Pleitenserie im Europacup

10. März 2011 17:01; Akt: 10.03.2011 17:01 Print

Italiens Fussball manövriert sich ins Abseits

Roma out, Milan out: Nach der Blamage in der Europa League droht Italien auch in der Königsklasse das totale Fiasko. Die Serie-A-Vereine befinden sich in einem gefährlichen Teufelskreis.

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Zum vierten Mal in Serie ist die AC Milan im Achtelfinal der Champions League gescheitert. (Bild: Keystone)

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Die italienische Fussball-Ehre ist angekratzt. Nach dem blamablen Vorrunden-Aus der Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika droht nun auch im Klubfussball die totale Blamage. Der siebenfache Meistercup-Gewinner Milan scheiterte im Champions-League-Achtelfinal am nicht gerade übermächtigen Tottenham, ohne auch nur einen Treffer zu erzielen. Die Roma musste gegen Schachtjor Donezk, das noch nicht in die ukrainische Meisterschaft gestartet ist, die Segel streichen.

Das Ausscheiden der beiden Traditionsvereine Roma und Milan reiht sich nahtlos in eine für den italienischen Fussball äussert enttäuschende Europacup-Saison ein. In der Europa League sind Juventus Turin, Palermo und Samdoria Genau bereits in der Gruppenphase gscheitert und in der ersten K.o.-Runde verabschiedete sich mit Napoli auch der letzte italienische Vertreter. Somit ist nur noch Inter Mailand übrig, um die italienische Fussball-Ehre zu retten. Doch der Titelverteidiger der Champions League steht nach dem 0:1 im Achtelfinal-Heimspiel gegen Bayern München mit dem Rücken zur Wand.

Schon vor zwei Wochen erhielten die Serie-A-Vertreter die Quittung für das schlechte Abschneiden. Zum ersten Mal seit 1984 rutschte Italien im Fünfjahres-Ranking der Uefa aus den Top-3-Nationen. Damit geht in der übernächsten Saison der vierte Champions-League-Startplatz an Deutschland verloren. Der sportliche Niedergang hatte in den letzten Jahren Tradition. Zwar können einzelne Vereine immer wieder Glanzlichter setzen - Milan gewann die Champions League 2003 und 2007, Inter 2010 - doch in den letzten Jahren ging die Breite beinahe gänzlich verloren.

Kein Geld für absolute Topstars

In den 90er Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends galt Italien als das Fussball-Mekka schlechthin. Alle Stars wollten in der Serie A spielen und mit Milan, Inter oder Juventus in Europa Erfolge feiern. Mit Gehältern in Millionenhöhe wurden sie gelockt. Mittlerweile spielen Messi, Ronaldo, Robben, Torres & Co. jedoch lieber in der Primera Divison, der Bundesliga oder in der Premier League. Das Geld, um die absoluten Topcracks zu engagieren, ist nicht mehr vorhanden. Vor allem abgeschobene Ballvirtuosen wie Ibrahimovic, Robinho oder Sneijder finden noch den Weg nach Italien.

Parallel zum sportlichen Niedergang kämpfen die Serie-A-Vereine immer mehr mit finanziellen Sorgen. Das schlechte Abschneiden im Europacup führt zu erheblichen Einbussen, die den angeschlagenen Spitzenklubs schwer zu schaffen machen. Juventus Turin beispielsweise machte in der ersten Hälfte dieser Saison bereits einen Verlust von 39,5 Millionen Euro. Mit ähnlichen Problemen kämpft die Roma. Im Vorjahr gingen die Einnahmen des Klubs um 25 Millionen Euro zurück. Nur wer wie Inter (Massimo Moratti) oder Milan (Silvio Berlusconi) über einen finanzkräftigen Mäzen im Hintergrund verfügt, kann noch auf internationalem Parkett mithalten.

Fataler Publikumsrückgang

Die Gründe für die Finanzkrise im italienischen Fussball sind vielfältig. Die Auswirkungen des Manipulationsskandals von 2006 («Calciopoli»), als aufgedeckt wurde, dass Schiedsrichter von den Topklubs der Liga bestochen wurden, spielen ebenso eine Rolle wie das Florieren der Ligen in Deutschland, Spanien oder England. Während dort die Publikums- und Merchandising-Zahlen kontinuierlich steigen, geht der Zuschauerschnitt in der Serie A beständig zurück. In dieser Saison kamen nur noch 23 800 Fans, das sind 6,8 Prozent weniger als im Vorjahr, ins Stadion. Die Bundesliga lockte mit durchschnittlich 42 209 Besuchern fast doppelt so viele Besucher an.

