Runder Tisch in der Kritik

31. August 2011 11:58; Akt: 31.08.2011 12:36 Print

Kantone wollen Kampf gegen Chaoten anführen

von Lukas Mäder - Der Runde Tisch zu den Hooligans trifft sich am Donnerstag. Dabei steht seine Zukunft zur Diskussion. Die Fussballvertreter könnten bald nichts mehr zu sagen haben.

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Am Anfang der öffentlichen Debatte um Hooliganismus in der Schweiz stand die sogenannte Fans stürmten nach der Niederlage des FC Basel gegen den FC Zürich in der Finalissima das Spielfeld. Es kam zu einem Im Hinblick auf die Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz berief der Bund einen Runden Tisch ein. Im Bild ein in Genf für allfällige Hooligans. führte den Runden Tisch, an dem alle Beteiligten vertreten waren, weiter. Im Bild empfängt Maurer 2010 Captain Alex Frei und die Nationalmannschaft im Bundeshaus. Kritiker werfen Maurer vor, und zu wenig Wille für eine politische Lösung aufzubringen. Das Bild zeigt Maurer im Juni 2011 in Dänemark zusammen mit Peter Gillieron (M) vom Fussballverband und Uefa-Präsident Michel Platini (l.). Doch das Hauptproblem des Runden Tisches sind seine fehlenden Kompetenzen. Entscheide waren nur möglich mit Einwilligung aller Beteiligten - was längst nicht mehr der Fall ist. Am 1. September 2011 gab Maurer bekannt, . Da die meisten Kompetenzen im Bereich Hooliganismus bei den Kantonen liegen, kam mit dem Ende des Runden Tisches der (KKJPD) eine Schlüsselrolle zu. Im April 2010 präsentiert die damalige KKJPD-Präsidentin Karin Keller-Sutter in Bern ein Massnahmenpaket gegen Gewalt an Sportanlässen. Die FDP-Politikerin Keller-Sutter ist ein gegen gewalttätige Fussballfans. Auf Seiten der Fans hat sie sich zu einer Hassfigur entwickelt. Keller-Sutter stand seit November 2010 als Präsidentin der KKJPD und St. Galler Justizdirektorin im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Mit dem Niederlegen der Ämter 2012 nach ihrer Wahl zur Ständerätin dürfte dies ändern. Konkret mit den Fussball-Hooligans beschäftigen müssen sich die Ihr Verband unterstützt schärfere Massnahmen. Gleichzeitig funktionieren auf lokaler Ebene die Beziehungen zu Clubs und Fanarbeiter oft gut. Auf dem Bild sind FCZ-Fans auf dem Weg zum Bahnhof Wankdorf. Stark betroffen vom Hooliganismus sind auch die die mit Extrazügen Fans befördern müssen. Die Bundesbahnen wollen, dass die Clubs für die Schäden ihrer Fans aufkommen und die Extrazüge chartern müssen. Mit YB haben sie seit August 2011 eine freiwillige Vereinbarung, die dem Club die Verantwortung für die Ordnung in den Extrazügen übergibt. Im Bild SBB-CEO Andreas Meyer im Februar 2010. Unterstützung erhalten die SBB vom Dessen Direktor Peter Füglistaler lässt eine Gesetzesänderung ausarbeiten, damit die Clubs für Schäden in die Pflicht genommen werden können. Laut dem heute gültigen Transportgesetz müssen die SBB alle Personen transportieren, die einen gültigen Fahrausweis besitzen. Lange zurückhaltend gaben sich der So argumentierte SFL-Präsident Thomas Grimm Ende noch Ende 2010, man können einen Club auch nicht für einen Überfall verantwortlich machen, nur weil der Räuber ein Shirt des Clubs getragen habe. Inzwischen arbeitet der Verband aber an einem bei dem Gästefans von Fanarbeitern und nicht von maskierten Polizisten mit Schlagstöcken empfangen werden. Grimm (l.) mit SFV-Präsident Peter Gillieron an der Nacht des Fussballs im August 2009 in Bern. Sehr unterschiedlich ist das Engagement der Während einige insbesondere in der Prävention aktiv sind, sind andere dem Vernehmen nach nicht an einer Lösung interessiert. FCZ-Präsident Ancilo Canepa (l.) und GC-CEO Marcel Meier im Juli 2011 in Zürich. Eine eigentliche Funktion zwischen den Fronten nehmen die ein. So ist manchmal von einer anwaltschaftlichen Beziehung zu den Fans die Rede. Während sie das Vertrauen der Fans brauchen und oft finanziell vom Club abhängig sind, brauchen sie einen guten Draht zu den Sicherheitskräften und den SBB. Urs Frieden (vorne links), Vorstandsmitglied der Fanarbeit Bern, am FCB-Umzug durch die Berner Innenstadt im Juli 2011. Der wohl wichtigste Akteur beim Thema Hooligans sind schliesslich die die meist in Gruppierungen organisiert sind. Obwohl nur eine Minderheit gewaltbereit ist, findet eine Solidarisierung statt. Feuerwehrleute vor YB-Fans in Collombey-Muraz, Oktober 2010. Insbesondere beispielsweise auch die Hooligan-Datenbank des Bundes, sind die Fangruppen geschlossen. Ebenso lehnen sie das Pyro-Verbot in den Stadien ab. Fans des FC Luzern im Mai 2010 in Bern.

