Chaostage

09. April 2019 08:11; Akt: 09.04.2019 09:50 Print

Auch die GC-Clubführung wird umgekrempelt

Nicht nur ein neuer Trainer: GC kündigt im Verwaltungsrat Änderungen an. Einen Rücktritt gibt es bereits.

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Der Langenthaler Architekt Stephan Anliker wird der siebte GC-Präsident innert zehn Jahren. Er setzt auf Manuel Huber (im Bild links, Kommerz) und Dragan Rapic (3. v. l., Sport) als Duo in der Geschäftsführung. Medienchef Adrian Fetscherin ist per sofort freigestellt. Ausbildungschef Marco Otero wird freigestellt. Ein paar Wochen vorher war Dragan Rapic für den Verwaltungsrat noch «fähig und motiviert», jetzt ist der Sportchef entlassen. Er hat gemäss Präsident Anliker nicht im Sinne von GC gehandelt. Verwaltungsrat Heinz Spross (im Bild) wird Verantwortlicher im sportlichen Bereich. Reinhard Fromm (links) tritt aus dem Verwaltungsrat zurück. Er hat genug vom «Hintenherumzeugs», wie er sagt. Was er damit meint: Dass Spross immer wieder Ideen von Erich Vogel weiterträgt. Auch Spross tritt zurück. Im Verwaltungsrat sind jetzt noch Anliker, Martin Keller (im Bild) und Michael Schwarz. Keller übernimmt die Verantwortung im sportlichen Bereich. Captain Veroljub Salatic wird suspendiert. Die Clubführung wirft ihm intrigante Handlungen und Stimmungsmache gegen Skibbe vor. Axel Thoma wird neuer Sportchef. Es heisst, Thoma sei eine starke, unabhängige Persönlichkeit, die bei GC charakterlich gut ins Führungsteam passe. Anliker begnadigt Salatic im Alleingang. Verärgert über Anlikers Entscheid, tritt Keller (im Bild rechts) aus dem VR zurück – es bleiben nur noch zwei Verwaltungsräte übrig. Trainer Skibbe wird freigestellt. Pierluigi Tami wird als neuer Trainer vorgestellt. Sportchef Thoma sagt: «Wir streben mit Tami einen Kulturwandel an.» Anliker demontiert Sportchef Thoma. Die Tirade hält er vor dem Spiel von GC im Restaurant des Aarauer Brügglifeld. Auf den Punkt gebracht, heisst seine Botschaft: Thoma ist ein unfähiger Blender. Anliker sagt: «Für die Challenge League hat es Thoma gereicht. In der Super League ist er an der Vielfältigkeit der Aufgabe gescheitert.» Carlos Bernegger wird Nachfolger von Pierluigi Tami. Er holt die nötigen Punkte im Abstiegskampf und erhält einen neuen Vertrag. Diese Massnahme erfolgt ohne letzte Überzeugung, aber die Wunschlösung, Murat Yakin, ist noch nicht verfügbar. Bernegger wird abgesetzt. «Der Zeitpunkt war der richtige», sagt Anliker. Wunschtrainer Yakin wird vorgestellt. Roland Klein wird als Vizepräsident in den Verwaltungsrat gewählt. Klein wird im VR suspendiert. Anliker sieht in Klein eine Fehlbesetzung und wirft ihm «eine Einmischung in die Operative» und «eine Destabilisierung der Organisation» vor. Klein schweigt. Yakin wird entlassen. Wenige Tage zuvor wurde er spätnachts noch in einem Restaurant an der Langstrasse gesehen. Am Spiel selbst deutete sein provokatives Nicht-Coaching darauf hin, dass er sich von seinem Arbeitgeber gelöst hatte. Thorsten Fink wird als neuer Trainer vorgestellt. Im Communiqué steht: «Mit Thorsten Fink kommt ein ausgewiesener Fussballfachmann in die Limmatstadt.» Ein Sieg für GC gibt es an der Urne: Das Zürcher Stimmvolk sagt Ja zum Stadionprojekt auf dem Hardturmareal. Heinz Spross zieht sich als Aktionär zurück. Sein Anteil geht an Stephan Anliker und Peter Stüber, die nun beide 45 Prozent der Aktien besitzen. Fromm hat genug. Er verlängert seinen Vertrag als Hauptsponsor nicht mehr und wettert gegen die Führung. Über Anliker, den Präsidenten seit fünf Jahren, sagt er: «Er ist kein böser Mann. Aber als Firmenführer ist er total überfordert. Er kann keine Firma managen.» Fink und Sportchef Walther müssen gehen. Walther war seit Sommer 2017 im Amt, Manuel Huber übernimmt interimistisch. GC stellt den unbekannten Tomislav Stipic als neuen Trainer für den Abstiegskampf vor. Beim Auswärtsspiel in Sitten provozieren GC-Hooligans den Spielabbruch. Präsident Anliker sagt: «Es war absolut sinnlos. Die sind bekokst, die sind betrunken. Sie haben hinter den Gittern getan wie wilde Tiere.» In der Woche davor hatte die GC-Führung ein Treffen mit Fans abgesagt. Anliker tritt als Präsident zurück. Er bleibt dem Club als Aktionär erhalten. Auch CEO Manuel Huber geht Ende Saison. Der neue Präsident Stephan Rietiker wird vorgestellt. Der Unternehmer sei ein Mann «mit breiter Exekutiv-Managementerfahrung». Bereits nach fünf Spielen ist Stipics Zeit bei GC vorbei. Uli Forte wird als neuer Trainer für den Abstiegskampf vorgestellt. Gleichzeitig tritt Georges Perego per sofort aus dem Verwaltungsrat zurück.

