Aufstiegsspiele

08. Juni 2011 12:00; Akt: 08.06.2011 12:21 Print

Kehrt Zellweger in die AFG-Arena zurück?

von Reto Fehr - Marc Zellweger ist für viele St.-Gallen-Fans noch immer Kult. Der Verteidiger kämpft mit seinem SC Brühl um den Aufstieg in die Challenge League – und um Duelle mit dem FCSG.

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Die Nummer 17 von Fussballgott Marc Zellweger wird beim FC St. Gallen nicht mehr vergeben. Vielleicht kehrt Zelli bald als Gegner in die AFG-Arena zurück.

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Selten wurde ein Spieler von Anhängern seines ehemaligen Klubs so verehrt wie Marc Zellweger von den St.-Galler-Fans. Über 14 Jahre trug er zwischen 1994 und 2010 das Shirt der Ostschweizer, 2000 wurde Zellweger mit dem Verein Meister. Doch im letzten Sommer erhielt der Kult-Verteidiger keinen Vertrag mehr. Zellweger wechselte in die 1. Liga zum Aufsteiger SC Brühl. Viele Fans folgten «Zelli» und sorgen unter anderem dafür, dass der Erstligist in der dritthöchsten Liga einen Zuschauerschnitt von über 1000 Matchbesuchern erreicht. In der fussballbegeisterten Ostschweiz ist dies nicht nur Zellweger zu verdanken. Aber der «Fussballgott» gilt als Zugpferd und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Das ist eine schöne Anerkennung. Es bedeutet auch eine Wertschätzung für das, was ich bei St. Gallen geleistet habe.»

Jetzt, rund ein Jahr nach dem Wechsel, klopft der SC Brühl überraschend an die Türe zur Challenge League. Trainer Erik Regtop – auch er mit einer Vergangenheit bei den Espen - sagt: «Anfang Saison lagen unsere Aufstiegschancen als Liganeuling wohl bei 0,01 Prozent – jetzt sind es 50 Prozent.» Heute Abend in Lausanne und am Samstag im Heimspiel kämpft Brühl gegen den ES FC Malley in einem Hin- und Rückspiel um die Promotion. Grossen Anteil daran hat Zellweger. Im «Halbfinale» gegen Breitenrain traf er zum vorentscheidenden 1:0. «Es war ein Freistoss, der Goalie half gütig mit», erinnert sich Zelli lachend. Toreschiessen ist für den Ex-Profi nicht die Hauptaufgabe: «Ich spiele in der Innenverteidigung. Die Tore sollen andere machen.» Die Aufstiegschancen mag er nicht einschätzen, dafür kennt er den Gegner zu wenig. Er sagt aber: «Alles ist möglich.» Der Kronen-Klub würde das Abenteuer Challenge League mit einem kleinen Budget wagen. Den besten Fussball wird man beim SC Brühl dann kaum sehen, aber sicher die beste Bratwurst essen können.

Zellweger gegen seinen Arbeitgeber?

Im Erfolgsfall winken in der neuen Saison zwei Spiele gegen den grossen Erzrivalen FC St. Gallen. Nur gut neun Kilometer trennen die hypermoderne AFG-Arena und das altehrwürdige Paul-Grüninger-Stadion im Zentrum St. Gallens, wo es für viele Ur-St.-Galler noch so etwas wie «Espenmoos-Feeling» gibt. Ein Meisterschaftsderby zwischen zwei der ältesten Schweizer Fussballklubs wäre etwas, was zumindest die Ostschweiz elektrisieren würde. In der aktuellen Saison gabs zwei «Müsterli» gegen die U21 St. Gallens. Vize-Präsident Richard Zöllig erinnert sich: «Die Stimmung war hervorragend. Gut 1800 Fans kamen.» Ein Duell gegen die erste Mannschaft käme wohl einem Stadtfest gleich. Vor gut 40 Jahren war dies das letzte Mal der Fall. Damals kickten beide Teams in der Nationalliga B. Und Brühl – das soll hier mal erwähnt werden – ist nicht ein namenloser Quartierverein, sondern spielte lange Jahre in den obersten Spielklassen, gehört zu den Top 30 der ewigen Schweizer Tabelle und war 1914/15 Meister.

