Frauen-WM 2011

30. Juni 2011 07:19; Akt: 30.06.2011 07:20 Print

Frauen spucken und meckern nicht

von Reto Fehr - Das Spiel dauert 90 Minuten, zwei Mannschaften treten mit je elf Spielern an und der Ball ist rund. Trotzdem sind Frauen- und Männerfussball nicht zu vergleichen.

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Den Vereinen wird untersagt, Frauen aufzunehmen oder ihnen Sportplätze zur Verfügung zu stellen. Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand. (Deutscher Fussballbund, 1955) «Fussball ist kein Frauensport. Wir werden uns mit dieser Angelegenheit nie ernsthaft beschäftigen.» (Dr. Peco Bauwens, DFB-Präsident von 1950-1962) «Ich bin ehrlich: Fussball ist nichts für Frauen. Wenn Mädels auf dem Rasen rumtoben wollen, sollen sie ein Netz aufstellen und Tennis spielen» (Mario Basler vor der WM 2011) «Wenn ihr die ersten Spiele gewonnen habt, zappe ich auch mal bei euch rein. Versprochen!» (Mario Basler, auf Wiedergutmachungskurs) «Es knallten haushohe Kopfbälle von Dauerwelle zu Dauerwelle» (Der «Münchner Merkur» in einem Bericht über ein Frauen-Länderspiel 1957) «Von Frauenfussball halte ich nichts. Er passt höchstens in die gerade abgelaufene Karnevalszeit.» (Der ehemalige Goalie der DDR Horst Weigang im Jahr 1971) «Es ist noch nie gelungen, Frauen Fussball spielen zu lassen, wohl aber Korbball, Hockey, Tennis und so fort. Das Treten ist wohl spezifisch männlich; ob darum das Getretenwerden weiblich ist, sei dahingestellt. Jedenfalls ist das Nichttreten weiblich.» (Der holländische Psychologe Fred J.J. Buytendijk im Jahr 1953) «Wenn meine Frau spielt: Scheidung!» (Uwe Witt, ehemaliger Profi von Hertha Berlin) «Viele haben erst durch mein Tor erkannt, dass selbst Frauen in der Lage sind, einen Ball weiter als fünf Meter zu schiessen.» (Bärbel Wohlleben, die 1974 das erste «Tor des Monats» einer Frau schoss) «Wir empfehlen Schwimmen, Leichtathletik, Turnen oder Skilaufen. Das sind eher frauliche Betätigungen.» (Max Morloch, Endspieltorschütze und Weltmeister von 1954 im «kicker» 1955) «Das ist eine tolle Mannschaft. Nicht nur, was das Fussballerische betrifft - auch das Optische. Und was das Schöne am Frauenfussball ist: Es sieht nicht mehr so nach Frauenfussball aus wie vor 20, 30 Jahren, als man - in Anführungszeichen - noch über den Ball gefallen ist.» (Lothar Matthäus, Weltmeister 1990) «Ich akzeptiere den Frauenfussball, aber lieber treffe ich Frauen in der Disco.» (Mladen Krstajic, ehemaliger Schalke-Spieler) «An sich bin ich gegen Damenfussball. Es gibt so viele schöne Sportarten. Warum ausgerechnet Fussball für die Dame?» (Berti Vogts, Europameister-Trainer 1996) «Ich will den Frauen nicht zu nahe treten. Aber der Schiedsrichter pfeift wie beim Frauenfussball.» (Rudi Völler, Weltmeister von 1990, nach der Partie Leverkusen - Köln im März 2011) Fussball ist keine Sportart, die für Frauen geeignet ist, eben schon deshalb, weil er ein Kampfsport ist.» (deutsche Trainerlegende Sepp Herberger) «Im Bett kann eine Frau so herrlich sein. Auf dem Fussballplatz wird sie mir aber immer schrecklich vorkommen.» (Rudi Gutendorf, Fussball-Weltenbummler im Jahr 1982) «Decken, decken - nicht Tisch decken! Mann decken!» (Wim Thoelke, 1970 kommentierte er im ZDF-Sportstudio ein Frauenfussballspiel) «Junge, Junge. Ja, die brauchen sich gar nicht aufzuregen, die Zuschauer. Die Frauen waschen doch ihre Trikots selber. Wenn die Männer in den Schlamm fallen würden, das wäre schlimm. Denn dann müssten die Frauen zu Hause waschen.» (Wim Thoelke, 1970 kommentierte er im ZDF-Sportstudio ein Frauenfussballspiel) «Ich glaube nicht, dass dieser Sport genauso populär wird wie unser traditioneller Fussball. Warum sollen auch Frauen hinter dem Ball herlaufen? Sie gehören doch hinter den Kochtopf. Meiner Frau würde ich nicht erlauben, Fussball zu spielen.» (Gerd Müller im Jahr 1980) «Und wie soll dann bitte so ein Stadion heissen? Vielleicht Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?» (Der ehemalige deutsche Bundespräsident Johannes Rau auf die Frage, ob Fussballstadien auch nach Frauen benannt werden sollen) «Aufgrund der Verzerrungen durch die Anatomie kamen wir zu dem Entschluss, dass durch Werbung im Brustbereich der Trikots keine neuen Einnahmequellen für den Damenfussball liquiiert werden können.» (Die Begründung des DFB 1986 für sein Verbot für Trikotwerbungen bei den Frauen) «Ich wusste, heute ist nicht unser Tag, als ich im Links Park ankam und sah, dass eine Frau Schiedsrichterassistent war. Sie sollte zu Hause sein und Tee kochen oder das Abendessen für ihren Mann zubereiten, nachdem er beim Fussball war. Dies ist ein professioneller Männersport, und ich bin tiefster Überzeugung, dass eine wie sie nicht hier sein sollte.» (Peter Hetherston, Trainer der schottischen Albion Rovers im Jahr 2003) «Männer haben 100 Gramm mehr Gehirn als Frauen - da ist unter anderem die Abseitsregel drin.» (Komiker Dieter Nuhr) «Ist Fussball wirklich eine Frauensportart? Darüber kann man diskutieren, ich bin ein toleranter Mensch. Bitte, wenn's ihnen Spass macht.» (Oliver Kahn, Torhüter-Legende im Jahr 2010) Auf Facebook gibt es verschiedene Gruppen mit dem Titel: «Frauenfussball ist wie Pferderennen mit Eseln». Die beliebteste hat 1615 Mitglieder.

