Minus 36 Punkte

30. Dezember 2011 09:07; Akt: 30.12.2011 14:00 Print

Höchststrafe für Sion

Jetzt ist es offiziell: Der Verband zieht dem FC Sion 36 Punkte ab. Damit rutschen die Walliser nicht nur ans Tabellenende der Super League, sondern auch ins Punkteminus.

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Der Schweizer Fussball hat seinen grössten Skandal in der Geschichte. Nach seinem Ausraster wird Sion-Präsident Christian Constantin von Sicherheitskräften und Polizei aus dem Innenraum des Cornaredo geführt. «Es hat mir gutgetan», äussert sich CC zur Attacke vor laufender Kamera. Teleclub-Experte , sagte: «Ich stand mit dem Moderator nach der Partie Lugano – Sion am Spielfeldrand. Wir warteten auf unseren Einsatz. Da kam Barthélémy Constantin, der Sohn von Christian Constantin und Sportchef von Sion, und fluchte auf mich ein. Und er hielt mir den Finger unter die Nase und drohte. Dann kam Constantin auf mich losgerannt und schlug mir drei-, viermal ins Gesicht, trat mich ins Füdli und in den Rücken.» Fringer behält sich rechtliche Schritte vor. Der Sion-Präsident geht nach dem Spiel in Lugano wutentbrannt auf den ehemaligen Nationaltrainer und heutigen TV-Experten Rolf Fringer los, schlägt ihm ins Gesicht und verpasst ihm einen Fusstritt. Die TV-Kameras laufen mit. Die Bilder gehen um die Welt. Direkt nach dem Spiel bezichtigte Constantin den Ref der vorsätzlichen Benachteiligung und gab an, ihn zu verklagen. Auf sozialen Netzwerken liess er Videos verbreiten, in denen er Amhof an den Pranger stellte. Der Höhepunkt - Constantin stellte abenteuerliche Thesen auf, weshalb er eine bewusste Verfälschung des Spiels für plausibel hält. Er setzte eine Belohnung von 25 000 Franken für Beweise von kriminellen Machenschaften aus. Constantin aber wurde nicht gesperrt. Die Gründe waren ein ungerechtfertigter Penalty und die damit verbundenen Nachteile (rote Karte gegen den Goalie Vanins und YB-Ausgleich zum 2:2). Der Präsident des FC Sion hatte nach dem 2:3 am Sonntag bei den Young Boys auf beispiellose Art schwere Geschütze gegen den Schiedsrichter Sascha Amhof aufgefahren. Das Regionalgericht Bern-Mittelland lehnt die Klage des FC Sion zur Aufhebung des im Dezember 2011 verfügten Abzugs von 36 Punkten durch den Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes ab. Der Waadtländer Staatsanwalt Eric Cottier stellt das Strafverfahren gegen die Uefa-Spitze ein. Die beiden Funktionäre waren von Sions Präsident Christian Constantin verzeigt worden, weil sich der Verband nicht an die Entscheide des Waadtländer Kantonsgerichts gehalten hatte. Das Berner Obergericht bestätigt den Punktabzug von 36 Zählern für den FC Sion. Damit bleibt das Team in Abstiegsnot. Harter Schlag für Christian Constantin und den FC Sion. Der SFV beschliesst einen Punktabzug von 36 Zählern für die Sittener. Damit mussten sie die Rückrunde als Schlusslicht mit -5 Punkten in Angriff nehmen. Christian Constantin reicht bei der Saatsanwaltschaft Zürich-Limmat eine Strafanzeige gegen das Fifa-Exekutivkomitee ein. Die Begründung: Der FC Sion könne nicht hinnehmen, dass die Nationalmannschaften der Schweiz und Schweizer Klubs von der Fifa als Geiseln genommen werden, um Entscheide durchzusetzen. Dies verstosse gegen Schweizer Prinzipien und erfülle den Tatbestand der Nötigung. Die FIFA macht auch Druck. Wird der «Fall FC Sion» nicht bis am 13. Januar im Sinne des Weltverbandes gelöst, wird der SFV am 14. Januar bis auf Weiteres automatisch suspendiert. Der FC Sion wird nicht in die Europa League reintegriert. So lautet der Entscheid des Sportgerichts CAS in Lausanne. Christian Constantin hatte bereits im Vorfeld angekündigt, in diesem Fall sein Anliegen ans Bundesgericht weiterzuziehen. Klatsche für Christian Constantin und den FC Sion. Das Walliser Kantonsgericht bestätigt die provisorische Spielberechtigung für Sions sechs Neuzugänge nicht. Damit sind die Spieler wieder gesperrt. Constantin gibt sich siegessicher und zieht den Rekurs gegen die Nicht-Qualifikation der sechs Neueinkäufe beim CAS zurück. Das Bezirksgericht Martigny bestätigt mit einer provisorischen Verfügung die Lizenzierung der Sion-Neuzuzüge für die Liga. Die sechs dürfen bis Ende Saison spielen. Das lässt Constantin natürlich nicht auf sich sitzen und klagt erneut. Sion vs. Uefa, wer