Bei so einer Ausgangslage müssen mögliche Duelle mit St. Gallen ein grosses Thema beim Kronen-Klub sein. «Im Umfeld mehr als im Verein», meint Zöllig und Zellweger sagt: «Es ist ein Thema in der Mannschaft. Viele Spieler sind aus der Region und verfolgen die Entwicklung von St. Gallen hautnah mit.» Da dürfte er vor allem sich selbst meinen. Zwei Tage die Woche arbeitet Zelli auf der Geschäftsstelle des FCSG und kennt viele Spieler der Profimannschaft. Fallen da auch schon mal Sprüche zum möglichen Duell? «Nein. Nach dem Abstieg sind die Spieler in die Ferien gegangen. Ich habe sie nicht mehr gesehen. Die Relegation ist extrem schade.»

Zellwegers Zukunft ungewiss

Trotzdem: Ein Stadtderby, es wäre neben dem zwischen GC und dem FCZ das zweite im Schweizer Spitzenfussball in der nächsten Saison, muss doch ein gewaltiger Ansporn sein. Würde der 37-Jährige dann nochmals seine Karriere verlängern mit der Rückkehr in die AFG-Arena als Highlight? «Ich spiele immer noch gerne Fussball, habe zum Glück keine körperlichen Beschwerden und grossen Spass mit dieser Mannschaft. Ob ich weitermache, sehen wir nach der Saison. Dann werden wir uns zusammensetzen und schauen, ob es Sinn macht. Vom Aufstieg ist dies nicht abhängig.»

Doch wie erwähnt: Erst muss die Hürde Malley übersprungen werden. Beim Hinspiel heute Abend werden wohl ca. 70 Brühl-Fans mitreisen, wie Vize-Präsident und Medienchef Zöllig sagt. Die grosse Fete steigt dann beim Rückspiel. Im Halbfinal gegen Breitenrain sorgten 2400 Fans im Paul-Grüninger-Stadion für den (vorläufigen) Saisonrekord. Man muss kein Prophet sein: Am Samstag wird diese Zahl überboten. Zöllig meint nur: «Wir wollen beim Rückspiel sowieso festen. Entweder, weils einfach eine super Saison war oder dann, weil wir den Aufstieg realisiert haben.» Im zweiten Fall werden zudem viele schon vom grossen Bruderduell in der AFG-Arena träumen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Müller, Ungarn am 27.09.2010 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Brühl, Brühl nur du Allein!

    In der Zeitung "Sport", vor ca. 45 Jahren, war dieser Titel zu lesen. Der FCSG spielte damals in der 1. Liga (!) , der SCB in der NLB und avisierte den Austieg in die NLA an. Leider blieb dies ein Traum weil Richi Dürr und Konsorten den Verein verliessen. Wenn der FCSG Pleite geht, ist es gut möglich, dass es wieder zu den berüchtigten Stadtmatches kommt (vor 12'000 Fans) oder Brühl eine Klasse höher spielt. Das wäre Super, da würde ich selbst den weiten Weg ins Paul-Grüninger-Stadion nicht scheuen!

  • hamax am 27.09.2010 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Zelli

    Nicht nur Zelli war beim grossen Bruder. Auch Trainer Regtop war beim FCSG. Dieser wird Brühl wohl eine Liga höher führen. Plauderer Forte den grossen Bruder eine Liga tiefer. So schliesst sich der Kreis.

  • Päddi am 08.06.2011 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Neues Rezept für FCSG

    Anstatt einen Alten Schuh zu holen, würde FCSG lieber einmal die neuen Schuhe ausprobieren. Ich würde sagen die Jungen spieler haben viel mehr den Drang sich zu beweisen als die Älteren. Frischer Wind würde auch FCSG gut tun.

Die neusten Leser-Kommentare

  • denk-mal am 13.06.2011 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    so stimmt

    FCSG und Brühl sind endlich in der richtigen Liga

  • Sven Schrecklich am 11.06.2011 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Sieg!

    Yeeeepie!!!! Geschafft und Brühl ist oben vor über 3'500 Zuschaueren!!! Da staunt der Rest der Schweiz!

  • st.galler am 11.06.2011 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Aufstieg

    Brühl ist Aufgestiegen! Das wird tolle Derby's geben!!

  • coco am 11.06.2011 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Genf

    ALLEZ Etoile Carouge & SC Brühl !!!

  • Mad Hose am 11.06.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    FC BADEN

    Der FC Baden spielt heute übrigens auch um den Aufstieg gegen Carouge. FCB olé!

    • gianni t am 11.06.2011 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      Hopp Bade!

      es git nur ein FCB!!!!! Hopp Bade!!!!!

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