Machssprüche über Frauenfussball.

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Die Frauen-WM in Deutschland begeistert ganz Deutschland. ARD, ZDF und Eurosport übertragen die Spiele live – egal ob Norwegen gegen Äquatorialguinea oder Kolumbien gegen Nordkorea. Dem durchschnittlichen Fussballfan, der das Endspiel der Champions League der Männer zwischen Barcelona und Manchester United oder den WM-Final zwischen Spanien und Holland noch im Kopf hat, fällt sofort auf: Irgendwie ist es gleich, aber irgendwie doch nicht. Simuliert wird kaum, gespuckt wird nicht und Rudelbildung vor der Schiedsrichterin gibts auch nicht.

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Es ist offensichtlich: Männer- und Frauenfussball sind verschieden. Spassvögel sagen: «Beim Männerfussball tragen die Spieler meist längere Haare» oder «Bei den einen baumelt es oben doppelt, bei den anderen etwas weiter unten einfach». Marion Daube, die Leiterin der FCZ-Frauen, hält bei der Frage nach den grössten Unterschieden gleich zu Beginn fest: «Männer- und Frauenfussball kann und soll man nicht vergleichen. Das sind praktisch zwei unterschiedliche Sportarten.» Eigentlich logisch. Das Gleiche gilt ja auch für Tennis, Eishockey oder Skifahren.

«Die Spiele sind fairer»

Vor der WM 2011 in Deutschland hat der Kölner Sportwissenschaftler und Ex-Meistertrainer beim Frauenbundesligisten 1. FFC Frankfurt, Hans-Jürgen Tritschoks, gegenüber der «dpa» erläutert: Frauenfussball ist im Schnitt ein Drittel langsamer. Dabei legen die Frauen in den 90 Minuten zwar fast ähnlich viele Kilometer zurück wie die Männer, aber weniger «schnelle Abschnitte». Die deutsche Frauen-Nati – immerhin amtierende Weltmeisterin – hätte wohl gegen ein starkes männliches U16-Team keine Chance.

Ob die Unterschiede negativ oder positiv sind, muss jeder selber entscheiden. Fakt ist: «Die Spiele sind fairer, technisch hochstehend, es gibt weniger (brutale) Fouls, es wird weniger gemeckert und der Teamgedanke ist ausgeprägter», so Daube gegenüber 20 Minuten Online. Das ganze Spiel scheint irgendwie gesitteter. Fussball der Frauen hat mit dem Machosport der Männer nicht viel zu tun. «Klar, ein Rempeln gehört dazu, sonst hätte man ja keine Chance auf den Ball, aber fiese Fouls gibts selten», erklärt Daube und glaubt: «Einen Ausraster wie denjenigen von Zidane beim WM-Finale 2006 wirds im Frauenfussball nie geben.» Falls ein Tackling doch einmal eher die Beine als den Ball trifft, dann wird weniger lange liegen geblieben. Vielleicht sind Frauen auch einfach härter im Nehmen: Christine Sinclair, die Kanadierin, welche gegen Deutschland in der 82. Minute das Tor zum 1:2 erzielte, spielte seit kurz nach der Pause nach einem Zusammenprall mit gebrochener Nase. Ob Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi da auch noch weitergekickt hätten?

