Letzte Rettung

19. Mai 2012 18:16; Akt: 19.05.2012 18:19 Print

Happy End für Chelsea nach Seuchen-Saison?

von Eva Tedesco - Für Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch ist der Champions-League-Sieg zur Obsession geworden. Nach einer Katastrophen-Saison sah es lange wieder nicht danach aus - bis Di Matteo kam.

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Chelseas Interimstrainer Roberto Di Matteo und Captain John Terry. (Bild: Reuters)

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«Sie würden für diesen Pokal töten», sagte Gianluca Vialli in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung». Der Italiener spricht aus, welche Relevanz dieser Königstitel an der Stamford Bridge hat. Der «Guardian» hat einmal ausgerechnet, dass der Russe seit seiner Übernahme der Londoner vor elf Jahren insgesamt 435 Millionen Pfund (rund 652 Millionen Franken) in die Mannschaft gesteckt hat. 46 Millionen Pfund in Spieler waren es vor der aktuellen Saison und für 15 Millionen hat Abramowitsch Trainer André Villas-Boas vom FC Porto geholt.

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Der Mann, der bei Chelsea den grossen Umbruch einleiten sollte, entpuppte sich zum teuersten Missverständnis in der Ära des Oligarchen. Vilas-Boas verfolgte eine offensive Philosophie mit spielerisch starken und beweglichen Spielern. Urgesteine wie Captain John Terry (31) und Regisseur Frank Lampard (33) hatten in dieser Spielweise keinen Platz und mussten auf die Ersatzbank weichen. Aber mit den zunehmend unzufriedenen Leitwölfen schaufelte sich der Portugiese sein eigenes Grab.

Die Macht der Kabine brachte Villas-Boas zu Fall

Die «Blues» verloren schnell den Anschluss an die Tabellenspitze. Starke Spiele wie gegen Newcastle wechselten sich mit Schlappen (Fulham) ab. Der Tiefpunkt: Der Achtelfinal in der Champions League gegen Napoli. Villas-Boas zog sein Konzept ohne die alte Garde durch. Terry fehlte verletzungsbedingt, aber Lampard und Cole musterte er ohne Not aus. Chelsea zeigte einen desolaten Auftritt und unterlag auswärts 1:3. Die Millionentruppe stand vor dem Aus.

Die Macht der Kabine brach aus. Die wichtigsten Spieler hatten sich gegen Villas-Boas formiert. Auch aus Mangel an Autorität, die er mit Arroganz Wett machte. Spieler erzählten, dass der Portugiese von einem Balkon aus überwachte, dass sie pünktlich zum Training kamen. Ausserdem sei irritierend gewesen, dass Villas-Boas Nicolas Anelka und Alex vor ihren Transfers einfach vom Trainingsbetrieb und der Weihnachtsfeier ausschloss.

Verhöhnt, belächelt und abgeschrieben

Viele Spieler, allen voran Fernando Torres, einst der gefährlichste Mittelstürmer der Welt, waren nur noch Schatten ihrer selbst. Verhöhnt, belächelt und abgeschrieben. Eine 0:1-Pleite gegen Westbrom liess das Fass Anfang März überlaufen. In der Tabelle belegte Chelsea den fünften Rang – mit 20 Punkten Rückstand auf den Leader ManCity. Abramowisch feuerte seinen Millionen-Flop.

Die Misere allein am Jungtrainer aus Portugal fest zu machen, wäre aber nicht richtig. Denn im Allein-Herrscher-System Abramowitsch klafft gegen unten ein riesiges Loch. Der Oligarch gibt zudem den Spielern seit Jahren das Gefühl, dass der Trainer das «austauschbarste Objekt« und nicht der «wichtigste Mann» ist, brachte es die «Times» auf den Punkt. Und gab den Akteuren damit zuviel Macht. Sieben Trainer hat der Russe in acht Jahren verschliessen. Mit Villas-Boas ging der fünfte Übungsleiter seit Ende 2007. 77 Millionen Euro soll Abramowitsch allein für seine Trainer in diesen vier Jahren aufgewendet haben.

