Nach 403 Ligaspielen

10. Dezember 2011 10:23; Akt: 10.12.2011 10:23 Print

Haki sagt der Super League (vorerst) Servus

von Eva Tedesco - Am Sonntag spielt Luzern gegen Servette sein letztes Meisterschaftsspiel vor der Winterpause. Für Hakan Yakin ist es das letzte im FCL-Dress und nach bald 17 Profijahren sein (vorläufig) letzter Auftritt in einer höchsten Spielklasse.

Murat Yakin äussert sich zum Abschied von Bruder Hakan aus Luzern und der Super League. (Video: 20 Minuten Online)
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Es war am 4. Oktober, als Haki mit der (wenig) überraschenden Meldung an die Öffentlichkeit gelangt, dass er aus der Nati zurücktritt. Nach 87 Länderspielen (20 Tore) ist Schluss. Mit Heinz Hermann (118), Alain Geiger (112), Stéphane Chapuisat (103) und Johann Vogel gibt es bislang nur vier ehemalige Internationale, die mehr Auftritte im Nati-Dress aufweisen. Gut und recht, aber für diese Meldung eine Pressekonferenz einzuberufen, schien doch etwas übertrieben, zumal «Hatsch» seit dem 0:0 in der EM-Quali im März in Bulgarien kein Aufgebot mehr von Ottmar Hitzfeld erhalten hat. Dann aber liess der «kleine» Yakin die Katze aus dem Sack und eröffnete, dass er im Januar zur AC Bellinzona wechseln wird.

Das war vor zwei Monaten. Am Freitag hat Haki nun zur Abschieds-Pressekonferenz eingeladen, ehe er am Sonntag sein 403. (141 Tore) und vielleicht letztes Ligaspiel in der höchsten Spielklasse absolviert. Genau 16 Jahre, 7 Monate und 29 Tage nach seinem Debüt beim FC Basel in der NLA am 12. April 1995 verabschiedet sich der begnadete Spielmacher aus der obersten Liga. Wehmut ist ihm auch beim genauen hinsehen (noch) nicht anzusehen. Garantien, ob er von den Emotionen nicht doch übermannt wird, gibt er nicht.

Pässe präzise wie ein Skalpell

Er dribbelt sich gutgelaunt durch den Fragen-Parcours, lenkt aber gern das Thema auf das bevorstehende Meisterschaftsspiel gegen Servette. Yakin will noch einmal sein ganzes Können im Dress der Leuchten unter Beweis stellen: Pässe, präzise wie ein Skalpell, genau in die Schnittstelle der Abwehr. Seine Genialität, mit der er manchmal sogar seine Mitspieler zu überraschen scheint. Ein ausgeprägtes Spielverständnis und gefährliche Distanzschüsse. Und nicht zu vergessen, seinen feinen linken Fuss bei Freistössen.

Yakin gehört zu den besten Schweizer Fussballern des letzten Jahrzehnts. Seine Versuche sich international durchzusetzen aber scheiterten allesamt. Dieser Makel haftet am Mittelfeldspieler wie Kaugummi an Schuhsohlen. Auch den wird man fast nicht los. Das erste Abenteuer bei Paris Saint-Germain (2003/04) dauerte vier Wochen. Beim VfB Stuttgart (2004) kam er zu neun Einsätzen (2 Tore), hielt es aber wenigstens ein Jahr aus. Seine Abenteuer bei Galatasaray (2005) und bei Al Gharafa in Katar (2008/09) dauerten ein halbes Jahr. «Es hat einfach nicht sollen sein», sagt Haki. Aber er bereut keinen Schritt und sieht seine Versuche im Ausland auch nicht als «Fehler» an. «Ich konnte immer etwas mitnehmen, das mich weiter gebracht hat», so Yakin. Und wenn es nur die Telefonnummer von Ronaldinho war, seinem Teamkollegen in Paris.

