Nach scharfer Kritik an Özil

24. Juli 2018 09:04; Akt: 24.07.2018 09:08 Print

Jetzt schiesst Özil-Berater gegen Hoeness zurück

«Eine Schande für Bayern und Deutschland»: Erkut Sögüt liess die Tirade von Uli Hoeness in Richtung Mesut Özil nicht unkommentiert.

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Die deutschen Fans hätten Mesut Özil viel zu verdanken, auch er stehe für den WM-Triumph 2014, schreibt die «Bild»-Zeitung. Doch leider würde man sich rückblickend wohl mehr an seine blindwütige Abrechnung erinnern. So viel mehr als ein Rücktritt, schreibt «Zeit online». Erstmals trete ein deutscher Nationalspieler zurück, weil er rassistisch angefeindet wurde. Mesut Özils Rückzug sei ein fatales Signal in einer besorgniserregenden Zeit. Migration bedeute Herkunft und Zukunft und der lange Weg dazwischen, meint «Die Welt». Mesut Özil habe illustriert, wie viele Sackgassen und Einbahnstrassen es geben kann. Özil lasse Selbstkritik vermissen, heisst es heute in «Spiegel online». Doch enthalte seine Attacke auf DFB-Präsident Reinhard Grindel viel Wahres. Laut der «Süddeutschen Zeitung» werde der Rücktritt von Özil für den DFB zum grossen Problem. Dieser habe für die vielen Brandherde seit dem Scheitern an der WM die Strategie des Aussitzens gewählt. Özils Rücktritt vertiefe die Krise des deutschen Fussballs, schreibt die «Frankfurter Allgemeine». Einer Frage aber weiche der Fussballer aus: «Wie steht er zu Menschenrechten, wie sie in der Türkei unter Erdogan ignoriert werden.» Die «Frankfurter Rundschau» meint: «Es gehört zu Mesut Özils persönlicher Tragik, dass ausgerechnet er zum Bolzball seiner türkischen Berater, der Wahlkampagne des Präsidenten Erdogan, des DFB und von Rassismus geworden ist.» Enttäuscht, verletzt, missverstanden: Nach einem beispiellosen Rundumschlag hat Mesut Özil überraschend seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft beendet, schreibt «Sport1». Seine Mutter habe Mesut Özil beigebracht, respektvoll zu sein. «Aber Mami spielt nicht beim DFB», schreibt die TAZ.

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Mesut Özils Berater Erkut Sögüt hat sich zur Kritik von Uli Hoeness an den mittlerweile zurückgetretenen Nationalspieler geäussert. Gegenüber «goal.de» sagte Sögüt, die Kommentare von Hoeness verfehlen den eigentlichen Sinn komplett: «Er versucht die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema, dem Rassismus und der Diskriminierung in Deutschland, abzulenken.» Ausserdem könne er seine «dummen Aussagen, die komplett übertrieben sind», nicht belegen.

Dazu unterstellte Sögüt Bayern Münchens Präsidenten fehlende Fachkenntnisse: «Wenn Mesut so ein schlechter Spieler ist, was sagt das über seine Meinung zu Joachim Löw, Arsène Wenger und José Mourinho aus? Es ist lächerlich, dass er glaubt, mehr von Fussball zu verstehen, als diese drei Top-Trainer.» Weiter richtete der Jurist eine Ansage direkt an Hoeness: «Wir werden keine weitere Zeit und Energie aufbringen, um mit Ihnen über ein Thema zu reden, von dem Sie keine Ahnung haben. Sie sind nicht nur eine Schande für sich selbst, sondern vor allem für Bayern München und die Leute in Deutschland.»

Scharfe Kritik von Hoeness

Hoeness hatte Mesut Özil nach dessen Rücktritt aus der deutschen Fussball-Nationalmannschaft in drastischer Form kritisiert. «Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist. Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen», sagte Hoeness der Sport-Bild und Bild-Zeitung vor dem Abflug des deutschen Rekordmeisters in die USA.

Die Entwicklung in Deutschland sei, so Hoeness weiter, «eine Katastrophe. Man muss es mal wieder auf das reduzieren, was es ist: Sport. Und sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren.»

Vielmehr verstecke Özil «sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto», sagte Hoeness: «Seine 35 Millionen Follower-Boys – die es natürlich in der wirklichen Welt nicht gibt – kümmern sich darum, dass Özil überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt.»

Der türkische Abgeordnete Mustafa Yeneroglu hat Hoeness' Reaktion scharf verurteilt. «Wie tief man auch menschlich sinken kann, zeigt hier Uli Hoeness in bodenloser Form», schrieb der Istanbuler AKP-Abgeordnete, der lange in Deutschland gelebt hat, am Montag auf Deutsch im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Seine Reaktion sei «unwürdig für eine Weltauswahl» wie den FC Bayern.

Özil hatte am Sonntag in der Erdogan-Affäre sein monatelanges Schweigen gebrochen und war nach 92 Länderspielen aus dem DFB-Team zurückgetreten. Der 29-Jährige holte dabei zu einem Rundumschlag gegen seine Kritiker, die Medien und den Deutschen Fussball-Bund (DFB), insbesondere gegen Präsident Reinhard Grindel aus. Er kritisierte «Rassismus und fehlenden Respekt». Grindel unterstellte er «Inkompetenz.»

Fussball

(SZ)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dennis Ball am 24.07.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Klartext

    Aber das mögen die meisten nicht. Über 85% hätten dafür abgestimmt dass beide nicht mehr spielen sollen.

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  • Lisa am 24.07.2018 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit schmerzt

    Bin kein Fan von Hoeness, doch da hat er vollkommen recht.

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  • Dennis Ball am 24.07.2018 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Uli

    der einzige der Klartext redet. Uli für Merkel :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kebab am 24.07.2018 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wusste nicht, dass es

    in der Schweiz so vile Kojoten gibt! Die haben sich weder einmal satt fressen können.

  • Daisy am 24.07.2018 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wahres Gesicht

    Öffentlich zu sagen, U.H. sei eine Schande für Bayern und Deutschland, ist eine Ehrverletzung sondergleichen und genau an dieser Aussage erkennt man die wahre Gesinnung von Özil & friends. Ihr Abgang ist somit für niemand ein Verlust, schon gar nicht für DE.

  • Shputim Swisskosovar am 24.07.2018 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gross

    Özil ist ein grosser Mann und Erdogan ist noch grösser. Bravo an beide, zeigt den Adler.

  • Rosi am 24.07.2018 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    woher der Wind weht

    Spitzensportler sind wie Spitzenmanager oder Spitzenpolitiker nur eines: Opportunisten. Man stellt seine Fahne in den - meist finanziellen - Wind, der gerade am heftigsten weht. Würde beispielsweise Botswana diesen Leuten das beste Angebot machen, würde die Anzahl (Doppel-)Bürger von Botswana erheblich anwachsen. Das Söldnerwesen gibts eben nicht nur im Militärischen.

  • Fleur am 24.07.2018 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er gehört zu Erdogan

    Hat aber lange gebraucht der Hr. Oszillator, bis er gemerkt hat, wie böse die Deutschen sind oder war der Grund sein sinkender Stern?

    • Gähner am 24.07.2018 14:04 Report Diesen Beitrag melden

      Fade

      Inhaber eines deutschen Passes würden auch nie im Leben Döner essen. Auf keinen Fall. Aber immer schön die Allgemeinplätze raushauen, Hauptsache es gibt Daumen nach oben.

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