Nach Bayern-Klatsche

07. April 2019 11:21; Akt: 07.04.2019 17:37 Print

Sogar der eigene Captain kritisiert Favre

von Fabian Sangines - Hoch gepokert und gedemütigt: Der Schweizer BVB-Trainer wird nach dem 0:5 gegen die Bayern scharf gerügt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sein eigenes Urteil war schonungslos. Kurz nach der 0:5-Ohrfeige im Spitzenspiel gegen Bayern München musste Lucien Favre im ZDF-Sportstudio erklären, was die Bayern besser gemacht hatten, als sein BVB. «Gerade die Zweikämpfe auch, ne?», schlug der Moderator vor. Favre schnaufte kurz durch und zählte auf: «Zweikämpfe, Balleroberung, Antizipation und auch technisch.» Eine Mängelliste, die so ziemlich jede wichtige Facette des Fussballs beinhaltet. Kurz: «Es war eine Lehrstunde.»


Das Debakel endgültig besiegelt: Robert Lewandowski trifft zum 5:0. Videos: SRF

Eine Lektion gab es auch in Sachen Coaching. Für Lucien Favre. So zumindest sehen es die deutschen Medien. Denn so sehr der Schweizer Trainer im Januar wegen der souveränen Tabellenführung noch als Halbgott dargestellt wurde, so sehr prasselt jetzt die Kritik auf ihn herein. Tatsächlich hatte er für das Schlüsselspiel in München einige gewagte Entscheidungen getroffen. Keine Hilfe war natürlich, dass Stürmer Paco Alcacer wegen einer Armverletzung (wieder einmal) ausfiel. Doch Favres Lösung war doch etwas überraschend: Er stellte Marco Reus ins Sturmzenturm.

«Das ist mir scheissegal», kommentierte der sichtlich angefressene Reus nach Spielschluss seine Position. Obwohl, so egal war es ihm dann doch nicht: «Erklärt hat es mir der Trainer nicht. Jeder weiss, dass ich nicht auf dieser Position spielen will.» Wieso er es dennoch tun musste? «Da müssen sie den Trainer fragen.» Taten sie natürlich, die pflichtbewussten Journalisten in Deutschland. «Wir wollten viele Läufe in die Tiefe haben», begründete Favre und musste feststellen: «Das ist uns leider gar nicht gelungen.»


Machten es besser: Die Bayern, hier beim 4:0.

Mario Götze, der zuletzt ganz vorne als falsche Neun oder auch im offensiven Mittelfeld starke Leistungen zeigte, blieb auf der Bank. Auf der Zehn spielte der zuletzt kaum berücksichtigte Mahmoud Dahoud. Klar, dass auch diese Wahl nach einem derart desaströsen Resultat infrage gestellt wurde. Wie nah Geniestreich und Fehler im Fussball beieinander liegen, zeigte aber die 7. Minute. Wäre Dahouds Schuss (nach Vorlage des in die Tiefe gelaufenen Reus) nur wenige Zentimeter weiter links gelandet, der Ball wäre ins Tor statt an den Pfosten, Dortmund 1:0 in Führung – und Favre wohl wieder Halbgott.

So heisst es aber: «Favre vercoacht sich» (Eurosport und Ruhr Nachrichten) oder «Favres Taktik geht voll in die Hose» (Bild). Das Boulevardblatt bilanzierte: «Ausgerechnet im Giganten-Gipfel liegt der Schweizer mit seinen Ideen komplett daneben.» Und die Süddeutsche Zeitung befand: «Er hat am Samstag das versucht, was all die Gegner gemacht haben, die gegen München in dieser Saison chancenlos waren: Er hat seine Mannschaft nicht von ihren Stärken her gedacht, sondern von ihren Schwachpunkten.» Angelastet wird dem BVB-Trainer auch, dass er den 33-jährigen Lukasz Piszczek nach zweimonatiger Verletzungsabsenz hinten rechts aufgestellt hatte. Das einzige Gegentor über diese Seite fiel allerdings nach einem Eckball.

Deshalb wollte Favre dann doch nicht alle mediale Prügel auf sich nehmen: «Nach dem Spiel ist es einfach zu sagen, dass es nicht gut war, auf Mario Götze zu verzichten. Aber ich weiss nicht, ob es im anderen System besser gewesen wäre.» Es sei direkt nach dem Spiel schwer zu sagen, ob er nochmals gleich aufstellen würde. Dennoch war es ihm wichtig zu erwähnen: «Wir haben auch dumme Tore kassiert, das muss man auch sehen.» Er dürfte insbesondere das 2:0 gemeint haben, als Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou Robert Lewandowski den Ball in die Füsse spielt.

