Kurzer Wahn – lange Reue?

15. Juli 2011 13:16; Akt: 15.07.2011 19:48 Print

Grösster Schweizer TV-Deal aller Zeiten

von Klaus Zaugg - Mit dem neuen, historischen TV-Deal hat unser Fussball seine Seele verkauft. Im nationalen TV-Business hat ein neues Zeitalter begonnen.

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Der neue TV-Rechte-Deal im Schweizer Fussball schlägt ein wie eine Bombe. (Bild: Keystone/AP)

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186 Millionen für fünf Jahre – so viel Geld ist in der Schweiz für nationalen Sport noch nie bezahlt worden. Für diesen Betrag hat die Cinetrade AG (Swisscom, Teleclub) die alleinigen TV-Rechte für die Spiele der Super League und der Challenge League gekauft. Konkret bedeutet dies, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen ab der Saison 2012/13 aus der Schweizer Meisterschaft keine Spiele mehr übertrträgt bzw. nur dann, wenn es die Cinetrade AG erlaubt.

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Es ist ein historischer Deal. Zum ersten Mal fällt in unserem Land das TV-Monopol für eine wichtige nationale Meisterschaft. Gewiss: In anderen Ländern gehört der Verkauf der nationalen Fussball-TV-Rechte an private TV-Unternehmen längst zum Alltag. Durch den Kauf solcher Rechte sind einige private TV-Stationen (wie zum Beispiel «Sat1» in Deutschland) erst «Big Players» im TV-Business geworden.

Schweizer Markt ist klein

Aber die Schweiz funktioniert im TV- und Sportbusiness anders als Deutschland. Eine Besonderheit, die immer wieder vergessen wird: Der nationale TV-Markt in der Schweiz ist klein und hat Dimensionen, die in Deutschland allenfalls ein Lokalfernsehen hat. Vielmehr als der Grossraum München gibt die Deutschschweiz im TV-Business nicht her. Das bedeutet, dass in diesem Markt das Geld nicht erwirtschaftet werden kann, um aus dem nationalen Sport ein «Big Business» oder ein Bezahl-Fernsehen wirklich rentabel zu machen.

Deshalb haben wir bis heute im nationalen Sport das Monopol der SRG, das dank der Gebühren nicht alleine auf Werbegelder angewiesen ist. Und wegen dieser dominanten Präsenz von SF gilt: Ein Sport, der nicht regelmässig auf den Bildschirmen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens erscheint, existiert nicht. Will heissen: Nur Sportarten mit regelmässiger Präsenz auf SF können die grossen Werbegelder holen. Denn nur SF garantiert einem Sport die Präsenz weit über die Kreise der «Hardcore-Fans» hinaus. Ich bin SF, also bin ich. Gilt auch: Ich bin Cinetrade, also bin ich? Dies wird mittelfristig die Existenzfrage für unseren Fussball sein. Dem kurzen Wahn der Freude über den historischen TV-Deal könnte sonst sehr rasch die lange Reue folgen.

Zähe Verhandlungen stehen an

Der Schlüssel wird letztlich die Zusammenarbeit zwischen der Cinetrade AG und der SRG sein. Natürlich sitzt jetzt erstmals in der Geschichte unseres Sportes eine private TV-Station am längeren Hebel. Aber so wie in der Politik ist es auch im nationalen TV-Sport-Business: Es geht nicht ohne Kompromisse. Die SRG wird ab Sommer 2012 nicht gänzlich vom nationalen Fussballgeschäft ausgeschlossen. Im Vertragswerk sind die Lücken für eine friedliche Koexistenz von Cinetrade und der SRG eingebaut. Aber es wird nicht einfach sein, eine Lösung zu finden, bei der die Cinetrade AG und die SRG restlos glücklich werden und das Gesicht wahren können. Die heftige Reaktion von TV-Sportchef Urs Leutert, der im internen Informations-SMS das Verhalten der Liga-Verhandlungsdelegation als skandalös bezeichnet und nur Liga-Präsident Thomas Grimm von dieser Schelte ausnimmt, zeigt: Bei solchen Deals geht es immer auch um persönliche Egos und Machtspiele. Es dürfte Monate dauern, bis man sich im Leutschenbach von dieser Niederlage erholt hat.

Eine Deeskalation und eine gute Zusammenarbeit zwischen der Cinetrade AG und der SRG ist auch im Interesse der Liga, die am Ende des Tages auf eine möglichst grosse TV-Präsenz angewiesen ist, und es sich nicht leisten kann, beim öffentlich-rechtlichen TV nur Pausenfüller zu sein. Die Rechte an den Länderspielen und am Schweizer Cup liegen nicht bei der Liga. Sondern beim Verband. Hier hat die SRG noch die Rechte.

