Bundesliga

07. Oktober 2018 13:31; Akt: 07.10.2018 15:18 Print

Jetzt streikt bei den Bayern auch noch der Kopf

von Ueli Kägi - Es brennt nach vier Spielen ohne Sieg. Darf Niko Kovac Trainer bleiben?

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Gerade waren es noch die Jubel-Bayern. Jetzt sind es die Krisen-Bayern. Und schon wird darüber debattiert, wie lange Niko Kovac noch Trainer sein darf.

Im Sommer ist der 46-Jährige aus Frankfurt nach München gekommen. Die ersten sechs Wettbewerbsspiele unter ihm lief es bestens: Sieg im DFB-Pokal, vier Siege in der Bundesliga, ein Sieg in der Champions League bei Benfica Lissabon.

Dann aber kam das 1:1 gegen Augsburg zu Hause. Dann das 0:2 bei Hertha. Dann das 1:1 gegen Ajax – wieder in München. Und nun am Samstagabend im nächsten Heimspiel das 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach. Es brennt in München jetzt schon ziemlich lichterloh. Sportdirektor Hasan Salihamidzic sagte nach der Partie. «Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je so ein Heimspiel gesehen habe. Wir waren nicht gut, haben schlecht gespielt, keinen Druck entwickeln können, wir haben uns keine Torchancen herausgespielt.»

Diese Analyse klingt nicht gut für die Mannschaft. Und sie klingt vor allem nicht gut für den Coach. Vor einem Jahr entliessen die Bayern ihren Trainer Carlo Ancelotti Ende September und damit so früh wie noch nie in ihrer Geschichte. Dem Italiener waren ein Unentschieden und eine Niederlage in der Bundesliga sowie ein 0:2 in der Champions League bei PSG zum Verhängnis geworden. Die Bayern hatten damals drei Punkte Rückstand auf Bundesliga-Leader Dortmund, nach Ancelottis Entlassung hoben sie mit Heynckes wieder ab und distanzierten die nationale Konkurrenz.

Die Spieler kritisieren sich

Jetzt liegen die Münchner vier Punkte hinter den ständig siegenden Dortmundern. Und es sind nicht nur die Resultate, die ihnen Sorgen bereiten. «Es ist nicht so, dass wir Chancen versemmelt haben. Wir hatten einfach keine», sagte Nationalspieler Joshua Kimmich im Anschluss an die Gladbach-Partie. Und Mats Hummels urteilte: «Wir halten uns mit zu vielen Spielern in völlig ungefährlichen Räumen auf. Kovac ist auch jemand, der das theoretisch ein bisschen anders sehen möchte.»

Die Spielweise stimmt also nicht. Die individuellen Leistungen genügen auch nicht. Vielleicht sind die Spieler im Kader auch gar nicht so gut, wie viele glauben. Die Zeit von Ribéry (35) und Robben (34) läuft ab, Müller trifft nicht mehr wie früher, Zuzug Goretzka prägt wenig, die Defensive ist nicht stilsicher.

Kovac sah gegen Gladbach «wieder das, was in den letzten Wochen auch passiert ist, wir erhalten Gegentore wegen individueller Fehler». 0:2 lagen die Bayern schon nach 16 Minuten zurück. Kovac sagt: «Danach hatten wir nicht mehr die Sicherheit. Dann fängt der Kopf an nachzudenken, dann fängt er an zu streiken.» So sieht das auch Nationalgoalie Manuel Neuer: «Wenn du immer wieder einen mitbekommst, ist es schwierig, mit einer gewissen Leichtigkeit weiter zu spielen.»

«Ich weiss, dass die Zeit bei Bayern anders läuft»

Die Bayern sind in der Krise. Geht es Kovac nun wie Ancelotti? «Die ersten sieben Spiele hatte ich absolute Rückendeckung. Ich gehe davon aus, dass es weiter so ist», bemerkte Kovac nach dem Match. Er sagte aber auch: «Ich weiss, dass ich beim FC Bayern bin und die Zeit hier anders läuft.»

Der Trainer wirkt mit seiner zurückhaltenden Kommunikation in diesen Tagen häufiger ratlos als krisenfest. Ob sich deshalb die Clubchefs Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge schon für eine Trennung aussprechen, darf trotzdem bezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist, dass sie den Trainer stützen. Zumindest bis auf Weiteres. Jetzt ist knapp zwei Wochen Nationalmannschaftspause, danach spielen die Bayern in Wolfsburg.

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