Di Matteo reisst das Ruder herum

Am 4. März übernahm Assistenztrainer Roberto di Matteo die sportliche Leitung mit einem bis Ende Saison befristeten Vertrag. Seine erste Hürde: Er musste das 1:3 im CL-Achtelfinal-Rückspiel gegen Napoli ausmerzen, um die Londoner weiter im Wettbewerb zu halten. Chelsea gewann das Rückspiel 4:1 in der Verlängerung. Die Fortsetzung der Champions-League Kampagne ist bekannt. Im Viertelfinal warfen die «Blues» Benfica Lissabon aus dem Rennen. Mit einem heroischen Kampf setzte sich Chelsea unter dem Italo-Schweizer im Halbfinal schliesslich auch gegen Titelverteidiger Barcelona durch und zog ins Finale gegen Bayern München ein.

In unzähligen Einzelgesprächen - «ich habe noch nie soviel in einem Job geredet» - hatte Di Matteo seinen Stars Leben eingehaucht. Mit offener Kommunikation, gesundem Menschenverstand und der Leidenschaft, die der ehemalige Chelsea-Profi mit den Spielern der «Blues» teilt, brachte er die wichtigen Protagonisten hinter sich. Auch wenn mit Platz 6 in der Liga die schlechteste Platzierung in der Abramowitsch-Ära erreicht wurde, konnte Di Matteo mit dem Sieg des FA-Cups einen Komplett-Absturz abbremsen. Für eine Teilnahme an der Champions League 2012/13 braucht es aber einen weiteren Titel – den gegen Bayern am Samstag im Final.

Schlechte Aussichten für Di Matteo

Damit würde Di Matteo auch endlich den sehnsüchtigen Wunsch seines Chefs erfüllen. Ob das für eine Weiterverpflichtung reicht, ist indes anzuzweifeln. Abramowitsch liebäugelt mit einem klingenden Trainer-Namen wie etwa mit dem des ehemaligen englischen Natitrainers Fabio Capello – auch wenn der Russe in den letzten Jahren mit dieser Philopsophie in der Champions League auf keinen grünen Zweig gekommen ist. Weder Luiz Felipe Scolari, Guus Hiddink noch Carlo Ancelotti schafften es mit Chelsea in das Endspiel der Champions League. Di Matteo hat erstmals die Aussichten dem Oligarchen die Krone an die Stamford Bridge holen – und das nach einer Saison, in der sich die «Blues» mehr recht als schlecht durchgeseucht hatten. Aber eben: Wer zahlt befiehlt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mussgesagtsein am 19.05.2012 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Bayern-Trainer ist ein heisser Stuhl

    Bayern hat genau so viele Trainer gefeuert, in derselben Zeitspanne ;)

  • Frank Lampard am 19.05.2012 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Chelsea

    Ich würde es Lampard & Co. mal gönnen die CL zu gewinnen.

  • bruno am 19.05.2012 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein titel für awitsch

    ich mag chelsea nicht und hoffe der russe sucht sich ein neues hobby..dann sieht man bei chelsea was ohne seine millionen zurück bleibt,nähmlich ein trümmerhaufen der pleite ist!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • N. am 19.05.2012 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Go Chelsea

    Ich gönne es dem Fc Chelsea mehr als diesen arroganten Bayern! Hoffentlich kriege die heute ne richtige Packung und werden wieder mal zurück auf den Boden geholt!

  • bruno am 19.05.2012 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein titel für awitsch

    ich mag chelsea nicht und hoffe der russe sucht sich ein neues hobby..dann sieht man bei chelsea was ohne seine millionen zurück bleibt,nähmlich ein trümmerhaufen der pleite ist!

    • Anonymus am 19.05.2012 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wirres Geschwaetz

      Welcher Top Club koennte denn ohne seine Millionen existieren? Hallo?

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  • Frank Lampard am 19.05.2012 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Chelsea

    Ich würde es Lampard & Co. mal gönnen die CL zu gewinnen.

  • Mussgesagtsein am 19.05.2012 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Bayern-Trainer ist ein heisser Stuhl

    Bayern hat genau so viele Trainer gefeuert, in derselben Zeitspanne ;)