Ethische Gründe

09. Januar 2019 06:32; Akt: 09.01.2019 10:40 Print

Fussballer sagt Nati-Camp in Katar ab

Nationalspieler Riku Riski verzichtet aufs finnische Trainigscamp im arabischen Emirat – und erklärt sich.

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Im Norden Europas herrschen dieser Tage Temperaturen unter dem Nullpunkt. Dennoch möchte einer lieber frieren, als unter Katars Sonne zu kicken. «Bei den Gründen für meine Entscheidung ging es um Werte, nach denen ich handeln und die ich hochhalten will. Ich denke, das ist wichtig.» Diese Worte stammen vom finnischen Fussballer Riku Riski. Der Stürmer von HJK Helsinki hätte dieser Tage mit dem finnischen Nationalteam nach Katar ins Trainingslager reisen sollen. Doch er sagte ab. «Ich habe meine Entscheidung getroffen und werde dazu stehen», so Riski weiter.

Das Emirat Katar, Gastgeber der WM 2022, steht seit Jahren unter anderem wegen Menschenrechtsverstössen in der Kritik. So sollen viele Arbeitsmigranten, auch jene auf den Baustellen der WM-Stadien, unter menschenunwürdigen Verhältnissen arbeiten und leben müssen. François Crépeau, UN-Sonderberichterstatter für die Rechte von Migranten, sagte zur ARD: «Bei vielen Einwanderern werden an ihren Arbeitsplätzen die Menschenrechte verletzt, manche erhalten ihren Lohn nicht, oder ihnen wird weniger gezahlt als vereinbart.»

Es könnte ihn den Kaderplatz kosten

«Die Teilnahme ist freiwillig. Wenn ein Spieler aus privaten Gründen nicht zum Nationalteam kommen will, respektiere ich das», sagte Finnlands Nationalcoach Markku Kanerva. «Ich werde Rikus Gründe nicht kommentieren, aber sie müssen für ihn schwerwiegend genug sein, das müssen wir respektieren.»

Zudem betonte Nationaltrainer Kanerva die Wichtigkeit des Zusammenzugs im Hinblick auf die bevorstehende EM-Qualifikation. Die Frage, ob der 26-fache finnische Internationale für die EM-Qualifikationspiele seines Landes gegen Italien und Armenien aufgeboten werde, liess Kanerva offen.

Rummenigge betont den Dialog

Trainingslager in Katar sind keine Seltenheit. Viele europäische Spitzenclubs bereiten sich in der Winterpause in Doha und Umgebung auf die Rückrunde vor. Bayern München holt sich derzeit zum neunten Mal in Folge den Schliff für die entscheidende Phase der Saison in Katar. Und Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge verteidigt das Camp seit Jahren: «Wie andere Fussballvereine und Sportverbände auch beteiligen wir uns dabei an einem Dialog in der Golfregion.» Hörte er diesen Satz, würde Riku Riski wohl nur müde lächeln oder den Kopf schütteln.

Fussball

(tzi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vera L. am 09.01.2019 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BRAVO

    Bravo - eine mutige Entscheidung. Ein noch schöneres Zeichen wäre, wenn möglichst viele Mannschaften auf die WM verzichten würden um ihren Unmut über den Austragungsort zu zeigen. Aber wahrscheinlich ist das große Geld verlockender als Ethik....

    einklappen einklappen
  • Fussball am 09.01.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt  

    So sollten es noch mehr Spieler bzw. Länder tun. Einfach mal boykottieren sonst lernt die FIFA ja nix und die Menschenrechte interessiert niemanden. Ich ziehe den Hut vor diesem Mann.

  • Nuco am 09.01.2019 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Finde ich gut.

Die neusten Leser-Kommentare

  • So isses! am 09.01.2019 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Zivilcourage!

    Mit dieser beherzten Entscheidung ist Nationalspieler Riku Riski für mich bereits der World-Champion! Chapeau!!!!

  • PS;L am 09.01.2019 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau

    Wenn ich einen Hut tragen würde, würde ich ihn ziehen. Mein Respekt an den jungen Herren!

  • Realist am 09.01.2019 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Ich habe gar nicht gewusst, dass es Fussballer gibt die eine eigene Meinung haben. In der Regel dreht es sich bei dieser Berufsgattung eher um Frauen, Autos, Tattoos, Designerkleider, Facebook, Instagram und Schickimickzeugs. Wenigstens einer der weiss was auch nach der eigenen Nasenspitze läuft!

  • Vorbild am 09.01.2019 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WMHeld

    Habe darauf gewartet das ein Spieler diese Entscheidung trifft. Für mich ist er der wahre WM Held. Ich hoffe andere folgen seinem Beispiel. Auch wir sollten seinem Beispiel folgen und die Spiele nicht am TV verfolgen. Ansonsten ist die Kritik nur heuchlerisch...

  • Seppe Hügli am 09.01.2019 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Lob hier

    für diesen mutigen Entscheid, aber wenn es dann soweit ist alles wieder vergessen und wir schauen uns dieses Milliarden Brimborium ohne das Hirn einzuschalten mit grosser Freude trotzdem an.