Bankdrücker im Club

09. Oktober 2019 14:25; Akt: 10.10.2019 10:56 Print

Sechs Schweizer Nati-Spieler im Dilemma

von Eva Tedesco - Weil er bei Milan nur Ersatz ist, könnte sich bei Ricardo Rodriguez ein Wechsel anbahnen. Auch im Hinblick auf die EM 2020. Und nicht nur bei ihm.

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4 Einsätze 2019/20 im Club (342 Minuten) Der 27-jährige Linksverteidiger hat seinen Stammplatz an Theo Hernández verloren. Der Bruder von Bayerns Lucas Hernández wechselte für rund 20 Millionen Euro von Real Madrid zu den Mailändern. Daher könnte es für Rodriguez schwierig werden, sich gegen den fünf Jahre jüngeren Spanier durchzusetzen. 4 Einsätze 2019/20 im Club (25 Minuten) An dem Offensiv-Trio Salah, Mané, Firminho gibt es für den 27-Jährigen nichts zu rütteln. Schon im Verlauf der vergangenen Rückrunde bekam Shaqiri immer weniger Einsatzminuten. In der aktuellen Spielzeit sieht es noch düsterer für ihn aus. 16 Einsätze 2019/20 im Club (625 Minuten) Bei Dinamo Zagreb bekommt Gavranovic zwar fast in jedem Spiel Einsatzminuten, jedoch meist von der Bank aus. In dieser Saison stand der Schweizer mit kroatischen Wurzeln fünfmal in der Startelf und wurde viermal eingewechselt. Momentan kommt er nicht an seinem Konkurrenten Bruno Petkovic vorbei. 3 Einsätze (116 Minuten) Für 9 Millionen Euro wechselte Mbabu vom Schweizer Meister YB zu Wolfsburg. Dort spielt er auf der Position des Rechtsverteidigers nur die zweite Geige. Am Brasilianer William führt momentan kein Weg vorbei. 1 Einsatz (90 Minuten) Im Sommer 2017 wechselte Mvogo zu RB Leipzig in die Bundesliga. Seither muss er sich hinter Péter Gulácsi als die Nummer zwei begnügen. In der aktuellen Saison kommt er auf einen Startelf-Einsatz im DFB-Pokal. Beim 3:2 gegen den VfL Osnabrück aus der 2. Bundesliga musste er zweimal hinter sich greifen. 5 Einsätze (449 Minuten) Die aktuelle Saison hat Ajeti noch beim FC Basel begonnen. In einem Meisterschaftsspiel und zwei Auftritten in der Qualifikation zur Champions League gelangen ihm zwei Treffer. Anfang August wechselte der Stürmer für rund 9 Millionen Euro zu West Ham United in die Premier League. Für den Londoner Club stand er im Liga Cup zweimal über neunzig Minuten im Einsatz. Auch in der Qualifikation für die Champions League durfte er über neunzig Minuten ran und erzielte ein Tor.

Fehler gesehen?

Regelmässige Einsätze beim Club erhöhen die Chance auf einen Platz im EM-Kader von Nationaltrainer Vladimir Petkovic, der es sich nicht leisten kann, Spieler ohne Spielpraxis mitzunehmen. Den «Problemfällen» bleibt nicht viel Zeit, sich in ihren Clubs wieder aufzudrängen. Erschwerend könnte hinzukommen, dass die Schweiz im Dezember noch nicht weiss, ob sie für die Endrunde qualifiziert ist. Sollten die Schweizer die definitive Teilnahme über der laufenden Qualifikation verpassen, werden die letzten EM-Tickets erst in Playoffs im März vergeben. So lange können die Spieler aber nicht warten, denn das Transferfenster öffnet schon in 85 Tagen und schliesst Ende Januar wieder. Welcher Nationalspieler wird sich im Winter neben Rodriguez auch mit seiner Zukunft im Club auseinandersetzen müssen? Ein Überblick.

