Stadionverbot für Frauen

10. September 2019 19:21; Akt: 10.09.2019 21:14 Print

Iranerin zündet sich nach Festnahme an und stirbt

Eine Frau wird verhaftet, weil sie ein Fussballspiel besuchen will. Nach dem Gerichtstermin übergiesst sie sich mit Benzin und verbrennt sich selbst.

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Die 29-jährige Iranerin versuchte am 12. März bei einem Spiel von Esteghlal Teheran in Asiens Champions League ins Stadion zu gelangen. Am Eingang wurde sie von der Polizei festgenommen und blieb danach mehrere Tage inhaftiert, bevor sie gegen ein Kaution freigelassen wurde. Im Iran ist Frauen der Besuch von Fussballspielen im Stadion untersagt. Wegen Beamtenbeleidigung drohte ihr zudem eine sechsmonatige Haftstrafe. Aus Protest oder Angst vor der Gefängnisstrafe zündete sich die junge Frau nach dem Gerichtstermin am 2. September an. Am Montagabend erlag sie im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen, wie iranische Medien berichteten.

Laut dem «Spiegel», hatte die Schwester der Toten einem iranischen Onlineportal mitgeteilt, dass bei der Verstorbenen vor zwei Jahren eine bipolare Störung diagnostiziert worden sei und sie sich deshalb in ärztlicher Behandlung befunden habe. Nach der Inhaftierung habe sich die Krankheit verschlimmert. Die Familie habe alle medizinischen Unterlagen der Justiz übergeben, trotzdem sei die Frau vor Gericht wie eine gesunde Person behandelt worden.

Proteste gegen Stadionverbot für Frauen

Ihr Tod führte zu einer Protestwelle der Iraner in den sozialen Netzwerken gegen Polizei und Justiz. Das Stadionverbot für Frauen sorgt schon seit vier Jahrzehnten für Diskussionen im Iran. Obwohl auch Präsident Hassan Rohani gegen das Verbot ist, konnte er sich bis jetzt nicht gegen den erzkonservativen Klerus des Landes durchsetzen.

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?? ?? ? ? ?? ? ? ?? ? . ??Ein Beitrag geteilt von Mehdi Rahmati (@mehdirahmati111) am

Via Instagram drückte Mehdi Rahmati, ehemaliger Nationalgoalie des Iran und ehemaliger Spieler von Esteghlal Teheran, seine Trauer über den Tod der jungen Frau aus. Er schreibt: «Beileid an die Familie des blauen Mädchens, das die Welt aus den Augen verlor, ohne ihren Wunsch zu erfüllen.»

Iraner fordern die Fifa zum Handeln auf

Zuletzt gab es Berichte über hohe Haftstrafen für sechs Frauen, die sich – als Männer verkleidet – ins Asadi-Stadion geschlichen hatten. Eine der Frauen, eine Journalistin, habe sie dabei auch fotografiert. Zwar wurden alle auf Kaution wieder freigelassen, aber die hohen Haftstrafen wurden im Iran als Einschüchterung bewertet.

Viele Iraner fordern von Fifa-Präsident Gianni Infantino, die iranische Nationalmannschaft wegen der Diskriminierung der Frauen im Land von der WM 2022 in Katar zu auszuschliessen.

Fussball

(dpa/kvo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Art. am 11.09.2019 02:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Formel 1 Gewissen?

    Auch ich fordere von Fifa-Präsident Gianni Infantino, die iranische Nationalmannschaft wegen der Diskriminierung der Frauen im Land von der WM 2022 in Katar auszuschliessen. Dass das 2019 überhaupt noch gefordert werden muss, ist Schande und Grund genug.

  • Swisshoopz am 10.09.2019 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    True

    Iran war einmal eine Weltstadt wo man sich frei bewegen konnte und alle miteinander in frieden lebten. Aber dann kam eine gewisse Religion die alles Verbot was spass macht, denn Spass ist nicht erlaubt. Wer sich wehrte wurde inhaftiert oder gleich mal (ihr wisst schon). Finde es schade, dass man gewisse Minderheit nichts gegönnt sei. Ruhe in Frieden Frau in Blau, jetzt bist du an einem besseren Ort.

  • Luzifer am 10.09.2019 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wake up

    Vielleicht werden die irgendwann mal verstehen, dass es ohne Frauen Keine Männer geben würde. Frauen sind genetisch weiter als der Mann, x Chromosom zu Y Chromosom also einen Genstrang zusätzlich. NUR minderwertige Männer stellen sich über die Frau.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandra am 11.09.2019 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P. Junge Frau

    Hoffe, die FIFA geht auf die Forderung der Iraner ein und schliesst die Mannschaft für die WM 2022 aus. Da herrschen ja noch Zustände wie im Mittelalter. Traurige Geschichte

  • josef am 11.09.2019 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Funiciella

    Wo ist jetzt die selbsternannte Feministenkönigin. Soll Sie im Iran nach dem besten schauen aber sicher nicht in der Schweiz wo alle schon gleichberechtigt sind. Aber eben im Iran / nahen Osten müsste man halt arbeiten und was tun.

  • oki am 11.09.2019 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Money

    Als würde die Fifa sich für Menschenrechte interessieren. Alleine das diese WM in Katar stattfindet mit zB den Bedingungen Stadionbau u.a.. Es würde natürlich niemand sagen das diese Organisation korrupt ist, und wo war nochmal Ihr Sitz.

  • Thomas W. am 11.09.2019 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    Dieser Fall zeigt einmal mehr eine Verhaltensweise, welche für uns Mitteleuropäer unvorstellbar ist. Sowohl die Verhaftung/Berurteilung als auch das sich anzünden. Zu was sind Menschen solcher Völker alles fähig? Gibt es Sicherheitsrisiken für Europa?

  • Weitblick am 11.09.2019 03:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Samen der Hoffnung

    Wirklich tragisch. Ich verstehe warum Menschen von solchen Orten flüchten, habe aber kein Verständnis wenn sich Migranten jedoch zwischen den Grauzonen hin- und herbewegen. Zum Glück besitzen die meisten Menschen Anstand untereinander, wenn auch nicht immer dem Fremden gegenüber. Toleranz sollte und wird alle Kulturen formen, falls nicht ist dies der Beweis, dass sich der Grossteil der Menschheit nicht weiterentwickelt hat. Ich hoffe dass die Keime dessen bald spriessen und wir alle in eine strahlende Zukunft blicken.