Nach Relegations-Chaos

21. Mai 2012 15:18; Akt: 21.05.2012 21:10 Print

Hertha-Protest abgeschmettert

Das DFB-Sportgericht weist den Rekurs von Hertha Berlin gegen die Wertung des Relegationsrückspiels bei Düsseldorf als unbegründet zurück. Die Berliner ziehen das Urteil ans Bundesgericht weiter.

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Die Fans von Düsseldorf hätten am 15. Mai 2012 beinahe das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin zum Abbruch gebracht. Die Fortuna-Fans stürmten zu früh den Platz, da sie glaubten, der Aufstieg sei bereits perfekt. Dabei waren noch zwei Minuten zu spielen. Hunderte mussten von den Sicherheitsleuten wieder vom Platz geschafft werden. Erst nach einer halben Stunde konnte die Partie zu Ende gepspielt werden. Schon zuvor gabs Randale: Hertha-Fans zünden nach dem 2:1-Führungstreffer der Fortuna Pyros. Die Brandsätze fliegen auf den Platz und die eigenen Spieler müssen die Chaoten beruhigen. Doch nicht nur nach dem 2:1 kippte die Stimmung. Ein TV-Mikrofon... Hertha-Spieler räumen die Pyros selbst weg. Die letzten Minuten konnten nur dank imenser Polizeipräsenz gespielt werden. Die Polizisten versuchen die Fans - die vor dem Abfpiff das Feld stürmten - wieder auf die Tribünen zu treiben. Natürlich gabs auch Verhaftungen. Spieler wie Adam Bodzek drehten beim grob fahrlässigen Verhalten der eigenen Anhänger fast durch. Ranisav Jovanovic - nach seiner vergebenen Chance stürmten hunderte Fans den Platz. Konsternation pur. Die Fortuna jubelt über den Aufstieg in die 1. Bundesliga. König Otto muss mit Hertha Berlin in die 2. Bundesliga. Die junge Fortuna-Fans freuen sich auf ein Fussballfest. Nicht Campino von den Toten Hosen, aber sonst ein Punkrocker, der Fortuna-Fan ist. Dann wars tatsächlich geschafft: Goalie Michael Ratajczak lässt sich feiern. Und auch Verteidiger Assani Lukimya. Der Platz wurde jetzt endgültig gestürmt. Souvenirjagd. Mitten im Aufstiegstaumel: Andreas Lambertz, der von der vierten bis in die oberste Liga aufsteigt.

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Das DFB-Sportgericht hat am Montagnachmittag einen Entscheid zur Wertung des Relegations-Spiels gefällt: Der Einspruch der Hertha Berlin wird abgewiesen. Damit steigt die Mannschaft von Otto Rehagel in die 2. Bundesliga ab und muss die Kosten für das Verfahren übernehmen. Das Urteil hatte sich nach den Zeugenanhörungen am Freitag abgezeichnet.

Die Berliner reagierten laut dem «kicker» mit der Ankündigung, das Urteil ans DFB-Bundesgericht weiterzuziehen. Hertha-Anwalt Dr. Chrisoph Schickhardt erklärt: «Das ist kein Urteil, das wir akzeptieren können. Es hat von einem positiv besetzten Platzsturm gesprochen. Das ist ein lustiger Begriff für das, was wir gesehen haben. Alle haben gesehen, dass das ein irreguläres Spiel war.» Der Anwalt geht davon aus, dass das Verfahren in dieser Woche abgeschlossen wird. Der Einspruch dürfte jedoch wenig Chancen haben. Denn der DFB könne nicht riskieren, «die Autorität und Entscheidungshoheit seiner Unparteiischen zu schwächen. Das galt vor dem Urteil des Sportgerichts, und das gilt danach umso mehr», so die Rheinische Post.

«Keine feindselige Handlung»

Richter Lorenz äusserte sich gemäss der «Bild» wie folgt: «Es war eine schwierige Entscheidung für uns. Wir hatten noch nie ein Verfahren, bei dem es um so viel ging. Ich habe Verständnis, dass Hertha nach diesem Strohhalm gegriffen hat. Weil dieser Abstieg für Hertha eine existenzielle Bedeutung hat, vielleicht noch mehr als vor zwei Jahren.» Er sei aber zum Schluss gekommen, dass die Fans den Platz nicht in feindseliger Haltung gestürmt hätten. Die Entscheidung des Schiedsrichters, die Partie weiterzuführen, sei deshalb vertretbar gewesen.

Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha Berlin wurde von heftigen Ausschreitungen überschattet. Erst kam es im Gästesektor zu Pyro-Würfen, dann stürmten die Düsseldorf-Fans verfrüht das Spielfeld. Die Partie musste für längere Zeit unterbrochen werden. Die Profis beider Mannschaften hatten sich zuletzt im «Stand-by-Modus» befunden und mit angezogener Handbremse trainiert. Die Düsseldorfer sagten ihre für die nächsten Tage geplante Mannschaftsfahrt nach Mallorca ab, nachdem sie bereits ihre grosse Aufstiegsparty in der Arena verschoben hatten.

(fbu/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Neutraler Fan am 21.05.2012 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Rekurs

    nicht definitiv, Rekurs möglich

  • Pädi am 21.05.2012 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Fortuna

    Bravo DFB :-) ganz meine Meinung ! Schade für Berlin ... Lets go Düsseldorf

  • Auslands-Herthaner am 21.05.2012 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Käufer gesucht....

    schade das sich kein Ölmilliardär findet der Hertha BSC Berlin kaufen möchte. Bestes Beispiel ist der FC Chelsea wie man ja gesehen hat. ;-) Geld kann doch Tore schiessen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tinu am 21.05.2012 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Das Gericht stützt den Entscheid des Schiris, der fand, es könne weiter gespielt werden. Er fand das zu Gunsten der Berliner ja schon beim ersten Unterbruch. Hertha wird natürlich trotzdem Rekurs einlegen. Warum nicht einfach die letzten zwei Minuten vor leeren Rängen spielen, Hertha ohne die Spieler, die sich was zu Schulden kommen liessen, Fortuna ohne seinen Pyro-Kapitän.

  • Auslands-Herthaner am 21.05.2012 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Käufer gesucht....

    schade das sich kein Ölmilliardär findet der Hertha BSC Berlin kaufen möchte. Bestes Beispiel ist der FC Chelsea wie man ja gesehen hat. ;-) Geld kann doch Tore schiessen!

  • mako am 21.05.2012 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gewertet werden

    So ein Spiel darf schon nicht aus Prinzip nicht gewertet werden. Fans haben auf dem Spielfeld nichts zu suchen. Das darf nicht Schule machen. Wenn so ein Fan auf dich zu springt, dann höre doch auf den Richter. Der sagt doch, der macht dir nichts, der will nur spielen. Komisch solche setze kenn ich von Hundehalter. Und auch dort stimmt es vielmals nicht.

    • yabe am 21.05.2012 17:25 Report Diesen Beitrag melden

      Berliner Fans?!

      Waren nun wirklich die Düsseldorf-Fans, welche (friedlich) das Spielfeld stürmten eine Bedrohung, oder waren die Petardenwerfer aus der Berliner Fankurve nicht doch gefährlicher? Diese werden hier vollkommen vernachlässigt! Meiner Meinung nach hätten die Düsseldorfer Spieler mehr Grund gehabt, Protest einzulegen. Schliesslich war das Verhalten der Berliner Fans mehr als nur gefährlich!

    einklappen einklappen
  • Sandro Bader am 21.05.2012 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrekter Entscheid

    Der Entscheid war so zu erwarten, da im Gegensatz zum SFV oder der SFL der deutsche Verband genug Rückgrat hat, eine solch Weise, wenn auch gar unpopuläre Entscheidung trifft! In der Schweiz hätte die entsprechende Instanz dem populistischen Druck aus Politik nachgegeben (siehe Petardenwerfer). In Deutschland obsiegt aber der Weitblick, es darf und kann nicht sein, dass ein Zuschauer Einfluss auf die Wertung oder eben Nichtwertung eines Spieles nehmen kann! Volkswirtschaftlich gesehen wird ansonsten ein negativer Anreiz geschaffen.

  • Frank Wolf am 21.05.2012 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachholspiel Naund

    Sollen die doch ein Nachholspiel ansetzen wie möchte Hertha ohne 5 stammspieler gegen Düsseldorf bestehen. Ich denke ich kann sagen Willkommen Düsseldorf und goodbey Hertha