Rodriguez
AC Milan, Vertrag bis 2021

In der Nationalmannschaft gibt es kaum Alternativen für Ricardo Rodriguez. Er ist gesetzt (67 Länderspiele/8 Tore). Im Club ist die Situation für Rodriguez neu. Denn bisher war er bei seinen Vereinen fast ausnahmslos Stammspieler: erst beim FC Zürich, ab 2012 beim VfL Wolfsburg in der Bundesliga und auch in seinem ersten Jahr in Italien. In der Saison 2018/19 stand Rodriguez in 35 von 38 Ligaspielen in der Startelf und wurde auch nur fünfmal ausgewechselt. In der laufenden Meisterschaft sieht alles anders aus. Beim Serie-A-Club wurde der 27-jährige Linksverteidiger von Theo Hernandez verdrängt. Der 20-Millionen-Einkauf von Real Madrid scheint bei den «Rossoneri» neuerdings gesetzt. Laut «Blick» soll Rodriguez konkrete Wechselgedanken hegen, sollte sich seine Situation bis zum Winter nicht ändern. Mit Atletico Madrid, der AS Roma, Schalke 04 und Everton sollen diverse Interessenten vorhanden sein.

Shaqiri
FC Liverpool, Vertrag bis 2023

Der Schweizer war 2018 für 14,7 Millionen Euro vom damaligen Absteiger Stoke City zu Liverpool gewechselt. In der vergangenen Spielzeit kam Xherdan Shaqiri auf 30 Pflichtspiele (6 Tore/5 Vorlagen) für die «Reds», davon stand er die Hälfte in der Startelf. Nach dem gewonnenen Champions-League-Final sagte der 82-fache Internationale (22 Tore), dass er einen Wechsel nicht in Betracht ziehe, aber das könnte sich noch ändern. «XS» verletzte sich beim Final-Four-Turnier der Nati in Portugal und verpasste grossteils die Vorbereitung. Das ist wohl mit ein Grund, warum Shaqiri in der aktuellen Saison wettbewerbsübergreifend erst 25 Minuten spielte. Am überragenden Trio Mané, Firmino, Salah ist derzeit einfach kein Vorbeikommen für Shaqiri, und auch Alex Oxlade-Chamberlain, Divock Origi oder Adam Lallana stehen bei Trainer Jürgen Klopp höher im Kurs. Derzeit ist der Basler, der am Donnerstag seinen 28. Geburtstag feiert, wieder verletzt (Muskelriss an der Wade). Wenn er wieder fit ist und sich an seiner Situation nichts ändert, wird sich Shaqiri Gedanken machen und einen Wechsel ins Auge fassen müssen.

Mbabu
VfL Wolfsburg, Vertrag bis 2023

Kevin Mbabu – bei YB unumstrittener Stammspieler – muss in Wolfsburg hinten anstehen. Seit seinem Wechsel in die Bundesliga hat der Rechtsverteidiger nur 116 Minuten (Cup, Europa League und Liga) gespielt. Den einzigen Einsatz über 90 Minuten absolvierte der Genfer im Europacup gegen FK Oleksandria (3:1). In den letzten zwei Bundesligapartien vor dem aktuellen Zusammenzug drückte Mbabu ausschliesslich die Bank. Trainer Oliver Glasner setzt vor allem auf den Brasilianer William, der aus seiner Sicht technisch versierter sei und das bessere Auge für den Mitspieler habe. Mbabus Plus seien die Schnelligkeit und die Athletik. «Ich war mir des Risikos bewusst. Wenn man ins Ausland geht, muss man bereit sein zu kämpfen», so Mbabu zu seiner Situation. Und VfL-Manager Jörg Schmadtke sagte dem Onlineportal «Sportbuzzer»: «Neuverpflichtungen brauchen meistens ein bisschen Zeit. Und diese Zeit geben wir Kevin auch.» Aber wie viel Zeit hat der 24-Jährige? Auf seiner Position bestand selten Personalmangel. Nach Stephan Lichtsteiner und Michael Lang ist da auch noch Silvan Widmer, der in Basel regelmässig und auch europäisch spielt.

Gavranovic
Dinamo Zagreb, Vertrag bis 2021

Mario Gavranovic kommt zwar bereits auf 16 Pflichtspieleinsätze, aber insgesamt nur auf 625 Minuten. Zudem hat er erst zwei Tore und einen Assist auf dem Konto. Fünfmal stand er in der Liga zuletzt nicht in der Startelf. Über die volle Distanz hat er nur einmal gespielt. Gavranovic ist als Stimmungsspieler bekannt und braucht das Vertrauen seiner Trainer, sonst ist er meist schnell weg. Auch diesmal? Denn die Konkurrenz in der Nationalmannschaft ist derzeit besser im Schuss: Haris Seferovic, Torschützenkönig in der vergangenen Saison in Portugal, sowieso, aber auch Josip Drmic, Breel Embolo oder Admir Mehmedi haben in ihren Clubs getroffen und bessere Karten.

