Titel leicht gemacht

30. April 2012 16:27; Akt: 30.04.2012 16:27 Print

Gegner stehen dem FC Basel Spalier

Punkteabzüge, Trainerentlassungen, Lizenzentzug, Ausverkauf und Durchschnitts-Fussball prägen die Super League - bis auf Basel. Kein Wunder also, dass der FCB überlegen Meister wird.

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Der «Barfi» bebt: Weit über 10 000 Fans feiern am Abend des 29. April ihren FCB. Die Spieler und Trainer Heiko Vogel (im Vordergrund) lassen sich im Licht zahlreicher Leuchtfackeln feiern. Heiko Vogel stemmt den Pokal in die Luft - mangels Original zunächst mal eine Kopie. Präsident Bernhard Heusler posiert zusammen mit Gilles Yapi Yapo und dessen Sohn auf dem Balkon des Casinos hoch über dem Barfüsserplatz. Xherdan Shaqiri lässt es sich nicht nehmen, mit dem Pokal vor den Fans zu stehen, bevor er demnächst nach München weiterziehen wird. Der alte Hase Benjamin Huggel kennt das Gefühl schon gut. Für Trainer Heiko Vogel ist die Meisterfeier allerdings eine Premiere. Die Fans jubeln bis tief in die Nacht. Basel feiert - der 15. Meistertitel der Vereinsgeschichte ist im Trockenen. Die Feier kann beginnen. Marco Streller stemmte schon mal ein Pokal-Dummy in die Höhe, die Basler Feier hat begonnen und endet nicht vor dem 23. Mai, dem letzten Spieltag der Saison - dann gibts auch den echten Pokal. Auch Trainer Heiko Vogel liess sich endlich feiern. FCB-Präsident Bernhard Heusler und seine Freude nach dem 3:1 kurz vor Abpfiff. Shaqiri und Steinhöfer. Beni Huggel und die Freude eines Routinier. Basel feiert - der 15. Meistertitel der Vereinsgeschichte ist im Trockenen. Die Feier kann beginnen. Bereits vor dem Spiel herrschte Hochstimmung im ausverkauften St. Jakobs-Park - es war angerichtet für den FCB. Der FC Basel ging bereits früh in Führung, Marco Streller schob in der 9. Spielminute zum 1:0 gegen Lausanne ein. Alles lief nach Plan, der FCB auf gutem Weg Richtung Titel. Die Lausanner waren nur selten im gegnerischen Strafraum, aber ein Angriff genügte, um die Basler kalt zu erwischen - mit dem 1:1 durch Negrao gings in die Pause. Die Basler taten sich in der Folge etwas schwer, Lausanne hielt wacker dagegen. In der 64. Minute durfte sich Alex Frei von seinen Kollegen feiern lassen. Nach schöner Vorarbeit von Abraham traf der Goalgetter zum 2:1. Das erneute Führungstor brachte auch in der Vorstandetage etwas Lockerheit zurück. In der Nachspielzeit legte Zoua noch einen drauf - 3:1, damit war alles klar. Sion führte zur Halbzeit in Thun mit 1:0, dank Torschütze Ianu. Die Freude über das Tor musste raus. Doch zum Sieg reichte es für Sion nicht, Präsident Constantins (l.) Miene verdüsterte sich entsprechend. Jahmir Hyka trifft spektakulär zum 1:0 für Luzern gegen GC. Die Luzerner haben die Partie im Griff und führen lange mit 2:0. Doch kurz nach der Pause verkürzt GC - und in der 75. Minute gar das 2:2 durch Zuber. Moreno Costanzo (l.) brachte YB gegen Servette 1:0 in Führung. Servette gleicht aber durch einen Elfmeter aus. Am Ende wirds hektisch. Servette trifft zum 2:1, YB hat noch zwei Chancen zum Ausgleich - und dann artet die Partie an der Seitenlinie aus. Weil ein YB-Spieler beim Versuch einen Einwurf auszuführen umgeschubst wird, kommts zu Handgreiflichkeiten. Pascal Doubai (l.) und Daniel Soares sagen sich die Meinung.

Der FC Basel ist fünf Runden vor Schluss Schweizer Meister.

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Der Titelhattrick ist Tatsache. Der FC Basel hat eindrücklich seine Überlegenheit unter Beweis gestellt. Das Zweitplatzierte Luzern musste fünf Runden vor Schluss klein beigeben, 22 Punkte hinter dem FCB. Den Young Boys auf Rang 3 fehlen sogar 25 Punkte. Aber selbst wenn die Basler das Mass aller Dinge sind: So einfach wurde es dem Meister noch nie gemacht.

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Dass die Basler derart leichtes Spiel hatten, ist nicht nur auf die unbestrittene Qualität des Kaders und die phantastische Rückrunde zurückzuführen. Andere Super-League-Vereine, wie zum Beispiel YB oder der FC Luzern - vor der Saison als durchaus meistertauglich gehandelt - hatten dem 15-fachen Meister nichts entgegenzusetzen. Luzern war spätestens nach dem Abgang von Hakan Yakin kein Titelaspirant mehr und zeigte allerhöchstens Durchschnittsfussball. Dennoch kann beim Vizemeister von einer gelungenen Saison gesprochen werden, sofern die Innerschweizer den zweiten Platz behalten.