Die Spielergewerkschaft AIC macht sich berechtigte Sorgen. Leere Stadien seien ein Phänomen, mit dem sich der italienische Fussball unbedingt auseinandersetzen müsse. Es werde zu häufig gespielt und das Fernsehen sorge dafür, dass immer weniger Leute in die Stadien gingen. Auch die veralteten Arenen seien ein Grund. Und die Probleme des Calcio werden durch die sportliche Talfahrt auch nicht weniger. Ein (kurzfristiger) Weg aus dem Teufelskreis ist nicht in Sicht.

(pre)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jefferson Darcy am 12.03.2011 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Schon witzig, dieser Artikel: "einzelne Vereine konnten immer wieder Glanzlichter setzen... Milan gewann die Champions League 2003...". Interessant ist nur, dass damals drei von vier Halbfinalisten italienische Mannschaften waren und das Finale gar eine rein italienische Angelegenheit war. Aber stimmt, einzelne Vereine... Zudem wartet z.B. Deutschland seit 2001 auf einen Titel, italienische Vereine haben seither 3 Titel in der CL geholt, zudem verspielte Milan 2005 noch einen sicher geglaubten Sieg im Finale gegen Liverpool. Untergang sieht irgendwie anders aus!

  • Franco am 10.03.2011 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Wunder..

    ..dass bei diesen hässlichen Stadien und der ganzen Korruption im Calcio die Zuschauer wegbleiben. Lichtblick ist die neue Juventus Arena, bin mir sicher das mit solchen Stadien wieder mehr Fans zu den Spielen kommen.

    einklappen einklappen
  • Rainer Z. am 10.03.2011 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    LOL!!!

    Auch in der 5-Jahres-Wertung haben sie einen Platz verloren und sind auf dem 4.Platz=Ein Champions-League-Platz weniger

Die neusten Leser-Kommentare

  • JuveFan am 14.03.2011 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güüüüte

    im Artikel fehlt mir einiges. 1. Minus von Juventus stimmt warum: zahlungen für das neue Stadio + verfehlte Champions leauge+ Neuverteilung der Fernsehgelder 2. Neuverteilung der Fernsehgelder: alle vereine bekommen gleich viel Geld, für mich unverständlich, da Juve in Italien ca. 10 Millionen anhänger hat. und praktisch alleine SKY finanziert. Inter und Mailand natürlich auch eine grosse anhängerschaft aufweisen. es kann nicht sein das Cesena gleich viel geld bekommt wie Juve. Bitte 20min.ch Redaktion besser recherchieren und Artikel korrigieren. Danke

  • Jefferson Darcy am 12.03.2011 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    schlechter Witz

    Bei Spielern wie Eto'o, Ibrahimovic, Robinho, Sneijder, Pato von abgeschobenen Spielern zu sprechen, ist wahrlich ein schlechter Witz und zeugt von mangelnden Fussballkenntnissen. Alleine in den beiden Mailänder Teams spielen mehr "Stars" als in der ganzen Bundesliga zusammen, wo es ausser Robben und Ribery vor allem abgeschobene Altstars wie van Nistelrooy oder Raul sind, die man als Stars bezeichnen kann. Man darf auch nicht vergessen, wie langweilig beispielsweise die spanische Liga ist (wer ist vorne: Barca und Real. Abstand auf den dritten Platz: 20 Punkte aufwärts..gähn!)

  • Jefferson Darcy am 12.03.2011 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Schon witzig, dieser Artikel: "einzelne Vereine konnten immer wieder Glanzlichter setzen... Milan gewann die Champions League 2003...". Interessant ist nur, dass damals drei von vier Halbfinalisten italienische Mannschaften waren und das Finale gar eine rein italienische Angelegenheit war. Aber stimmt, einzelne Vereine... Zudem wartet z.B. Deutschland seit 2001 auf einen Titel, italienische Vereine haben seither 3 Titel in der CL geholt, zudem verspielte Milan 2005 noch einen sicher geglaubten Sieg im Finale gegen Liverpool. Untergang sieht irgendwie anders aus!

  • Michele am 11.03.2011 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Teil 1

    BLA BLA :-) Das der Fussball in Italien Tot sein soll, lese ich nun seit 2005-2006 vor allem in den Deutschen Medien ! Viele vergessen aber, dass Italien seit 2006 soviel gewonnen hat, wie keine andere Nazion in Europa ! 1x Weltmeister, 2x die Champions League und bitte das verlorene Finale gegen Liverpool nicht vergessen mit einer 3:0 Führung für den AC Milan:-(

    • basel am 13.03.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Michele

      keine andere nation?? also Spanien hat: 2x Champions League Sieger 3x Europa League Sieger 1x Europameister 1x Weltmeister

    einklappen einklappen
  • rabbit am 10.03.2011 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    inter mailand

    trotzdem ist der europa- und weltmeister ein team aus italien, das chelsea, barca und bayern geschlagen hat, welches die besten mannschaften aus den anderen drei topligen europas sind..