Präsidentenwahl

05. Juni 2019 11:28; Akt: 05.06.2019 13:21 Print

«Danke, Herr Präsident»

Gianni Infantino wird per Applaus im Amt des Fifa-Präsidenten bestätigt. Er nutzt den Kongress, um sich gleich selbst für seine Arbeit zu rühmen.

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«Lassen Sie mich noch eine kleine Geschichte erzählen», sagt Gianni Infantino. Der Kongress der Fifa ist schon zu Ende, und Infantino ist wiedergewählter Präsident, als er sich an den Tag seiner ersten Wahl erinnert, an den 26. Februar 2016. «Der Erste, der mir eine SMS schrieb, war José Mourinho. Danke José.»

Das ist es schon mit der ganzen Geschichte. So lächerlich unbedeutend sie sein mag, sie sagt doch einiges aus über Infantino. Ihm gefällt es, wenn er mit der Nähe zu Legenden des Fussballs kokettieren kann. Mourinho verfolgt diesen Kongress in der ersten Reihe wie andere, die Infantino so gerne als Legenden bezeichnet, wie Capello, Casillas oder Roberto Carlos.

Das wichtigste Traktandum des Tages, an dem alle 211 Nationalverbände in Paris versammelt sind, betrifft die Wahl des Präsidenten. Es ist eigentlich keine Wahl, weil nur Infantino als Kandidat zur Verfügung steht. Er wird mit Applaus im Amt bestätigt, «ich bin geehrt, der Fifa zu dienen», sagt er. Sepp Blatter hätte es nicht schöner sagen können.

Infantino ist unbedrängt von einem Gegner, weil sie sich niemand hervor getraut hat. Das war schon früher so gewesen, als noch Blatter der Oberbefehlshaber der Fifa war. Selbst Michel Platini als damals starker Präsident der Uefa mochte keine Niederlage einstecken, die absehbar war, weil Blatter ganze Kontinente hinter sich hatte und all die vielen kleinen Länder.

Platini, wegen einer umstrittenen Zahlung von 2 Millionen Franken aus Blatters Hand noch bis nächstes Jahr weltweit gesperrt, ist in diesen Tagen aus der Deckung gekommen und hat sich über Infantino geäussert. «Er hat nicht die Legitimation, Fifa-Präsident zu sein», sagte er, «wie kann jemand, der jeden Tag gegen die Fifa spuckte, ihr Präsident sein?» Infantino war Platinis Generalsekretär und schliesslich der grosse Profiteur von der Sperre seines alten Chefs. Nur dank ihr konnte er den Fifa-Thron besteigen.

«Heute redet niemand mehr von Krise»

Infantino nutzt die Pariser Bühne, um die eigenen Verdienste hervorzustreichen. «Vor drei Jahren war die Fifa toxisch, fast kriminell», sagt er, «jetzt ist sie das, was sie sein sollte: eine Organisation, die sich um den Fussball kümmert. Heute redet niemand mehr von Krise.» Er redet von Transparenz in Geldfragen, die früher gefehlt und darum die Krise erst möglich gemacht habe. Dank dieser Transparenz «gibt es keinen Platz mehr für Korruption».

Er rühmt sich, weil die Vergabe der WM 2026 skandalfrei verlaufen sei. «Und wieso? War das nicht die Fifa, die sie vergab? Nein, es war die neue Fifa. Unser Handeln hat Vertrauen in die Fifa zurückgebracht.» So geht das Minute um Minute weiter, er sagt, die Fifa stehe so solide da wie nie, und erwähnt als ein Beispiel die Reserven, die unter ihm von 1,0 auf 2,75 Milliarden Dollar gewachsen sind. Oder die Entwicklungsgelder, die unter ihm von 326 Millionen auf 1,1 Milliarden gestiegen sind. Und als er sich dann auch noch für den wachsenden Frauenanteil in der Organisation gerühmt hat, sagt ihm seine Generalsekretärin Fatma Samoura artig: «Danke, Herr Präsident dafür.» Dabei hat es Infantino geschafft, ihre Rolle viel kleiner zu halten, als es die einstigen Reformen vorgesehen hatten.

Keine drei Stunden dauert der Kongress. Am Ende dankt Infantino nicht nur Mourinho, er erinnert die Delegierten auch ans Wesentliche: «Vergessen Sie den Lunch nicht. Es wird irgendwo sicher Champagner geben.»

Fussball

(ths.)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonymous am 05.06.2019 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Die eine Hand wäscht die andere...

    und dürfein weiter Tausende von Franken scheffeln unter dem Deckmantel "non profit organisation"

  • René Brechbühl am 05.06.2019 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Corruptus maximus as usual

    Corrutus maximus bleibt wie erwartet. Vielleicht sollte das FBI den Laden wieder etwas aufmischen, es könnte denen ja noch langweilig werden mit dieser ewigen Straffreiheit.

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  • Levi am 05.06.2019 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    General Shepherd

    Es gibt ein Sprichwort aus dem Spiel Call of Dury Modern Warfare 2 was mir im Kopf geblieben ist: schaltet man einen aus, finden sie einen noch schlimmeren Ersatz. Ich will nicht wissen was für leute Infantino ersetzen können, aber das es besser wird ist in der aktuellen Zeit unmöglich

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Die neusten Leser-Kommentare

  • huschmie am 07.06.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Westeuropa ist Minderheit

    Die FIFA repräsentiert die Welt. Da kann man nicht nur mit westeuropäischen Ellen messen. Westeuropa ist da anzahlmässig eine kleine Minderheit.

  • Zico am 06.06.2019 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke, Herr Präsident

    Infantino hört sich selber wohl sehr gerne reden auch wenn ihm sein Schwachsinn sicher nur jene abnehmen die von der FIFA profitieren! Er klopft sich sicher auch gerne selber auf die Schulter denn die vielen Schulterklopfer in seinem Dunstkreis genügen ihm sicher nicht. Schaut ihm ins Gesicht und ihr wisst was los ist! Blatter war wenigstens noch sympatisch.

  • Tom Minder am 05.06.2019 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Fängt mit R an

    Ist zu vergleichen mit einem Tier, welches sich gerne in der Kanalisation aufhält.

  • Nittri am 05.06.2019 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rosemarie

    Diesen lächelnden sympathischen Menschen muss man die Stimme geben.Ehrlicher arbeitsamer Walliser.Sieht Super aus mit seiner Cabriofrisur.Heisser Typ

    • karin am 06.06.2019 12:30 Report Diesen Beitrag melden

      schön....

      wenigstens hast Du Dir ein Like gegeben....eines hast Du ja. Wäre ich Dich, würde ich mich mal untersuchen lassen.... :-)

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  • Jo Blattern am 05.06.2019 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Infantilo und Fussball Ndrangheta

    Ich schäme mich, dass Infantilo ein Schweizer ist. Er gehört zur Ndrangheta, nicht zur FIFA. Oder ist das etwa das selbe?