiben

    Nur weil man einer schlechten englischen B-Mannschaft ein Unentschieden abgerungen hat, darf man jetzt nicht glauben, zu den Spitzennationen Europas zu gehören. Davon ist die Schweiz noch Generationen entfernt.

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  • Andi B. am 05.06.2011 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Leistung

    Das Resulat ist unwichtig, die Leistung war top. Hatte wieder einmal seit langer Zeit richtig Freude die Nati spielen zu sehen. Und Euphorie kommt sicher keine auf, denn wir Schweizer sind ja die ungekrönten Weltmeister im sich kleiner machen als man ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • der Experte am 05.06.2011 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    schaut vorwärts, der Rückspiegel ist weg

    Irgendwie schon merkwürdig. Die Millionenverdiener aus Udinese usw. hatten den Gaggel in den Hosen wegen Frei und Streller. Kaum sind die 2 weg, geht es wieder!? Ich meine die jungen Spieler, welchen einfachen schnellen Fussball spielen erfrischen des Schweizers Herz. Die sind mit diesem Unentschieden auch nicht zufrieden und wollen mehr. Wenn jetzt noch ein Trainer mit taktischem Geschick mit den Jungen arbeitet, könnte das 2014 etwas werden.

  • Paul Guggisbüehl am 05.06.2011 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Lebenszeichen

    Erfreulich - Das war ein tolles Lebenszeichen von der Schweizer Nati!

  • Andi B. am 05.06.2011 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Leistung

    Das Resulat ist unwichtig, die Leistung war top. Hatte wieder einmal seit langer Zeit richtig Freude die Nati spielen zu sehen. Und Euphorie kommt sicher keine auf, denn wir Schweizer sind ja die ungekrönten Weltmeister im sich kleiner machen als man ist.

  • Hopp Schwiiz am 05.06.2011 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Sensationelle Leistung! die Jungs haben wieder mal richtig Fussball gespielt! Die Idee mit Behrami im ZM ist Klasse! Da wächst eine geniale Truppe heran, die werden noch für Furore sorgen ... Doch das Hitfeld noch immer sagt, Frei undStreller haben ein riesen Loch hinterlassen, ist schon mehr als fraglich...

  • Rübenrudei am 05.06.2011 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Frei von und Streller

    Frei und Streller sind weg und jetzt kommen die Jungen! Was man im Eishockey (Nati) noch nicht vollzogen hat wurde im Fussball endlich gemacht! Jung frech unbekümmert, nur so kann man was erreichen. Die 2 oben genanntenten mögen viel für den schweizer Fussball getan haben aber es wurde Zeit den "tschauppi und de gränni" auszuwechseln. Sie haben es jedoch selber gemerkt und sind alleine gegangen.