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Schon lange herrscht im Kampf gegen den Hooliganismus keine Einigkeit mehr. Die Positionen von Kantonen, Städten und SBB liegen zu weit weg von jenen des Fussballverband, der Fussballliga sowie der Klubs. Wenn sich der Runde Tisch gegen Gewalt im Sport am Donnerstag, 1. September trifft, könnte es das letzte Mal sein, wie mehrere Medien berichten. Konkret hat die Kantonale Justizdirektorenkonferenz KKJPD die Frage auf die Traktandenliste setzen lassen, ob beziehungsweise in welcher Form der Runde Tisch weitergeführt werden soll. Das bestätigt KKJPD-Generalsekretär Roger Schneeberger gegenüber 20 Minuten Online: «Wir haben den Wunsch, eine Standortbestimmung vorzunehmen.»

Dabei stehe nicht die Abschaffung des Runden Tisches im Zentrum, betont Hans-Jürg Käser, Berner Sicherheitsdirektor und Vizepräsident der KKJPD. «Wir haben den Eindruck, dass das Gremium neu aufgestellt werden muss.» Dabei müsse zur Diskussion gestellt werden, wer am Runden Tisch vertreten ist, wer ihn leitet und welche Ziele erreicht werden sollen. «Wir wollen den Runden Tisch so umbauen, dass er lösungsorientiert arbeiten kann.» Diese Absicht hatte KKJPD-Präsidentin Karin Keller-Sutter bereits Anfang Juli gegenüber 20 Minuten Online geäussert. Selbst der Koordinator des Runden Tisches, Pius Valier von der St. Galler Stadtpolizei, sagte damals, dass man den Runden Tisch in Frage stellen muss, wenn nicht alle am gleichen Strick ziehen. Denn das Gremium besitzt gar keine eigenen Kompetenzen.

Mit Fancard Zeit verloren

Dass es mit der Einigkeit am Runden Tisch nicht weit her ist, lässt sich schon länger erkennen. Nachdem er im Januar 2010 noch einen «verbindlichen Massnahmenplan» verabschiedet hatte, sind die Fronten inzwischen verhärtet. Dass ein Kompromiss kaum mehr möglich ist, zeigt sich bei der Frage eines Kontrollsystems für die Fans. Dort ist keine einvernehmliche Lösung in Sicht. Anfangs wollten die Kantone auf Biometrie setzen, liessen dann aber von der Idee ab, als die Fussballliga zusammen mit den Klubs eine Fancard erarbeiten wollte. Nachdem sie für 200 000 Franken ein Projekt erarbeitet hatten, kam es nicht zur Umsetzung. Offiziell schreckten die Sportverbände vor zu hohen Kosten zurück. Böse Zungen sprechen von Angst vor den Fans.

Nun haben die Kantone zusammen mit weiteren Vertretern der öffentlichen Hand das Heft selbst in die Hand genommen. Vor knapp zwei Wochen beschlossen die kantonalen Justizdirektoren, das interkantonale Konkordat zu Gewalt im Sport anzupassen und so eine Bewilligungspflicht für Fussballspiele und insbesondere das Kombiticket einzuführen. Diese Anpassungen sind bereits beschlossen. Der Runde Tisch wird darüber nur noch informiert. Die Änderungen des Konkordats, einer Vereinbarung zwischen den Kantonen, sollen laut Käser bereits im ersten Halbjahr 2012 in die kantonalen Parlamente kommen. Danach wären auch Referenden möglich, so dass die gesetzlichen Anpassungen demokratisch legitimiert sind.

Gremium bei den Kantonen ansiedeln

Mit diesem selbständigen Vorgehen machen die Kantone klar, wie sie sich eine allfällige Zukunft des Runden Tisches vorstellen: unter ihrer Leitung. «Das Gremium muss neu aufgestellt und dort angesiedelt werden, wo die Verantwortung liegt», sagt Käser. Dies sei im Sicherheitsbereich bei den Kantonen. Wie der neue Runde Tisch aussehen könnte, hat die KKJPD bereits am 19. August aufgezeigt. Offiziell zur Vorbereitung des Runden Tisches trafen sich Vertreter der Kantone, Städte, der SBB sowie des Bundesamts für Polizei (Fedpol). Dieser verkleinerte Runde Tisch war sich einig über neue Massnahmen, insbesondere über die Bewilligungspflicht, Charterzüge und das Kombi-Ticket.