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Uli Forte wird am Dienstagmorgen um 10 Uhr als neuer Trainer vorgestellt. Wie lange sein Vertrag laufen wird, ist noch nicht bekannt. Sicher aber gilt sein Kontrakt auch für die Challenge League, sollte der Club absteigen. Die GC-Führung attestiert Forte «wertvolle Erfahrung in sportlich herausfordernden Situationen». Und: «Seine vertieften Kenntnisse und seine Erfahrung im Schweizer Fussball, sowie seine Verbundenheit mit dem Grasshopper Club Zürich waren wichtige Kriterien bei der Entscheidungsfindung der sportlichen Neuausrichtung.»

Doch nicht nur die Führung der Mannschaft wechselt bei GC, wie der Club in einer Medienmitteilung bekannt gibt. Der Verwaltungsrat hat am Montagabend «eine grundsätzliche, strukturelle und personelle Neuausrichtung für den Grasshopper Club Zürich beschlossen». Klar ist, dass der bisherige Verwaltungsrat Georges Perego den Rekordmeister verlässt, er ist zurückgetreten. Perego, zuständig für den Bereich Sport, war insbesondere durch die Verpflichtung von Tomislav Stipic als Trainer in die Kritik geraten.

Ein ehemaliger Profi für den VR?

Der neue VR-Präsident Stephan Rietiker hat den Hauptaktionären weitgehende organisatorische Veränderungen vorgeschlagen. Der Bereich Sport soll von der Administration getrennt werden. Bei der Suche nach einem Perego-Ersatz setzt Rietiker auf professionelle Begleitung durch einen Experten, das zukünftige Verwaltungsrat-Mitglied muss «über eine breite Erfahrung im Bereich des Sports und des Fussballs im Besonderen» verfügen. Am liebsten wäre Rietiker ein ehemaliger Profi mit analytischen und strategischen Fähigkeiten. Die Gespräche mit möglichen Kandidaten sollen schon weit fortgeschritten sein.

Ebenfalls wollen die Grasshoppers einen neuen Sportchef verpflichten. Das ist neben dem neuen Trainer wohl die zweitwichtigste Personalie im Club auf operativer Ebene. Noch bedeutender könnte sein, wer Geschäftsführer wird. Manuel Huber hat zuletzt keinen guten Eindruck hinterlassen und ist mitschuldig an der sportlichen und finanziellen Misere, er muss deshalb bald gehen. Der neue CEO soll noch vor Ende der Saison eingestellt sein.

In seiner Medienmitteilung verabschiedete der Rekordmeister auch Tomislav Stipic. Der Deutsche war nur 33 Tage GC-Trainer. Rietiker sagt: «Wir haben die Zwischenziele nicht erreicht und mussten handeln.» Doch wer das Communiqué liest, muss sich trotzdem fragen, wieso Stipic bereits wieder gehen musste. GC schreibt: «Wir haben mit Tomi gut zusammengearbeitet. Seine Fähigkeiten als Trainer und Ausbildner sind für jeden von uns deutlich geworden. Dass er in einer sportlich extrem schwierigen Phase Verantwortung übernommen hat, werden wir ihm nicht vergessen und danken ihm ganz herzlich.» Und GC findet dann auch noch: «Der Grasshopper Club Zürich ist überzeugt, dass die Fussballwelt auch künftig von Tomislav Stipic hören wird.»

Fussball

(ukä.)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudio am 09.04.2019 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Mannschaft auswechseln

    Ich bin seit meiner Jugend GC-Fan. Doch was in den letzten Jahren (nicht nur Monaten) im Klub abgeht, lässt mich als GC-Fan schon verzweifeln. Der Image-Schaden ist immens. Die Ereignisse der letzten Tage löst bei mir immer wieder ungläubiges Kopfschütteln aus. Die häufigen Trainerwechsel bringen nichts, wenn an der aktuellen Mannschaft nichts geändert wird. Selbst ein Guardiola könnte mit dieser Mannschaft (Ausnahme Lindner) keinen Erfolg haben !!!

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  • Beobachter am 09.04.2019 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Die einzigen, die mir leid tun,

    sind die GC-Fans.

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  • yaZH am 09.04.2019 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Südkürvler

    Das schöne ist, wie damals beim FCZ es wird aufgeräumt und der Neustart kann in der Liga tiefer beginnen. Es tat auch dem FCZ gut und es wird auch GC gut tun. Aber wer weiss, es ist noch nicht zu spät und Ueli hat ja Erfahrung mit Ab und Aufsteigen. Seht es positiv lieber Kantonsrivale

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 10.04.2019 05:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussball ist Sport

    und keine Bürokratie.

  • Typhoeus am 10.04.2019 05:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teamgeist und nicht VR

    und Aktionäre machen das Wohl eines Clubs aus.

  • Typhoeus am 10.04.2019 05:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Köche

    verderben den Brei. Wichtig in erster Linie die Motivation der Spiel zusammen mit dem Trainer und nicht VR und Aktionäre.

  • Ein Zürcher Fussball Fan am 09.04.2019 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zürich United

    Es braucht die Fusion, um den Zürcher Fussball zum Erfolg zurück zu bringen: Zürich United!!!

  • Opfer am 09.04.2019 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mir fehlt die spucke vor freude

    Ich fange wieder an atmen herr Doktor!!!!!!. ich bekomme tatsächlich Luft und träume schon vom 3n stern, war das dass Morphium oder halten sie mich wierklich am Leben". Augenreib augenreib!.