Spielverlegung wird geprüft

10. Dezember 2010 14:02; Akt: 10.12.2010 14:21 Print

Ist Katar doch zu klein für die WM?

Die FIFA erwägt, Spiele der Weltmeisterschaft 2022 ausserhalb des Gastgeberlandes Katar auszutragen.

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1995 kam Emir Hamad bin Khalifa al Thani durch eine Palastrevolution gegen seinen Vater an die Macht. Seither hat sich der Wüstenstaat Katar zu einem der reichsten Staaten der Welt entwickelt. Geld ist kein Problem. Viel davon fliesst in den Sport. Maradona und Erzfeind Pele wurden 2005 angeblich für eine sechstellige Summe zu einer Einweihung einer Sport-Academy eingeladen. Brasilien und Argentinien trugen kürzlich im «Scheich-Khalifa-Internationak-Stadion» in Doha ein Freundschaftsspiel aus. Beide Teams erhielten eine Million Antrittsprämie. 2006 fand mit den Asian Games der erste Grossanlass im Kleinstaat statt. Die Wettkämpfe mit olympischen Charakter liefen reibungslos ab, als hätte Katar seit Jahren Übung mit solchen Veranstaltungen. Nächstes Jahr wird der Asian Cup - das asiatische Pendent zur Fussball-Europameisterschaft - im Wüstenstaat ausgetragen. Dieser dient als erster Testlauf für die WM 2022. Nebenbei finden in Doha auch Formel-1- und Töff-Grand-Prixs sowie Tennisturniere statt. Grosse Reisestrapazen müssen die Fussballfans nicht auf sich nehmen. Fünf der sieben Spielorte liegen im Umkreis von 25 Kilometern. Total sind zwölf Stadien geplant. Vier davon in Al-Rayyan, drei in der Hauptstadt Doha. Neun Stadien werden neu gebaut, drei modernisiert. In zwölf Jahren werden im Wüstenstaat mit Bestimmtheit die modernsten Stadien der Welt stehen. Bis dann dürfte sich auch die Diskussion um den Umweltschutz gelegt haben. Wegen Temperaturen von rund 45 Grad Celsius kühlen die Organisatoren die Stadien und Trainingscenter mittels Sonnenenergie auf 27 Grad Celsius. Die Mehrheit der rund 1,5 Millionen Einwohner des Staates am Persischen Golf ist fussballbegeistert. Jedoch eher vor dem Fernseher als im Stadion. Spiele der «Katar Stars League» finden meist vor wenigen Zuschauern statt. Die Kataris interessieren sich für den westlichen Fussball. Vor allem für jenen der Premier League in England. Mit der WM 2022 wird sich das Bild in Katars Stadien wohl ändern. Auch die Einwohner des Wüstenstaates möchten die Spiele in den Stadien erleben. Die Kriminalitätsrate in Katar ist sehr gering. Man kann in der Nacht ohne Bedenken durch die Strassen laufen. Wegen dem Alkoholverbot - das zur WM gelockert werden soll - gibt es auch keine Pöbeleien oder Schlägereien unter Betrunkenen. Generell sind die Gesetze im Wüstenstaat viel härter als in westlichen Staaten. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden schon bei geringsten Mengen und bei jeder Art von Drogen mit langjährigen Gefängnisstrafen - bis 30 Jahre - geahndet. Die WM-Spiele 2022 werden in der westlichen Hemmisphäre zu normalen Tages- und Abendzeiten stattfinden. Katar ist der mitteleuropäischen Zeitzone eine Stunde voraus. Weil in der Schweiz im Moment Winterzeit herrscht, beträgt der Unterschied zwei Stunden. Die Anspielzeiten sind für die Vermarkter der TV-Rechte also sehr interessant. Obwohl die Fifa den Hauptteil daran verdient. In Katars Hauptstadt Doha ist übrigens der arabische Fernsehsender Al Jazeera beheimatet. Katar könnte mit der Fussball-WM 2022 mehr Ruhe in der Region stiften. Im Süden grenzt der Staat an Saudi-Arabien. In den 90er-Jahren herrschten zwischen den öl- und gasreichen Ländern grosse Spannungen. Seit 2008 normalisieren sich diese fortzu. Auch mit dem Iran im Osten pflegt Katar gute Beziehungen. Wie sich das Volk von der WM vor der Haustüre anstecken lässt, ist heute aber noch nicht abzuschätzen.

Sieben Gründe für eine WM in Katar.

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Wie der gescheiterte Bewerber Australien Partien in Neuseeland geplant hatte, könne auch Katar «nahegelegene Länder» einbeziehen, sagte Präsident Sepp Blatter gegenüber der französischen Sporttageszeitung «L'Equipe».

Zudem verteidigte der 74-jährige Walliser erneut den umstrittenen Entscheid, Katar als Ausrichter zu wählen. «Wir öffnen den Fussball einer neuen Welt und einer neuen Kultur. Die islamische Welt umfasst eine Milliarde Menschen», so Blatter. Würde es der FIFA nur ums Geld gehen, sagte der FIFA-Präsident weiter, «hätte die WM an die USA vergeben werden müssen.»

In Katar stehen fünf Stadien innerhalb von 25 Kilometern. Die Hauptstadt Doha wird an der Endrunde aus allen Nähten platzen. Eine Verschiebung der WM auf Januar oder Februar - wenn die Temperaturen erträglich sind - lehnte Blatter auf Anfrage des asiatischen Kontinentalverbands vorläufig ab.

(fox/sda)