Karriere mit Höhen und Tiefen

Die Karriere des Regisseurs beinhaltete viele Höhen und Tiefen. An die negativen Dinge denkt er nicht zurück. «Wozu? Ich habe daraus Lehren gezogen und schaue vorwärts», so Haki. «Ich bin ein positiver Mensch». Offensichtlich, denn die guten Erinnerungen sprudelten nur so aus dem Regisseur. Yakin nennt den 4:1-Sieg mit Luzern in Basel. Aber auch die magischen Nächte in der Champions League mit Rotblau. «Das Spiel gegen Liverpool war wohl mein bestes Spiel, aber ich habe auch jede Minute aus der Begegnung gegen Celtic Glasgow noch vor Augen. Meine erfolgreichste Zeit hatte ich in der Saison 2002/03 mit dem FCB. Die Zeit im neuen Stadion und wie wir den Titel erstmals nach 22 Jahren wieder gewonnen haben – das vergisst man nicht so schnell. Aber auch das halbe Jahr bevor ich nach Paris gewechselt bin, war stark.»

Im Januar startet Hakan einen neuen Lebensabschnitt. Den sportlichen Übergang will er in der Challenge League bei Bellinzona in Angriff nehmen und die Tessiner vielleicht sogar zurück in die Super League führen. Den lukrativen 6-Jahres-Vertrag für geschätzte drei Millionen soll er aber auch als Botschafter für das geplante neue Stadion im Norden von Bellinzona erfüllen. «Noch habe ich die Pläne nicht gesehen, aber ich will im Tessin mit meinem Namen etwas bewegen und auch meine Erfahrungen einbringen.»

Nach der Aktiv-Karriere: Scout, Sportchef, Trainer?

«Ich werde wohl am Anfang hinter den Kulissen tätig sein und mich nebenbei auch um weitere Trainerdiplome bemühen». Auch die Aufgaben eines Sportchefs reizen ihn und der Bereich Scouting sei eine Möglichkeit. «Aber ich bin sicher, dass ich dem Fussball erhalten bleiben will.» Zuletzt war Haki Spieler unter Trainer Murat. In der Aktivzeit von Muri haben die beiden Brüder miteinander in einer Mannschaft gespielt, sich aber auch Brüder-Duelle geliefert. Und wer weiss: Vielleicht gibt es in ferner Zukunft auch irgendwann einmal das Brüder-Trainerduell.

Sicher ist aber, dass die Super League einen ihrer schillerndsten Spieler abgibt. Haki hat immer polarisiert und wurde vom Boulevard als Diva bezeichnet, aber er hat seine Leidenschaft für den Fussball gelebt. Und der Schweiz viel zurückgegeben. «Die Schweiz ist Luxus», sagt Haki. Das weiss der schweizerisch-türkische Doppelbürger spätestens seit seinem Aufenthalt in Katar. «Ich bin kein Vollschweizer, wie Streller so gern sagt, aber ich jasse gern und fahre Ski und denke schweizerischer, als man glaubt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sylvia am 11.12.2011 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute........

    Haki ist als Fussballer sehr gut. Er hat diese Liga mit seinen genialen Pässen spannend gemacht und wäre er keine Diva gewesen, wäre er sehr schnell in der Allgemeinheit unter geganen. Die Yakin Brüder sind einfach genial...... Danke Haki und alles Gute für die Zukunft.... Ein FCB-Fan

  • Marc am 10.12.2011 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einer der Besten

    Eigentlich richtig schade, dass er sich nie International durchsetzten konnte, so hätte er in der Nati noch mehr leisten können. Bei allen negativen Stimmen, welche ich teilweis auch verstehen kann, er bleibt wohl einer der Besten die wir je hatten. Und das ist Fakt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sylvia am 11.12.2011 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute........

    Haki ist als Fussballer sehr gut. Er hat diese Liga mit seinen genialen Pässen spannend gemacht und wäre er keine Diva gewesen, wäre er sehr schnell in der Allgemeinheit unter geganen. Die Yakin Brüder sind einfach genial...... Danke Haki und alles Gute für die Zukunft.... Ein FCB-Fan

  • Marc am 10.12.2011 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einer der Besten

    Eigentlich richtig schade, dass er sich nie International durchsetzten konnte, so hätte er in der Nati noch mehr leisten können. Bei allen negativen Stimmen, welche ich teilweis auch verstehen kann, er bleibt wohl einer der Besten die wir je hatten. Und das ist Fakt.

    • Päsc am 10.12.2011 16:32 Report Diesen Beitrag melden

      hier

      Technisch der brillianteste Spieler, den die Schweiz bisher gesehen hat. Übersicht, Ballkontrolle, wieviel mal hat er uns den tödlichen letzten (perfekten) Pass geliefert (Nati und Basel) Haki die Legende, alles Gute

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