Sollte dieser neue Runde Tisch der öffentlichen Hand unter Führung der KKJPD künftig den Lead übernehmen, dürfte der Bund nichts dagegenhaben. Zwar hatte das Sportdepartement VBS ihn im Vorfeld der Euro 2008 ins Leben gerufen. Doch wie es von verschiedener Seite heisst, hat der aktuelle Departementsvorsteher Ueli Maurer das Problem der fehlenden Kompetenzen erkannt. Ihm käme eine Auflösung des Gremiums nicht ungelegen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andreas Frei am 31.08.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Geld weg, Interesse der Medien weg...

    Lösungen könnte es schon geben, aber nicht gratis. Beispiel: Sofortiger Spielabbruch bzw. Forfait bei Randalen oder wenn Pyros gezündet werden. Dann verliert der Klub viel Geld. Aus Geldgründen hat er dann Interesse an der Sicherheit von Spielen. Kommt hinzu, dass dann die Medien auch kein Interesse mehr haben, wenn jedes zweite Spiel nicht planmässig stattfindet und damit fliesst wieder weniger Geld in die Verbandstasche, dann hätte auch dieser Interesse an einer "echten" Lösung des Problems!

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  • Max Müller am 31.08.2011 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Herr Käser und Company

    Und wie geht man in Zukunft mit den Links-Autonomen um? Alle sprechen nur von den bösen "Hooligans"! Wie gehen sie am 1.Mai mit den Links-Autonomen vor? Ach ja, dass ist ja politische Angelegenheit, da will man sich ja die Finger in der Kuscheljustiz nicht verbrennen, vielleicht wird man ja irgendwan noch in einem Gremium gewählt und verliert somit die Anerkennung!!! Einfach nur peinlich!

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  • Jeannine Streit am 31.08.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Staatsfeind Nr. 1 = Fussballfans

    Alle, die ein Fussballspiel schauen gehen, werden als Staatsfeind nr. 1 behandelt. Stimmt, habe ganz vergessen, wir haben ja keine Probleme mit anderen leuten. ausserdem, statistisch gesehen passiert unterdessen viel weniger bei fussballspielen, wie an anderen Anlässen.schonmal daran gedacht, dass es sich um ein Gesellschaftsproblem handelt und nicht ein sezenebezogenes problem!?würden sich die medien nicht so auf das thema einschiessen... tja

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Annika am 01.09.2011 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Fussball verbieten

    Mh war das nicht früher schon so? Oder hat es sich in den letzten Jahren verschlimmert??? Das nächste Verbot wird wohl sein: Fussbald ist illegal!! IN der Verbotsgesellschaft Nr. 1, würde das wahrscheinlich nicht mal ein Aufstand geben.... traurig

  • Jacky M. am 31.08.2011 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung bei den Kantonen?

    Ich bin eher der Meinung, die Verantwortung liegt bei den Fussball-Vereinen und dem Verband. Diese sollten endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und die Zeche (die Schäden) zahlen. Denn: erst wenn's weh tut, tut sich auch was!

  • Martin am 31.08.2011 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wird nicht viel bringen

    Das Resultat wird sein, dass die anständigen Fans: sprich 99% wieder unter den beschlossenen Massnahmen leiden werden und die gewalttätigen Chaoten (nichts Hooligans) einfach an einem anderen Ort randalieren und sich ins Fäustchen lachen.

  • Marcel Bohl am 31.08.2011 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Fussball/Fans

    Entweder die Fans, oder den Fussball abschaffen! Beides zusammen verträgt sich offensichtlich nicht!

  • Jeannine Streit am 31.08.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Staatsfeind Nr. 1 = Fussballfans

    Alle, die ein Fussballspiel schauen gehen, werden als Staatsfeind nr. 1 behandelt. Stimmt, habe ganz vergessen, wir haben ja keine Probleme mit anderen leuten. ausserdem, statistisch gesehen passiert unterdessen viel weniger bei fussballspielen, wie an anderen Anlässen.schonmal daran gedacht, dass es sich um ein Gesellschaftsproblem handelt und nicht ein sezenebezogenes problem!?würden sich die medien nicht so auf das thema einschiessen... tja

    • Fritzli Bühler am 01.09.2011 10:31 Report Diesen Beitrag melden

      Kommentar zensieren?-Diesmal bitte nicht

      Super Kommentar Jeannine! Aber das kannst du gleich vergessen, dass die Medien die "Hooligang" oder Chaoten mehr oder weniger aus den Berichterstattungen verschwinden lassen. Wie wird denn dann Wahlkampf betrieben?

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