gewinnt? Doch die Uefa entscheidet noch am gleichen Tag anders: Celtic wird am Donnerstag in Madrid gegen Atletico antreten. Das Zivilgericht Waadt entspricht der Klage von Sion am 13. September. Damit müsste die Uefa den Verein doch wieder zurück in die Europa League lassen. Wenn auch nur superprovisorisch. Ein Zivilgericht weist die Klage von Sion gegen den Ausschluss aus der Europa-League am 8. September ab. Diese rückt damit in weite Ferne. Sion schaltet Celtic Glasgow in den Europa-League-Playoffs aus. Die Schotten protestieren wegen den sechs Spielern und erhalten nach der Auslosung der Gruppenphase recht. Am 1. September schliesst die Uefa Sion vom Wettbewerb aus. Constantin klagt nach der EL-Gruppenphasen-Qualifikation gegen die Uefa und Fifa. Vor allem auf Jérôme Valcke und Gianni Infantino hat er es abgesehen. Constantin setzt sich durch - zumindest vorläufig. Ab der nächsten Partie sind die sechs Spieler spielberechtigt. Doch ein definitiver Entscheid des CAS fällt wohl erst im September. Auch der Rekurs Sions für die Lizenzierung wird abgelehnt. Doch CC erzwingt mit dem Bezirksgericht Martigny eine superprovisorische Spielberechtigung für die sechs Spieler vor dem Match gegen Basel (6.8.11). 15 Minuten vor Spielbeginn sperrt die Disziplinarkommission der Liga die sechs Spieler wieder. Constantin tobt, beschimpft die Funktionäre als «Betrüger und Lügner» und spricht vom «Todesurteil» für Liga-Präsident Thomas Grimm. Die Qualifikations-Kommission (QK) der Liga verweigert die Lizenzen für die Sion-Neuverpflichtungen Mario Mutsch, Gabri, Mohamed Traoré, Pascal Feindouno, Stefan Glarner und Billy Ketkeophompone. CC droht mit Streik, setzt diesen allerdings nicht um. Dafür spielt er nur noch unter Protest. Constantin sammelt TV-Bilder mit Schiri-Fehlern und fordert von der SFL für Spiele mit welscher Beteiligung ausländische Schiedsrichter. Die Liga schmettert die Forderung ab. CC erhält von der Qualifikations-Kommission der Liga die Spielbewilligung für die seit dem Winter 2010 verpflichteten Akteure wie Jonas Elmer, Eva Melo, Steven Deana und Michael Dingsdag. Dies, weil der Internationale Sportgerichthof (CAS) den Wallisern den rechtskräftigen Entscheid der Transfersperre erst nach(!) der aktuellen Transferperiode zugestellt habe. Constantin suspendiert Serey Die angeblich wegen einem Wettskandal. Auch Aleksandar Prijovic und Antonio Dos Santos wurden aufgrund von «schwerwiegendem Verhalten» suspendiert. Constantin baut eine Bisquit-Fabrik in ein Leistungszentrum um und absolviert unter militärischen Bedingungen ein Trainingslager. Uli Stielike ist ein weiteres Traineropfer unter Constantin und CC übernimmt gleich selbst. CC wollte im Ali Sami Yen in Istanbul Gasdetektoren, weil er Racheakte befürchtete. Constantin und sein Generaldirektor Massimo haben sich mit einer geplanten Rasenheizung vertan. CC stieg gleich wieder in die Super League auf und gewann als erster unterklassiger Verein den Cup. Constantin baut sein Hotel in Martigny um und richtet darin ein luxuriöses Trainingscenter ein. Nach dem Cupspiel in Kriens soll CC auf Schieds- und Linienrichter losgegangen sein und ein langer Gerichtsstreit begann. CC gewinnt zwei Prozesse und am 14. Spieltag greift Sion wieder ins Geschehen ein. Constantin kehrt zurück, finanziert ein Profikader aus eigener Tasche und versucht sich in die Challenge League zurückzuklagen. Sion wird vom Fussballverband in die 1. Liga zwangsrelegiert und Talente wie Leoni und Morganella verlassen Sion. Der Streit zwischen Constantin und Sions Stadtpräsident Mudry eskaliert. Der Stapi hält den Verein jedoch am Leben. Ohne Constantin steigen die Walliser in die NLB ab. Constantin tritt unter Druck ab. Er soll den FC Sion finanziell ruiniert haben. CC lässt im Uefa Cup auswärts das Tor von Spartak Moskau messen. Es war zu klein und es kam zu einem Wiederholungsspiel. Constantin kauft Stars und will in die Champions League - scheitert aber mit seinem Plan. CC holt drei Cupsiege in Serie und 1997 sogar das Double. Constantin gründet ein Internat und bringt Spieler wie Wicky und Grichting gross heraus. Jean-Paul Brigger ist das erste Traineropfer unter Constantin. CC wird mit 35 Jahren jüngster Präsident eines NLA-Vereins. Constantin gründet eine AG und rettet den finanziell angeschlagenen FC Sion.