In Bern wird alles auf den Kopf gestellt

Ein qualitativ besseres Kader stand Christian Gross bei den Young Boys zur Verfügung. Für den ersten Titelgewinn seit 1987 krempelte man dafür im Sommer 2011 das Team mehr oder weniger komplett um. 15 Spieler kamen, darunter mit Nassim Ben Khalifa, Raphaël Nuzzolo, Freddy Mveng, Elsad Zverotic, Dusan Veskovac und Michael Silberbauer durchaus ein paar Hochkaräter. Im Winter wurde nochmals nachgelegt. Matias Vitkieviez und Raúl Bobadilla verstärkten die Gross-Truppe im offensiven Bereich. Nach nicht einmal einer Saison wurde der als Meistermacher verpflichtete Gross bei YB jedoch entlassen. Er schaffte es nicht, aus der zusammengewürfelten Truppe eine Mannschaft zu formen. In Bern muss man anerkennen, dass selbst gute Neueinkäufe und ein Trainer mit vielen Titeln noch keinen Meister macht.

Anderswo hatte man weit grössere Probleme. Schier Unglaubliches spielte sich am idyllischen Neuenburgersee ab. Dort übernahm Bulat Tschagajew im April 2011 Neuchâtel Xamax und fuhr den Traditionsverein innert acht Monaten an die Wand. Die Swiss Football League entzog dem zweifachen Schweizer Meister Mitte Januar die Lizenz und im Sommer wagt man in Neuenburg einen Neuanfang in der 2. Liga Interregional. Gerade noch einmal die Kurve gekriegt hat Servette Genf. Der finanziell angeschlagene Klub musste zwar anfangs März die Bilanz deponieren, nun haben sich offenbar Geldgeber gefunden, die für die Zukunft des Vereins einstehen werden.

Zürcher Vereine müssen unten durch

Ein anderer Klub ist zwar noch mit dabei in der Liga, findet sich aber nach einem juristischen Spiessrutenlauf abgeschlagen auf dem letzten Platz. Cristian Constantin und dem FC Sion wurden 36 Punkte abgezogen. Die Walliser haben den Einsatz von nicht spielberechtigten Akteuren teuer bezahlt und müssen wohl die Barrage bestreiten. Hätte der SFV Sion nicht bestraft, lägen die Walliser nun mit 50 Punkten auf Rang zwei.

Auch in Zürich muss von einer verkorksten Saison gesprochen werden. Trainerentlassungen, Abstiegssorgen und Weggänge sorgten beim FC Zürich und den Grasshoppers für weit mehr Wirbel als Erfolge. Mitte März musste Urs Fischer beim FCZ den Hut nehmen, obwohl die Klubführung trotz schwachen Resultaten während der ganzen Saison zu ihm hielt. Auch als der FCZ anfangs Januar die Abgänge von Admir Mehmedi, Ricardo Rodriguez, Dusan Djuric, Alexandre Alphonse, Xavier Margairaz, Florian Stahel zu verkraften hatte, schien Fischer ungefährdet. Auch bei den Grasshoppers folgte der grosse Knall am Ende der Saison. Als Folge einer sehr schwachen Saisonleistung musste Ciriaco Sforza Mitte April gehen. Sein Nachfolger Uli Forte debütierte am 21. April in Thun.

Die Profiteure

Nutzniesser des ganzen Durcheinanders sind zwei Teams. Klammheimlich haben sich der FC Thun und Lausanne in der Super League eingenistet – wenn auch unter den ungleichen Vorzeichen. Während sich die Berner Oberländer aufgrund guter Leistungen auf den vierten Rang gespielt haben, kann bei Lausanne von einem Sechser im Lotto gesprochen werden. Bis zum Punkteabzug von Sion und dem Lizenz-Entzug von Xamax abgeschlagen auf dem letzten Platz, bekommt der letztjährige Aufsteiger den Ligaerhalt nun geschenkt. Xamax wurde in die 2. Liga Interregional zwangsversetzt und Sion rangiert neun Punkte hinter Lausanne auf dem Barrage-Platz, welchen die Walliser bis Saisonende wohl nicht mehr los werden. Lausanne lacht sich derweil ins Fäustchen.

Was meinen Sie: Weshalb wurde der FC Basel überragend Meister? Ist das Niveau in der Super League derart schlecht oder ist der FCB schlicht und einfach zu gut? Diskutieren Sie in unserem Talkback und stimmen sie im Poll ab.