Was passiert im Eishockey?

Zur Zeit laufen die ersten Gespräche für die Erneuerung des TV-Vertrages mit Swiss Icehockey, der im Sommer 2013 ausläuft und sämtliche TV-Rechte (Liga, Länderspiele, Spengler Cup) regelt. Im Eishockey hat die Cinetrade AG bei den letzten Verhandlungen bereits ein paar Vorteile herausgeholt – unter anderem das alleinige Liverecht für die ersten Partien jeder Playoffrunde. Bereits dieses kleine Privileg nervt gewisse Herren bei der SRG.

Swiss Ice Hockey kennt nun den Preis und das Ziel muss sein, beim neuen Vertrag mindestens 35 Millionen pro Saison für Meisterschaft, Länderspiele und Spengler Cup herauszuholen. Das ist rund sechsmal mehr als bisher. Die «Belle Epoque» im nationalen TV-Business, die beschauliche Zeit des SRG-Monopols, ist zu Ende. Der neue Fussball-TV-Deal hat historische Dimensionen und wird das helvetische TV-Geschäft verändern. Ein neues Zeitalter hat begonnen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dreambox und so am 15.07.2011 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Teure Spiele sind das:

    36 Runden à 5 Spiele: über CHF 200'000 pro Spiel! Da müssen sie aber geschickt "Sub-Lizenzen" verkaufen, wenn sie das wieder reinholen wollen. Mit 50'000 Zuschauern, die CHF 2.50 bezahlen, ists noch nicht getan...

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  • SC PB am 15.07.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Na endlich...

    Hier noch weitere Vorschläge zum Sparen: - Music Star - Eurovision Song Contest - Wetten dass...?! - Musikantenstadl - Sven-Epiney-Spielsendungen

  • David Portmann am 15.07.2011 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich hat es ein Erdbeben gegeben. Durch die Millionen der TV Rechte können die Clubs auch mal davon profitieren. Ich bin zwar kein Fussball Fan, aber was Cinetrade bereits jetzt im Hockey macht, ist super. Jeder kann seinen Verein sehen. Nun werden wir nicht nur Zürich, Basel und Bern sehen. Jeder kann seine Lieblingsmannschaft sehen. DANKE CINETRADE!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M. Meyer am 18.07.2011 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Sinkende Gebühren

    Sinken jetzt endlich die BAKOM-Gebühren?

  • Hanspeter Engel am 17.07.2011 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Grösster Schweizer TV-Deal aller Zeiten

    Die Professionalisierung (Geldmaschine) im Fussballsport hat schon viel früher angefangen. Bereits in den 50iger-Jahren (Glanzzeit von BSC YB, 1956 - 1960 SM unter Albert Sing), hat sich das gegenseitige Abwerben von Spielern abgezeichnet. Der legendäre Geni Meier ist im Alter von 21 Jahren (1951) vom FC Schaffhausen geholt worden, um nachher bis zum Karriereende (1965) dem BSC YB treu zu bleiben. Eine solche langjährige Treue zum Klub und Wertschätzung gegenüber einem Spieler gibt es heute (wahrscheinlich) nur noch in den unteren (Amateur-) Ligen.

  • Leutschenbach am 16.07.2011 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück gibts noch Bundesliga

    Wir sind selber schuld! Warum unterstützen wir Firmen wie Swisscom! Die sicher einen Entscheidenden Beitrag (finanziell) dazuleisten! Die Frage stellt sich auch noch, wie lange gibt es Teleclub noch, oder ist das schon eine Swisscom - Firma? Ich hoffe ja nicht, dass die SRG hier noch Millionen von "erzwungenen" Konsessionsgeldern verbuttert nur um ein paar "Lölimätschli" zu zeigen! Mir tun die Fussballclubs leid, die nur noch einen Bruchteil des Geldes für Bandenwerbung erhalten werden.

    • Lorenzikus am 02.11.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      NL-A = Kreisklasse Niveau

      Richtig! - Als Alternative zum CH Fussball (= Kreisklasse-Niveau) vermehrt Bundesligaspiele am Schweizer Fernsehen zeigen; das wär der Hammer

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  • B.T. am 16.07.2011 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Fouls, Eigentore !

    Fouls ? Den Match hat die SRG verloren weil so "hervorragende" Kommentatoren wie Beni National immer wieder dermassen mies kommentierten. Ich habe Teleclub eigentlich nur für Filme. Schalte aber regelmässig SF DRS ab wenn dieser Typ ins Mikro brabbelt.

  • Hans Meier am 16.07.2011 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig mit Lustig

    So, jetzt ist fertig. Wenn die öffentliche Hand bei der Übertragung leer ausgeht, darf sie auch nichts mehr an Sicherheeitsvorkehrungen etc. bezahlen. Basta