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Aufatmen in Basel: Der Schweizerische Fussballverband (SFV) geht auf die Forderungen der Fifa ein. Der Zentralvorstand zieht dem FC Sion 36 Punkte ab, jeweils drei Zähler für jede Partie, in der er mindestens einen der sechs nicht spielberechtigten Profis einsetzte. Der SFV kommt damit der Aufforderung der Fifa vom 17. Dezember 2011 nach.

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Das Fifa-Exekutivkomitee hatte vom SFV verlangt, den FC Sion bis spätestens am 13. Januar 2012 mit Punkteabzug bzw. Forfaitniederlagen zu bestrafen. Für den Fall, dass der SFV dieser Aufforderung innert der erwähnten Frist nicht oder in nicht genügender Weise nachkommen sollte, hat die Fifa die automatische Suspension des Verbandes ab dem 14. Januar 2012 angeordnet. Damit wären sowohl die Nationalmannschaft als auch die Klubs für internationale Spiele gesperrt gewesen. Also auch der FC Basel in der Champions League.

Punkteabzug für Meisterschaft und Cup

Der Punkteabzug von 36 Zählern für den FC Sion basiert auf 12 Partien, in denen die Walliser mindestens einen der nicht-qualifizierten Spieler Stefan Glarner, Pascal Feindouno, José Julio Gomes Gonçalves, Billy Ketkeophomphone, Mario Mutsch und Gabriel Garcia de la Tore eingesetzt hatte. Davon betroffen waren zehn Meisterschafts- und zwei Cupspiele. Laut Medienmitteilung des Verbandes wird durch den Punkteabzug «das rechtsmissbräuchliche sowie rechts-, statuten- und reglementswidrige Verhalten des FC Sion bzw. die unrechtmässige Umgehung der Fifa-Transfersperre durch den Klub und nicht der Einsatz allenfalls nicht spielberechtigter Spieler geahndet». Die Spielberechtigung an sich sei weiterhin Gegenstand der Proteste und Einsprachen diverser Beteiligter.

Aus diesem Grund hat sich der Verband für einen Punkteabzug für den FC Sion und nicht für Forfaitniederlagen entschieden. Denn so werden die anderen Klubs in der Tabelle nicht tangiert. Weil so keine Niederlagen ausgesprochen wurden, verbleibt der FC Sion auch im Schweizer Cup. Da er aber auch hier in zwei Spielen strittige Spieler einsetzte, gibt es sechs zusätzliche Minuspunkte in der Meisterschaft. Dafür können die Sittener weiter von der Titelverteidigung träumen.

Die Walliser rutschen nun in der Axpo Super League auf den letzten Platz der Tabelle ab und starten mit einem Minus von fünf Punkten in die Rückrunde. Während vorne die Meisterschaft entschieden wird, muss Sion bibbern, ob man überhaupt noch den Zweitletzten in der Tabelle einholen kann. Lausanne hat immerhin 16 Punkte Vorsprung.

Der FC Sion hat die Möglichkeit, das Urteil an das Internationale Sportgericht in Lausanne weiterzuziehen, was der streitbare und -lustige Präsident Christian Constantin wohl auch tun wird.