(als)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs Ursus am 30.04.2012 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Basel vs. Zürich 2012/13

    Basel ist verdient Meister. Und nun wünschen sich die FCB-Fans (nicht die Modefans, sondern die eingefleischten Basler) dass der FC Zürich in der nächsten Saison wieder mithalten kann. Basler interessieren sich nicht für ein Duell gegen den ewigen Zweiten Bern oder die Innerschweizer Bauern. FCB vs. FCZ. Es gibt nichts Schöneres als Siege gegen den jeweils anderen Verein, umso mehr wenns um den Titel geht. By the way: Basel hat den besten Präsi ever. Es gibt keine Mannschaft die sich den Heusler NICHT wünschen würde. Das muss man neidlos anerkennen.

  • Raphael aus Basel am 30.04.2012 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Der FCB hat es verdient

    Guter Vorstand, grosses gefülltes Stadion, starker Trainer, talentierte Mannschaft und eine eigene Fussballschule mit vielversprechendem Nachwuchs machen diesen Club so viel besser als die anderen Schweizer Vereine. Der FC Basel ist dadurch auch der einzige Club, der international reelle Chancen. Das Problem ist nur, dass sie von einer schwachen Liga nicht profitieren können und keine Konkurrenz haben, somit ist es schwierig, starke Neuzugänge anzulocken und das Niveau aufrecht zu erhalten. Verdient ist der Erfolg aber auf jeden Fall, da ändern auch die Fehler/Probleme der anderen nichts daran

  • resignierter yb-fan am 30.04.2012 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    ist so

    die saison kann man wirklich nicht ernst nehmen. trotzdem gratulation nach basel - so eine serie ist einzigartig und zeugt von qualität. respekt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 01.05.2012 01:46 Report Diesen Beitrag melden

    Der FC Basel ist besser,aber nicht mehr!

    Denn es ist doch klar,dass alle Mannschaften gegen den FCB Volldampf geben,dann sieht man,dass es schwierig wird zu gewinnen!Was mir fehlt ist das Winner Team wie es unter Christian Gross der Fall war. Aber trotzdem:Herzliche Gratulation zum Meistertitel!!

  • Robin am 30.04.2012 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Basel ist Top!Verdient Meister

    Denke dass Basel einfach spitze ist und für die verhältnisse der axpo-l. zu gut ist,obwohl sion auch sehr stark gespielt hat und ich das ganze sehr unfair finde 36 punkte weil es die uefa so will obwohl die höchststrafe des SFV 12punkte abzug sind,verstehe nicht wieso das nicht korrigiert wird!?ja klar die uefa übt druck aus,drohte Basel aus der CL zu schmeissen,ich mein hallo??gehts noch??dass ist doch erpressung!nur weil celtic glasgow das ganze angefangen hat,peinlich für celtic unter protest zu spielen und zu verlieren!dann kamen alle nach,nur Basel nicht(!)deswegen schon Verdient Meister!

  • Frau Müller am 30.04.2012 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgeglichen (bis auf Basel...)

    Der Grund für den frühen Meistertitel des FC Basel ist nicht seine Überlegenheit, sondern die Ausgeglichenheit der restlichen Mannschaften. Der Punkteschnitt des FCB liegt bei 2.24 und damit im Bereich der Leader in anderen ersten Ligen (die Big 5). Allerdings hat Lausanne den zweitBESTEN Punkteschnitt aller (sportlich gesehen) Taballenletzten. Der Trend setzt sich fort wenn man ausrechnet, wieviel mal mehr Punkte der Zweite als der (sportliche) Letzte hat. Von Lausanne zu Luzern ist es knapp mehr als x2. In den anderen Ligen ist es weit über 3...

  • Bundesliga am 30.04.2012 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unsere Liga abschaffen...

    Ach schon wieder eine Saison vorbei... Hab kein einziges Spiel gesehen, hab mein Urteil schon länger gefällt. Dank Sky schaue ich Bundesliga und andere Top Ligen. Eigentlich schade bin früher auch gerne ins Stadion gefahren, jedoch fahre ich heute lieber ins Ausland. Zumeist leere Stadions bis auf Ausnahmen und die ganzen Chaoten die noch meinen randalieren und Strassenschlachten gehören zur Fan-Kultur ist sowiso unnötig. Basel in die Bundesliga und unsere Gurkenliga auflösen wäre wohl das Beste... Bin überigens lein Basler Fan aber die spielen immerhin guten Fussball. Ich habe fertig!!!

  • Urs Ursus am 30.04.2012 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Basel vs. Zürich 2012/13

    Basel ist verdient Meister. Und nun wünschen sich die FCB-Fans (nicht die Modefans, sondern die eingefleischten Basler) dass der FC Zürich in der nächsten Saison wieder mithalten kann. Basler interessieren sich nicht für ein Duell gegen den ewigen Zweiten Bern oder die Innerschweizer Bauern. FCB vs. FCZ. Es gibt nichts Schöneres als Siege gegen den jeweils anderen Verein, umso mehr wenns um den Titel geht. By the way: Basel hat den besten Präsi ever. Es gibt keine Mannschaft die sich den Heusler NICHT wünschen würde. Das muss man neidlos anerkennen.