Oder das 3:0: Dreimal dürfen die Bayern innert weniger Sekunden schiessen, bis der Ball im Tor landet.

Bei aller Untergangsstimmung bleibt Favre mit dem BVB allerdings weiter im Meisterrennen. Ein Punkt liegt Dortmund jetzt hinter dem neuen Leader Bayern München zurück. Zudem müssen die Münchner in den letzten beiden Partien gegen RB Leipzig (3.) und Frankfurt (4.) ran. Deshalb antwortet Favre trocken, wenn er gefragt wird, ob er weiterhin an den Meistertitel glaubt: «Natürlich.» Aber: «Wenn wir so auftreten wie heute, dann wird es ganz schwierig, das ist klar»

Fussball

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pele am 07.04.2019 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Leistung von Millionären?

    Ja, der Trainer. Bringen 15 Millionäre ihre Leistung nicht, ist es der Trainer. Immer dieselbe Leier. Wenn ein Reus in einem Spiel nicht merkt, dass es nicht läuft und selber seine Position verändert ist das grobfahrlässig. Man denke nur mal an Netzer...... Ein Götze in der Anfangsaufstellung soll wohl ein Witz sein. Einmal ein Tor geschossen, allerdings ein ganz wichtiges, macht aus dem Herumsteher noch lange nicht ein grosser Fussballer. Man kann gegen Bayern mal untergehen aber nicht mit einer solchen Leistung. Da kann der Lucien von aussen gar nichts machen ausser die Birne hinzuhalten.

    einklappen einklappen
  • bibi am 07.04.2019 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein jeder trainer ist machtlos

    was kann ein Trainer wenn ein spieler so einen hirnlosen querpass spielt direkt in füsse von leva der das 2/0 ohne gegenwehr macht?

    einklappen einklappen
  • Pinguine am 07.04.2019 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussball

    Die Spieler spielen doch und nicht der Trainer! Demzufolge haben die Spieler die Hausaufgaben nicht gemacht!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zico am 09.04.2019 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Selbstreflektion?

    Die Spieler sollten die Klappe halten und Leistung bringen. Hätte Herr Reus die Hälfte aller 100% igen die er fahrlässig vergeben hat gemacht, wäre der BVB noch lange an der Spitze! Er wurde aber von LF nicht kritisiert. Was die Verteidiger öfters bieten hat nichts mit Topmannschaft zu tun! Selbstkritik scheint bei verwöhnten verhätschelten Jungmillionären aber kein Thema zu sein. Selbstreflektion scheint unbekannt.

  • mgagre am 08.04.2019 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wer wagt...

    ...gewinnt eben nicht immer. Aber wer nichts wagt, gewinnt nie.

  • gelb-schwarzer am 08.04.2019 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der bvb

    verkommt zur diva-truppe die noch nichts geleistet hat! aber den eigenen erfolgstrainer kritisieren ist unterste schublade von ein paar divas!!

    • Himmel-Blauer am 08.04.2019 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @gelb-schwarzer

      Die Bayern spielen noch gegen die Fortuna, dass ist noch die einzige kleine Hoffnung die der BVB hat! Sofern sich der LF nicht nochmals verzockt!

    einklappen einklappen
  • Bruno Risi am 07.04.2019 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kuki

    Finde Favre macht gute Arbeit beim BVB, trotz dieser Pleite. Nächstes Spiel besprechen und nichts drein reden lassen, auch nicht vom Hr. Somme.

  • Links Aussen am 07.04.2019 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich will...

    ...auf diese Position nicht spielen. Der gehört fristlos entlassen. Lieber BVB, das was eure teuren Spieler abgeliefert haben - nämlich nichts- liefere ich euch für die Hälfte auch ;-)

    • Analyst am 08.04.2019 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Alte Trainerweisheit

      Ein Trainer muss aber auch die Stärken der Spieler erkennen und ihn dementsprechend einsetzen.Reuss ist gensusowenig eine Neuner wie ein Malergeselle ein Elektrikermeister.

    • 50+ am 09.04.2019 04:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Analyst

      ein richtig wertvoller Spieler könnte auch diese Position spielen, aber da zeigt sich dann halt die wahre Klasse eines Spielers.

    einklappen einklappen