Mvogo
RB Leipzig, Vertrag bis 2021

Der ehemalige YB-Torhüter sitzt im goldenen Leipzig-Käfig fest. Seit seinem Wechsel zum Dosenclub hütete der 25-Jährige lediglich 14-mal den Kasten – seit 2017. Nach einer ernüchternden Saison erhielt Yvon Mvogo im Sommer die Erlaubnis für einen Wechsel. Allerdings wollte ihn Leipzig nur auf Leihbasis ziehen lassen, weil man langfristig mit dem jungen Keeper plant. Augsburg wollte ihn verpflichten. Am Ende platzte der Deal, und Mvogo ist weiter in seinem goldenen Käfig gefangen. Auch wenn in der Nationalmannschaft hinter Yann Sommer kaum ein Torhüter viel spielt, der Druck von Jonas Omlin und David von Ballmoos auf die aktuelle Nummer 2 wird immer grösser. Lange wird ihn Petkovic ohne Spielpraxis nicht mehr mitschleifen können.

Ajeti
West Ham, Vertrag bis 2023

Seinen zweiten Wechsel weg vom FC Basel hat sich Albian Ajeti wohl anders vorgestellt. Der SL-Torschützenkönig von 2018 und FCB-Topskorer wechselte einst im Januar 2016 zum FC Augsburg, wo er nie glücklich wurde. Zurück in der Schweiz, ging es in rasantem Tempo vom FC St. Gallen zum FCB. Im Sommer 2019 erfüllte sich der Stürmer den Traum der Premier League und unterschrieb bei West Ham. Ausser 180 Minuten im Cup fristet Ajeti aber seither sein Dasein auf der Bank. In der Meisterschaft wartet er noch auf den ersten Einsatz. Ein Wechsel im Winter ist kaum vorstellbar, aber eventuell eine Ausleihe, wenn Ajeti keine Chance auf einen Einsatz sieht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FTorres9 am 10.10.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    neuen Wind bringen

    Für mich persönlich war das absehbar mit Rodriguez. Kein Tempo, Zweikämpfe werden häufiger verloren und gegen vorne (Konter) fast inexistent. #NoHate

  • Swissman73 am 09.10.2019 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Titel

    Der Titel sollte lauten: Sechs Schweizer Natisöldner im Dilemma. Und wenn es nicht reicht ist man einfach nicht gut genug. Geht immer ums Leistungsprinzip. In der CH-Nati natürlich nicht.

  • lightsout am 09.10.2019 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    o dabei

    Shaqiri hat sich mit seinem Wechsel vom fcb zum FCB keinen grossen Gefallen getan -zwar meister, cupsieger, CL-sieger, aber immer nur als "o dabei"

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bankdrückerli am 10.10.2019 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Panik

    Es gibt im Aufgebot einige Spieler die seit langen kaum Einsatz Minuten hatten.. also keine Panik wenn Ersatz Spieler bist. Petkovic ist da sehr tolerant und nimt es nicht so genau..tja..

  • FTorres9 am 10.10.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    neuen Wind bringen

    Für mich persönlich war das absehbar mit Rodriguez. Kein Tempo, Zweikämpfe werden häufiger verloren und gegen vorne (Konter) fast inexistent. #NoHate

  • Dani251293 am 10.10.2019 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ähm

    nichts neues oder?

  • Tinu am 09.10.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Alles waren Wechsel des Geldes wegen. Jetzt gilt es die Konsequenzen zu tragen. Und in die Nati gehört so keiner der nicht spielt.

  • Swissman73 am 09.10.2019 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Titel

    Der Titel sollte lauten: Sechs Schweizer Natisöldner im Dilemma. Und wenn es nicht reicht ist man einfach nicht gut genug. Geht immer ums Leistungsprinzip. In der CH-Nati natürlich nicht.