(mon/amc/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • paedu am 30.12.2011 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal eine gute Nachricht

    Jetzt können die beiden Walliser Sturköpfe von mir aus bis vor den europäischen Menschenrechtshof weiterprozessieren,denn jetzt ist es zum Glück wieder ein Walliser- und kein schweizerisches Problem mehr

  • Kurt Walker am 30.12.2011 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Der Kindergarten SFV

    Die ganze Schweiz gegen das Wallis,danke.Was die anderen Schweizer Klubs und Schiedsrichter nicht schafften,macht jetzt der Verband,bravo.Und der Judas kommt aus den Wallis.Danke Sepp.Jetzt erst recht!In der Rückrunde ist jedes Spiel ein Cupspiel und das ganze Wallis steht hinter ihrem FC Sion!

  • globe am 30.12.2011 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bananenrepublik oder was?

    als neutraler Zuhörer staunt man doch über solche Massnahmen (und das in der Schweiz). Beispiele gefällig? -es werden Punkte! in der Meisterschaft abgezogen weil die Spieler im Cup eingesetzt wurden -die Spieler werden vom SFL qualifiziert, 2-3 Monate plötzlich nicht mehr, es sei ein Missverständis gewesen -Richterliche Entscheide werden ignoriert und/oder rückwirkend bestraft -SFV wird von der FIFA genötigt -SFV verstösst mit lachhaften 36 Punkten Abzug gegen eigene Statuten, die sowieso vor keinem Gericht stand halten....und es gibt noch immer irgendwelche Leute, die das zu rechtfertigen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nati-Hymne-Mitsinger am 02.01.2012 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Trotz Fehler anderer selber Schuld

    Ich versteh die ganze Aufregung nicht recht. Klar, sowohl die Fifa als auch der SFV haben Fehler gemacht. Trotzdem (und mir tuts auch leid für Sion als Klub und seine Fans) aber eingebrockt hat es sich CC selbst, also ist es nichts als gerecht, dass er die Suppe auslöffelt. Er hat sich schon so oft durchgeschlängelt und so oft hat man ihn mit Nachsicht behandelt, aber einmal muss Schluss sein, sonst macht jeder was er will. CC wusste, dass er Hadari nicht hätte holen dürfen, danach wusste er, dass er gegen die Transfersperre verstösst (sich durchschlängelt), also was hat er anderes erwartet?

  • Daniel Kowalsky am 01.01.2012 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ein cooler Bluff des SFV im Pokerspiel

    Mit dem letzten Satz hat sich der SFV verraten: "Das CAS wird dann einen Entscheid fällen, der gültig ist für Sion, für den SFV und für die Fifa". Der SFV hat mit dieser total überzogenen Entscheidung den Forderungen der FIFA voll entsprochen und dem schweizer Fussball zunächst einmal den Hals aus der Schlinge gezogen. Insgeheim rechnet er aber fest damit, dass die Gerichte Urteil kippen werden. Die FIFA wird dann akzeptieren müssen, dass dem SFV die Hände gebunden sind und selber durchgreifen, indem sie Sion von allen internationalen Wettbewerben bis auf weiteres ausschliessen.

  • Fans am 31.12.2011 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wallis lässt grüssen

    Hoffe das CC noch genug Power hat und weiter kämpft .

  • zürcher am 31.12.2011 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schadenfreude

    ihr seid entweder schadenfroh oder kennt euch mit dem fall sion nicht aus. schadenfreude ist jedem seine sache, ok, hab ich auch ein bisschen. aber alle anderen; informiert euch zuerst richtig!

    • Beobachter am 02.01.2012 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      "Richtige" Meinung

      Das siehst du nur zum Teil richtig. Denn, es ist schwierig, trotz gutem Hintergrundwissen sich bei einem so komplexen Fall, eine "richtige" Meinung bilden zu können.

    einklappen einklappen
  • Begeisterter Fussballfan am 31.12.2011 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gutes Urteil

    Super gemacht vom SFV. Endlich wird diesem durchgeknallten Typen der Meister gezeigt. Jetzt müsste er nur noch lebenslänglich für alle Fussballaktivitäten gesperrt werden, dann wäre der Frieden wieder hergestellt. Auch die Fairness wurde lange mit Füssen getreten. Nach diesem Urteil kann man wieder von Fairness sprechen. Jetzt müssten nur die Clubs die gegen Sion verloren haben, die geklauten Punkte noch zurückerhalten.