Friedlichere Stimmung bei den Fans

Was man bei den Frauen auch höchst selten sieht, ist das bei Fussballern fast obligatorische Spucken. Brasiliens Star Marta würde das «niemals» machen. «Dieses Problem haben einige Männer, aber ich nicht», betont die 25-Jährige. Und auch eine andere «männliche» Unsitte lassen die Frauen sein: Das ewige Meckern beim Schiedsrichter. «Es steckt wohl noch eine ganz andere Passion im Frauenfussball», glaubt Daube. Selbst Stars wie Birgit Prinz müssen nebenbei noch arbeiten. Diesen Starkult, wie er bei den Männern vorgelebt wird, gibts nicht. «Der Teamgedanke ist viel wichtiger.» Womöglich wird auch darum beim Torjubel eher gemeinsam gejubelt, als dass der Torschütze sich einen «eigenen Jubel überlegt». Die Ausnahme bildete 1999 im WM-Final die Amerikanerin Mia Hamm. Als sie den entscheidenden Elfmeter gegen China verwandelte, riss sie sich das Shirt vom Leib. Obwohl sie darunter einen Sport-BH trug, ging die Szene um die Welt – und nicht etwa, weil die USA Weltmeister wurden.

Da Frauenfussball gesitteter gespielt wird, scheint auch die Stimmung auf der Tribüne friedlicher. «Beim WM-Eröffnungsspiel in Berlin fielen mir die vielen Frauen und Familien auf. Alles war sehr friedlich», berichtet Daube, welche vor Ort war. Und ein Sicherheitsbeauftragter beim Stadion habe ihr strahlend gesagt: «So sollte es immer sein.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nichtfussballseher am 01.07.2011 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht einfach nicht um Geld...

    ...wie im "Männerfussball". Das sieht man auch bei anderen Sportarten, welche eben nicht so "Big Business" sind wie es eben der Fussball ist. So viel Geld wie Messi & Co. verdienen ist einfach schlecht für den Charakter. Und das wiederum ist schlecht für den Sport. Und schuld daran sind alle die, die diesen Sport mit so viel Geld, Interesse und Aufmerksamkeit unterstützen. Schon mal daran gedacht?

  • Pasquale am 30.06.2011 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Wahnsinn

    Mag sein, dass weniger simuliert und gejammert wird. Und das ist tatsächlich nichts schlechtes. Aber gestern hab ich mir eine Halbzeit angetan. Mein Gott ist das Niveau schwach. Da schläft einem ja das Gesicht ein. Sorry, aber da ist jedes Drittligaspiel gehaltvoller.

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  • Adrian am 30.06.2011 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    alles ist relativ

    ja ja, ganz ohne Agressionen geht's auch im Frauenfussball nicht. Erst kürzlich kursierte ein Videao auf Youtube, in welchen sich zwei Frauen auf's brutalsten an den Haaren gezogen haben. Also nicht nur die rosa Brille aufsetzen. Und dann wird geschrieben ganz Deutschland ist begeistert, aber mit den Deutschen Männer mit welchen ich gesprochen haben, konnten dies keineswegs bestätigen = Null Interesse. Alles ist relativ....Deutschland versteht es einfach gut, die WM als tolles Ereignis zu verkaufen mehr nicht. Nach der WM in Deutschland, wird es mit FF wieder genau so ruhig wie vorher

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ricardo Granda am 01.07.2011 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenfussball

    Vielleicht brauchen Frauen ein kleineres Spielfeld wie beim Landhockey(91,4 m x 55 m),um das Spiel ein bisschen schneller zu gestalten.Ich persönlich schaue mir keine Frauenspiele an,weil es mich einfach nicht interessiert.Ich finde es gut,dass es Frauenfussball gibt,da habe ich nichts zu meckern.Wer es nicht mag,muss es nicht schlecht machen.

  • Nichtfussballseher am 01.07.2011 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht einfach nicht um Geld...

    ...wie im "Männerfussball". Das sieht man auch bei anderen Sportarten, welche eben nicht so "Big Business" sind wie es eben der Fussball ist. So viel Geld wie Messi & Co. verdienen ist einfach schlecht für den Charakter. Und das wiederum ist schlecht für den Sport. Und schuld daran sind alle die, die diesen Sport mit so viel Geld, Interesse und Aufmerksamkeit unterstützen. Schon mal daran gedacht?

  • Matchboxx am 01.07.2011 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Geht aber auch anders

    Wer gestern das Spiel Dutschland - Nigeria gesehen hat, weiss das die auch anders spielen können. Ellenbogenchecks und nachteten, war für mich kein schöner Anblick. Und der Moderator sagt im Schnitt sind bei den Männern 2.5 Verletzungen/Spiel und bei den Frauen 2.3 Verletzungen/Spiel. Also so lieb sind die Frauen nun auch nicht.

  • Walter am 01.07.2011 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen vor, noch ein Toooooooor

    Am meisten gefällt mir, wenn die Frauen nach dem Spiel die Leibchent tauschen. Nein im ernst. Ich finde Frauenfussball oft attraktiver, da der Spielanteil höher ist. Sie konzentrieren sich auf den Fussball und nicht aufs Theater spielen.

  • DonDE am 01.07.2011 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    was ist den das für ein Beitrag? Mann=böse Frau=gut Fakt ist, die Spiele sind unendlich langweilig!!!

    • m / 40 am 01.07.2011 12:41 Report Diesen Beitrag melden

      Interpretation

      Es wurden im Beitrag lediglich die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfussball angesprochen. Ob das gut oder schlecht ist, ist Ihre Interpretation, ebenso dass die Spiele langweilig seien. Versuchen Sie, trotz aller Abneigung objektiv zu bleiben.

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